Altern in Deutschland - Eine Kurzanalyse der Problematik des strukturellen Generationenwandels und dessen Auswirkungen auf die soziale Alterssicherung in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

17 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Die Institutionalisierung des Lebenslaufes im modernen Wohlfahrtsstaat – Alter als sozialstaatliche Konstruktion

2. Faktoren der Bevölkerungsentwicklung – das demographische Dilemma der Bundesrepublik
2.1 Geburtenrate
2.2 Die Entwicklung der Lebenserwartung

3. Die Alterssicherung in Deutschland – ein zukunftsfähiges Modell?
3.1 Die Auswirkungen der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung auf das Rentensystem
3.3 Generationengerechtigkeit in der sozialstaatlichen Alterssicherung
3.4 Einwirkende Faktoren auf die Entwicklung der Rentenbeiträge

4. Mögliche Handlungsoptionen
4.1 Eine veränderte Grundlage der Finanzierung – die private Kapitalanlage
4.2 Die verlängerte Arbeitszeit – Zukunftsmodell mit Hindernissen
4.3 Das vernachlässigte Frauenpotential

5. Und die Solidarität? Die solidarischen Grundlagen der Alterssicherung

Schlussbetrachtung

Angeführte Literatur

Vorwort

Die Alterung der Bevölkerung ist nicht mehr zu übersehen. Ein Blick in die Straßen zeigt, dass immer mehr alte Menschen am Gesellschaftsleben teilnehmen. Dieser Prozess ist eine der tiegreifendsten gesellschaftlichen Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts und der näheren Zukunft.

Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur wird sich gravierend auf die Sozialsysteme Deutschlands auswirken. Insbesondere die Absicherung der Rentenzahlungen steht dabei in einem besonderen Interessenschwerpunkt, da sich die zunehmende Zahl von Rentenempfängern hier am stärksten bemerkbar machen wird. Zielsetzung dieser Arbeit ist es, einen kurzen Überblick über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung und die Gestaltung von Altern in unserer Gesellschaft angesichts dieses Prozesses zu geben. Außerdem werden einige Handlungsoptionen dargestellt und deren Umsetzbarkeit analysiert. Zuvor wird jedoch „Alter“ als Konstrukt der sozialstaatlichen Instrumente interpretiert und die subjektiv wahrgenommenen Bevölkerungsverschiebungen durch empirische Untersuchungsergebnisse unterlegt.

Am Ende der Arbeit wird dann Bezug auf die solidarischen Grundlagen der Alterssicherung und deren Relevanz für die Generationenbeziehungen und die Rolle dieser Fundamente unserer Gesellschaft und in der Generationendiskussion erläutert.

1. Die Institutionalisierung des Lebenslaufes im modernen Wohlfahrtsstaat – Alter als sozialstaatliche Konstruktion

Die sich bereits seit Jahrzehnten vollziehende Veränderung der generationellen Verhältnisse in der Bundesrepublik sind Auslöser einer breiten gesellschaftspolitischen Debatte über die zukünftige Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme. Die Heftigkeit mit der die Debatte oftmals geführt wird, resultiert vor allem aus den wirtschaftlichen Abhängigkeiten, die durch die Einführung sozialstaatlicher Instrumente geschaffen wurden und die intergenerationellen Verhältnisse bis in unsere heutige Zeit prägen.

Die Institutionen des modernen Wohlfahrtsstaates lösten, zumindest materiell, die vorherrschenden familiären Generationenbeziehungen weitest gehend auf und schufen neue Generationsformen. Für die staatliche Absicherung wurde eine klare, abgegrenzte Altersstrukturierung der Bevölkerung notwendig, die den individuellen Status jedes Einzelnen im Sozialsystem anzeigt. Dadurch entstand ein institutionell vorgegebener Lebenslauf[1], der sich zwar am chronologischen Alter, nicht aber an der individuellen Leistungsfähigkeit orientiert. Das Bestimmungskriterium, welcher Generation der Einzelne angehört, ist die aktive Beteiligung am Arbeits- und Erwerbsleben oder die Abhängigkeit von sozialstaatlichen Leistungen. Die Verweildauer in einer dieser Generationen wird durch staatlich festgelegte Altersgrenzen bestimmt. Einer Generation gehört man also an, ob man will oder nicht.

Der institutionalisierte Lebenslauf geht von einer in drei Phasen gegliederten Lebenszeit aus, die durch die jeweilige gesellschaftliche Tätigkeit des Individuums determiniert werden. In dieser Gliederung wird die mittlere, herausragende Phase der Erwerbstätigkeit von der vorangehenden Bildungsphase und einer nachfolgenden Ruhestandsphase umrahmt. Die erste auf die individuelle Bildung ausgerichtete Phase wird durch eine staatlich vorgeschriebene Mindestschullaufbahn bestimmt. Die anschließende Phase der Erwerbstätigkeit stellt den Mittelpunkt des institutionalisierten Lebenslaufes dar. Auf ihr ruht sowohl die individuelle Lebensgestaltung, die von der eigenen Produktionsleistung abhängig ist, als auch die Absicherung der von sozialstaatlichen Leistungen abhängigen Gesellschaftsmitglieder. Die nachfolgende Ruhestandsphase wird unabhängig von der individuellen Leistungsfähigkeit mit Erreichen des Rentenzugangsalters eingeleitet. Während dieser Zeit wird das während der Erwerbstätigkeit erworbene Recht auf Altersabsicherung durch die jüngere, arbeitende Generation in Anspruch genommen.

Durch die Institutionalisierung des Lebenslaufes wurden Generationenverhältnisse geschaffen, die sich von der persönlichen oder kulturellen Ebene dadurch abhoben, dass die Ressourcenverteilung zwischen den Generationen durch unpersönliche und abstrakte Elemente des Sozialstaates übernommen wurde.[2] Die dadurch geschaffenen wirtschaftlichen Abhängigkeiten führen zu einer ungleichen Belastung der Generationen, insbesondere dann, wenn demographische Faktoren zu einer Veränderung in der Bevölkerungsstruktur führen.

2. Faktoren der Bevölkerungsentwicklung – das demographische Dilemma der Bundesrepublik

Das ein derartiger Wandel in der Bundesrepublik stattfindet, kann mit Hilfe demographischer Kennzahlen nachgwiesen werden, die durch die Bevölkerungswissenschaften erhoben werden. Deren zentraler Untersuchungsgegenstand ist die strukturelle Beschaffenheit eines Bevölkerungsbestandes, mögliche Veränderungen darin können durch den Vergleich von Geburten- und Sterbezahlen, sowie den Einbezug von Migrationszahlen verdeutlicht werden.[3]

2.1 Geburtenrate

Bestimmend für den Bestand einer Gesellschaft ist das zahlenmäßige Verhältnis von Geburten- und Sterbezahlen. Weiteren Einfluss können die Migrationszahlen haben, die allerdings im weitern Verlauf der Arbeit nicht berücksichtigt werden. Es ist eine der Aufgaben der Demographieforschung, Entwicklungstendenzen mit Hilfe dieser Kennzahlen vorherzusagen. Die bisher gewonnen Erkenntnisse weisen eindeutig darauf hin, dass sich die Zahl der Älteren an der Gesamtbevölkerung seit Jahrzehnten kontinuierlich erhöht und sich diese Entwicklung auch weiterhin fortsetzen wird. Die Folge davon ist ein kontinuierliches Altern der Bevölkerung[4]. Altern bedeutet in diesem Zusammenhang eine Anteilsverschiebung zu Gunsten der Älteren, was sich, wie später noch zu zeigen ist auch auf die sozialen Sicherungssysteme auswirken wird.

Eine veränderte Bevölkerungsstruktur ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Maßgeblichen Einfluss hat allerdings die Zahl der geborenen Kinder. Für die zukünftige Entwicklung der Gesellschaft ist die Geburtenrate von besonderer Bedeutung. Neben der Rolle für den Fortbestand dienen nachwachsende Generationen vor allem dem Ersatz abtretender Gesellschaftsmitgliedern und der Versorgung der Älteren. Jedoch war die Entwicklung in der Bundesrepublik in den vergangenen drei Jahrzehnten vor allem durch den Rückgang der Geburtenrate geprägt. Ein einfacher Ausgleich der Sterbezahlen durch Geburt konnte zuletzt im Jahre 1969 erreicht werden. Seither beläuft sich die Differenz auf über 2 Mio.[5]. Für die Zukunft werden weiter sinkende Geburtenziffern vorhergesagt, eine weitere Reduktion steht also zu erwarten. Eine Vielzahl von Einflüssen ist für diese Entwicklung ausschlaggebend, herausragend sind dabei die geminderte Wertschätzung von Familien und eine geänderte Frauenrolle. Noch bei den Frauen des Jahrgangs 1935 waren Kinder fester Bestandteil der Zukunftsplanung. Mehr als 50 % gebaren drei Kinder oder mehr[6]. Während der 70ger Jahre brach die Geburtenzahl rapide ein, bedingt durch effektive Verhütungsmittel und eine gesteigerte Suche nach individuellem Wohlstandsoptimum, die oft zu Ungunsten von Kindern ausfiel.

Unter vielen anderen ist ein weiterer Nebeneffekt eine schmäler werdende Elternbasis für nachwachsende Generationen, die logische Folge des Geburtenrückganges ist. Die zum einfachen Bestandserhalt notwendige Fertilitätsrate von ca. 2,2 Kindern pro Frau[7] wird mit derzeit 1,38 um fast ein Drittel unterschritten. Damit fehlen nachkommenden Generationen auch ein Drittel potentieller Mütter. Folge dieses Bevölkerungsrückganges durch niedrige Geburtenzahlen ist eine Reduktion des Bevölkerungsstandes von derzeit ca. 82 Mio. auf rund 70 Mio. bis zum Jahr 2050.

2.2 Die Entwicklung der Lebenserwartung

Auf der anderen Seite ist die Zahl derer, die den älteren Jahrgängen angehören ein zweiter bedeutender Faktor für den Bestand der Bevölkerung. Dank medizinischer Fortschritte und deutlich verbesserten Lebensumständen wuchs diese kontinuierlich an. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen stieg während des vergangenen Jahrhunderts um bis zu 40 Jahre auf durchschnittlich 75 – 80 Lebensjahre[8]. Zu dieser Entwicklung trägt auch die erfolgreiche Bekämpfung der Kindersterblichkeit erheblich bei. Allein in den letzten 35 Jahren konnte die Zahl der Kinder, die im ersten Lebensjahr verstarben um über 80 % gesenkt werden. Ähnliche Erfolge konnten für die ersten zehn Lebensjahre erzielt werden. Dadurch wurde es immer mehr Menschen ermöglicht, ein deutlich höheres Lebensalter zu erreichen. Die Folgen für die Gesellschaft, bedingt durch diese erfreuliche Entwicklung sind offensichtlich. Die durchschnittlich hohe Lebenserwartung und die sinkende Geburtenraten legen die Bevölkerungsentwicklung für die nächsten Jahrzehnte fest. Der demographische Wandel, der sich seit den 70er Jahren abzeichnet ist nicht mehr umzukehren. Das Problembewusstsein angesichts dieser Zukunftsaussichten war lange unterentwickelt, erst im letzten Jahrzehnt begann eine breite öffentliche Debatte. Nicht mehr die Jugend, die gegen die Eltern rebelliert, sondern die zunehmende Zahl der Älteren steht im Mittelpunkt.

[...]


[1] Vgl. Kohli, M.: Die Institutionalisierung des Lebenslaufes, 1986. S 2f

[2] Leisering, Sozialstaat und demographischer Wandel, 1992. S 42 ff

[3] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, 2004. S 7

[4] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, 2004. S 9

[5] Schmid, J.: Bevölkerungsrückgang und demographische Alterung, 2002. S 55

[6] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, 2004 S 25

[7] Schmid, J.: Bevölkerungsrückgang und demographische Alterung, 2002. S 6

[8] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen, 2004. S 40

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Altern in Deutschland - Eine Kurzanalyse der Problematik des strukturellen Generationenwandels und dessen Auswirkungen auf die soziale Alterssicherung in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister Scholl Institut)
Note
1,9
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V163695
ISBN (eBook)
9783640783472
ISBN (Buch)
9783640783854
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altern, Deutschland, Eine, Kurzanalyse, Problematik, Generationenwandels, Auswirkungen, Alterssicherung, Bundesrepublik
Arbeit zitieren
MSc. M.A. Robert Fiedler (Autor), 2006, Altern in Deutschland - Eine Kurzanalyse der Problematik des strukturellen Generationenwandels und dessen Auswirkungen auf die soziale Alterssicherung in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163695

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