Wie können sich öffentlich- rechtliche Landesbanken in der Zukunft noch effizient refinanzieren? Die zentrale Fragestellung, die die vorliegende Arbeit in diesem Zusammenhang zum einen umfangreich untersuchen und zum anderen zu klären versuchen wird, ist jene der optimalen Refinanzierung einer Landesbank. Die Zielstellung hierbei ist, dem Leser einen Eindruck zu vermitteln, welche Möglichkeiten einer Landesbank zur alternativen Finanzierung, neben dem Einlagengeschäft, in Form von gedeckten und ungedeckten Schuldverschreibungen gegenwärtig zur Verfügung stehen. Vordergründig wird auf die Ausgestaltungsmöglichkeiten dieser Refinanzierungsformen, deren individuelle Wirkungsweise sowie auf ihre spezifischen Risiken eingegangen.
Da sich vor allem in Zeiten von unsicheren Märkten sowie vorherrschendem Misstrauen am Interbankenmarkt die Refinanzierungsproblematik verschärft und somit ständig effiziente Lösungsansätze sondiert werden müssen, dient die Fokussierung auf die andauernde Aktualität dieser Thematik als Unterziel der vorliegenden Ausarbeitung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Problem- und Zielstellung
1.2 Gang der Arbeit
1.3 Methodik
2. Traditionelle Formen der Mittelbeschaffung der Kreditinstitute im Allgemeinen
2.1 Beschaffung von kurzfristigen Mitteln am Geldmarkt
2.2 Beschaffung von langfristigen Mitteln am Kapitalmarkt
2.2.1 Funktion des Kapitalmarktes
2.2.2 Kapitalarten
2.2.2.1 Eigenkapital – eine kurze Einführung
2.2.2.2 Fremdkapital – ein kleiner Überblick
2.3 Refinanzierung mittels Einlagen
3. Die Refinanzierung über besicherte Schuldverschreibungen
3.1 Der Pfandbrief – als Beispiel eines Mortgage Covered Bonds (MCB)
3.1.1 Von der Historie des deutschen Pfandbriefes bis zur Gegenwart
3.1.2 Besondere Formen von Pfandbriefen
3.1.3 Die Risiken von Pfandbriefen
3.2 Mortgage Backed Securities (MBS) – als spezielle Form der Asset Backed Securities (ABS)
3.2.1 Die begriffliche Einordnung der MBS und deren Charakterisierung
3.2.2 Die verschiedenen Varianten und Verbriefungsformen von MBS
3.2.3 Die Risiken von MBS und deren Absicherung über Credit Enhancement
3.3 Der Einfluss des Wegfalls der Gewährträgerhaftung auf die Refinanzierung einer öffentlich- rechtlichen Landesbank mittels gedeckter Schuldverschreibungen
4. Mortgage Covered Bonds und Mortgage Backed Securities im Vergleich
4.1 Die Emittenten am Markt für gedeckte Schuldverschreibungen
4.2 Die Transaktionskosten bei der Emission eines deutschen Pfandbriefes bzw. einer deutschen MBS
4.3 Die Sicherheit von gedeckten Schuldverschreibungen und die Folgen für die Emittenten
4.4 Die Eignung von gedeckten Schuldverschreibungen zur Deckung von Finanzierungsbedürfnissen - Zusammenfassung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten einer effizienten Refinanzierung für öffentlich-rechtliche Landesbanken (LB) vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen wie dem Wegfall der Gewährträgerhaftung. Ziel ist es, neben dem klassischen Passivgeschäft alternative Finanzierungsinstrumente wie gedeckte (Pfandbriefe) und ungedeckte Schuldverschreibungen sowie Mortgage Backed Securities (MBS) hinsichtlich ihrer Ausgestaltung, Risiken und Eignung kritisch zu bewerten.
- Analyse traditioneller Mittelbeschaffung am Geld- und Kapitalmarkt.
- Vergleich von Pfandbriefen und Mortgage Backed Securities als Refinanzierungsinstrumente.
- Untersuchung der Auswirkungen des Wegfalls der Gewährträgerhaftung auf Landesbanken.
- Bewertung von Risikotransfer-Instrumenten und Credit Enhancement-Techniken.
- Kosten-Nutzen-Analyse und Eignungsprüfung für die Refinanzierungspraxis der Landesbanken.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Von der Historie des deutschen Pfandbriefes bis zur Gegenwart
Der Pfandbrief, als eines der ältesten mittel- bis langfristigen Refinanzierungsinstrumente am Kapitalmarkt, zählt zu den gedeckten Schuldverschreibungen (MCB), welche grundpfandrechtlich (z.B. durch Grundschulden oder äquivalente Collaterals) gesichert sind. Somit ist die Rückzahlung dieser Wertpapiere durch den direkten Zugriff auf die benannten Sicherheiten durch die Gläubiger auch dann gewährleistet, wenn der Emittent seinen Verpflichtungen (Zins- und Amortisationszahlung) nicht vollends nachkommt. Die Sicherheit eines deutschen Pfandbriefs ist folglich vergleichbar mit einer bonitätsstarken Staatsanleihe.
Eine solche Verbindung aus einer Schuldverschreibung und einer Hypothek entstand bereits im 18. Jahrhundert, da zu jener Zeit das Vertrauen in das Papiergeld kurz nach seiner Einführung zunehmend schwand, so dass der Pfandbrief für die Bürger eine sinnvolle Alternative darstellte. Zugleich litten Preußen und der Landadel nach dem siebenjährigen Krieg unter enormer Geldnot. Um hieraus Abhilfe zu schaffen, wurden 1770 die sog. „schlesischen Landschaften“ als erste öffentlich- rechtliche Realkreditinstitute gegründet, bei denen es sich um Zusammenschlüsse von preußischen Rittergutsbesitzern handelte. Den Mitgliedern einer solchen Landschaft war es gewährt günstige Bodenkredite aufzunehmen. Hierbei erhielten sie den Kredit allerdings nicht in Geldform, sondern lediglich als „landschaftlichen Pfandbrief“, in welchem das beliehene Gut benannt wurde. Der Gutsbesitzer konnte erst durch die Weiterveräußerung des Wertpapiers zu „baarer Kasse“ gelangen. Für die Sicherheit jener Güterpfandbriefe garantierte zum einen das in der Urkunde benannte Gut, als auch die zur Landschaft gehörenden Grundbesitzer als dingliche Schuldner. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die rechtliche Veränderung des Pfandbriefs von einem Güterpfandbrief zu einer Schuldverschreibung. Die heutige enge Verbindung von LB und Pfandbriefen ist ebenso auf den Zeitraum ab 1765 zurückzuführen, da der Gründungsbeginn der ersten öffentlichen Banken auf jene Zeit datiert wird. Jene Vorläuferinstitute der heutigen LB begaben bereits Schuldverschreibungen zur Finanzierung ihrer Realkredite.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Refinanzierung von Landesbanken und Erläuterung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. Traditionelle Formen der Mittelbeschaffung der Kreditinstitute im Allgemeinen: Analyse der grundlegenden Refinanzierungsmöglichkeiten über den Geld- und Kapitalmarkt sowie die Abgrenzung von Einlagenarten.
3. Die Refinanzierung über besicherte Schuldverschreibungen: Detaillierte Betrachtung des Pfandbriefs und der Mortgage Backed Securities inklusive deren Historie, Risikoprofilen und Absicherungsmöglichkeiten.
4. Mortgage Covered Bonds und Mortgage Backed Securities im Vergleich: Gegenüberstellung beider Instrumente hinsichtlich Emittentenstruktur, Transaktionskosten, Sicherheit und Eignung für Landesbanken.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Komplementarität von Pfandbriefen und MBS sowie Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Instrumente für Landesbanken.
Schlüsselwörter
Landesbanken, Pfandbrief, Mortgage Backed Securities, Refinanzierung, Gewährträgerhaftung, Kapitalmarkt, Geldmarkt, Credit Enhancement, Risiko, Asset Backed Securities, Bilanzstruktur, Liquidität, Finanzmarktkrise, Verbriefung, Hypothekendarlehen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die effizienten Möglichkeiten der Mittelbeschaffung für öffentlich-rechtliche Landesbanken, insbesondere im Hinblick auf den Wegfall der Gewährträgerhaftung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Mittelbeschaffung über Geld- und Kapitalmärkte, dem Vergleich zwischen Pfandbriefen und Mortgage Backed Securities sowie der Untersuchung von Risiken und Kosten bei Verbriefungstransaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Refinanzierungsinstrumente Landesbanken zur Verfügung stehen, um die durch den Wegfall der Staatsgarantien entstandene Finanzierungslücke zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt eine deduktive Vorgehensweise, bei der generelle Ergebnisse der Kreditwirtschaft auf die spezifische Refinanzierungsproblematik der Landesbanken übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Mittelbeschaffung, eine detaillierte Analyse von Pfandbriefen und MBS sowie einen direkten Vergleich dieser Instrumente hinsichtlich Effizienz und Sicherheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen zählen Landesbanken, Pfandbrief, Mortgage Backed Securities (MBS), Credit Enhancement, Risiko und Refinanzierung.
Welche Rolle spielt der Wegfall der Gewährträgerhaftung?
Der Wegfall der Gewährträgerhaftung hat zu einer erhöhten Notwendigkeit geführt, effiziente und marktübliche Refinanzierungsinstrumente zu nutzen, da die implizite staatliche Garantie nicht mehr als Absicherung dient.
Warum sind MBS für deutsche Landesbanken bisher weniger verbreitet?
Aufgrund hoher Transaktionskosten, komplexer rechtlicher Anforderungen und der starken Stellung des Pfandbriefs als etabliertes, kostengünstiges Instrument wurden MBS bisher eher für den Risikotransfer als zur primären Refinanzierung genutzt.
- Citar trabajo
- Dipl.-Betriebswirtin Bianca May (Autor), 2008, Refinanzierungsmöglichkeiten einer öffentlich-rechtlichen Landesbank, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163680