Die politische Geschichte Griechenlands 386-362 v.u.Z.

Zwischen Hegemonie und Polisautonomie


Seminararbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Chronologischer Abriss: Politische Geschichte Griechenlands 386 – 362 v. u. Z
2.1 Die Phase spartanischer Hegemonie (404 – 386 v. u. Z.)
2.2 Die Phase des Zweiten Attischen Seebundes (377 – 372 v. u. Z.)
2.3 Die Phase der thebanischen Hegemonie (371 – 362 v. u. Z.)

3 Einzelne Aspekte
3.1 Modernisierung des Kriegswesens
3.2 Aufstieg bundesstaatlicher Strukturen
3.3 Koine Eirene

4 Fazit

5 Verwendete Literatur

1 Einleitung

Im Folgenden soll eine Epoche griechischer Geschichte abgehandelt werden, die in ihrer Entwicklung sehr widersprüchlich war. Die Zeit zwischen dem sog. Königsfrieden 386 v.u.Z. (auch Frieden des Antalkidas genannt) und dem Ende der thebanischen Hegemonie nach der Schlacht von Mantineia 362 v.u.Z. stellte Historiker lange vor ein Rätsel.[1] Sie wurde abwechselnd als Periode des Verfalls der klassischen Blüte Hellas` oder alternativ als ultimative Vollendung derselben interpretiert. Abhängig vom geschichtsphilosophischen Standpunkt[2] wurde diese Zeit der Wirren – im Sinne des Historismus - als Endpunkt einer Epoche gesehen beziehungsweise – einer historischen Teleologie verpflichtet – als Ausgangspunkt der Vollendung des Griechentums im Hellenismus. All diesen Deutungen ist gemein, dass sie diese Periode nicht wirklich einzuordnen wussten oder die grundlegenden Prozesse, die sich in dieser Zeit vollzogen keiner eingehenden Beachtung würdigten.

Die neuere Forschung ist dazu übergegangen, die verwirrende Vielfalt der Ereignisse stärker zu abstrahieren und die Veränderungen in den politischen und militärischen Strukturen genauer zu betrachten. Bei einer solchen Herangehensweise zeigt sich schnell, dass diese Zeit vor allem von dem Versuch geprägt war, das politische System Griechenlands den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Diese Rahmenbedingungen bestanden vor allem in dem allmählichen Aufstieg bundesstaatlicher Strukturen im Norden Griechenlands[3] sowie in einem sich modernisierendes Kriegswesen[4], dem die einzelnen Poleis in ihrer klassischen Struktur kaum noch etwas entgegenzusetzen hatten. Dementsprechend war die Zeit zwischen dem Ende des Peloponnesischen Krieges und der Gründung des Korinthischen Bundes durch Philipp II. durch den Versuch gekennzeichnet eine dauerhafte und stabile Friedensordnung zu etablieren. Dabei wurden verschiedene Modi von Friedensschlüssen durchexerziert – die jedoch allesamt scheiterten. Erst Philipp II. gelang es, durch eine geschickte Verbindung von hegemonialer Machtpolitik, der Integration der Interessen der einzelnen Polis und mit einem gemeinsamen außenpolitischen Projekt (dem geplanten Perserfeldzug) eine gewisse politische Stabilität in Griechenland zu etablieren.

Entsprechend dieser Ausführungen soll hier vor allem auf die drei zentralen historischen Prozesse jener Zeit eingegangen werden: die Entwicklungen hin zu bundesstaatlichen Strukturen in Griechenland, die Veränderungen im Kriegswesen sowie die Bemühungen um eine Koine Eirene.[5][6]

2 Chronologischer Abriss: Politische Geschichte Griechenlands 386 – 362 v.u.Z.

2.1 Die Phase spartanischer Hegemonie (404 – 386 v.u.Z.)

Der Peloponnesische Krieg (431 – 404) stellt zweifelsohne eines der zentralen Ereignisse der antiken griechischen Geschichte dar. Nach wechselnden militärischen Erfolgen gelang es Sparta schließlich, Athen zur Kapitulation zu zwingen. Die Langen Mauern wurden geschliffen und eine auf die spartanische Besatzung gestützte oligarchische Verfassung eingesetzt. Ähnlich verfuhr der spartanische Oberbefehlshaber Lysander mit anderen besiegten Polis. Es wurden sogenannte Dekarchien[7] eingesetzt, die sich auf die spartanischen Harmosten[8] und ihre Besatzungstruppen stützten. Diese erheblichen Eingriffe in die Autonomie der einzelnen Polis konnten jedoch nicht durch ein entsprechendes militärisches Potenzial abgesichert werden, sodass es fast überall zu Erhebungen kam, an deren Ende oft die Wiederherstellung der alten Verfassungen stand.[9] Im weiteren Verlauf der 390er Jahre regenerierte sich Athen zunehmend, wohingegen Sparta sich halbherzig und relativ erfolglos in Kleinasien engagierte. Keiner der führenden Mächte in Griechenland gelang es, eine stabile hegemoniale Position zu erlangen.

Auch das Persische Reich, welches immer wieder mehr oder weniger offen in die innergriechischen Streitigkeiten eingriff, war durch den Abfall Ägyptens sowie durch aufständische Satrapien anderweitig gebunden. Um 392 zeichnete sich eine allgemeine Erschöpfung der Kräfte aller Seiten ab. Der athenische Rhetor Andokides wurde nach Sparta entsandt, um hier den Vorschlag eines allgemeinen Friedensschlusses zu unterbreiten. Im gleichen Jahr fand in Sardes ein Friedenskongress unter Vorsitz des Satrapen von Sardes, Tiribazos, statt. Hauptstreitpunkt hierbei war die Frage nach dem Schicksal der kleinasiatischen Griechen. Der von Andokides formulierte Vorschlag einer koine eirene beinhaltete eine Autonomieklausel für alle griechischen Polis. Persien konnte kein Interesse daran haben, dass diese Bestimmung auch auf die kleinasiatischen Städte angewandt wurde. Aufgrund dieser Unklarheiten kam keine Einigung zustande. Sparta führte mit persischer Unterstützung weiterhin Krieg, musste aber empfindliche Niederlagen hinnehmen. 386 waren auch die letzten spartanischen Reserven verbraucht. Auf Antrieb Persiens versammelte sich in Sardes erneut ein großer Friedenskongress, an dessen Ende der sogenannte Königsfrieden stand.[10]

Kern der Bestimmungen dieses Friedensvertrages war die Garantie der Autonomie aller Polis – unabhängig von ihrer Macht und Größe. Ausgenommen von dieser Regelungen sollten nur die kleinasiatischen Polis sein sowie die drei athenischen Kleruchien Lemnos, Imbros und Skyros, da sie von vitaler Bedeutung für Athen waren.[11] Wenige Monate später wurde der Vertrag auf einer Konferenz in Sparta besiegelt. Bemerkenswert an diesen Regelungen ist, dass es sich hier erstmals um den Versuch eines allgemeinen Friedens handelte.[12] Der Charakter einer auf Gleichberechtigung basierenden Friedensordnung ist zu recht angezweifelt worden. Vielfach wurde hier der Versuch gesehen, durch die Autonomieklausel ein Instrument zu schaffen, um eine stabile Hegemoniebildung in Griechenland zu verhindern. Und in der Tat profitierten vor allem Sparta und Persien von dieser Bestimmung. Doch ist hier weniger die konkrete Umsetzung von Interesse, als viel mehr die Idee einer koine eirene.

[...]


[1] Stellvertretend für andere prominente Vertreter der Zunft sei hier Erich Bayer zitiert: „Die Frage nach dem Sinn der Geschichte ist ist dem Historiker nirgends so quälend, als wenn er die 50 Jahre zwischen dem Königsfrieden und dem Diktat des Philipp II. von Makedonien betrachtet.“; vgl.: Bayer, Erich: Griechische Geschichte, Stuttgart 1987 S. 380

[2] Eine Darstellung der einzelnen Positionen in kurzes Portraits: Christ, Karl: Von Gibbon bis Rostovtzeff. Leben und Werk führender Althistoriker der Neuzeit, Darmstadt 1989

[3] Siehe dazu: Funke, Peter: Die Bedeutung der griechischen Bundesstaaten in der politischen Theorie und Praxis des 5. und 4. Jh. v. Chr. (Auch eine Anmerkung zu Aristot. Pol. 1261A 22-29), in: Schuller, Wolfgang (Hg.): Politische Theorie und Praxis im Altertum, Darmstadt 1998 S. 59 - 71

[4] Siehe dazu: Schulz, Raimund: Mlitärische Revolution und politischer Wandel. Das Schicksal Griechenlands im 4. Jahrhundert v. Chr., in: HZ 268 (1999) S. 281 - 310

[5] Zur Entwicklung sehr ausführlich: Jehne, Martin: Koine Eirene. Untersuchung zu den Befriedungs und Stabilisierungsbemühungen in der griechischen Poliswelt des 4. Jahrhunderts v. Chr., (Hermes Einzelschriften 63) , Stuttgart 1994

[6] Zur Ideengeschichte der Koine Eirene: Schmidt, Katrin: The Peace of Antalcidas and the Idea of the koine eirene. A Panhellenic Peace Movement, in: RIDA 3eme Série Tome XLVI (1999) S. 81 - 96

[7] Zehnerkommissionen aus der örtlichen Oligarchie (A.K.)

[8] Garnisonskommandanten (A.K.)

[9] So wurde die Schreckensherrschaft des Kritias (ein Onkel Platons) schon 403 wieder beseitigt. Siehe: Bengtson, Hermann (Hg.): Die Mittelmeerwelt im Altertum I. Griechen und Perser, (FWG Bd. 5) Frankfurt a. M. 1999 S. 192

[10] Siehe: Jenke, Koine Eirene, S. 31 ff.

[11] Sie sicherten die lebenswichtige Getreideroute vom Hellespont nach Athen. (A.K.)

[12] Wenngleich diese Beurteilung sehr umstritten ist.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die politische Geschichte Griechenlands 386-362 v.u.Z.
Untertitel
Zwischen Hegemonie und Polisautonomie
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Philipp II. von Makedonien
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V163966
ISBN (eBook)
9783640790593
ISBN (Buch)
9783640790296
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griechische Geschichte, Polis, Koine Eirene, Attischer Bund, Epimeinondas
Arbeit zitieren
Magister André Keil (Autor), 2007, Die politische Geschichte Griechenlands 386-362 v.u.Z., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163966

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