Die Folgen der Bankenkrise

Eine ex-post Governancebetrachtung der Regulierungsversuche im Finanzdienstleistungssektor


Seminararbeit, 2010

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Abstrakt
1.2. Problemstellung
1.3. Aufbau der Hausarbeit

2. Hintergrund
2.1. Motivation
2.2. Governance
2.3. Finanzsektor und Banken
2.4. Konkrete Hilfestellungen seitens der Regierungen

3. Governance und Betrachtungsformen
3.1. Einbeziehung von Unternehmen in die Umwelt
3.2. Makro-, Meso- und Mikroebene

4. Kritischer Diskurs

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Innerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung gab es neben Phasen des Wachstums auch immer wieder Krisenzeiten. Die Gründe der Finanzkrisen waren unterschiedlicher Natur und auch ihre Auswirkungen unterschieden sich[1]. Die erste Weltwirtschaftskrise geschah 1857, begonnen durch die fehlende Liquidität der Ohio Life Insurance Company. Erst durch dieses Ereignis begann die Wahrnehmung der Nachteile einer hochgradig interdependenten internationalen Finanzstruktur. Weitere Lerneffekte, wie die Deflation 1929 und Börsenkrisen in den 1980er und 1990er Jahren, hatten zur Folge, dass ein effizienterer Umgang angestrebt und Regulationsmaßnahmen ergriffen wurden um zu verhindern, dass sich diese Krisensituationen in Art und Ausprägung wiederholen würden.

1.1. Abstrakt

Diese Studienarbeit thematisiert die Finanz- und Bankenkrise von 2007/2008 (auch Subprime-Krise[2] genannt) aus einer Governance-betrachtung. Zunächst wird dazu in die Thematik der Finanzkrisen und in die Governanceansätze eingeführt. Aufbauend auf diesem Hintergrundwissen beschäftigt sich die ex-post Analyse dann mit drei wesentlichen Themenfeldern:

1) Der Unternehmens-Umwelt-Beziehung, bei der kontextuelle Faktoren und Indikatoren abgewogen werden,
2) der Betrachtung entlang der Gliederung nach Makro-, Meso- und Mikroebene und einer Beschreibung der Wirkungsverflechtungen und
3) mit der Auswertung konkreter Hilfestellungen seitens der Regierung.

Innerhalb des kritischen Diskurses wird dabei gegenüber gestellt, inwiefern die getroffenen Maßnahmen nachhaltig eine Wiederholung der Vorfälle (Insolvenz von Banken, Spekulationspreise, Folgewirkungen auf Kreditvergabe, etc.) ausschließen können. Schließlich wird innerhalb der Zusammenfassung ein Ausblick auf mögliche Intensivierungspunkte gegeben, die sich für eine weitere Vertiefung eignen würden.

1.2. Problemstellung

Seit 1857 ist, allein bedingt durch die starke Globalisierung, der weltweite Finanzmarkt sowohl in den Interdependenzen als auch in der Komplexität massiv angestiegen[3]. Besonders mit Bezug auf die Kapitaleinnahmemöglichkeiten über die Börsen ist ein weiterer komplexer Faktor hinzugekommen[4].

Auftretende Probleme, wie Illiquidität oder sich negativ auswirkende Spekulationen, sind somit schon lange kein lokales Phänomen mehr, sondern haben folgerichtig massive globale Auswirkungen. Insofern kann der Lerneffekt aus Wirtschaftskrisen (sofern dieser eintritt) immer nur als ein Schritt im Wettlauf gegen neue Instabilitäten gesehen werden.

Dies schlägt sich unter anderem in der Annahme wieder, dass reine Marktformen unter speziellen Umständen nicht selbstregulierend sind und sogar zu Marktversagen führen können[5]. Die sozialen Folgen einer wirtschaftlichen Destabilisierung können für die Subjekte kritische Auswirkungen annehmen, folglich ist es von übernationalem Interesse für Stabilität, Berechenbarkeit und Wachstum zu sorgen[6].

Das andere Extrem zur Marktform ist die vollständige Regulierung (Planwirtschaft), in der die Verhaltensweisen von Wirtschaftsorganen vorgegeben werden. Nicht zuletzt der Niedergang des Kommunismus und anderer Planregime offenbarte, dass auch diese Organisationsform inhärente Nachteile aufweist.

Bezogen auf die letzte Finanzkrise, die sogenannte Weltwirtschafts- oder Bankenkrise von 2007/2008, stellt sich nun ex post die Betrachtung, welche politischen und wirtschaftlichen Kontrollmechanismen eine Wiederholung dieser Umstände verhindern können.

1.3. Aufbau der Hausarbeit

Die Hausarbeit strukturiert sich wie folgt:

Kapitel 2 beschreibt die notwendigen Hintergrundinformationen. Dazu wird zunächst ein Überblick zur Themenmotivation gegeben, bevor die beiden wichtigsten Themenfelder – Governance und der aktuelle Finanzsektor – im Detail vorgestellt werden. Zuletzt werden, besonders mit Fokus auf Deutschland, Rettungsmaßnahmen für zahlungs- und handlungsunfähige Banken in der Finanzkrise thematisiert.

Kapitel 3 befasst sich mit den Einflussfaktoren für den Finanzmarkt und thematisiert in diesem Zusammenhang zunächst die Rolle der Unternehmen im Kontext zu ihrer Umwelt. Danach wird die Governancebetrachtung der Makro-, Meso- und Mikroebene beschrieben.

Kapitel 4 enthält, aufbauend auf der Beschreibung in Kapitel 3, eine kritische Diskussion, die abwägt inwiefern aktuelle Maßnahmen nachhaltig verhindern können, dass eine solche Krise wieder eintritt. Dabei wird unter anderem auf die verschiedenen Gründe der Finanzkrise eingegangen und jeder einzelne mit Betracht auf die Zukunft abgewogen.

Kapitel 5 beschreibt die wichtigsten Argumente der Diskussion und fasst die Resultate zusammen. Durch die hohe Komplexität des Themas wird innerhalb dieser Studienarbeit nur ein Überblick möglich sein. Anknüpfungspunkte für etwaige thematische Vertiefungen werden deshalb im Ausblick gegeben.

Kapitel 6 gibt eine Liste der verwendeten Literatur wieder.

2. Hintergrund

Die Finanzkrise von 2007/2008 (Subprime Krise) beschreibt die letzte Weltwirtschaftskrise, die im Banken- und Finanzsektor ihren Ursprung fand. Entstanden ist sie im Frühsommer 2007 durch die US-Immobilienkrise, in deren schwerwiegenden Folgen weltweit Banken in finanzielle Engpässe gerieten.

2.1. Motivation

Vereinfacht betrachtet basiert die Finanzkrise auf einem spekulativ künstlich aufgeblähten Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten, was insbesondere mit der Notierung der Immobilien und deren preislichen Einschätzung einherging[7].

Betrachtet man die Finanzkrise von 2007/2008 dabei im geschichtlichen Kontext, so führte die Reaktion auf die letzte Finanzkrise (Dot.com-Spekulationsblase und aufgrund der Krisenstimmung nach den Anschlägen vom 11.9.2001)[8], nämlich eine dauerhafte Verringerung der Leitzinsen seitens der FED-Zentralbank, zu einem starken Anreiz in Immobilien zu investieren.

Eine Mischung aus fehlenden Sicherheitseinschätzungen bei der Kreditvergabe, zu hoch dotierten Immobilienpreisen und der marktwirtschaftlichen Notwendigkeit ein hohes Wachstum aufzuweisen, führte in einen Teufelskreis, der erst mit dem Einbruch der Immobilienpreise beendet wurde[9].

Dieser Einbruch führte zu weitreichenden Folgen im gesamten Finanzmarkt, weil die drohende Insolvenz einiger Banken den Inter-Banken-Geldmarkt massiv beeinflusste und die Motivation der Kreditvergabe reduzierten. Da Geld zu großen Teilen durch den Multiplikationseffekt[10] der Banken sowie die Geldumlaufrate[11] beeinflusst wird, hat eine derartige Beeinflussung zur Folge, dass sich die bisher stabilen Finanzmärkte weltweit gegenseitig instabilisieren. Die Wechselkurse der Währungen bedingen, dass eine massive Krise in einer starken Währung auch zu Auswirkungen auf fremden Finanzmärkten führt[12].

Bezogen auf das Thema der Nachhaltigkeit stellen sich in diesem Zusammenhang also viele Folgefragen, von denen diese Hausarbeit einige thematisiert. Dabei nimmt die Arbeit besonders Bezug auf die Nachhaltigkeit von Wirtschaftsmaßnahmen und zieht in Betracht, dass obgleich die Marktform durch die invisible hand[13] einen hocheffizienten Mechanismus aufweist, sie trotzdem Limitationen und situativen Einflüssen unterliegt, die zum Kollaps führen können.

Zusätzlich beschäftigt sich diese Studienarbeit mit der Fragestellung, wie Hilfsmaßnahmen gegen Marktversagen strukturiert sein müssen, um zum einen erneutes Versagen zu verhindern und zum anderen keine negativen Folgewirkungen in anderen Finanzbereichen zu erzeugen.

2.2. Governance

Um die Bankenkrise im Zuge einer Governancebetrachtung zu evaluieren, ist es zunächst notwendig, eine Definition und einen Überblick zum Bereich Governance zu erhalten.

Governance: Der Primärlehrtext definiert die Rolle von Governance als: „ Im Kern richtet sich das Interesse der Governance-Debatte auf die Art und Weise, wie kollektives Handeln in der Politik, der Gesellschaft oder auch der Ökonomie koordiniert wird und wie leistungsfähig unterschiedliche Formen institutioneller Arrangements diesbezüglich sind. “ (Lütz et al., 2010, S.9). Bereits durch die Formulierung wird klar, dass die klassische Teilung zwischen Politik, Gesellschaft und Ökonomie künftig nicht mehr vollkommen trennscharf aufrechterhalten werden kann. So können z.B. politische Interessen die Zentralbank zur Senkung der Leitzinsen anhalten oder Gesellschaftskonventionen Druck auf die Politik ausüben; ein anderes Beispiel wäre der bereits etablierte Lobbyismus großer Industriezweige in der Politik[14].

Grundlage jeder dieser Probleme ist die Ressourcenknappheit, sei es die Zeit, das Kapital, die Rohstoffe oder die Humanressourcen. Erst durch Verteilungskonflikte entsteht die Motivation von Gruppen sich gegenüber Dritten besser aufzustellen. Diesen Ansatz nimm Benz in seiner kurzen Definition auf: „ Governance bedeutet Steuern und Koordinieren (oder auch Regieren) mit dem Ziel des Managements von Interdependenzen zwischen (in der Regel kollektiven) Akteuren “ (Benz, 2004, S.25). Obgleich besonders im Finanzsektor die Annahme kollektiver Verhaltensmuster kritisch hinterfragt werden kann. Innerhalb der Finanzmärkte passen sich Werte (z.B. Aktien, etc.) aufgrund des Marktmechanismus sehr schnell an, internationale Inkonsistenzen in den Werten bestehen deshalb nur sehr kurzfristig. Ebenfalls ist anhand des Verhaltens von Anlegern zu erkennen, dass ein hochgradig opportunistisches und rationales Verhalten gezeigt wird[15].

Aufgrund des hohen Detailgrades und der thematischen Nähe zu wirtschaftlichen Schocks wird innerhalb dieser Arbeit unter Governance die Definition von Mayntz verstanden: „ Governance meint dann das Gesamt aller nebeneinander bestehenden Formen der kollektiven Reglung gesellschaftlicher Sachverhalte: von der institutionalisierten zivilgesellschaftlichen Selbstreglung über verschiedene Formen des Zusammenwirkens staatlicher und privater Akteure bis hin zu hoheitlichem Handeln staatlicher Akteure.“ (Mayntz, 2004, S.66).

Besonders die Einbeziehung von privatwirtschaftlichen Akteuren macht im Kontext der Bankenkrise Sinn. Sie spielen eine wesentliche Rolle und ihre Interaktion mit Regelvorgaben seitens des Staates führte letztlich zu den Verkettungen. Generell ist dabei zu beobachten, dass die Rolle von privaten Akteuren und ökonomischen Organisationen, bedingt durch die kapitalistische Marktausrichtung, in den letzten 150 Jahren signifikant zugenommen hat[16].

[...]


[1] Sowohl Wirkungen als auch Ausprägungen unterscheiden sich. Durch die Komplexität der Wirtschaftsvernetzungen sind Verallgemeinerungen in fast allen Fällen unzulässig.

[2] Vergleiche Hoffinger (2009) für Detailinformationen

[3] Vergleiche auch Pevzner (2009)

[4] Vergleiche Erdi (2008), S.328 ff. für Beispiele an Komplexität

[5] Siehe auch Neugebauer (2008) für Beispiele externer Effekte, oder Seth (2002) für Marktversagen bei öffentlichen Eingriffen

[6] Vergleiche Wagner (2008) für Details über internationale Stabilitätspolitikmaßnahmen

[7] Details zur Begründung werden in Kapitel 2.3, sowie im Kapitel 3 gegeben.

[8] Siehe dazu auch Preissl et al. (2004)

[9] Vergleiche Hoffinger (2009) für Detailinformationen

[10] Siehe auch Frisby (1990) für Hintergründe unterschiedlicher Multiplikatoreffekte und deren Auswirkungen

[11] Vergleiche North (1989) für eine Betrachtung der Geldumlaufrate in Europa und Wagner (2008) für eine allgemeine Betrachtung der Auswirkung von Geldumlaufrate auf die Stabilitätspolitik

[12] Für Details Vergleiche Wagner (2008)

[13] Siehe auch Suntum (2005)

[14] Siehe Nedergaard (2006, S.131 ff.) für eine kritische Betrachtung des Lobbyismus

[15] Vergleiche auch Kirchengässner (2008)

[16] Siehe auch Cassis (2002) für eine historische Beschreibung am Beispiel Englands

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Folgen der Bankenkrise
Untertitel
Eine ex-post Governancebetrachtung der Regulierungsversuche im Finanzdienstleistungssektor
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V163750
ISBN (eBook)
9783640782925
ISBN (Buch)
9783640783250
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele weitere Texte, alle mit 1,0-2,0er Noten auf www.tobiasfritsch.net vorhanden.
Schlagworte
Bankenkriese, Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise, Real Estate, Regulierung, Finanzsektor, Immobilienblase, USA
Arbeit zitieren
Dr. Tobias Fritsch (Autor), 2010, Die Folgen der Bankenkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163750

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