Kurz vor der Französischen Revolution wurde eine heftige Diskussion über die demokratische Beteiligung der Bevölkerung an der Willensbildung geführt. Diese wurde maßgeblich von zwei Krisen bestimmt. Einerseits wurden die sozialen Konflikte in Frankreich zunehmend größer, andererseits hatten die Kolonien im Norden Amerikas die Absicht selbstständig zu werden und sich vom Mutterland England loszulösen.
Während die Probleme Englands vor allem transatlantischer Natur waren, handelte es sich bei den Konflikten in Frankreich um innerstaatliche Unstimmigkeiten. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Kontroversen von gesellschaftlicher und politischer Natur offensichtlich, die sich schließlich in der Revolution im Jahre 1789 entluden. Während der französische Adel auf seinen Privilegien beharrte, verlangte die Bevölkerung zunehmend u.a. nach Strukturen eines Rechtsstaates und der Beseitigung der Zensur. Zentrales Anliegen war jedoch hierbei eine größere Mitbestimmung an den politischen Prozessen. Die Auseinandersetzung zwischen den Lagern verschärfte sich und die Forderungen des Bürgertums wurden zunehmend intensiver. Während Anfang des 18. Jahrhunderts noch die Zuversicht bestand, dass der Konflikt durch reformerische Änderungen zum Nachteil der Aristokraten und der katholischen Kirche gelöst werden könnte, wurde Mitte des Jahrhunderts offensichtlich, dass jegliche Reformen bei Beibehaltung der ständischen Struktur aussichtslos sein würden.
Jean-Jaques Rousseau gilt dabei als einer der bedeutendsten Vordenker der Revolution und als wesentlich für deren geistiges Fundament, selbst wenn er prinzipiell alles andere als ein Revolutionär war. Vor allem sein „Gesellschaftsvertrag“ offenbarte sich bereits zu Lebezeiten als bahnbrechend und sollte auch im weiteren Verlauf bis zur Gegenwart eine besondere historischer Nachhaltigkeit zeigen. Daher ist es Aufgabe dieser Arbeit zum einen die inhaltliche Besonderheit seiner Schrift im Bezug auf die Demokratietheorie und Partizipation des Volkes am Willensbildungsprozess darzulegen und zum anderen die Fragen zu beantworten, welche Elemente in heutigen demokratischen Verfassungen wiederzufinden sind oder aus welchen Gründen seine Ideen eventuell verworfen wurden.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- ZUR PERSON JEAN- JAQUES ROUSSEAUS
- SEINE BIOGRAFIE
- WICHTIGE SCHRIFTEN
- ANSATZ UND THEORIE
- KRITISCHE BEMERKUNGEN
- LEISTUNGEN DER THEORIEBILDUNG
- LITERATUR
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Demokratietheorie von Jean-Jaques Rousseau, insbesondere seine Ausführungen zum Gesellschaftsvertrag und der Partizipation des Volkes am Willensbildungsprozess. Es wird analysiert, welche Elemente der Rousseau’schen Theorie in heutigen demokratischen Verfassungen wiederzufinden sind und welche Gründe für die eventuelle Verwerfung seiner Ideen sprechen.
- Rousseau’s Theorie des Gesellschaftsvertrags und seine Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie
- Der Einfluss von Rousseaus Ideen auf die Französische Revolution und die Entstehung moderner Demokratien
- Die Rolle der Volkssouveränität in Rousseaus Denken
- Kritik an Rousseaus Theorie: Die Gefahr des Totalitarismus und die Einschränkung individueller Rechte
- Aktuelle Relevanz von Rousseaus Ideen für die Debatten um Demokratie und politische Partizipation
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt den historischen Kontext dar, in dem Rousseaus Werk entstand, und beleuchtet die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Zeit. Sie benennt die zentralen Anliegen der Bevölkerung, die sich im 18. Jahrhundert zunehmend nach größerer Mitbestimmung an politischen Prozessen sehnten.
- Zur Person Jean-Jaques Rousseaus: Das Kapitel beschreibt die Biografie von Jean-Jacques Rousseau, beleuchtet seine frühen Einflüsse und die Bedeutung seiner Zeit in Genf. Es geht auch auf seine wichtigsten Schriften ein, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der politischen Philosophie hatten.
- Ansatz und Theorie: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse von Rousseaus Gesellschaftsvertragstheorie. Es stellt seine grundlegenden Gedanken zur Volkssouveränität und zur Rolle des Staates im Verhältnis zum Individuum dar. Die Arbeit untersucht, wie Rousseau die politische Macht vom Individuum zum Kollektiv verlagert und die Bedeutung des allgemeinen Willens hervorhebt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit zentralen Begriffen der politischen Philosophie und der Demokratietheorie, wie dem Gesellschaftsvertrag, der Volkssouveränität, dem allgemeinen Willen, dem Naturzustand und der Partizipation. Weitere wichtige Themenfelder sind die Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung, der Einfluss von Rousseaus Ideen auf die Französische Revolution und die aktuelle Debatte um Demokratie und politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Kernaussage von Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“?
Rousseau argumentiert, dass legitime politische Macht auf der Übereinkunft freier Bürger basiert, die sich dem „allgemeinen Willen“ (volonté générale) unterordnen, um Freiheit und Gleichheit zu sichern.
Welche Rolle spielt die Volkssouveränität bei Rousseau?
Für Rousseau liegt die höchste Gewalt ausschließlich beim Volk. Diese Souveränität ist unteilbar und unveräußerlich; das Volk ist somit gleichzeitig Gesetzgeber und Untertan.
Was versteht Rousseau unter dem „allgemeinen Willen“?
Der allgemeine Wille zielt auf das Gemeinwohl ab und unterscheidet sich vom „Willen aller“, der lediglich die Summe privater Sonderinteressen darstellt.
Warum gilt Rousseau als Vordenker der Französischen Revolution?
Seine Ideen zur Beseitigung ständischer Privilegien, zur Mitbestimmung des Bürgertums und zur Volkssouveränität bildeten das geistige Fundament für den Umsturz von 1789.
Welche Kritik wird an Rousseaus Demokratietheorie geübt?
Kritiker warnen vor einer Tendenz zum Totalitarismus, da die strikte Unterordnung unter den allgemeinen Willen individuelle Minderheitenrechte gefährden kann.
Inwiefern sind Rousseaus Ideen in modernen Verfassungen zu finden?
Elemente wie die Volkssouveränität und die Rechtsstaatlichkeit sind Kernbestandteile heutiger Demokratien, auch wenn seine Ablehnung der repräsentativen Demokratie meist verworfen wurde.
- Quote paper
- Marius Hummitzsch (Author), Julia Igel (Author), 2010, Jean-Jaques Rousseau- Vertragstheorie und demokratischer Beitrag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163874