Grammatik und Grammatikvermittlung

Welche Übungen sind sinnvoll?


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Uben aus kognitions- und lempsychologischer Sicht
2.1. Begriffserklarung
2.2. Lerninteraktion in Lernaufgabe

3. Prinzipien erfolgreichen Ubens

4. Ubungsformen und Ubungstypen
4.1. Ubungsformen
4.2. Ubungstypen
4.3. Beispiele ausLehrwerken

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis
6.1. Bibliographie
6.2. Ubungsgrammatiken und Lehrwerke
6.3. Webographie

1. Einleitung

Ubungen sind ein wichtiger und fester Bestandteil im Fremdsprachenunterricht. Dabei konnen diese in den Unterricht eingebaut oder als Hausaufgabe aufgegeben werden. Mundliche oder schriftliche Ubungen dienen der gezielten Verfugbarmachung neu eingefuhrter Strukturen in Hinblick auf Aussprache, Verwendung von Lexik und Grammatik. Die ,,Lernintensitat wird vor allem durch die gezielte und kontinuierliche Arbeit an Ubungen und Aufgaben hergestellt. Ihrer Auswahl kommt schon in der Planungsphase eine grofie Bedeutung zu.ul Dabei kann man sich durchaus die Frage stellen, welche Ubungen fur Lerner sinnvoll sind.

Diese Arbeit versucht eine Antwort auf diese Frage zu stellen. Zunachst wird auf das Uben aus kognitions- und lernpsychologischer Sicht eingegangen, wobei die Begriffe des Ubens, Lernens und der Kognition erklart und die Lerninteraktion in Lernaufgaben analysiert werden. Danach werden die wichtigsten Prinzipien erfolgreichen Ubens ausfuhrlich erlautert. Im darauf folgenden Kapitel wird auf die drei bekannten Ubungsformen (geschlossen, halb offen und offen) und auf die zehn Ubungstypen nach Klippel eingegangen. Im letzten Kapitel folgen dann Auszuge aus Lehrwerken, die beispielhaft kurz Ubungsform und Ubungstyp des jeweiligen Auszugs ansprechen. In der Schlussbetrachtung wird versucht, eine Antwort auf die anfangs gestellte Frage zu geben.1

2. Uben aus kognitions- und lernpsychologischer Sicht

2.1. Begriffserklarung

Bevor auf das Uben in kognitions- und lernpsychologischer Sicht eingegangen wird, werden die Begriffe Uben, Lernen und Kognition voneinander abgegrenzt, wobei es bei den drei Begriffen zu Uberschneidungen kommt.

Uben: ,,Uben bezieht sich auf Lernaktivitaten, die dann einsetzen, wenn ein anfanglicher Erwerb von Wissen schon erfolgt ist.“2

Lernen: Lernen ist ein Prozess, der zu relativ dauerhaften Veranderungen des

Verhaltens und Erlebens bzw. zu neuen Verhaltens- und Erlebnisweisen fuhren. Durch Lernen erwerben wir viele Kompetenzen: Wissen, Rechnen, Schwimmen,

Fremdsprachen.3

Kognition: Der Begriff Kognition wird in den psychologischen Wissenschaften in Verbindung gebracht mit Verstehen, Wissen, Kenntnisse, mit Fahigkeiten des Wahrnehmens, Lernens, Denkens, Urteilens und verbale Fahigkeiten.4

Was konnen wir von diesen Begriffen auf den Fremdsprachenunterricht ubertragen? Vor allem Aufmerksamkeit, Gedachtnis und Automatisierung werden als drei kognitive Konstituenten des fremdsprachigen Lernens beschrieben. ,,Insbesondere im Hinblick auf Grammatik wird explizit oder implizit davon ausgegangen, dass die Automatisierung der sprachlichen Regularitaten das wichtigste Ziel des Unterrichts ist“5, auch wenn es nicht im Mittelpunkt des FSU stehen sollte, da es laut Renkel nicht darum gehen sollte Fertigkeiten zu routinisieren, sondern darum, ihr Anwendungspotenzial zu erhohen. Uben zur Automatisierung bewirkt ,,zwar oft eine Bewaltigung von Routineaufgaben, inwiefem Lemende aber das, was sie machen, verstanden haben, ist zweitrangig oder gar unerheblich.“6

2.2. Lerninteraktionen in Lernaufgaben

Borner hat eine Abbildung zum Thema Lerninteraktion in Lernaufgaben in seinem Aufsatz publiziert, die darstellen soil, welche Faktoren in einer Aufgabe gegeben sein sollen, damit der Lernprozess hundertprozentig gelingt.

Viele Lerninteraktionen sind wichtig, um zur Losung einer Lernaufgabe zu kommen. Und eine Lernaufgabe ist dann besonders geeignet, wenn sie alle Faktoren miteinander verknupfen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten7

Bevor die Interaktionsmoglichkeiten dargestellt werden, sollte der Begriff der Lernaufgabe geklart und definiert werden.

Lernaufgabe:

Die Lemaufgabe setzt zu einem bestimmten Punkt ein, wenn die Lemenden durch die Lehrperson genugend Informationen erhalten haben, um die Aufgabe selbst zu bewaltigen. Die Lemaufgabe dient der Ausbildung von Fertigkeiten, sie ist geeignet zum Uben und Festigen und zur Leistungsuberprufung. Sie nicht geeignet zum Lernen von etwas Neuem.8

Folgende Aspekte sind zur Losung einer solchen Lernaufgabe wichtig.

Lernervariablen:

Zu den Lernervariablen, die als allgemein-kognitive sowie affektive Eigenschaften des Lernens beschrieben werden, zahlen zum einen subjektive Theorien, zum anderen Motivationsfaktoren.

Subjektive Theorien sind verfestigte Denkstrukturen, das heiBt „Alltagstheorien, uber die jeder Mensch verfugt und auf deren Grundlage er sein Handeln weitgehend gestaltet, es sind personliche Uberzeugungen, deren Gultigkeit unterstellt wird und die bei der Beurteilung der Personen, Situationen u. a. mit einfliefien, ohne dass eine kritische Analyse erfolgt.“9 Subjektive Theorien fuhren oft zum „Schubladendenken“ und beeinflussen unbewusst Verhalten, Leistung und Motivation.

Zu den Motivationsfaktoren zahlen Selbstvertrauen, Interesse und Erfolgsaussichten. Dabei kann der Lerner intrinsisch oder extrinsisch motiviert sein.

Im Grammatikerwerb geht es darum, die kognitiven und motivationellen Faktoren zu verknupfen.

Lernprozesse10

Lernprozesse finden zwischen dem Lerner und verschiedenen Interaktionspartnern statt: mit der Lernaufgabe, mit dem eigenen Wissen, mit dem Lernpartner und mit diversen Hilfsmitteln.

-> Interaktion mit der Lernaufgabe durch Verstehen von Input:
Hierbei soil der Lemer Bedeutungen aus dem Kontext erraten, Regularitaten erkennen, grammatische Strukturen aus dem Kontext erschliefien (z.B. Tempuswahl) und Chunks analysieren konnen.
-> Interaktion mit dem eigenen Wissen (=Vertiefen, Festigen, Systematisieren)
Der Lerner soll Hypothesen bilden und anwenden konnen. Er kann bekannte Regeln anwenden, Uberlegungen vom impliziten ins explizite Wissen machen, verschiedene Teillosungen in Regeln verknupfen konnen, eigene Kenntnislucken feststellen und Regelkomplexe oder Formentabellen abrufen konnen.
-> Interaktion mit dem Lernpartner
Bei der Zusammenarbeit mit einem Partner kann sich jeder mit dem anderen vergleichen, Aspekte des anderen ubernehmen oder zuruckweisen. Zusammen konnen die Lernpartner Hypothesen aufstellen und diskutieren, Begrundungen suchen undjeder kann Hinweise auf eigene Kenntnislucken feststellen.
-> Interaktion mit Hilfsmitteln
Zu ihnen gehoren Lehrwerke, Worterbucher und Grammatiken. Die Lerner erkennen ihre Probleme selbst und konnen grammatische Formen und Regeln sowie unbekannte Worter nachschlagen.
-> Interaktion mit dem Lehrer
Das Lehrerfeedback ist ein wichtiger Bestandteil wahrend des Ubens und nach der Losung einer Aufgabe.

3. Prinzipien erfolgreichen Ubens

Generell kann man festhalten, dass im Unterricht, sei es in der Schule oder in der Erwachsenenbildung, die Prinzipien der Stufung, Passung und Abwechslung immer gelten und diese auch eingehalten werden sollten, da sie die Ubungsbereitschaft steigern. ,,Ubungsbereitschaft entsteht bei den Schulern vor allem durch eine motivierende und fur sie sinnvolle Gestaltung von Ubungen. Durch lieblos und langatmig gestaltete Ubungen und Ubungssequenzen kann sie aber blitzschnell zerstort werden11

Stufung:

Bei der Stufung geht es darum, dass eine Progression stattfinden sollte. Hierbei kann es sich um eine Steigerung von leichten Aufgaben zu schweren Aufgaben, von einfachen zu komplexeren Aufgaben, von geschlossenen zu offenen Aufgaben.12

Passung:

Unter Passung versteht man das Angleichen an das Niveau der Lerner. Angepasst werden sollte das Lernniveau, das Sprachniveau, das Thema und die Leistungsfahigkeit. Ubung soll den Lerner motivieren und an dessen Vorwissen anknupfen.13

Abwechslung:

Unter Abwechslung versteht man das ,,standige Variieren von Ubungszielen, Ubungstatigkeiten, Ubungsmaterialen und Sozialformen.“14 Die Ubungen werden allen Lernertypen gerecht und fordern damit die Motivation.

Klippel fasst auBerdem weitere Prinzipien erfolgreichen Ubens im

Fremdsprachenunterricht zusammen, die im Folgenden kurz erklart werden sollen.

Zielgerechte Planung:

Die Ubung soil das angestrebte Ziel tatsachlich unterstutzen und auch dafur geeignet sein. Die Ubung soil fur die zu uberprufende Kompetenz geeignet sein. Daruber hinaus sollte das zu Ubende zuvor gelernt und verstanden worden sein

Lernergerechte Planung:

Die Ubung soll entsprechend Leistungsfahigkeit, Arbeitstechniken, Vorwissen und Motivationslage der Lernenden gestaltet sein. Dabei durfen und sollen die Ubungen an die Erfahrungswelt und Realitat der Lernenden sowie Bedeutung fur die Lernenden anknupfen.

Ganz wichtig hierbei ist auch die Herausforderung statt der Unter- oder Uberforderung. Verteiltes Uben:

Das regelmaBige Uben eines grammatischen Phanomens in zunehmenden zeitlichen Abstanden ist lerneffektiver als das einmalige massive Uben. Deshalb ist das regelmaBige Wiederholen wichtig, was zur Festigung fuhrt.

Feedback und Evaluation:

Die Lehrperson hat die Aufgabe Ruckmeldung an die Lernenden uber deren Ubungserfolg zu geben. Aber auch der Lerner muss Ruckmeldung an die Lehrperson uber ihre Probleme und Interessen an den Ubungen geben. Daruber hinaus muss der Lernende auch die Moglichkeit der Selbstevaluation haben. Dies kann durch Fragebogen, Kompetenzraster oder Lerntagebucher.

Daniela Caspari halt an drei weiteren Prinzipien fest, die fur das fremdsprachliche Uben von groBer Bedeutung sind: die Autonomieforderung, die Kreativitatsforderung und den Korpereinsatz.15 Bei der Autonomieforderung geht es darum, dass die Lerner tieferes Aufgabenverstandnis sowie Metakognition durch das eigene Gestalten von Ubungen entwickeln und Verantwortung fur eigene Lernprozesse ubernehmen. Mit Kreativitatsforderung meint Caspari das Verbinden verschiedener Fertigkeiten, die das Sprachbewusstsein, die Sprechflussigkeit und Flexibilitat starkt. Auch der Korpereinsatz ist von groBer Bedeutung im Unterricht, da er zu den 80% der nichtsprachlichen Kommunikation gehort (Vgl. Eisbergmodell).

[...]


1 Leupold, E.: Franzosischunterricht planen, durchfuhren, beurteilen. S.7l.

2 Renkel, A.: Automatisierung allein reicht nicht aus. Uben aus kognitionspsychologischer Perspektive. S. 16.

3 Vgl. Metz-Gockel, H.: Kognitionspsychologie. Vorlesungsskript. Universitat Dortmund. https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/2950/1/AllgemeinePsvchologie1.pdf. S.9.

4 Vgl. Wolff, D.: Kognitionen und Emotionen im Fremdsprachenerwerb. S. 89.

5 Scheller, J: Grammatik, Kognition und Imagination. www.zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13- 2/beitrag/Scheller.Lhtm

6 Renkel, A. S. 17.

7 Borner, W.: Lernprozesse in grammatischen Lernaufgaben. S. 252.

8 Vgl. www.zif.spz.tu-darmstadt.de/ig- 13-2/beitrag/Scheller.l.htm

9 Sarter, H.: Einfuhrung in die Fremdsprachendidaktik. S. 67.

10 Vgl zu diesem Abschnitt: Borner, W.

11 Nieweler, A: FachdidaktikFranzosisch-Tradition-Innovation-Praxis. S.253.

12 Vgl. Klippel,F: SystematischesUben. S.335.

13 Vgl. Ebenda. S.335.

14 Ebenda. S.335.

15 Vgl. Caspari, D.: Fantasie und Kreativitat. Prinzipien fur das fremdsprachliche Uben. S. 146f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Grammatik und Grammatikvermittlung
Untertitel
Welche Übungen sind sinnvoll?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
PS II: Grammatik und Grammatikvermittlung
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V163564
ISBN (eBook)
9783640779529
ISBN (Buch)
9783640779642
Dateigröße
4481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatik, Grammatikvermittlung, Welche
Arbeit zitieren
Lisa Helfer (Autor), 2010, Grammatik und Grammatikvermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163564

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