Französische Revolution und Frauenemanzipation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation der Frau vor der Französischen Revolution
2.1 Die Rolle der Frau als Ernährerin der Familie
2.2 Der Zug der Marktfrauen nach Versailles

3. Frauenklubs
3.1 Die Frauenklubs in Paris
3.2 Der Klub der revolutionären republikanischen Bürgerinnen
3.3 Das Verbot der Frauenklubs

4. Das Emanzipationsbestreben in der Französischen Revolution aufgezeigt am Beispiel der Olympe de Gouges

5. Rechtliche Veränderungen nach der Französischen Revolution

6. Schlussteil und Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Emanzipation: (lat. Freilassung) die, die Befreiung von Individuen oder Gruppen aus rechtl., politisch-sozialer, geistiger oder psychischer Abhängigkeit.[1]

Im 17./ 18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung.[2] Aus der Duldung von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung. Ziel jedes emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit bzw. Gleichheit durch Kritik an Diskriminierung und paternalisierter Strukturen. Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die auf Grund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit etc. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind. Im engeren Sinne und alltagssprachlich wird Emanzipation heute in erster Linie mit Frauenemanzipation assoziiert.

In der neuen westlichen Geschichte können grob drei Emanzipationsbewegungen unterschieden werden.

Der erste Emanzipationsversuch der Frauen geschah im 12./13. Jahrhundert. Charakteristisch ist, dass die Emanzipationsbestrebung innerhalb des kirchlichen Rahmens stattfand. Diese Bewegung kann aber nach anfänglichen Erfolgen als gescheitert betrachtet werden.[3]

Die zweite Emanzipationsbewegung entstand in der Französischen Revolution. Im Begeisterungstaumel der Revolution entschlossen sich die Frauen für ihre Rechte zu kämpfen. In den folgenden Kapiteln wird diese Emanzipationsbewegung noch eingehend beleuchtet werden.[4]

Die dritte Frauenbewegung entstand Mitte der 1940er Jahre, abermals ausgehend von Frankreich. In Folge der Studentenunruhen der 1960er Jahre wurde sie zu einer Massenbewegung. Wieder war es eine Reaktion der Frauen darauf, dass die Männer die Belange der Frauen außen vor ließen. In diesem Fall wurde auch die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau massiv in Frage gestellt. Der Katalog der Frauenrechte wurde stark ausgeweitet und im Feminismus thematisiert.[5]

Die bereits angesprochene Frauenemanzipation in der Französischen Revolution ist in der Literatur erst seit den 1970er Jahren Thema. Mögliche Gründe dafür könnten darin liegen,

dass erst ab diesem Zeitpunkt die öffentliche Diskussion bezüglich der Frauenemanzipation und ihrer ursprünglichen Bewegungen entfacht ist und somit auch für die Wissenschaft die vergangenen Bewegungen von Bedeutung wurden, sodass damit begonnen wurde, wissenschaftliche Schriften zu fertigen.

In meiner folgenden Arbeit beziehe ich mich auf den aktuellen Forschungsstand bezüglich der Frauenemanzipation in der Französischen Revolution. Ich werde versuchen, die wichtigsten Stationen der Emanzipation herauszustellen und auf die aus meiner Perspektive bedeutenden Punkte der Frauenemanzipation eingehen.

2. Die Situation der Frau vor der Französischen Revolution

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, im vorrevolutionären Frankreich, plädierten republikanische Frauen zum ersten Mal für die Ziele : „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ ganz unabhängig vom Geschlecht. Denn rechtliche und politische Benachteiligung kennzeichneten die Situation der Frauen in der Zeit vor der Revolution. Die Privatrechtsverhältnisse in Frankreich waren durch eine Uneinheitlichkeit und Unübersichtlichkeit charakterisiert. Frauen waren stets in das patriarchalische System eingebunden, d.h. jede Frau stand unter der Vormundschaft ihres Vaters bzw. Ihres Ehemannes. Der Anteil an Analphabeten lag bei den Frauen bei 85%. Des Weiteren blieb ihnen die Abschließung von Rechts- und Wirtschaftsgeschäften untersagt und politische Rechte innerhalb ihres Standes standen ihnen nicht zu.[6]

2.1 Die Rolle der Frau als Ernährerin der Familie

Das revolutionäre Engagement der Frauen aus den städtischen Unterschichten wuchs aus der direkten Betroffenheit heraus, da sie es waren, die für die häusliche Wirtschaft und die Ernährung der Familie sorgten. So wurden sie zu den Hauptträgerinnen der spontanen Journeés und Brotaufstände, die vor allem die Sicherung der Lebensmittelversorgung erzwingen sollten. Es ist also kein Zufall, dass wichtige Ereignisse der Revolutionsgeschichte mit verschärften Versorgungsengpässen zusammenfallen, bspw. dem Zug der Marktweiber nach Versailles am 5./6. Oktober 1789.[7]

Die Frauen waren an Plünderungen von Läden beteiligt, sie zwangen Bauern und Produzenten auf den Märkten, ihre Waren günstiger abzugeben. Sie kämpten gegen den Wucher und forderten mit Nachdruck die Festlegung von Höchstpreisen. Vergleichbare Aktionen waren auch schon von Hungerkrisen vor der Revolution bekannt und wurden meist nicht strafrechtlich verfolgt, da sie Ausdruck unmittelbarer Existenznöte waren.[8]

2.2 Der Zug der Marktfrauen nach Versailles

Die andauernde schlechte Versorgungssituation und die Angst vor dem in Versailles stationierten flandrischen Regiment führte am 5./6. Oktober 1789 zu einem großen Pariser Volksaufstand, dem Zug der Frauen von Paris nach Versailles. Etwa 6000 Frauen, die meisten von ihnen stammten aus dem Arbeiterviertel Faubourg Saint – Antoine und aus dem Marktviertel, machten sich gemeinsam mit der aufständischen Nationalgarde am frühen Morgen des 5. Oktober auf den Weg zur königlichen Residenz, um vom König die Verbesserungen der Lebensmittelversorgung zu fordern. Da es die Frauen waren, die für die Ernährung der Familien verantwortlich waren, sahen sie sich in besonderem Maße zum Handeln genötigt. Der König sollte Kenntnis von der miserablen Lage gewinnen. Als Vorwand, um an den Wachen vorbei zu kommen, forderten die Frauen Brot. Sie sagten jedoch nicht, weshalb sie wirklich gekommen waren. Letztendlich zogen die Frauen gemeinsam mit dem König zurück nach Paris, wobei dieser der Forderung nach gab, Brot zu beschaffen und ebenfalls unter dem Druck der Frauenversammlung die Menschenrechterklärung unterzeichnete.[9]

Zusammenfassend liegen die Ursachen des Marsches in den Ängsten und Problemen sozial- ökonomischer Art. Der Ex- und Import kam zum Erliegen, das Brot wurde knapper und teurer, die Arbeitslosigkeit und das Massenelend nahmen zu.

Die Frauen waren besonders von der Misere betroffen, denn hauptsächlich war es ihre Arbeit die gekürzt und gekündigt wurde.[10]

Die Aktivität der Frauen beschränkte sich aber keineswegs nur auf spontane, sozial motivierte Erhebungen. Sie bedienten sich wie die Männer neuer Organisationsformen wie zum Beispiel der Klubs und Gesellschaften, sie waren auf den Zuschauerrängen des Parlaments ebenso zu finden wie auf politischen Versammlungen, sie veröffentlichten Broschüren und Denkschriften, trugen Petitionen vor und versuchten Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.[11]

3. Frauenklubs

1790 bildeten sich im ganzen Land Klubs und Gesellschaften, die ausschließlich weibliche Mitglieder zählten: etwa der „Cercle Patriotique des Amies de la Vérités“ (Patriotischer Kreis derr Freundinnen der Wahrheit), der „Klub des femmes“ (Klub der Frauen) und die „Soeurs de la Constitution“ (Schwestern der Verfassung). Daneben entstanden aber auch gemischte Gesellschaften wie die „Societé fraternelle des Deux Sexes“ (Brüderliche Gesellschaft beider Geschlechter).[12]

Die auf diese Weise organisierten Frauen widmeten sich zunächst häufig wohltätigen Zwecken. Sie halfen bei der Armenfürsorge, sammelten Hilfsgüter und strickten Kleidungsstücke für die Soldaten, weshalb sie auch als Strickweiber tituliert wurden. Mit der Radikalisierung der Revolution wurden aber auch die Positionen der Frauen politischer und ihr Engagement kämpferischer. Sie nahmen an den aktuellen Diskussionen teil, wachten über die Einhaltung der Verfassung und formulierten politische Forderungen.[13]

Beispielsweise war das Jahr 1792 durch mehrfache Versuche der Frauen gekennzeichnet, ihre Bewaffnung offiziell genehmigen zu lassen. Das Recht Waffen zu tragen war ein historisch gefestigtes Männerprivileg. Während der Revolution wurde es auch ein Privileg des männlichen Bürgers. Robespierre hatte am 27.4.1791 festgestellt, dass die Bewaffnung zur Verteidigung des Vaterlandes das Recht jedes Bürgers wäre. Politisch engagierte Frauen hatten klar erkannt, dass das Recht Waffen zu tragen untrennbar mit den politischen Rechten verknüpft war und sie so zu ihrer politischen Gleichberechtigung beitragen konnten. Frauen hatten sich bereits 1789 bewaffnet, als eine Frauenkompanie in Creil-sur-Oise entstanden war, sie kämpften in der Nationalgarde, und an den Aufständen

am 20. Juni und 10. August 1792 waren immer wieder bewaffnete Frauen beteiligt. Wiederholt wurden diesbezüglich Petitionen in den Klubs verlesen. Diese Forderungen zeigten allerdings keine Ergebnisse, sie erregten eher Heiterkeit bis Ablehnung.[14]

3.1 Die Frauenklubs in Paris

In Paris kam die erste Initiative einen Frauenklub zu gründen von der Niederländerin Etta Palm d´Aelders. Diese gründete im März 1791 die „Societé Patriotique et de Bienfaisane des Amies de la Verité“. Etta Palm d´Aelders hatte den ehrgeizigen Plan in jeder Pariser Sektion auch eine Frauensektion zu eröffnen und diese auch mit denen der Provinz zu vereinen. Ihre Aufforderungen an die 48 Pariser Sektionen jeweils zwei Bürgerinnen zu nominieren blieben unbeachtet. Mit den Klubbeiträgen sollten karitative Projekte wie die Ausbildung armer Mädchen unterstützt werden. Der Klub intervenierte mehrfach zugunsten des Scheidungsrechtes. Am 1. April 1792 zog Etta Palm d´Aelders an der Spitze einer Frauendelegation in die Nationalversammlung und forderte im Namen des Klubs vehement die gleichen politischen Rechte für Frauen. Ihre Pläne scheiterten aber an der Indifferenz der übrigen Sektionen und ihr Klub fand keinen Anschluss an die revolutionäre Frauenbewegung. Nach etwas mehr als einem Jahr musste der Klub geschlossen werden.[15]

3.2 Der Klub der revolutionären republikanischen Bürgerinnen

Einer der Aufsehens erregenden Klubs der Pariser Sansculottenbewegung war der „Club des Citoyennes Républicaines Révolutionaires“ (Klub der revolutionären republikanischen Bürgerinnen) der im Mai 1793 von Claire Lacombe und Pauline Léon gegründet wurde. Die revolutionären Republikanerinnen trugen Hosen, die Nationalkokarde, Jacobinermütze und bewaffneten sich. Sie forderten das Wahlrecht für Frauen und propagierten angesichts der Bedrohung durch den Krieg die Aufstellung eines Amazonenheers sowie striktes Vorgehen gegen die inneren Feinde der Revolution.[16]

[...]


[1] Der Brockhaus in fünfzehn Bänden Vierter Band Eis – Fra , 1997, S.64.

[2] Vgl. Der Brockhaus in fünfzehn Bänden Vierter Band Eis – Fra, 1997, S.64.

[3] Vgl. Unger, Helga (2005), S. 12.

[4] Vgl. Harten ,Elke, Harten ,Hans – Christian (1989), S. 3.

[5] Vgl. Nave-Herz, Rosemarié (1997), S. 50.

[6] Vgl. Michalik ,Kerstin (1990), S. 10.

[7] Vgl. Michalik, Kerstin (1990), S. 13.

[8] Vgl. Michalik, Kerstin (1990), S.14.

[9] Vgl. Michalik, Kerstin (1990), S. 62 ff.

[10] Vgl. Michalik, Kerstin (1990), S. 20.

[11] Vgl. Michalik, Kerstin (1990), S. 21f.

[12] Vgl. Harten ,Elke, Harten ,Hans – Christian (1989), S. 24.

[13] Vgl. Harten ,Elke, Harten ,Hans – Christian (1989), S. 26.

[14] Vgl. Harten ,Elke, Harten ,Hans – Christian (1989), S. 24 ff.

[15] Vgl. Harten, Elke, Harten ,Hans – Christian (1989) S. 21-23.

[16] Vgl. Harten , Elke, Harten , Hans – Christian (1989), S. 25.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Französische Revolution und Frauenemanzipation
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V164033
ISBN (eBook)
9783640787814
ISBN (Buch)
9783640787975
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Französische, Revolution, Frauenemanzipation
Arbeit zitieren
MA Claudia Böckenstette (Autor), 2005, Französische Revolution und Frauenemanzipation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164033

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