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Walther Rathenau und das Attentat vom 24. Juni 1922

Darstellung und Deutung in zwei Phasen deutscher Nachkriegszeit

Titel: Walther Rathenau und das Attentat vom 24. Juni 1922

Seminararbeit , 2010 , 17 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Constantin Beck (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Faszination Rathenau: kaum ein deutscher Politiker des 20. Jahrhunderts beflügelt Zeitgenossen wie Nachgeborene zu einer diffuseren Deutung zwischen mystischer „Megaperson“ und „universaler Zweitrangigkeit“ als der deutsch-jüdische Außenminister der Weimarer Republik zwischen 1921 und 1922, der am 24. Juni 1922 in Berlin auf dem Weg ins Auswärtige Amt von reaktionären Mördern niedergeschossen wurde. (...)
Walther Rathenau ist, wie Martin Sabrow, einer der aktuellen Experten in der Rathenauforschung, ihn nennt, „ein Mann vieler Biographien“. Dieser Umstand rührt daher, dass seine Person und ebenso sein gewaltsamer Tod im 20. Jahrhundert und bis heute zu mannigfaltigen Diensten herangezogen wurde und wird: Die Demokraten der Weimarer Republik – vorausgesetzt es gab diese in der „Republik ohne Republikaner“ – formten nach seinem Tot ein „messianisches Rathenaubild“, dem Nazi-Regime diente der jüdische Großindustrielle, Intellektuelle und als Erfüllungspolitiker verhöhnte Rathenau als „Inkarnation des Feindes“ aber auch als gern zitierter „Jude, der (bspw. in seinem literarischem Erstlingswerk „Höre Israel!“) seinen Rassengenossen mit rücksichtsloser Offenheit den Spiegel vorgehalten habe“. Nach 1945 deklarieren beide deutschen Staaten Rathenau gleichermaßen für sich und stilisieren ihn zur universal-legitimatorischen „Megaperson“, deren Abglanz sich zwar in unsere Zeit des wiedervereinigten Deutschlands gerettet hat aber der ein kontinuierliches Verblassen nicht abzusprechen ist, und dennoch gegenwärtig möglicherweise eine Renaissance erfährt.
In dieser Arbeit wird nun die Darstellung und Deutung Rathenaus und seiner Ermordung in den beiden Phasen deutscher Nachkriegszeit - also einerseits zu seinen Lebzeiten bzw. während der Weimarer Republik und andererseits nach 1945 - differenziert untersucht und der Frage nachgegangen, wie und zu welchem Nutzen der "Erinnerungsort Rathenau" herangezogen wurde und wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

I. Weimarer Republik

1. Das Rathenaubild zu Lebzeiten

2. Das posthume Rathenaubild

3. Das Rathenaubild seiner Mörder

II. Nachkriegsdeutschland: DDR und Bundesrepublik

1. Das Rathenaubild des Bauern- und Arbeiterstaates

2. Der Rathenau der Bundesrepublik

3. Rathenau heute

Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung und Instrumentalisierung von Walther Rathenau in verschiedenen historischen Phasen, von der Weimarer Republik über die geteilten deutschen Staaten bis hin zur Gegenwart. Dabei wird analysiert, wie das Bild Rathenaus durch unterschiedliche politische Narrative geformt, gedeutet und für die jeweilige Identitätsstiftung sowie politische Legitimation genutzt wurde.

  • Wandel des Rathenaubildes zu Lebzeiten und in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
  • Die Perspektive der Mörder und die Verschwörungsideologien der Weimarer Rechten.
  • Differierende Deutungsmuster in der DDR und der Bundesrepublik.
  • Die Rolle Rathenaus als "Erinnerungsort" in der modernen Erinnerungskultur.
  • Der Übergang vom historischen Akteur zur Projektionsfläche politischer Mythen.

Auszug aus dem Buch

Das Rathenaubild zu Lebzeiten

Wie im einleitenden Zitat von Sebastian Haffner schon deutlich wird ist Rathenaus Persönlichkeit vor allem durch eine Konstante gekennzeichnet: Gegensätze. Diesem für die Zeitgenossen unverständlichen „paradoxesten aller paradoxen Lebewesen des alten Deutschlands“ zwischen Konzernpräsident der väterlich ererbten AEG und Philosoph sozialer bis sozialistischer Umwälzungen wurde mit Verachtung, Skepsis oder großer Verehrung begegnet.

Die einen hielten ihn für den „maßlos überschätzten Sohn eines schon maßlos überschätzten Vaters“, wobei bei Meinungen dieser Lesart meines Erachtens plumper Neid vor der innerhalb einer Generation zum Industrieadel aufgestiegenen Familie Emil und Walther Rathenau mitschwingt. Sein späterer Freund und posthumer Biograph Harry Graf Kessler nennt ihn 1919 noch einen „Mann der falschen Noten und schiefen Situationen: als Kommunist im Damastsessel, als Patriot aus Herablassung, als Neutöner auf einer alten Leier“ und drückt damit deutlich aus, dass Rathenau als anmaßender Dilettant aufgefasst werden konnte – einen Vorwurf den Rathenau auch von Erwerbskünstlern und Philosophen ertragen musste, die ihm sinngemäß vorwarfen er wildere als betuchter Millionär stümperhaft in vergleichsweise armer Leute Profession herum.

Andere, wohlwollender gesinnte Zeitgenossen, begegneten ihm zwar mit Skepsis, gestanden ihm aber doch schon eher zu, dass er sich in intellektuell abgehobenen Sphären bewege durch deren schwere Fassbarkeit er missverständlich zu sein scheint. Ein Freund Rathenaus, Stefan Zweig, legt darüber rückschauend Zeugnis ab: „Bei Rathenau spüre ich immer, dass er mit all seiner unermesslichen Klugheit keinen Boden unter den Füßen hatte.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Faszination Rathenaus und Darstellung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der verschiedenen Rathenaubilder.

Hauptteil: Analyse der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung Rathenaus in verschiedenen Epochen.

I. Weimarer Republik: Untersuchung des Bildes von Rathenau zu Lebzeiten, in der Zeit nach seinem gewaltsamen Tod sowie der Sichtweise seiner Mörder.

II. Nachkriegsdeutschland: DDR und Bundesrepublik: Gegenüberstellung der instrumentellen Nutzung Rathenaus in den gegensätzlichen politischen Systemen der DDR und der Bundesrepublik sowie ein Ausblick auf die heutige Rezeption.

Schluss: Zusammenfassende Analyse der Transformation Rathenaus zum "Erinnerungsort" und Fazit über seine Rolle als vielschichtige historische Figur.

Schlüsselwörter

Walther Rathenau, Weimarer Republik, Erinnerungskultur, Politische Mythen, Antisemitismus, DDR, Bundesrepublik, Rezeption, Verschwörungstheorien, Industrieadel, Zeitgeschichte, Politischer Mord, Erinnerungsort, Deutungsmuster.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die Person Walther Rathenau nach seinem Tod in verschiedenen historischen Epochen durch unterschiedliche politische Akteure als "Erinnerungsort" gedeutet und funktionalisiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Wandlungsprozesse des öffentlichen Bildes von Rathenau, der Umgang mit seinem politischen Vermächtnis und die Rolle von Mythenbildung in der deutschen Geschichte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, nachzuzeichnen, warum Rathenau bis heute eine ambivalente Identifikationsfigur bleibt und wie politische Ideologien sein Bild in der Erinnerung formten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse zeithistorischer Quellen, Biographien und die Auswertung von Rezeptionsdokumenten, um die verschiedenen Perspektiven auf Rathenau darzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Wahrnehmung zu Lebzeiten, die direkte posthume Mythologisierung nach 1922 sowie die divergierende Instrumentalisierung durch die DDR und die Bundesrepublik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Walther Rathenau, Erinnerungsort, Politische Instrumentalisierung, Weimarer Republik und Rezeptionsgeschichte.

Warum wird Rathenau oft als "paradoxes Lebewesen" bezeichnet?

Dieser Begriff spiegelt seine widersprüchlichen Rollen als erfolgreicher Industrieller der AEG, liberaler Außenminister und gleichzeitig als Philosoph gesellschaftskritischer Umwälzungen wider.

Welche Rolle spielten die Mörder in der Wahrnehmung Rathenaus?

Die Mörder und ihr Umfeld versuchten, die Tat als legitime "Notwehr" gegen eine vermeintliche jüdisch-kommunistische Verschwörung darzustellen, wodurch Rathenau in rechten Kreisen zum Feindbild stilisiert wurde.

Wie unterschied sich die Sicht der DDR von der der Bundesrepublik?

Die DDR instrumentalisierte ihn als bürgerlichen, aber "erkenntnisreichen" Außenminister zur Legitimation der Bindung an die Sowjetunion, während die Bundesrepublik ihn später eher als liberalen Demokraten und Vorreiter der europäischen Einigung hervorhob.

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Details

Titel
Walther Rathenau und das Attentat vom 24. Juni 1922
Untertitel
Darstellung und Deutung in zwei Phasen deutscher Nachkriegszeit
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Autor
Constantin Beck (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V163818
ISBN (eBook)
9783640783687
ISBN (Buch)
9783640783892
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rathenau Organisation Consul Rathenaubild Weimarer Republik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Constantin Beck (Autor:in), 2010, Walther Rathenau und das Attentat vom 24. Juni 1922, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163818
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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