Elektronische Zahlungsmittel im Online-Handel


Studienarbeit, 2009

38 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen elektronischer Zahlungssysteme
2.1 Definition
2.2 Kategorisierung von elektronischen Zahlungssystemen
2.3 Anforderungen an elektronische Zahlungssysteme
2.3.1 Sicherheit
2.3.2 Akzeptanz
2.3.3 Flexibilität
2.3.4 Kostengünstige Abwicklung

3 Marktübersicht der Zahlungsmittel im deutschen Online-Handel
3.1 Traditionelle Zahlungsmittel
3.2 E-Payment-Systeme
3.2.1 Verfahrenüber universelle Zahlungsplattformen
3.2.2 Verfahrenüber elektronische Geldbörsen
3.2.3 Wertkarten-basierte Verfahren
3.2.4 Verfahrenüber Online- Überweisung
3.2.5 Telefon-basierte Verfahren
3.2.6 Inkasso- und Billingverfahren

4 Fazit

Anhang
A.1 Umfrage zu wichtigsten Anforderungen an Zahlungsverfahren aus Händlersicht
A.2 Ablauf einer Zahlung per Nachnahme
A.3 Ablauf einer Zahlung per Lastschrift
A.4 Ablauf einer Zahlung per Kreditkarte
A.5 Umfrage zur Einsatzhäufigkeit von Zahlungsverfahren
A.6 Ablauf einer Zahlung per giropay
A.7 Umfrage zur Sicherheit von Zahlungsverfahren aus Verbrauchersicht
A.8 Umfrage zur Beliebtheit von Zahlungsverfahren bei Kunden aus Händlersicht
A.9 Umfrage zur Bewertung der Gebühren der Zahlungsverfahren aus Händlersicht
A.10 Umfrage zur Bewertung des Bearbeitungsaufwands der Zahlungsverfahren aus Händlersicht

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kategorisierung von Zahlungsmitteln

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispielrechnung: Auslandsüberweisung mit PayPal und herkömmlich .

Tabelle 2: Anforderungserfüllung der diversen Zahlungsmittel

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der Online-Handel in Deutschland boomt.

Nach Zahlen des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels stieg der dortige Umsatz in 2008 um 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2007 auf rund 19,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Online-Käufer hat sich im gleichen Zeitraum von 29,37 auf 31,44 Millionen erhöht (vgl. [Scha08, 14]). Derartige wirtschaftliche Dimensionen sowie ein ungenügendes Angebot an Zahlungsverfahren als eine der häufigsten Ursachen für den Abbruch von Online-Käufen stellen die Bedeutsamkeit der Ge- staltung von Bezahlvorgängen im Online-Handel klar heraus (vgl. [Sta+08, 72]). Doch gerade im Bereich der zugrundeliegenden Zahlungssysteme zeigt sich eine komplizierte Landschaft - geprägt von einer Reihe unterschiedlicher Ansätze, einer Vielzahl von Systemanbietern sowie undurchsichtigen Kriterien, die bei der Bewer- tung der Alternativen anzusetzen sind. Nachvollziehbar erscheint da der von NEUHAUS getätigte Ausspruch: „Wie der Taxonom vor den Organismen steht der Paymentforscher vor den Bezahlsystemen.“ [Neuh06]

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit elektronischen Zahlungsmitteln auseinander. Dabei stehen die auf dem deutschen Markt vertretenen Zahlungsarten bzw.

-systeme im Mittelpunkt der Untersuchungen. Der begrenzte Umfang dieser Arbeit erlaubt jedoch nur eine eingeschränkte Betrachtungsweise, ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dementsprechend nicht erhoben.

Im Anschluss an die Einleitung folgt in Kapitel 2 nach einer Definition von elektroni- schen Zahlungssystemen zunächst deren Kategorisierung, um dann abschließend auf die wichtigsten an die Systeme gestellten Anforderungen einzugehen. Nach der Vermittlung dieser Grundlagen wird in Kapitel 3 auf Basis der zuvor vorgenommenen Systematisierung und unter Berücksichtigung der erläuterten An- forderungen eine Marktübersicht der Zahlungsmittel im deutschen Online-Handel gegeben.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit, welches die einzelnen Untersuchungsergebnisse noch einmal zusammenfasst.

2 Grundlagen elektronischer Zahlungssysteme

2.1 Definition

Ein elektronisches Zahlungssystem umfasst die Menge der Technologien, Verfahren, Systeme und Organisationsstrukturen, die erforderlich ist, damit Unternehmen und Individuen auf elektronischem Wege Zahlungen abwickeln können (vgl. [Pein02, 117]). Im Unterschied zu traditionellen Zahlungsmitteln ist die Existenz von elektronischen Zahlungssystemen eng mit der Entwicklung des Electronic Commerce (E-Commerce) verknüpft (vgl. [Sta+08, 82]).1

2.2 Kategorisierung von elektronischen Zahlungssystemen

Die Vielfalt der elektronischen Zahlungssysteme im deutschen Online-Handel er- schwert die Bestandsaufnahme wie auch den Vergleich der Systeme. Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, soll an dieser Stelle daher eine Ordnung der Systemvielfalt in Kategorien erfolgen. In der Literatur herrschen diesbezüglich je- doch unterschiedliche Ansätze vor. So werden häufig die Höhe2 (vgl. [Koll09, 238; Domb08, 16f.; Fritz04, 212f.; DaUl04, 31ff.]) oder der Zeitpunkt3 der Zahlung (vgl. [Koll09, 237f.; Domb, 16f.; LaSt06, 59f.; DaUl04, 30f.]) als Unterscheidungskriterien aufgeführt. Insbesondere letztere Alternative der Differenzierung wird dabei jedoch von BREITSCHAFT et al. als unzureichend zurückgewiesen. Nach Aussage der Autoren könne beispielsweise bei Mobiltelefon-basierten Zahlverfahren4 vorab keine eindeutige Aussage darüber getroffen werden, in welche Kategorie eine Zahlung einzuordnen ist. Schließlich sei dies von dem jeweilig vorliegenden Mobilfunkvertrag abhängig, da bei Abrechnung über Prepaid-Mobilfunkkarten eine „ pay before “- Konstellation vorläge und im Falle des nachträglichen Begleichens einer monatli- chen Mobilfunkrechnung von „ pay later “ zu sprechen wäre (vgl. [Bre+05, 5]).

Ein transparentes Schema lässt sich jedoch aus den diversen Auffassungen in der Literatur konstruieren. Demnach kann - in Anbetracht der vielfach so vorgenommenen Differenzierung - in traditionelle und von selbigen abgeleitete Zahlungsmittel im Online-Handel unterschieden werden (vgl. [Neuh06, 98; Bre+05, 6]). Unter traditionellen Zahlungsmitteln werden dabei jene aus dem OfflineGeschäft der Vergangenheit bereits bekannten Bezahlverfahren verstanden. Dazu zählen Kreditkarten- und Geldbörsenzahlung, Überweisung sowie Lastschrifteinzug (vgl. [Heng04, o.S.]).5 Diese Alternativen ermöglichen jeweils einen Umgang mit Bargeld, Buchgeld oder E-Geld (vgl. [Bre+05, 7]).

Die auch unter Electronic Payment (E-Payment)6 subsummierten abgeleiteten Zah- lungsmittel binden oftmals mehrere traditionelle Zahlungsarten ein (vgl. [Neuh06, 98]). Sie können wiederum in mehrere Verfahren, welche jeweils einen eigenen An- satz verfolgen, untergliedert werden. Eine Übersicht über diese E-Payment-Systeme (EPS)7 wie auch über die zuvor angesprochenen traditionellen Zahlungsmittel bietet Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kategorisierung von Zahlungsmitteln8

2.3 Anforderungen an elektronische Zahlungssysteme

2.3.1 Sicherheit

Die Sicherheit wird von WIRTZ als die wichtigste Anforderung an Zahlungssysteme erachtet, weil „[…] die sichere Transferierung von Kundendaten als einer der sensibelsten Bereiche des E-Business gilt.“ [Wirt01, 615] Verifizierbar sei die Sicherheit eines Zahlungssystems, so WIRTZ weiter, anhand der Kriterien Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität (vgl. [Wirt01, 615]).

Folglich soll stets sichergestellt sein, dass übermittelte Zahlungsinformationen weder abgehört noch verändert oder missbraucht werden (vgl. [Domb08, 24]). FRITZ betont diesbezüglich zudem die erforderliche eindeutige Identifikation der Vertragspartner, die damit einhergehend eine Beteiligung an dem Bestell- und Bezahlvorgang nicht abstreiten können, sowie den Ausschluss der Kenntnisnahme von der Transaktion durch Dritte (vgl. [Fritz04, 213]).

Aus technischer Sicht muss zwar die Nichtabstreitbarkeit einer Transaktion zwin- gend gegeben sein, davon abstrahierend ist die Gewährleistung von Anonymität aus Kundensicht jedoch erstrebenswert. Auch wenn Kundeninformationen für die Rück- verfolgbarkeit im Schadensfall vorliegen müssen, so sollten diese doch entspre- chend vertraulich behandelt werden. Keine an einer jeweiligen Transaktion beteiligte Partei sollte in der Lage sein, ein vollständiges Kundenprofil zu erstellen (vgl. [DaUl04, 54]).

Für den Händler steht wiederum die Erzielung von größtmöglicher Zahlungssicherheit im Vordergrund (vgl. [Olde03, 199f.]).

2.3.2 Akzeptanz

Die Akzeptanz eines Zahlungssystems ist ein kritischer Erfolgsfaktor im Internet- Zahlungsverkehr. Nach Angaben von Online-Shopbetreibern in einer Studie der ibi Research GmbH ist aus ihrer Sicht eine hohe Kundenakzeptanz die wichtigste An- forderung an ein Zahlungssystem, noch vor einem schnellen Zahlungseingang und geringen für den Systemeinsatz anfallenden Kosten (vgl. [Sta+07, 24]).9 Im Zuge von Netzeffekten bedingen sich die Verbreitung eines Verfahrens im Online-Handel sowie die Akzeptanz des jeweiligen Verfahrens auf Kundenseite jedoch gegenseitig. Schließlich können Kunden ein Zahlungsmittel im Internet nur verwenden, wenn dies von den Händlern auch angeboten wird. Demgegenüber füh- ren Online-Shops ein Zahlungsverfahren erst ein, wenn selbiges von den Kunden auch bereits in großer Anzahl angenommen worden ist (vgl. [Koll09, 240f.]).

DOMBRET fasst diesen Sachverhalt als „ Henne-Ei-Problem “ zusammen (vgl. [Domb08, 26]).

Ein angemessenes Maß an Benutzerfreundlichkeit trägt zu einer größeren Akzep- tanz eines Zahlungssystems, insbesondere auf Kundenseite, bei. Hier steht vor allem eine einfache Handhabung für den Kunden im Vordergrund. So sollen Zahlungsmittel möglichst sowohl ohne spezielle Vorkenntnisse als auch ohne die zusätzliche Installation von Hard- oder Software nutzbar sein. Ferner ist eine über- sichtliche und ohne Medienbrüche vorzunehmende Bedienung erstrebenswert. Doch nicht nur bei der Zahlungsabwicklung, auch im Hinblick auf Funktionalitäten, Gebühren und technische Kommunikationsabläufe werden Transparenzanforderun- gen gestellt. DANNENBERG und ULRICH begründen dies damit, dass folglich Risiken und Haftungsregelungen für Nutzer im Vorfeld abschätzbar seien.

Auf Händlerseite ergibt sich Benutzerfreundlichkeit eines Zahlungssystems durch die einfache Integration des Systems in ein Online-Shopsystem (vgl. [DaUl04, 57f.]).

2.3.3 Flexibilität

Zahlungssysteme sollten nicht nur auf ein bestimmtes Einsatzgebiet beschränkt sein, sondern flexibel für möglichst viele Zwecke verwendbar sein. So sollte bei- spielsweise die Höhe des zu zahlenden Betrages keinen Einfluss auf die Wahl eines bestimmten Zahlungssystems haben. Vielmehr ist es wünschenswert, dass ein ein- ziges System das gesamte Zahlungsspektrum bei einem Einkauf abzudecken vermag.

Weiterhin drückt sich anzustrebende Flexibilität darin aus, dass Geld an beliebige Marktteilnehmer transferiert werden kann und somit auch eine Kunde-zu-Kunde- Zahlung durchführbar ist (vgl. [Illi02, 185f.]).

Generell erachten DANNENBERG und ULRICH diesbezüglich auch eine Unterstützung von grenzüberschreitenden Zahlungen sowie die Möglichkeit der parallelen Nutzung eines Zahlungsmittels sowohl im Online- als auch im Offline-Bereich als vorteilhaft (vgl. [DaUl04, 60ff.]).

2.3.4 Kostengünstige Abwicklung

Von allen Marktteilnehmern wird eine kostengünstige Zahlungsabwicklung im Internet gefordert (vgl. [Illi02, 186]).

Neben den bei Online-Sitzungen anfallenden Internetnutzungskosten ergeben sich für Verbraucher diesbezüglich folgende Kosten:

- Anfangsinvestitionen für den Einsatz eines Systems (beispielsweise aufgrund zusätzlich notwendiger Hard- und Software),
- monatlich oder jährlich fällige Grundgebühren, die an den Anbieter des Zahlungssystems zu entrichten sind, und
- Transaktionsgebühren, die für jede einzelne Zahlungsabwicklung erhoben werden.

Aber auch Online-Händler haben Kosten durch die Integration eines Zahlungssystems in ihr Shopkonzept zu tragen. Darunter fallen:

- Anschaffungskosten für Hard- und Software, x Integrationskosten in bestehende Systeme, x Betriebs- und Wartungskosten,
- monatliche bzw. jährliche Grundgebühren, x Transaktionsgebühren und
- Kosten des Zahlungsausfalls (vgl. [DaUl04, 58]).

Die oben aufgeführte Gegenüberstellung der Kosten von Verbrauchern und Händlern lässt bereits vermuten, dass Händler finanziell stärker von der Nutzung eines Zahlungssystems betroffen sind als Verbraucher. Dennoch ist im Zuge der im Internet durch Vergleichsdienste und Suchmaschinen gegebenen Markttransparenz ein Angebot bestimmter Zahlungsalternativen für Online-Shops existenziell. Zwar versuchen Shop-Anbieter über Bearbeitungsaufschläge Kunden an ihren Kosten zu beteiligen, in Anbetracht des intensiven Preiswettbewerbs im Online-Handel ist dies jedoch nur eingeschränkt möglich (vgl. [Domb08, 25f.]).

3 Marktübersicht der Zahlungsmittel im deutschen Online-Handel

3.1 Traditionelle Zahlungsmittel

Aus dem Versandhandel ist die Bezahlung via Rechnung, Vorkasse, Nachnahme, Lastschrift oder auch Kreditkarte bekannt (vgl. [Witt05, o.S.]).10 Doch auch im E- Commerce sind diese Bezahlverfahren weiterhin stark verbreitet. Dieser Umstand erscheint verwunderlich, da laut WITTE ein Großteil der traditionellen Zahlungsmittel den Anforderungen des E-Commerce nicht mehr gerecht wird (vgl. [Witt08, o.S.]). Und tatsächlich kann eine Vielzahl von Nachteilen, zumindest beim Einsatz von Rechnungszahlung, Vorkasse oder Nachnahme, identifiziert werden.

So fällt insbesondere der umständliche Umgang mit den Zahlungsmitteln zu Lasten der Kunden auf: Eine Überweisung, sei sie im Vorfeld im Rahmen der Vorkasse oder im Nachhinein bei einem Rechnungskauf getätigt, erfordert jeweils eine aufwändige Auseinandersetzung mit Formularen des Online-Bankings oder papierhaften Überweisungsträgern (vgl. [Sta+08, 76]).

Im Zuge der Zahlung per Nachnahme ergibt sich die Umständlichkeit für den Empfänger einer Sendung daraus, dass er selbige nur nach getätigter Bargeldzahlung erhält. Andere Möglichkeiten der Bezahlung wie eine Kartenzahlung werden von den wenigsten Zustelldiensten angeboten.

Im Gegensatz dazu bietet die Kreditkarte mehr Komfort. Sie wartet mit einem hohen Automatisierungsgrad der Abläufe auf.

Die Flexibilität traditioneller Zahlungsmittel ist zudem durch die eingeschränkte Nutzbarkeit der Zahlverfahren bei Bestellabwicklung mit Beteiligung des Auslands beschnitten. Lediglich die Kreditkarte ist international gebräuchlich und daher für solche Zwecke sehr gut geeignet (vgl. [Sta+08, 79ff.]). Sie ist nicht nur offen für den weltweiten Handel, sondern bietet auch die Möglichkeit, unmittelbar nach einem Kauf ausgelieferte Waren bzw. online erbrachte Dienstleistungen kurzerhand zu bezahlen. Überweisung, Lastschrifteinzug und Nachnahmezahlung sind diesbe- züglich stark eingeschränkt - auch weil stets ein Zeitraum von ein bis zwei Tagen zwischen Kauf und Zahlungseingang beim Empfänger liegen (vgl. [Koss07, 173]). DANNENBERG und ULRICH prangern darüber hinaus angesichts von entstehenden Kosten bei der Nutzung der Zahlungsmittel die fehlende Eignung für die Bezahlung kleinerer Beträge an: „Ob Kursinformation oder Videodatei, die herkömmlichen Zahlungsmethoden sind völlig ungeeignet, dieses Angebot kosteneffizient abzu- rechnen. Kein Content-Provider kann es sich leisten, bei Cent-Beträgen Rechnun- gen zu schreiben oder Kreditkartenzahlungen durchzuführen.“ [DaUl04, 62] Die traditionellen Zahlungssysteme versagen ihrer Meinung nach aber nicht nur bei der Micropayment-Fähigkeit, auch Kunde-zu-Kunde-Zahlungen können zum Teil nicht unterstützt werden. So ist es Privatpersonen nicht möglich, Kreditkartenzah- lungen zu akzeptieren oder Bankeinzüge durchzuführen. Lediglich Nachnahmezah- lungen oder Überweisungen verbleiben dementsprechend an Zahlungsmöglich- keiten (vgl. [DaUl04, 64]).

Allen traditionellen Zahlungsmitteln sind die mit ihrer Nutzung verbundenen hohen Kosten, zumeist ausschließlich auf Händlerseite, gemein. STAHL et al. schätzen die Kosten, die für Händler durch den Abgleich von Zahlungseingängen mit offenen Posten oder auch durch die Beauskunftung von Kunden bei Unstimmigkeiten anfallen, auf mehrere Euro je Bestellung (vgl. [Sta+08, 76]).

Während der Kunde bei der Zahlung per Nachnahme zudem die dabei anfallende Gebühr zu tragen hat (vgl. [Sta+08, 78f.]), muss der Händler im Falle einer Kreditkartenzahlung einen Geldbetrag in Abhängigkeit vom Umsatz an die Kreditkartenorganisationen entrichten. Dieser beläuft sich je nach Branche und Unternehmensgröße auf 1,5 bis 4 Prozent vom getätigten Umsatz (vgl. [Seid07, o.S.]).

Die Sicherheit der traditionellen Zahlungssysteme ist zwiespältig zu bewerten. Händler interessiert in dieser Beziehung vor allem das Risiko von Zahlungsausfäl- len. Während die Zahlung per Rechnung in 12,5 Prozent der Fälle ausbleibt, Nach- nahmezahlungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent nicht geleistet werden und Lastschrifteinzüge zu 4,8 Prozent scheitern, ist das Ausfallrisiko bei Kredit- kartenzahlungen mit 0,2 Prozent vergleichsweise sehr gering (vgl. [Lang06, 101]). Die sicherste Variante für Händler ist die Bezahlung per Vorkasse, da in diesem Szenario der Kunde das Risiko trägt, nach seiner geleisteten Zahlung vergeblich auf die bestellte Ware zu warten. Dementsprechend unbeliebt ist diese Zahlungsart bei Kunden (vgl. [Sta+08, 76]).

Zwar wird die Nachnahmezahlung in puncto Sicherheit für den Kunden oftmals gerühmt, faktisch kann in dem augenscheinlich entgegenzunehmenden Paket jedoch auch der gewünschte Inhalt fehlen. Doch das Paket kann erst nach Beglei- chen der Rechnung genauer in Augenschein genommen werden. Sollte die Prüfung dann negativ ausfallen, bleibt nur die Hoffnung, dass der Geldfluss zwischen Paketzusteller und Absender noch rechtzeitig zu stoppen ist (vgl. [Koss07, 172f.]). Auch für Verkäufer einer Ware ist die Nachnahmezahlung risikobehaftet. Bei einer Nichtabnahme der Lieferung seitens des Kunden erhält der Händler seine Ware zwar zurück, muss jedoch selbst nicht nur für Versandkosten, sondern auch für die Nachnahmegebühr aufkommen (vgl. [Sta+08, 79]).

Wie bei allen E-Payment-Verfahren hat sich die gesicherte Übertragung von Zahlungsinformationen nach dem Secure Socket Layer (SSL)-Verfahren11 auch im Zusammenhang mit dem Online-Einkauf mittels traditioneller Zahlungsmittel durch- gesetzt (vgl. [Koss07, 173]). Im Bereich der Kreditkarten sind zusätzlich Architek- turen unter Einbezug von Kreditkartenacquirern ins Leben gerufen worden, um die Existenz von Kreditkartenkonten sowie deren Belastbarkeit innerhalb weniger Momente nach Initiierung der Zahlung feststellen zu können. Secure Electronic Transfer (SET)12 als ein mögliches diesbezüglich zugrunde liegendes Verfahren bietet entsprechend für Online-Händler den Vorteil, innerhalb kürzester Zeit eine verbindliche Zahlungsbestätigung zu erhalten (vgl. [Sta+08, 79; Koll09, 239f.; Erte07, 148]).

Im Hinblick auf die Gewährleistung von Anonymität lässt sich aus der mangelnden Micropayment-Fähigkeit der traditionellen Zahlungsmittel folgern, dass mit ihnen getätigte Online-Einkäufe in vielen Fällen eine Auslieferung von physischen Waren nach sich ziehen. Allein durch diesen Umstand müssen Name und Adresse des Kunden bereits beim Händler vorliegen. Bei Zahlung mit Kreditkarte kommt hinzu, dass Kreditkartenunternehmen von allen Käufen automatisch personenbezogen unterrichtet werden (vgl. [DaUl04, 54]).

3.2 E-Payment-Systeme

3.2.1 Verfahrenüber universelle Zahlungsplattformen

Die oft auch als E-Mail-basierte Verfahren bezeichneten universellen Zahlungs- plattformen stellen Referenzkonten bereit, die fest an eine der Identifizierung die- nende E-Mail-Adresse sowie ein entsprechend geheimes Kennwort gebunden sind. Die Verbindung der Referenzkonten zu realen Bankkonten wird durch Zu- bzw. Abbuchungen auf Basis von traditionellen Zahlungsmitteln gewährleistet.

[...]


1 Siehe hierzu auch Kapitel 2.2.

2 Die Kategorisierung der Zahlungssysteme nach der Höhe der zu bezahlenden Summe wird in der Literatur uneinheitlich vorgenommen. Obwohl auch stärkere Differenzierungen vorzufinden sind, beschränkt sich ein Großteil der Autoren auf lediglich zwei alternative Einordnungsmöglichkeiten. Demnach werden „ Micropayments “ und „ Macropayments “ unterschieden, wobei der Schwellenbetrag in der Regel bei fünf Euro angesiedelt wird.

3 Die Systematisierung von Zahlungssystemen hinsichtlich des Zahlungszeitpunkts offeriert drei mögliche Kategorien. „ pay before “ stellt dabei auf eine Zahlung vor dem Lieferzeitpunkt ab, „ pay now “ bezeichnet die Zahlung zum Lieferzeitpunkt und „ pay later “ impliziert eine Zahlung entsprechend nach dem Lieferzeitpunkt.

4 Siehe hierzu Kapitel 3.2.5.

5 Siehe hierzu Kapitel 3.1.

6 E-Payment bezeichnet die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen über das Internet mittels elektronischer Zahlungssysteme.

7 Siehe hierzu Kapitel 3.2.

8 Eigene Darstellung in Anlehnung an [Bre+05, 6ff.].

9 Siehe hierzu auch die Umfrageergebnisse in Anlage A.1.

10 Auf eine Vorstellung der Zahlungsmittel wird aufgrund ihres allgemein hohen Bekanntheitsgrades an dieser Stelle verzichtet. Im Anhang finden sich jedoch in den Anlagen A.2, A.3 und A.4 schematische Übersichten zu den Prozessen, die bei Nachnahme-, Lastschriftund Kreditkartenzahlung ablaufen.

11 SSL ist ein weit verbreitetes hybrides Verschlüsselungsprotokoll zur Datenübertragung im Internet. Durch Verschlüsselungsalgorithmen und digitale Zertifikate wird Datenschutz, Integrität und Authentizität der Kommunikationspartner sichergestellt.

12 SET ist ein Sicherheitsprotokoll für den kreditkartenbasierten elektronischen Zahlungsverkehr, vornehmlich über das Internet. Über den Einsatz von digitalen Signaturen sowie Verschlüsselungsmechanismen werden Integrität, Vertraulichkeit und Verbindlichkeit der Transaktion, aber auch die Authentizität der Teilnehmer sichergestellt.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Elektronische Zahlungsmittel im Online-Handel
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
38
Katalognummer
V163686
ISBN (eBook)
9783640782918
ISBN (Buch)
9783640782864
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elektronische, Zahlungsmittel
Arbeit zitieren
Jens-Ulrich Harnitz (Autor:in), 2009, Elektronische Zahlungsmittel im Online-Handel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163686

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