Das tetrarchische System unter Diocletian


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was versteht man unter Tetrarchie?

2. Welche Gründe hat Diocletian gehabt, das System der Tetrarchie einzuführen?

3. Vor– und Nachteile der Tetrarchie – Blutsdynastisches vs. Amtsdynastisches Prinzip

4. Welche Aspekte leben weiter und werden unter Constantin dem Großen übernommen?

5. Fazit

6. Quellen

7. Bibliographie

1. Was versteht man unter Tetrarchie?

Bis zum Jahr 234 n.Chr. wurden die Kaiser vom Senat eingesetzt. Dabei kam es immer wieder vor, dass junge unerfahrene Männer Kaiser wurden. Aufgrund der Reichskrise des 3. Jh. verlor der Senat zunehmend an Macht, sodass das Militär bis zum Jahr 284 die Kaiser einsetzte. Diese sind die so genannten „Soldatenkaiser“. In dieser Zeit, wechselten die Kaiser sehr schnell, da sie nicht in der Lage waren, dass Reich zu stabilisieren. Das 3. Jh. war geprägt durch eine Reihe von Krisen, welche die unterschiedlichsten Lebensbereiche der Gesellschaft erfassten: steuerlicher Zugriff des Staates, Zwangsrequisitionen, plündernde Soldaten und Feinde (zeitweiliger oder dauerhafter Verlust von Reichsteilen); dauernde Kriege und zunehmende Bürokratie, welche die Staatskasse zunehmend belastete. Diese Krisen gingen soweit, dass die Römer glaubten, die Gunst ihrer Götter verloren zu haben.[1]

Am 20.11.284 wurde Diocletian[2] wegen seiner erwiesenen persönlichen Fähigkeiten in Nikomedien zum Augustus[3] erhoben. Diocletian hatte bis dahin eine klassische Soldatenlaufbahn absolviert und sich durch die notwendige brutale Entschlossenheit ausgezeichnet, die ein Kaiser in der damaligen Zeit zum regieren brauchte. Er hatte seinen ärgsten Rivalen, den Prätorianpräfekten Aper vor den versammelten Soldaten eigenhändig umgebracht.[4] Zudem besaß er die bis dahin wichtigen Herrscherideale wie z.B. Gerechtigkeit, Vernunft, Disziplin und Würde.[5]

Zunächst deutete alles auf einen weiteren Soldatenkaiser hin. Es schien sich somit das Soldatenkaisertum der letzten 50 Jahre zu wiederholen.[6] Da Diocletian aber allein nicht das gesamte Imperium kontrollieren und stabilisieren konnte, entschloss er sich seinen kriegserprobten Freund Maximian, zunächst zum Caesar und am 1.4.286 zum Mitregenten zu ernennen.[7] Da das Reich aber weiterer Stabilisierung bedurfte, wurde im Jahr 293 die Herrschaft ausgebaut. Diocletian adoptierte Constantius Chlorus und Maximian den Galerius. Sie ernannten diese zu Caesares. Damit begründete Diocletian das Vierherrschersystem der Tetrarchie.[8] Die beiden Caesares heiraten zudem die Töchter ihrer Augusti, um somit die Familienherrschaft weiter zu legitimieren. Die Herrschaft wurde im weiteren Verlauf der Amtszeit Diocletians auf zehn Jahre begrenzt, was in der Praxis soviel bedeutete wie, dass nach zehn Jahren die Augusti zurücktraten und ihre Macht an die Caesares übergaben. Diese adoptierten nach ihrer Ernennung zu Augusti ihrerseits zwei Caesares. Die Caesares wurden nicht nur in die Familien der Augusti adoptiert, sondern zugleich in deren göttliche Familien der Iovii und Herculii. Dadurch symbolisierte Diocletian die Concordia zwischen den Augusti, obwohl er de facto immer eine höhere Stellung innehatte.[9] Die Concordia war außerdem das am stärksten herausragende und betonte Merkmal der Tetrarchen und lies diese als Zwillingspaar göttlicher Herkunft erscheinen.[10]

Doch was genau hat Diocletian dazu bewogen, sich von den bis dahin bekannten Herrschaftsformen abzuwenden und sein tetrarchisches System zu begründen, welches mit der Zeit immer symmetrischer wurde? Und warum entschied Diocletian sich erst nach knapp zwanzig Regierungsjahren im Jahr 303 dazu, das Christentum zu verfolgen, obwohl dieses schon die gesamte vorangegangene Regierungszeit über unvereinbar mit dem System der Tetrarchie war?[11]

2. Welche Gründe hat Diocletian gehabt, das System der Tetrarchie einzuführen?

Mit der Ernennung Maximians zum Augustus im Jahr 286 schuf Diocletian zuerst eine Dyarchie, was soviel bedeutet, wie die Herrschaft zweier Augusti. Dafür gab es in der vorangegangenen Geschichte Roms nur vier Beispiele: Marcus Aurelius/Lucius Verus (161 – 169), Balbinus/Pupienus (238), Valerianus/Gallienus (253 – 260) sowie Carus/Carinus und Numerianus (283 – 284).[12]

Die Wahl Maximians zum Mitregenten war darin begründet, dass Diocletian zum Zeitpunkt seiner Wahl keinen leiblichen Sohn hatte, alleine aber auch nicht das gesamte Imperium kontrollieren und stabilisieren konnte.[13]

Gerade das dritte Jahrhundert war geprägt durch eine Reihe von Krisen, welche die unterschiedlichsten Lebensbereiche der Gesellschaft erfassten: steuerlicher Zugriff des Staates, Zwangsrequisitionen, plündernde Soldaten und Feinde (zeitweiliger oder dauerhafter Verlust von Teilen des Reiches), dauernde Kriege und zunehmende Bürokratie, welche die Staatskasse zunehmend belasteten. Diese Krisen gingen soweit, dass die Römer glaubten die Gunst ihrer Götter verloren zu haben.[14]

Um diese Krisen noch besser zu bewältigen, errichtete Diocletian eine bis dahin nie da gewesene Herrschertheologie. Seit der Ernennung Maximians zum Augustus führte Diocletian den Beinamen Diocletian Iovius und Maximian den Beinamen Maximian Herculius. Dabei setzten sich die Augusti nicht mit Jupiter bzw. Herkules gleich, sondern sahen diese vielmehr als ihre Stammväter an. Dadurch zeigte Diocletian, dass er und Maximian sich noch einiger waren, als Romulus und Remus, die Gründer Roms. Sehr gut verdeutlicht wird dies auch im Panegyricus des Jahres 289, in welchem Diokletian und Maximian als Wiederbegründer Roms bezeichnet werden.[15] Der starke Bezug zur Religion diente den Augusti dabei als Legitimation, da Religion die Basis des römischen Staates ausmachte. Einfache ethische Grundsätze wurden in der Folgezeit durch Religion begründet.

Einen weiteren Ausbau erlebte diese von Diocletian geschaffene Herrschertheologie mit der Adoption des Galerius durch Diocletian und des Constantius Chlorus durch Maximian. Beide wurden zu Caesares ernannt und heirateten die Töchter ihrer Augusti. Außerdem wurden sie nicht nur Teil der weltlichen Familie ihrer Augusti, sondern zugleich in die Familie der Iovii beziehungsweise Herculii adoptiert und somit zugleich designierte Nachfolger der Augusti. Dabei umfasste jedoch die göttliche Familie lediglich die vier Herrscher, nicht aber den Rest ihrer weltlichen Familie.[16] Durch diesen Schritt, wurde der Weg zur Tetrarchie vervollständigt.

[...]


[1] Martin, Jochen: Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 4. Spätantike und Völkerwanderung. München, Aufl. 3, 1995, S.1.

[2] Diocletian: *zwischen 236-245 in Dalmatien ˦ 316. War zwischen 284 und 305 römischer Kaiser.

[3] Augustus: lat. der Erhabene. Titel den alle Herrscher seit Oktavian als Beinamen tragen.

[4] Bleckmann, Bruno: Konstantin der Große. Reinbek bei Hamburg, 1996, S.27.

[5] Kolb, Frank: Herrscherideologie in der Spätantike. Berlin, 2001, S.57.

[6] Martin, Spätantike und Völkerwanderung, S.1.

[7] Bleckmann, Konstantin der Große, S.27f.

[8] Tetrarchie: tetra lat. vier.

[9] Martin, Spätantike und Völkerwanderung, S.2.

[10] Kolb, Herrscherideologie in der Spätantike, S.57.

[11] Bleckmann, Konstantin der Große, S.35.

[12] Kuhoff, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie: das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284 – 313 n.Chr). Frankfurt am Main, 2001, S.40.

[13] Bleckmann, Konstantin der Große, S.27f.

[14] Martin, Spätantike und Völkerwanderung, S. 1.

[15] Panegyricus des Jahres 289 Lobrede [des Mamertinus] zu Ehren des Maximianus Augustus.

[16] Martin, Spätantike und Völkerwanderung, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das tetrarchische System unter Diocletian
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Proseminar Antike
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V163955
ISBN (eBook)
9783640789672
ISBN (Buch)
9783640790265
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
System, Diocletian
Arbeit zitieren
Sascha Pfeiffer (Autor), 2010, Das tetrarchische System unter Diocletian, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163955

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