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Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal

Title: Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 30 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jan Tilman Günther (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert:
Das Hermannsdenkmal

1. Einleitung

„Er hat die Stadt zum Erben eingesetzt“, erklärte Doktor Scheffelweis wichtig. „Wahrscheinlich bauen wir von dem Geld ein Säuglingsheim.“
„Bauen Sie?“ Diederich feixte verachtungsvoll. „Einen nationaleren Zweck können sie sich wohl nicht denken?“
Heinrich Mann: Der Untertan (1916)
Das 19. Jahrhundert war ein „Jahrhundert der Denkmäler“, nicht nur in Deutschland. Denkmäler galten allgemein als Medien politischer Inhalte, die dauerhaft und öffentlich transportiert werden sollten. Denkmäler beschwören kulturelle und politische Inhalte aus einer mythischen Vergangenheit, schreiben die symbolischen Sinnzusammenhänge in die Gegenwart fort und haben den Anspruch, auch noch in die fernere Zukunft zu wirken. Insbesondere nach 1871 setzte eine regelrechte „Denkmalwuth“ ein, die im Sinne des nation buildings die innere Einheit des jungen deutschen Kaiserreichs symbolisch vorantreiben sollte. „Nationen sind geistige Wesen, Gemeinschaften, die existieren, solange sie in den Köpfen und Herzen der Menschen sind, und die erlöschen, wenn sie nicht mehr gedacht und gewollt werden [...]“ (Schulze 1994, 110). Analog zur Nation gilt für die nationalpolitischen Denkmäler: Die Integration gelingt nur soweit, wie sich die Staatssubjekte freiwillig der Idee anschließen. Die hierbei wirksamen Mechanismen von Inklusion und Ausschluss lassen sich an den Denkmälern selbst, stärker jedoch an der überlieferten Rezeption und Deutung der Zeitgenossen analysieren. Hier liegt der Interessenschwerpunkt der jüngeren Forschung. In welcher Weise werden Mythen gedeutet und in symbolische Politik umgewandelt, welcher soziale Raum wird durch die Denkmäler geschaffen, welche Nation konstituiert sich in welcher Weise? Diese Fragestellung soll auch die vorliegende Arbeit leiten, der Schwerpunkt liegt deshalb auf der politischen Öffentlichkeit, die sich in den Denkmalsfesten entfaltete sowie auf der Rezeption in der Presse. Außerdem soll die Finanzierung untersucht werden, eine Analyseebene, die Reinhard Ahlings in seinem umfangreichen Werk „Monument und Nation“ als „Indiz für die tatsächliche Relevanz eines Projektes“ (Ahlings 1996, 19) anführt.
Ahlings erweitert die Typologie der Nationaldenkmäler, die Thomas Nipperdey in seinem für die Denkmalforschung grundlegender Aufsatz „Nationalidee und Nationaldenkmal im 19. Jahrhundert“ von 1968 entwickelt hat. Nipperdey entwirft fünf Idealtypen der polit. Denkmäler
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nationalpolitische Denkmäler im 19. Jahrhundert

2.1 Denkmäler bis 1871

2.2 Denkmäler im Deutschen Kaiserreich 1871 – 1914

2.2.1 Reichsgründungs- und Kaiserdenkmäler

2.2.2 Bismarck-Denkmäler

3. Das Hermannsdenkmal

3.1 Die Subskriptionsbewegung

3.2 Das Hermannsdenkmal in der Öffentlichkeit

3.2.1 Das Fest zur Schließung des Grundsteingewölbes 1841

3.2.2 Das Fest zur Fertigstellung 1875

3.2.3 Die 1900-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Wald 1909

4. Schlussbetrachtungen

5. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle politischer Denkmäler im 19. Jahrhundert am Beispiel des Hermannsdenkmals. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche Vorstellungen von Nation sich in diesem Denkmal widerspiegelten, wie sich die Rezeption des Hermannsmythos in verschiedenen politischen Phasen wandelte und durch welche Mechanismen der Inklusion und Exklusion eine nationale Identität konstruiert wurde.

  • Entwicklung und Typologie politischer Denkmäler im 19. Jahrhundert.
  • Die Finanzierung und Bedeutung der bürgerlichen Subskriptionsbewegung.
  • Die Rolle der politischen Öffentlichkeit bei Denkmalsfesten und der Rezeption in der Presse.
  • Der Wandel des Hermannsmythos von liberal-demokratischen Ansätzen zum völkischen Nationalismus.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Das Fest zur Schließung des Grundsteingewölbes 1841

Das Fest zur Schließung des Grundsteingewölbes am 8. September 1841 war ein liberales, vormärzliches Nationalfest. Obwohl die Bauarbeiten am Hermannsdenkmal bereits 1838 begonnen wurden, beging der Verein für das Hermannsdenkmal das Grundsteinfest erst drei Jahre später. Das Zögern begründete sich in der Befürchtung einer Störung der öffentlichen Ordnung, man befürchtete „einen dem Hambacher ähnlichen Zusammenlauf“ (Ernst von Bandel, Erinnerungen zitiert nach: Tacke 1995, 209). Ernst von Bandel selbst jedoch setzte sich für das Fest ein und erreichte das Einverständnis des preußischen Königs und des Fürsten zu Lippe. Keinem der Beteiligten war daran gelegen, in Opposition zur Monarchie zu treten, vielmehr wurde das Fest in Absprache und Kooperation geplant und durchgeführt.

Im Grundstein wurden zahlreiche Einlagen eingeschlossen, die sowohl nationale wie auch partikularstaatliche Bedeutungen hatten. Gedenkmünzen und –tafeln, Bilder und statistische Nachrichten sowie zwei Flaschen Rheinwasser und Rheinwein. Auf den Einlagen waren Namen und Regierungsdaten aller regierenden deutschen Fürsten verewigt, vor allem aber die des lippischen Fürstenhauses, mit Wappen und Stammtafel. Hinter dieser Sammlung von Einsendungen aus verschiedenen Teilen Deutschlands steht „ein Bekenntnis zur nationalen Einheit, das diffus an Traditionen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation anknüpfte und eine föderale Struktur in einer nicht weiter konkretisierten Form, in einer „Einheit von Fürsten und Volk“ anstrebte“ (Tacke 1995, 210).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert Denkmäler als Medien politischer Inhalte und stellt die Forschungsfrage nach der Konstituierung der Nation durch den Hermannsmythos.

2. Nationalpolitische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den Denkmalbau im „langen Jahrhundert“ und klassifiziert verschiedene Denkmaltypen.

2.1 Denkmäler bis 1871: Hier wird der Wandel vom absolutistischen Denkmalmonopol hin zur bürgerlichen Kulturnation und den Denkmälern der Befreiungskriege beschrieben.

2.2 Denkmäler im Deutschen Kaiserreich 1871 – 1914: Dieses Kapitel thematisiert die „Statuomanie“ nach der Reichsgründung und den Wandel der Symbolik hin zu preußisch-dynastischen Vorstellungen.

2.2.1 Reichsgründungs- und Kaiserdenkmäler: Analyse der staatlich initiierten Denkmäler als Symbole der Macht und der Loyalität gegenüber der Monarchie.

2.2.2 Bismarck-Denkmäler: Untersuchung der populären Bewegung nach 1890, die den „Eisernen Kanzler“ als mythische Identifikationsfigur stilisierte.

3. Das Hermannsdenkmal: Das Kapitel führt das Hermannsdenkmal als zentrale Fallstudie ein, um den Wandel nationaler Mythen zwischen 1819 und 1914 zu verdeutlichen.

3.1 Die Subskriptionsbewegung: Analyse der Finanzierung durch das Bürgertum und der sozialen Struktur der Spendensammlungen als Spiegel der Gesellschaft.

3.2 Das Hermannsdenkmal in der Öffentlichkeit: Erläuterung der Bedeutung von Festen und Presseberichten für die politische Aufladung des Denkmals.

3.2.1 Das Fest zur Schließung des Grundsteingewölbes 1841: Beschreibung dieses liberalen Nationalfestes und seiner Bedeutung im Vormärz.

3.2.2 Das Fest zur Fertigstellung 1875: Analyse der Einweihung im Kontext der Reichsgründung und der preußisch-protestantischen Deutung.

3.2.3 Die 1900-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Wald 1909: Darstellung des Übergangs zu einem völkischen, regional geprägten Fest.

4. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Wandelbarkeit politischer Mythen und der eingeschränkten Wirkungsmacht von Denkmälern.

5. Literatur: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Hermannsdenkmal, 19. Jahrhundert, Nationaldenkmal, Nationalmythos, Arminius, Reichsgründung, Deutsche Kulturnation, Subskriptionsbewegung, politische Öffentlichkeit, Bismarck-Denkmäler, Denkmalfest, Sozialgeschichte, Symbolik, Identitätsstiftung, Geschichtspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung politischer Denkmäler im 19. Jahrhundert in Deutschland anhand des Hermannsdenkmal als Fallbeispiel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Wandelbarkeit politischer Mythen, die Rolle bürgerlicher Vereine bei der Finanzierung, die Bedeutung von Denkmalsfesten für die Öffentlichkeit und die politische Instrumentalisierung von Denkmälern.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Denkmäler als Medien politischer Inhalte fungierten, welche Mechanismen der gesellschaftlichen Integration und Exklusion sie nutzten und wie sich ihre Bedeutung in wechselnden politischen Epochen veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die Rezeptionsgeschichte, Denkmalsvereine, Festkultur und Presseberichte auswertet, um die politische Symbolik und gesellschaftliche Wirkung einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Typologie politischer Denkmäler und eine detaillierte Fallstudie des Hermannsdenkmals, inklusive seiner Finanzierung und der drei bedeutenden Denkmalsfeste (1841, 1875, 1909).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Hermannsdenkmal, Nationalmythos, 19. Jahrhundert, Denkmalkult, politische Öffentlichkeit, Identitätsstiftung und Reichsgründung.

Warum war das Fest zur Grundsteinlegung 1841 so wichtig für den Vormärz?

Es wird als liberales, bürgerliches Nationalfest interpretiert, das trotz des Zögerns der Initiatoren aufgrund befürchteter staatlicher Repressionen ein Bekenntnis zur nationalen Einheit unter Einbeziehung des Volkes darstellte.

Wie änderte sich die Bedeutung des Hermannsdenkmals nach 1875?

Nach der Reichsgründung 1871 wurde der Hermannsmythos zunehmend mit der kleindeutschen, preußisch-protestantischen Reichsnation identifiziert, während die frühere liberal-demokratische Lesart in den Hintergrund trat.

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Details

Title
Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal
College
Free University of Berlin  (Friedrich Meinecke Institut für Geschichte)
Course
Neue Blicke auf das 19. Jahrhundert. Deutschland in Europa
Grade
1,3
Author
Jan Tilman Günther (Author)
Publication Year
2002
Pages
30
Catalog Number
V16346
ISBN (eBook)
9783638212281
ISBN (Book)
9783640856404
Language
German
Tags
Politische Denkmäler Jahrhundert Hermannsdenkmal Neue Blicke Jahrhundert Deutschland Europa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Tilman Günther (Author), 2002, Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16346
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