Globalisierte Religionen – Hindus aus Surinam in der niederländischen Diaspora


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Religiöse Identitäten in der Diaspora

Globalisierte Religionen - Hindus aus Surinam in der niederländischen Diaspora
Migrationsgeschichte
Hindustani in den Niederlanden
Historischer Abriss der Migration
Entwicklung in Surinam
Die Niederlande
Organisation und Institutionalisierung
Religiöse Identität im Umbruch

Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

Wohl kaum ein Begriff ist mit solch einer Vielzahl von unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen wie der der Globalisierung. Nicht zuletzt liegt dies daran, dass sich Globalisierung nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt sondern vielmehr nahezu alle Bereiche des öffentlichen und des privaten Lebens beeinflusst. Die Geschwindigkeit mit der das Leben der Menschen sich verändert ist oftmals atemberaubend weshalb es nachvollziehbar ist dass wir „es auf allen Kontinenten (insofern weltweit) mit einer wachsenden Religiosität, mit einer Renaissance menschlicher Suche nach göttlicher religio - d.h. Rückbindung an Gott, an Transzendenz, an metaphysisch begründbaren Lebenssinn - zu tun haben" (Tetzlaff, 2006: 4). Darüber hinaus lässt sich bemerken „dass sich mit Globalisierung und durch Globalisierung auch Religion und religiöse Praktiken als Bestandteil von Kultur ändern und politisiert werden" (Tetzlaff, 2006: 1). Allerdings ist Globalisierung kein Prozess der wie so oft angenommen erst in den vergangenen Jahrzehnten aufgekommen ist. Vielmehr sind bestimmte Gruppen und Religionen seit langem Teil einer Globalisierung die sich oftmals in starken Migrationsbewegungen und der Bildung von Diasporagemeinschaften niederschlägt. Diese Arbeit widmet sich den Hindustani in den Niederlanden, die innerhalb eines Jahrhunderts gleich zweimal ihre Heimat verließen und völlig neue Gemeinschaften aufbauen mussten. Im Zentrum der folgenden Untersuchung steht die Entwicklung der religiösen Identität, und inwiefern diese sich verändert hat. Außerdem wird ein kurzer Überblick über die Lebensbedingungen der Hindustani in ihrer neuen Heimat gegeben. Zum Zweck dieser Untersuchung wird zunächst der kurz der geschichtliche Abriss der Migration erläutert. Anschließend wird auf die besondere Situation der surinamesischen Hindustani eingegangen, die im 20. Jahrhundert in die Niederlande einwanderten. Um diese zu verstehen, wird zunächst die Entwicklung der Hindus in Surinam analysiert, um dann auf die Gemeinschaft der Hindustani in den Niederlanden einzugehen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach einer religiösen Identität, ob und wie sich diese verändert hat.

Religiöse Identitäten in der Diaspora

Einer der zahlreichen Prozesse die mit Globalisierung Zusammenhängen ist die Bildung von Diasporas, bedingt durch die Verschiebung oder Umplatzierung von Kulturen deren Ergebnis hybride, vermischte Kulturen sind (Pandharipande, 2001: 231). Diese hybriden Kulturen sind gekennzeichnet durch das Wohnen in einer neuen Umgebung ausgelöst durch Migrationsbewegungen ohne dass deren Ursachen einflussnehmend sind und durch die Kreation einer neuen, aber dennoch mit der ursprünglichen Kultur verknüpften Identität (ibid.). Das Resultat dieser Entwicklung sind neue, multiple Identitäten (Gray, 2004: 60). Identität wird in diesem Zusammenhang als eine bestimmte Form von Gemeinschaftsbewusstsein und Solidarität betrachtet die eine Verbindung zur ursprünglichen Heimat innerhalb des neuen regionalen und sozialen Lebensumfeldes herstellt um innerhalb der Diaspora mit der Unterschiedlichkeit zu den anderen Bürgern leben zu können (ibid.).

Darum kann in der Diaspora die Konstruktion einer hybriden Identität die Fortführung der kulturellen Wurzeln sowie die Aufnahme von ausgewählten Eigenschaften des neuen sozio-kulturellen Umfeldes. Diaspora in diesem Kontext ist das Zusammentreffen von Globalisierungsprozessen (dargestellt durch die Reise in und die Anpassung an neue Gesellschaften) und die Lokalisation (manifestiert durch die Identität die siech von den neuen Gastländern unterscheidet aber eher an der ursprünglichen Kultur orientiert ist) (Pandharipande, 2001: 232).

Dennoch muss betont werden, dass die Bildung einer Diasporaidentität nicht von soziopolitischen und kulturellen Kontexten isoliert analysiert werden kann und es keinen homogenen Prozess in der Herausbildung einer neuen Diasporaidentität gibt (Kokot, Tölöyan und Alfonso, 2004: 7).

Im Zuge der Globalisierung wird üblicherweise die These vertreten dass sie eine Erscheinung der letzten 30 Jahre ist oder „dass die genannten Entwicklungen doch zumindest in diesem Zeitraum durch die ungeahnte Beschleunigung und Intensivierung der globalen Vernetzung eine neue Qualität gewonnen hätten" (Pink, 2005: 46). Allerdings ist es fraglich ob im Zusammenhang mit der Migration der surinamesischen Hindus diese These noch haltbar ist.

Globalisierte Religionen - Hindus aus Surinam in der niederländischen Diaspora

Migrationsgeschichte

Um Hintergründe und Motivationen zu erläutern soll an dieser Stelle kurz auf die über 1000 - jährige Migrationsgeschichte der Hindustani aus dem indischen Mutterland eingegangen werden. In diesem Kontext bedeutet Migration die Abwanderung aus den angestammten Wohngebieten und die dauerhafte Niederlassung in anderen Regionen der Erde. Während der ersten Migrationsphase die im 7. Jahrhundert belegt wurde verließen viele Inder ihre Heimat, zum damaligen Zeitpunkt entlang der neue erschlossenen Handelsrouten nach Afrika oder in den fernen Osten (Indian Overseas, 1972: 3).

Zu Beginn der einsetzenden Kolonialisierung setzte eine deutlich stärkere Migrationsbewegung ein bedingt durch die großen Kolonialmächte. Viele Inder, besonders Angehörige der niederen Kasten verließen ihre Heimat um den ärmlichen und trostlosen Lebensbedingungen zu entgehen und die Möglichkeiten zu nutzen, die die neuen und aufstrebenden Kolonien boten. Häufig übernahmen sie dort Verwaltungsaufgaben oder gründeten eigene Klein- oder Kleinstunternehmen und nicht selten wurden die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Kolonialherren durch die der indischen Einwanderer übertroffen. Deswegen und nicht zuletzt wegen Ihres Beharrens auf ihre eigene Identität und Religionszugehörigkeit wurden viele der indischen Migranten skeptisch oder sogar feindselig betrachtet.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine erneute, diesmal deutlich größere und umfassendere Migrationsbewegung. Erneut waren wirtschaftliche Gründe die Auslöser für die Abwanderung aus dem indischen Mutterland (vgl. hierzu: Dabydeen, Samaroo, 1987) und die extrem schlechten Bedingungen, insbesondere der niederen Kasten. Zusätzlich verstärkte der als Sepoy - Aufstand bekannt gewordene Unabhängigkeitskrieg 1857/1858 die Migrationsbewegungen. Besonders häufig wurden Inder in den Kolonien eingesetzt wo ihnen von den Kolonialmächten, die in anderen Kolonien auf zusätzliche Arbeitskraft angewiesen waren, Vertragsarbeiten für die Dauer von in der Regel fünf Jahren angeboten wurden. Nach Ablauf dieser Frist stand es den Arbeitern frei in ihre Heimat zurückzukehren, ein Angebot von dem die wenigsten Inder Gebrauch machten. (vgl. hierzu: Occasional Paper No. 3, Indian Diaspora).

Bedingt durch diese Migrationsbewegungen, die bis heute anhalten, sind indische Gemeinschaften in nahezu allen Regionen dieser Welt zu finden. Der Beitrag, den diese Gemeinschaften zur Entwicklung vieler Länder oder ganzer Regionen erbrachten ist oft immens. Beispielsweise waren Inder maßgeblich am Bau der Kenia - Uganda - Eisenbahn beteiligt und trugen damit erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung Ostafrikas bei (Indian Overseas, 1972: 3). In anderen Regionen der übernahmen sie ebenfalls führende Rollen in der wirtschaftlichen, aber auch in der politischen Entwicklung (Gosine, 1982:3).

Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser oftmals tiefgreifenden und sehr erfolgreichen Beiträge sahen sich die Inder häufig Feindseeligkeiten und Rassismus ausgesetzt. Nicht selten wurden Menschen indischer Abstammung verfolgt und des Landes verwiesen. Einen traurigen Höhepunkt fand diese Entwicklung in Uganda während der 70er Jahre des vergangen Jahrhunderts, wo gewaltsame Übergriffe und die Enteignung, sowie die Ausweisung nahezu alle in Uganda lebenden Inder betraf. Nach dieser massenhaften Ausweisung unter dem Diktator Idi Amin brach die Wirtschaft des Landes nahezu vollständig zusammen und Uganda zählte viele Jahre zu den ärmsten Ländern der Welt.

Hindustani in den Niederlanden

Historischer Abriss der Migration

Im Folgenden soll nun auf die Situation der Hindus in den Niederlanden eingegangen werden. Die Motivation für ihre Einwanderung, ihre Sozialorganisation, sowie das Verständnis von der Identität als Hindu sollen dabei zentrale Elemente der Untersuchung sein.

Holland hat die zweitgrößte indische Gemeinschaft innerhalb der europäischen Union. (Occasional Paper No.3, Indian Diaspora). Den größten Teil dieser Gemeinschaft stellen die Hindustani. Dieser Begriff setzt sich zusammen aus der wichtigsten indischen Sprache Hindi und der vorherrschenden Religionszugehörigkeit. Tatsächlich setzt sich die Gemeinschaft der Hindustani allerdings aus mehreren unterschiedlichen Religionen zusammen. Den größten Teil machen dabei die Hindus aus, daneben sind Muslime und Christen vertreten. Da sowohl Muslime als auch Christen nur einen sehr geringen Anteil unter den Hindustani einnehmen, wird im Folgenden bei der Verwendung des Begriffs keine Unterscheidung mehr vorgenommen.

Geschätzte 330.000 Hindustani, als auch ca. 20.000 Inder, die direkt aus Indien stammen leben heute in den Niederlanden. (Stateline CBS - The Central Database Statistics Netherlands). Die ersten Kontakte zwischen den Niederlanden und Indien reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert. Besonders der Handel mit Gewürzen durch die niederländische Ostindien - Kompanie führte zu regen Beziehungen. Die Kompanie errichtet eine große Zahl von Handelsstützpunkten in Indien, verlor aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts diese an die englische Ostindien - Kompanie. Mit diesem Verlust endete vorläufig der Kontakt zum subindischen Kontinent. Es ist nicht bekannt, ob während dieser Phase Hindus in die Niederlande eingewandert sind. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Einwanderung von Hindus ein Nachkriegsphänomen ist. Dennoch hat sie ihre Vorläufe in der Kolonialgeschichte der Niederlande.

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Details

Titel
Globalisierte Religionen – Hindus aus Surinam in der niederländischen Diaspora
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V163709
ISBN (eBook)
9783640785292
ISBN (Buch)
9783640784936
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierte, Religionen, Hindus, Surinam, Diaspora
Arbeit zitieren
MSc. M.A. Robert Fiedler (Autor), 2009, Globalisierte Religionen – Hindus aus Surinam in der niederländischen Diaspora, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163709

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