Berufliche Sozialisation von Frauen im Kontext des geschlechtsspezifisch segregierten Arbeitsmarktes


Hausarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Begriff Sozialisation
1.2 Begriff Berufliche Sozialisation

2 Beschäftigungsstrukturen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt
2.1 Schulische Qualifikation
2.2. Der Ausbildungsmarkt
2.3 Frauenerwerbstätigkeit

3 Strukturelle Erklärungsansätze
3.1 Arbeitsmarktsegmentation und-segregation
3.2 Statistische Diskriminierung

4. Sozialisationsbedingte Ansätze
4.1 Das weibliche Arbeitsvermögen
4.2 Das Konzept der doppelten Vergesellschaftung
4.3 Das gendering-Konzept

5. Ansatzpunkte für Veränderung in verschiedenen Kontexten
5.1 Schule
5.2 Berufsberatung
5.3 Berufsbezeichnungen
5.4 Elternhaus
5.5 Übergreifende politische Konzepte
5.5.1 Gender mainstreaming
5.5.2 Das diversity-management

6 Fazit und Ausblick

Literatur

1 Einleitung

Durch den sozioökonomischen Wandel ist Berufstätigkeit sowie der Erwerb einer Ausbildung für Frauen heutzutage weitgehend zu einer Selbstverständlichkeit geworden. So hat sich die Erwerbsquote der Frauen zwischen 15 und 65 von 46% im Jahre 1970 auf 65% im Jahr 2004 kontinuierlich erhöht (Geißler 2008).

Mädchen haben Jungen gegenüber mittlerweile einen Bildungsvorsprung erzielen können. Das verstärkte Bildungsinteresse der Frauen sowie ihre verbesserten Qualifikationen haben zwar zur Emanzipation der Frauen insgesamt beigetragen, es besteht jedoch noch immer ein Ungleichgewicht. Ihre beruflichen Chancen unterscheiden sich in ihrer Reichweite für Lebenskonzept und Selbstdefinition von denen der Männer (Heinz 1995).

Beim Zugang zu einigen Berufsgruppen sowie bei der Karriereplanung sind geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeits-und Ausbildungsmarkt vorhanden. Bereits auf dem Ausbildungsmarkt findet sich das Muster typischer Männer-und Frauenberufe trotz gleicher Ausbildungsvoraussetzungen.

Hochdotierte Positionen und Leitungsaufgaben werden zumeist von Männern besetzt, Frauen über eher soziale und in der Hierarchie unten angesiedelte Berufe aus und sind daher eher von Arbeitsplatzverlust betroffen. Zudem sind sie häufiger im dienstleistenden Gewerbe tätig, wohingegen Männer bevorzugt technische Berufe ergreifen.

Die angestrebte Unabhängigkeit und Eigenständigkeit von Frauen kann nur begrenzt umgesetzt werden: Frauen werden häufig in Berufen ausgebildet, die ihnen eine eigenständige ökonomische Existenz verwehren (Nissen et al 2003).

Trotz Erosion des Ernährermodells setzt sich die Familie nicht aus ökonomisch unabhängigen, autonomen Individuen zusammen, da Frauen neben der Erwerbstätigkeit den Hauptteil der unentgeltlichen familiären Betreuungsarbeit leisten (Lewis 2003).

Der demographische Wandel erfordert aufgrund des Bevölkerungs-und Erwerbspotentialrückganges in den kommenden Jahrzehnten vermehrt gut qualifizierte Fachkräfte und eine noch stärker werdende Erwerbsbeteiligung der Frauen und lässt den Berufsfindungsprozessen junger Frauen einen erheblichen Stellenwert zukommen (Süssmuth 2007).

Die in jungen Jahren getroffene Berufswahl hat weitreichende Konsequenzen für die weibliche Biographie. Es soll im folgenden Berufsfindung als ein multifaktorieller Prozess analysiert werden. Die Komplexität des Prozesses wird anhand struktureller und gesellschaftlicher Ansätze vertieft erörtert. Anschließend werden Ansätze diskutiert, die eine Veränderung bestehender Strukturen bewirken können. Da für die sich anschließenden Ausführungen ein einheitliches Begriffsverständnis vonnöten ist, erfolgt zunächst eine kurze Definition wesentlicher Arbeitsbegriffe.

1.1 Begriff Sozialisation

Gesellschaftlich vermittelte Vorstellungen stellen Erwartungen an das Gesellschaftsmitglied und beinhalten Rollenzuschreibungen: Denkmuster, Handlungsweisen, Ziele, Empfindungen werden innerhalb des Sozialisationsprozesses produziert. Die Internalisierung von Normen, Werten im Laufe des Sozialisationsprozesses ist notwendig, damit das Gesellschaftsmitglied als solches fungieren kann.

Die gesellschaftlich produzierte „Idealvorstellung“ wird innerhalb des sozialen Umfeldes konstituiert und ist damit kulturspezifisch und dynamisch. „Sozialisation bezeichnet(…) den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit d]en natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundlagen, die für den Menschen die innere Realität bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die äußere Realität bilden“. (Hurrelmann 2002, S.24)

Die Doppelnatur von Sozialisation äußert sich darin, dass durch das gemeinsame Handeln individueller Akteure soziale Strukturen (also soziale Umwelten) geschaffen werden, die interpretiert und bewertet werden, mithin erfahrungsbildend wirken und so als Kontexte für die Persönlichkeitsentwicklung fungieren. (Hurrelmann et al 2008)

1.2 Begriff Berufliche Sozialisation

Sie beschreibt die Aneignung von Kompetenzen, Fähigkeiten und Orientierungen durch berufliche Tätigkeitsfelder im Rahmen der Erwerbsbiographie. Diese Entwicklungsprozesse vollziehen sich im und neben dem - sowohl als auch für den Beruf und prägen die Identitätsentwicklung (Heinz 2009).

3 Beschäftigungsstrukturen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Zunächst soll grundlegend eine Bestandsaufnahme vorhandener schulischer und arbeitsmarktspezifischer Strukturen vorgenommen werden.

3.1 Schulische Qualifikation

Im Zuge der Bildungsreform hat ein qualifizierter Schulabschluss für die Mehrzahl der jungen Frauen erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Einschulungsalter sowie die Anzahl der Klassenwiederholungen von Mädchen weicht von dem der Jungen deutlich ab. Zudem haben sie hinsichtlich weiterführender Schulabschlüsse einen deutlichen Bildungsvorsprung erzielen können im Vergleich zu männlichen Mitschülern (Stürzer 2005). Die längere Verweildauer der Schülerinnen im Schulsystem kann auch auf erste Barrieren beim Übergang in die Berufsausbildung verweisen.

Obgleich die Qualifikation als maßgebliches Kriterium bei der Ausbildungsplatzvergabe gilt, setzt sich der in der Schulzeit erworbene Bildungsvorsprung junger Frauen dennoch nicht durch. Im folgenden Kapitel wird darauf näher eingegangen.

3.2 Der Ausbildungsmarkt

Die Möglichkeit einer betrieblichen Ausbildung im dualen System beinhaltet im Gegensatz zu vollzeitschulischen Berufsausbildungen bundesweit anerkannte Abschlüsse, tarifvertraglich geregelte Vergütung sowie den Erwerb betriebsspezifischer Kenntnisse. Somit bietet eine duale Berufsausbildung vergleichsweise bessere Übergangschancen in das sich anschließende Erwerbsleben.

Obgleich weibliche Auszubildende durchschnittlich höherwertige Abschlusszeugnisse mit besseren Noten vorweisen, sehen sie sich bereits an der ersten Schwelle der Berufseinmündung mit Benachteiligungen konfrontiert. Im Durchschnitt absolvieren deutlich mehr Jungen eine duale Ausbildung als junge Frauen. Die Umsetzung des angestrebten Ausbildungsziels im dualen System konnten im Jahr 1990 nur 43 %der Frauen realisieren. Das duale System beinhaltet erheblich mehr technische und damit als „Männerberuf“ geltende Ausbildungsgänge; Frauen scheinen jedoch eher soziale-und Dienstleistungsberufe zu favorisieren, die als typische „Frauenberufe“ überwiegend geringer entlohnt werden und weniger Karriereoptionen bieten. Als Alternative zu Arbeitslosigkeit werden die im vollzeitschulischen Segment angebotenen Ausbildungsgänge im Sozial- und Gesundheitswesen sowie im hauswirtschaftlichen Bereich überwiegend von Frauen ergriffen (Georg/Sattel 2007).

Aus antizipierten und praktischen Erfahrungen bei der Ausbildungsplatzsuche resultiert die Bereitschaft, sich den Arbeitsmarktkonditionen flexibel zu adaptieren und die ursprünglich angestrebte Wunschausbildung zugunsten eines typischen Frauenberufes aufzugeben. Das geschlechtsspezifische Berufswahlspektrum ist unverändert ausgeprägt: Über die Hälfte aller jungen Frauen und nur ein Drittel der männlichen Jugendlichen werden in 10 Berufen qualifiziert (Heinz 2007).

Im Kontext der geschlechtsspezifischen Ausbildungswahl werden bereits die Weichen für berufliche Aufstiegsoptionen gestellt. Somit ergeben sich hinsichtlich des weiteren Erwerbsverlaufes für Frauen erhebliche Nachteile, wie im folgenden Kapitel ersichtlich wird.

3.3 Frauenerwerbstätigkeit

Trotz verbesserter schulischer und beruflicher Qualifikationen der Frauen sind in den beruflichen Strukturen erhebliche Divergenzen zu erkennen: Die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern ist deutlich niedriger, wohingegen sie bei erwerbstätigen Männern mit Kindern zunimmt. Wesentlich mehr Frauen gehen mit zunehmender Tendenz einer Teilzeitbeschäftigung oder einem „Mini-Job“ nach. „Beim allgemeinen und spezifischen Humankapital, das im Arbeitsleben erworben worden ist und meist über die Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit erfasst wird, haben Frauen immer noch Defizite gegenüber Männern“. (Hübler 2003, S.3)

Die Erwerbsbiographie steht demzufolge in engem Zusammenhang mit der familiären Situation (Dressel et al 2005). Erwerbsunterbrechungen und Arbeitszeitreduktion stehen jedoch konträr zu den beruflichen Anforderungen wie Flexibilität und uneingeschränkte Motivation, minimieren das berufliche Einkommen und stehen einer beruflichen Karriere im Wege. Die höheren Durchschnittslöhne von Männern sind aus dieser Sicht ein legitimer Produktivitätsbonus (Achatz et al 2004).

Das Durchschnittseinkommen erwerbstätiger Frauen liegt erheblich unter dem männlicher Arbeitnehmer. “Insgesamt sind die negativen Lohneffekte von Erwerbsunterbrechungen für weibliche Beschäftigte größer“ (Beblo/Wolf 2003, S.13)

Frauen sind in Hochlohngruppen unterrepräsentiert (Lohel et al 2005). Durch den expandierenden Dienstleistungssektor ist der Zugang zum Arbeitsmarkt zwar insgesamt verbessert worden, doch besetzen Frauen auch hier eher die unteren und mittleren Positionen. Aufgrund von individuellen ökonomischen Notwendigkeiten sowie eingeschränkten Wahlmöglichkeiten dienen sie den Unternehmen als billige Reservekräfte für unbeliebte Tätigkeiten sowie ungewöhnliche Arbeitszeiten (Georg/Sattel 2007). Darüber hinaus werden Frauen selbst innerhalb der Niedriglohnbranchen noch geringer entlohnt als ihre männlichen Kollegen. Trotz gleicher Ausbildung und gleichen Alters im gleichen Beruf und Betrieb verdienen Frauen etwa 12% weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen (Hinz/Gartner 2005). Das geringere Erwerbseinkommen der Frauen begünstigt wiederum ein Ausscheiden aus dem Erwerbsleben oder Arbeitszeitreduktion zugunsten der Familienarbeit, wodurch ungleiche Arbeitsmarktmarktchancen noch verstärkt werden mit der Konsequenz entsprechend niedriger Renteneinkünfte im Alter (Allmendinger2000).

Unter Zuhilfenahme theoretischer Ansätze soll im Folgenden das geschlechtsspezifische Berufsfindungsmuster vertiefend erläutert werden.

4. Strukturelle Erklärungsansätze

Die Strukturen des Arbeitsmarktes wirken sich maßgeblich auf das Berufswahlverhalten weiblicher Auszubildender aus. Nachfolgend soll aufgezeigt werden, dass arbeitsmarktspezifische Strukturen Barrieren für Arbeitnehmerinnen darstellen, welche den Prozess der Berufswahl beeinflussen.

4.1 Arbeitsmarktsegmentation und -segregation

Es formieren sich Teilarbeitsmärkte mit je unterschiedlichen Aufgabenstellungen, Anforderungsprofilen und Karrieremöglichkeiten. Verschiedene Rekrutierungs-und Selektionsstrategien gewährleisten deren Aufrechterhaltung.

Dabei wird unterschieden zwischen dem unstrukturierten, dem betriebsinternen und dem berufsfachlichen Arbeitsmarkt. Im unstrukturierten, sekundären Teilarbeitsmarkt sind häufig un-und angelernte Arbeitskräfte beschäftigt. Eine fehlende Arbeitsplatzgarantie, geringer Verdienst und Aufstiegsblockaden sind kennzeichnend. Auf dem sogenannten „Jedermann-Arbeitsmarkt“ finden sich ungenügend qualifizierte Jugendliche oder Frauen, Berufsrückkehrerinnen und Ausländerinnen. Es handelt sich eher um Gelegenheitsjobs, häufig ohne soziale Absicherung und/oder Vertrag. Arbeitgeber und-nehmer sind wechselseitig nicht aneinander gebunden.

Im größten Segment, dem berufsfachlichen, primären Teilarbeitsmarkt finden sich überbetrieblich qualifizierte Arbeitnehmer mit standardisierten Ausbildungsgängen, die somit unabhängig von einem bestimmten Arbeitsplatz sind.

Im betriebsinternen und primären Arbeitsmarkt ist der Arbeitnehmer aufgrund der eher betriebsspezifischen Qualifikationen an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden. Ein hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit sowie Aufstiegsmöglichkeiten sind kennzeichnend (Sengenberger, S.15 f).

Arbeitsmarktsegmentative Strukturen in Form der Teilarbeitsmärkte beinhalten eine geschlechtsspezifische Segregation, dergestalt, dass berufliche Positionen und Branchen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen unterschiedlich repräsentiert werden. Innerhalb der sogenannten horizontalen Arbeitsmarktsegregation wird eine geschlechtsspezifische Unterteilung in Männer-und Frauenberufe vorgenommen. Die vertikale Segregation beschreibt die unterschiedlichen hierarchischen Strukturen erwerbstätiger Frauen und Männer(Dressel2005). So bekleiden wesentlich weniger Frauen eine Führungsposition oder arbeiten in Hochlohnberufen. Durch technischen Fortschritt verlieren gering qualifizierte Frauen daher eher den Arbeitsplatz. Zudem ist der Arbeitsmarkt angewiesen auf kontinuierliche und zeitlich flexibel zur Verfügung stehende Arbeitskräfte mit uneingeschränkter beruflicher Leistungsfähigkeit und Mobilität.; gleichzeitig wird Frauen eine potentielle Mehrfachorientierung auf Familie, Kinder und Haushaltsführung gesellschaftlich zugewiesen, die die Erfordernisse des Arbeitsmarktes behindern. Berufe, die ähnliche Tätigkeiten beinhalten, wie sie die Familienarbeit erfordert (Kindererziehung, Reinigung, Nahrungsmittelbereitung) erfahren nur geringe Wertschätzung und zählen zur Niedriglohngruppe.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Berufliche Sozialisation von Frauen im Kontext des geschlechtsspezifisch segregierten Arbeitsmarktes
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Kultur-und Sozialwissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V164103
ISBN (eBook)
9783640793327
ISBN (Buch)
9783640793631
Dateigröße
967 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufliche, Sozialisation, Frauen, Kontext, Arbeitsmarktes
Arbeit zitieren
Kerstin Funk (Autor), 2010, Berufliche Sozialisation von Frauen im Kontext des geschlechtsspezifisch segregierten Arbeitsmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164103

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