Ironie, Humor, Satire. Kooperativer Wettbewerb zur Erstellung eines humoristischen Textes im Unterricht


Unterrichtsentwurf, 2010

29 Seiten, Note: 13 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Lerngruppe
1.2 Lehrer-Schüler-Verhältnis
1.3 Äußere Bedingungen
1.4 Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung

2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen
2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit
2.2 Sachanalyse sowie Auswahl und Begründung der Inhalte
2.3 Auswahl und Begründung der Lernziele
2.4 Begründung der didaktischen Stufung des Unterrichts und des gewählten Methodenkonzeptes
2.5 Aussagen zu Schülerleistungen

3. Verlaufsplanung

4. Literaturverzeichnis/ Abkürzungsverzeichnis

5. Anhang

1. Bedingungsanalyse

1.1 Lerngruppe

In der Klasse 9 lernen derzeit 19 SuS. Aufgrund des Schulprofils weist die Schülerklientel ein weitläufiges Einzugsgebiet (Thüringen, Hessen, Bayern) und Sportarten­repertoire auf: So setzt sich die Gruppe aus Fußballern (5m/2w), Fechtern (3m/2w), Triathle­ten (2m/2w), 1 Badmintonspieler (m) und 2 Bogenschützen (m) zusammen. Sowohl die Bandbreite des Sport­artenkanons als auch das charakterlich ausgewogene Verhältnis der Jungen und Mäd­chen (zahlenmäßige 13:6-Relation) sind für das ausgesprochen angenehme und teils pro­duktive Arbeitsklima in der Klasse maßgeblich verantwortlich. Die SuS sind aufgrund ihrer spezialsportlichen Profilierung von Natur aus damit vertraut, innerhalb einer Gruppe mitei­nander zu interagieren, sich selbst dabei als wertvollen, wesent­lichen und mit Verantwortung versehenen Teil einer Gemeinschaft zu begreifen und insofern auch wetteifernd um Siege zu kämpfen. Der überwiegende Teil der Klasse präsentiert sich in seiner Lernbereitschaft in dieser Hinsicht auch recht aufgeweckt und arbeitswillig.

Das Leistungsvermögen der Klasse 9 ist als durchaus heterogen zu bewerten – besonders leistungsstark treten dabei die SuS xxx in Erscheinung, die ihren Voraussetzungen gemäß das Leistungsniveau anheben und über gute bis sehr gute sprachliche Fähigkeiten in Wort und Schrift verfügen. In puncto „Mitarbeit“ zeichnen sich ebenso deutliche Unterschiede ab: Wäh­rend sich die SuS xxx eher bedeckt halten, sind es wiederum bei den Jungen vorallem xxx, bei den Mädchen insbesondere xxx, die sich durch aktive Mitarbeit im Unterricht auszeichnen sowie mittels ihrer Wortmeldungen das Unterrichts­geschehen kon­struktiv beleben und berei­chern. Wenngleich sich das qualitative Maß einiger Äußerungen nicht immer äquivalent zur hohen Quantität der Beiträge verhält, positionieren sich einige SuS jedoch zunächst recht häufig und engagiert zu den für sie lebensweltlich relevanten Themen. Zwar treten darüber hinaus einige weitere SuS durchaus diskussions­freudig und an den Sachgegenständen interes­siert in Erscheinung, weisen jedoch z.T. Reserven darin auf, sich über eine längere lehrer­zentrierte Arbeitsphase hinweg zu konzentrieren und insofern verbale Beiträge zu kontrol­lieren (SuS xxx) – d.h. nicht wahllos Zwischen­kommentare im Unterricht von sich zu geben oder schlichtweg mit dem Nachbar zu „schwatzen“. Sie müssen regelmäßig zur Ruhe gebeten bzw. zur Arbeit angehalten werden, da sie sich oder ihre Mitschüler beliebterweise im Fron­tal­­unterricht zeitweilig von der Arbeit ablenken. Hinzu kommt, dass sich die SuS phasenweise äußerst „träge“ (xxx) in puncto Mitarbeit zeigen - insbesondere in den 1. Unter­richts­­stunden des Tages - was jedoch auch z.T. ihrem umfang­reichen Trai­nings-, Lehrgangs- und Wett­kampf­pen­sum durch die sportliche Zusatzbelastung geschuldet ist. Kooperative Lernformen sind der Klasse als ein vertrautes Metier bekannt. Einer Evaluation gemäß bewerten die SuS Gruppenarbeiten als Grundlage kooperativer Lernarrangements durchaus positiv – darüber hinaus ist die Lerngruppe ebenso dazu in der Lage, die Ergebnisse ihrer Arbeitsprozesse z.T. entsprechend anschaulich und wirkungsvoll zu präsentieren. Durch die qualitativ teils hetero­gene Ausprägung der Arbeitshaltung ist die Schülerklientel unter­schiedlich dazu in der Lage, mit den ihr gebotenen kreativen Freiräumen umzugehen – wäh­rend dies einige SuS bereits recht selbstständig und erfoglreich nutzen können, benötigen andere SuS wiederum teils umfangreichere Unter­stützung durch Mitschüler oder den Lehrer.

Die Klasse 9 ist über ihre zeitweilige Lebhaftigkeit hinaus durch zahlreiche kreative Ideen und Impulse in Erscheinung getreten – Potenziale, die es im Zuge der Unterrichtsplanung durch­aus zu verfolgen und zu forcieren gilt. Inhalte, in denen der kreative Umgang mit Sprache unter Vorgabe einer intendierten Wirkung im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens stand, sind bis dato recht gewissenhaft und engagiert bearbeitet worden. Bis auf kleinere, tolerierbare Verhaltensabweichungen kann von ernsthaften Disziplinproblemen in dieser Lerngruppe insofern jedoch nicht die Rede sein.

1.2 Lehrer-Schüler-Verhältnis

Mit Beginn des neuen Kalenderjahres habe ich den Deutschunterricht in der Klasse 9 über­nommen. Im Rahmen meiner Hospitationen ist mir die Lerngruppe bereits seit Schuljahres­beginn bekannt – ferner unterrichte ich einige SuS (xxx) parallel auch im Sportunterricht. Darüber hinaus sind mir bereits einige Mädchen auch als Spielerinnen durch meine Trainer­tätigkeit auf Vereinsebene vertraut (xxx). Von der Lerngruppe wurde ich von Anfang an recht wohlwollend und freundlich aufgenommen - aufgrund dieser angenehmen und produktiven Ar­beits­at­mosphäre bereitet mir der Unterricht in der Klasse 9 sehr viel Freude. So ist das Klima von gegenseitiger Akzeptanz, Respekt und einem freundlich-konsequenten sowie tran­spa­­renten Umgang miteinander bestimmt. Meine Bemühungen zur Gestaltung eines ab­wechs­lungsreichen und schülerorientierten Unterrichts in variabel gestalteten kooperativen und selbstgesteuerten Lernarrangements erfuhren insofern eine bis dato positive Resonanz.

1.3 Äußere Bedingungen

In besonderem Maße erwähnenswert sind die technisch-strukturellen, materiellen und räum­lichen Rahmenbedingungen der Schule: Für die vorliegende Stunde ist insofern ein Umzug aus dem ursprünglich dafür vorgesehenen Klassenraum in den Raum xxx vorge­sehen, da dieser ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten für die Gruppenarbeiten (Gruppen­-„nähe“ zu­einan­der und “-abschottung“ gegeneinander) sowie ein modernes Beamersystem zur anspre­chenden äußeren und inhaltlich unterstützenden Stundenrahmung bietet.

1.4 Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung

Hinsichtlich des klassenspezifischen inneren und äußeren Bedingungsgefüges ergeben sich einige Konsequenzen für die didaktisch-methodische Gestaltung des Unterrichts: Da sich die Klasse in der 1. Stunde eines Unterrichtstages des Öfteren eher unmotiviert und träge zeigt, ist ein lebendiger und motivierend-schwungvoller Unterrichts­beginn von Seiten des Lehrers als Einstieg unerlässlich. Um wiederum der „Trägheit“ einiger SuS im weiteren Verlauf entge­genzuwirken und eine Abwechslung zu längeren lehrerzen­trierten Arbeitsphasen zu schaffen, ist es als Konsequenz für die Unterrichtsgestaltung vonnöten, die Schüler kooperativ mitei­nander in Interaktion zu versetzen: Deshalb soll nach einer kurzen Wiederholungs­phase zur Vergegenwärtigung sachlich relevanter Inhalte dem Anspruch auf Erhöhung des Aktivitäts­grades, der Eigenverantwort­lichkeit und auch der aktiven Lernzeit auf Seiten der SuS koo­perierend Rechnung getragen werden. Jene Arbeitsform ist im Hauptteil der Stundenkon­zeption situiert. Gruppenarbeiten als Grundlage kooperativer Lernarrangements sind der Klas­se insofern ebenso vertraut wie das Wetteifern um den Sieg in ihrer jeweiligen Sport­art. Diese beiden wesentlichen Aspekte kombiniert die vorliegende Unterrichtsplanung.

Aufgrund der Fähigkeiten im Darstellen sollen die SuS ebenso die Möglichkeit dazu erhalten, die Ergebnisse ihrer Arbeitsprozesse entsprechend wirkungsvoll vor dem Auditorium zu prä­sen­tieren (wenngleich die Qualität der Erarbeitung und Präsentation im Einzelfall stark von der jeweiligen Gruppenzusam­men­­setzung abhängt). Infolge jener qualitativ unter­schied­lichen Ausprägungen der Lernvoraus­setzungen ist es vonnöten, eine möglichst ausgeglichene Grup­pen­konstellation zu arrangieren: Indem 3 leistungsstarke SuS (auch als Anerkennung und Würdigung ihres bisherigen Engagements) als „Kapitäne“ ihr Team per Wahl eigens im Vor­feld zusammenstellen durften, ist jenem Umstand adäquat begegnet worden. Die 3 Teams sind durchaus dazu in der Lage, gemeinschaftlich ansprechende Arbeitsergebnisse hervorzu­bringen. Zur Erreichung ihres gemeinsamen Gruppenzieles müssen sich die SuS innerhalb ihrer Teams gegen­seitig unterstützen, was wiederum hohe Anforderungen an die Selbststän­digkeit[1] der Gruppenmit­glieder stellt. Der Deutschunterricht wiederum bietet zur Erfüllung der Forde­rung nach erhöhter Schüler­aktivität zahlreiche Handlungsmöglichkeiten, denen im Rahmen des intendierten Wettbe­werbs der vorliegend geplanten Unterrichtsstunde in Form eines koopera­tiven Lern­arrangements Rechnung getragen werden soll. Um der Forderung nach „Entschleu­nigung“ (d.h. der Gewährung von ausreichender Lern- und Arbeitszeit gemäß Meyer, 2008) gerecht zu werden, ist für die geplante Unterrichtseinheit eine Doppel­stunde vorgesehen. In einer Art „Poetry Slam“[2] (respektive einem Comedy-Wettbewerb) ist jede Gruppe sowohl Teilnehmer, welcher einen Beitrag im Rahmen des Wettbewerbs darbietet, als auch Auditorium, welches in Jury-Funktion die dargebotenen Beiträge entsprechend beurteilt und bewertet. Da sich die SuS insbesondere engagiert und motiviert jenen Inhalten widmen, die ihren lebensweltlichen Bezügen entsprechen, basiert die Themenauswahl auf Grundlage der im Vorfeld mittels Umfrage eruierten Interessen der Lerngruppe. Die hinsichtlich der Beamer­nutzung vorgesehene Powerpoint-Präsentation dient lediglich zur inhaltlichen Orien­tierung. Bei technischem Defekt ist es mühelos möglich, diese Übersicht alternativ auch an der Tafel zu notieren.

2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen

2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit

Die Auswahl des Stoffkomplexes „Ironie/ Humor/ Satire“ basiert auf den schulinternen Beschlüssen der Fachkonferenz – er ist in dieser Hinsicht immanenter Bestandteil der 9. Jahrgangsstufe dieses Gymnasiums. Den Orientierungen des Thüringer Lehrplans[3] folgend, integriert sich das Thema der Lehrprobenstunde insbesondere in den übergeord­neten Lern­bereich I (S. 12) “Mündlicher und schriftlicher Sprachgebrauch“[4] in puncto „kreatives Dar­stel­len“[5] sowie „Anwenden spezifischer Lern- und Arbeitstechniken“. Die bewusste Verzah­nung mit den Lernbereichen II „Umgang mit Texten“[6] und III „Refle­xion über Sprache“[7] ist jedoch ebenso zu betonen. Durch die Thematisierung und Überhöhung von Klischeedenken in puncto „Schule und Unterricht“ knüpft die Stunde an der inhaltlichen Empfehlung „Urteile oder Vorurteile“ für die 9. Klasse an. Themen und Schwer­punkte von Teilen der Stoffeinheit, innerhalb derer sich die Lehrprobenstunde einordnet, führt die nachfolgende Übersicht auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lehrproben­stunde findet nach dem -im Anschluss an die Winterferien- beginnenden 2. Schulhalbjahr folglich in der 4. und 5. Unterrichtsstunde nach den einwöchigen Ferien statt. Anknüpfend an eine der Festigung dienende Wiederholung textsortenspezifischer Besonder-heiten, sprachlicher Gestaltungs­mittel sowie insbesondere Übungsphasen zum Arbeiten in kooperativen Lernformen und der Reflexion dieses Prozesses gehen der Lehrprobenstunde auch das Verfassen, Vortragen und Bewerten humoristischer Texte noch einmal voraus. Darauf aufbauend fokussiert die Lehrprobenstunde die Zusammenführung der im Vorfeld geschulten Schwerpunkte: Sie bildet den rahmenden Abschluss, welcher die Stoffeinheit „Ironie / Humor / Satire“ mit einem Wettbewerb als finalen Höhepunkt beendet.

2.2 Sachanalyse sowie Auswahl und Begründung der Inhalte

„Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens.“ (Wilhelm Raabe)

Die SuS leben in einer Leistungsgesellschaft, in der der Aspekt des FORDERNS und der des FÖRDERNS insbesondere an Spezialschulen schwerpunktmäßig akzentuiert wird. Dennoch dürfen in einer solch gesellschaftlichen Ausrichtung Amüsements wie Unterhaltung, Spaß und Lachen nicht zu kurz kommen! Um jenem Wettbewerbsgedanken einerseits und der For­derung nach „Vergnügung für die Seele“ andererseits gerecht zu werden, versucht die vorlie­gende Stundenkonzeption beide Aspekte integrativ miteinander zu kombinieren. Dem Zitat Raabes beipflichtend, bleibt kommentierend hinzuzufügen: In der Tat sichert Humor in unserer pluralen Gesellschaft gar das Überleben! „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“ – und nicht umsonst kommuniziert der Volksmund selbige Intention unisono mit dem Slogan „Lachen ist die beste Medizin.“ Der vorliegende Stoffkomplex zum Thema „Ironie[9] / Hu­mor[10] / Satire[11] “ ist mir aus der skizzierten Argumentationsstruktur heraus insofern beson­ders wichtig und am Herzen liegend. Ferner orientiert sich die Auswahl der Lerninhalte eben­so an den obligatorischen Richtlinien des Thüringer Lehrplans (welche thematisch insbeson­dere für den Deutsch­­unterricht großen Spielraum gewähren) sowie an den schulinternen Beschlüs­sen der Fachkonferenz (vgl. Punkt 2.1). Um u.a. die Zielstellung eines besonders „hohen Anteils an aktiver Lernzeit“[12] gemäß Meyer (2008) zu gewährleisten, bietet sich der Einsatz einer koopera­tiven Lernform nach einer kurzen, lehrerzentrierten Motiva­tions- und Einführungs­phase an. Jene didaktisch-methodische Entscheidung im kreativen Hauptteil der handlungs- und produktions­orientierten Stun­denkonzeption gewährleistet die Erhöhung der aktiven Lern­zeit. Ferner stärkt der Einsatz der KL vorallem all jene leistungs­schwächeren SuS in ihrem Lernprozess, da diese im Verfassen humoristischer Texte -wie der bisherige Unter­richts­verlauf offenbart hat- noch z.T. deutliche „Reserven“ aufweisen.

Sich gegen gesellschaftliche Missstände zu erheben, Unzulänglich­keiten der menschlichen Spezies anzuprangern -und dies bestenfalls auf intelli­gente und charmante Weise- stellen gleichermaßen sowohl Bedürfnisse als auch kennzeichnende Attribute eines demokratischen Staatsbürgers dar. „Satiriker sind Menschen, die mit spitzer Zunge stumpfe Geister kitzeln“ positionierte sich Peter E. Schumacher der­einst. Die Text­sorten­spezifik (siehe Anhang, Anlage 1) lässt dieser Ansicht uneingeschränkt beipflich­ten – so verspottet die „Satire“ mensch­­liche Schwächen und entlarvt kritikwürdige Zustände im gesellschaftlichen Leben. Als personale „Zielscheiben“ fungieren in dieser Hinsicht häufig Prominente, d.h. eine popu-läre Klientel wie beispielsweise Politiker und TV-Stars oder eben auch anderweitige Personen des öffentlichen Lebens wie z.B. Lehrer samt deren Lebensraum „Schule“ etc. Bei vorlie­gender Textsorte wird die intendierte Kritik nicht nur in einfacher, indirekter Manier hervor­gebracht – nein, der kritisierte Aspekt soll in seiner Darstellung häufig gar der Lächer­lich­keit preisgegeben werden. Mettenleiter und Knöbl (1991, S. 61) sprechen in diesem Zusammen­hang von einer

„Kunstform, die sich an einer Norm orientiert und auf indirekt-ästhetische Weise [...] in der Literatur, im Bild und heute auch in Film und Fernsehen verspottet. Stets lebt die Satire aus der Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit und kann als die in ästhetischer Form versuchte Gestaltung und Kritik des Normwidrigen definiert werden. Sie tritt in allen literarischen Gattungen auf [...] und erscheint je nach Absicht des Verfassers in unterschiedlichen Tonlagen: Sie kann liebenswürdig, humorvoll, komisch, aber auch ironisch, zornig und scharf-züngig-bissig sein, entsprechend der Schillerschen Unterscheidung zwischen „lachender“ und „strafender“ Satire.“

In einem eigenen, konstruktivistischen Zugang tritt die Satire bildungsinhaltlich[13] für mich als „Waffe der Intel­ligenten“ in Erscheinung, welche die Auslebung sich in gewis­sen Kontexten mensch­lich natürlicher Weise entwickelnder ‚Aggressionen’ auf verbaler Ebene einer körper­lichen Ausein­an­dersetzung bevorzugt – und insofern auf eine handgreifliche Konfliktaustra­gung verzichtet. Jene literarische Spottschrift kann gleichermaßen jedoch auch gegen gewisse Lebensanschau­ungen oder Ereignisse „schießen“ – sie beschränkt sich insofern nicht nur auf personale Entitäten. Dabei folgt sie im Unterschied zu anderen Textsorten keinem stringenten Bauplan (respektive Aufbau), sondern kann nahezu konven­tionsfrei nach eigenem Gusto des Verfassers gestaltet werden. Bezogen auf die intendierte Wirkung ist die Textsorte „Satire“ stets unmittelbar an die ihr eigenen, spezifischen Gestaltungs­mittel auf sprachlicher Ebene (siehe Anhang, Anlage 2) geknüpft. Vereinzelte Stilmittel wie z.B. Ironie, Übertrei­bung und Wortneuschöpfungen treten dabei besonders häufig in Erschei­nung und auch der forcierte Einsatz von Umgangssprache und dialektalen Varietäten erscheint in diesem Zusam­men­­hang erwähnenswert. Die Position Georg Christoph Lichtenbergs sei insofern ab­schlie­­­ßend noch einmal betont, um die immense Bedeutung der Thematik als curricu­laren sowie alltäglich-lebensweltlichen Inhalt zu verdeutlichen:

„Die feinste Satire ist unstreitig die, deren Spott mit so wenig Bosheit und so vieler Überzeugung verbunden ist, daß er selbst diejenigen zum Lächeln nötigt, die er trifft.“

Intendierte Zielscheibe dieses „Angriffs“ sind somit WIR. Dieses WIR meint wiederum UNS als Angehörige jener „Spezies“: die Lehrerklientel mit ihrem ganz eigenen und individuellen Unterrichts­habitus und ihrer nicht von der Hand zu weisenden Fehlbarkeit. Gleichsam schü­ler­orientiert und situativ geeignet bietet sich in dieser Hinsicht für die SuS dieses Gymna­siums (mit dem zumeist hinzutretenden Hintergrund des Internats­lebens und seiner Facetten) die Thematik „Schule und Unterricht“ für die vorliegend konzi­pierte Lehrprobenstunde als Wettbewerb (vgl. Punkt 1.4) an – es gilt insofern mit Spannung zu erwarten, welches Spiegel­bild uns die SuS als Ergebnis am Ende der Stunde vorhalten werden!

2.3 Auswahl und Begründung der Lernziele

Hauptlernziel: Die SuS wenden ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse zum Stoffkomplex „Ironie/ Humor/ Satire“ praktisch an, indem sie handlungs- und produktionsorientiert einen humoristisch-satirischen Text zum Thema „Schule und Unterricht“ im Rahmen eines Wettbe-werbs verfassen, diesen vor dem Publikum präsentieren und dessen Wirkung reflektieren.

Feinlernziele:

- kognitiv – Die SuS reaktivieren ihr Vorwissen zur Absicht, Wirkung sowie den sprach­lichen Gestaltungsmitteln der Satire; sie werden darüber hinaus dazu befähigt, diese Kenntnisse auf das Thema „Schule und Unterricht“ transferierend anzuwenden. (Sachkompetenz, Selbstkompetenz)
- psychomotorisch – Die SuS sind dazu in der Lage, als kooperierende Lerngruppe einen eigenen, den Merkmalen des Stoffkomplexes adäquaten, Text zu erstellen, und diesen humoristisch wirkungsvoll zu präsentieren.
(Methoden­kompetenz, Selbstkom­petenz, Sozialkompetenz)
- affektiv – Die SuS fühlen sich in die Textsortenspezifik ein und erweitern ihre kom-mu­ni­­kativen, problemlösenden sowie selbststeuernden Fähigkeiten und Fertig­keiten mittels eines kooperativen Lernarrangements, indem sie sich auf eine gemein­same Vorgehensweise und ein gemeinsames Produkt hin einigen. (Sozial­kompetenz)

Die Auswahl der Lernziele lässt sich wiefolgt begründen:

Auf den Erkenntnissen der Bedingungsanalyse sowie den Richtlinien des Thüringer Lehr­plans (vgl. Punkt 2.1) basieren Auswahl und Begründung der Stun­den­inhalte, aus denen sich wie­derum folgerichtig die dargelegten Haupt- und Feinlernziele der Lehrproben­stunde ableiten: Als Abschlussstunde zur Stoffeinheit steht nach kurzer Wissensreaktivierung ein kooperie­render Wettbe­werb zur Erstellung eines humori­stischen Textes im Mittelpunkt. Während in den vorangegangenen Stunden die dafür grundlegend notwendi­gen analytischen sowie pro­duktionsorientierten Kom­pe­tenzen hinsichtlich des Stoffkomplexes „Ironie/ Humor/ Satire“ geschult worden sind (vgl. Punkt 2.1, tabellarische Übersicht), fokussiert die Stunde die durch­aus anspruchsvolle Produktion eines dem Stoffkomplex „ästhetisch adäquaten“ Textes[14] in einer kooperierenden Gruppe: Der Spezifik jener sportlich ambitio­nierten Lern­gruppe ent­spre­chend zielt die Stunde demnach auf den Lernzuwachs ab, dass die SuS nunmehr nicht nur einzeln und jeder für sich einen humoristischen Text erstellen, sondern dass sie diesen in einer kooperativ agierenden Lerngruppe (respektive im Team) entwickeln und dessen Inhalt und Spezifik miteinander interagierend verhandeln: Dies wird anhand einer kultivierten Ge­sprächs­kultur sichtbar werden, innerhalb derer jedes Gruppenmitglied seiner jeweiligen Spe­zial­aufgabe Geltung verschafft (Gruppenleiter, Zeitwä­chter, Schreiber etc.), was mir als Bei­trag zur Entwick­lung von Sozialkompetenz in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist. Die SuS öffnen sich auf diese Weise der gemeinschaftlichen Kreativ­arbeit zum Thema „Schu­le und Unterricht“. Darüber hinaus ist die Erreichung des Stunden­ziels als Wettkampf der Gruppen untereinander intendiert, da sich die Sportler im Deutsch­unterricht bis dato auch noch nicht explizit als Konkurrenten begegnet sind. Anhand des Bewer­tungs­bogens wird über den bloßen Genuss literarischer Texte hinaus der Forderung nach stetiger Qualifikation des „(Zu-)Hören[s] und (Zu-)Schauen[s]“[15] Rechnung getragen werden, da auf diese Weise die Wirkung des qualitativen Gehalts der Beiträge bzw. der Kom­muni­­kationssituation via münd­licher Reflexion und schriftlicher Punktevergabe gespiegelt wird.

[...]


[1] Viele SuS der Klasse 9 weisen in ihrer besonderen Rolle als sportorientierte Schüler durch die Bewältigung des alltäg­lichen Ablaufs, durch die spezielle Sportprofilierung sowie dem Leben im Internat bereits eine hohe Selbst­­ständigkeit auf.

[2] Dabei handelt es sich um einen literarischen Wettbewerb, „bei dem selbstgeschriebene Texte [...] einem Publi­kum vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger (aus: wikipedia; siehe Quellen).“

[3] Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan für das Gymnasium. Fach Deutsch. Erfurt 1999.

[4] Ebd. S. 13: „Lösen von [...] kommunikativ orientierten Darstellungsaufgaben [...]; Einbeziehung von „An­schau­­­lichkeit und Realitätsnähe“; „Anknüpfen an [...] Interessen, Wünsche, Neigungen [der SuS]“; „Entwick­lung von Können im mündlichen [...] Darstellen sowie im [...] Beurteilen von mündlichen Texten“.

[5] Ebd. S. 42: „kreatives Schreiben“; „Gestalten von Texten [...] in Gruppenarbeit“

[6] Ebd. S. 14 f.: „den Kunst­charakter literarischer Textsorten genießen“; „das (Zu-)Hören und (Zu-)Schauen im­mer wieder qualifizieren“; „Potenzen des handlungs- und produktionsorientierten Vorgehens u.a. durch die Pro­duktion neuer Texte nutzen“

[7] Ebd. S. 12: „Reflektieren der Kommunikationssituation“

[8] siehe Anhang.

[9] Gansel et al. (2004, S. 69): „ Ironie (griech. Verstellung) ist eine Ausdrucksform des Komischen. Sie geht scheinbar ernst­­­­­­­haft auf eine kritikwürdige Verhaltensweise ein.“

[10] Ebd. S. 64: „ Humor (lat. Feuchtigkeit) bezeichnet eine Haltung, mit der sich der Mensch über Ärgernisse und Missstände erhebt. Mit kritisch-wohlwollender Nachsicht lächelt er über Unzulänglichkeiten – sowohl bei anderen als auch bei sich selbst. Humor ist eine wichtige Spielart des Komischen.“

[11] Ebd. S. 72: „ Satire [...] ist eine Darstellungsform, die mit Mitteln der Ironie, des Witzes und der Übertreibung menschliche Schwächen verspottet und kritikwürdige Zustände im gesellschaftlichen Leben entlarvt. Im Vergleich zum Humor und zur Ironie ist die kritische Grundhaltung ungleich schärfer und unversöhnlicher. Die Kritik wird nicht direkt vorgebracht, sondern mit Mitteln der Verzerrung und Kontrastierung (Darstellung von Gegensätzen) verfremdet.“

[12] Dieser Faktor [als einer der ‚Zehn Merkmale guten Unterrichts’] stellt laut Meyer (2008) eine we­sent­liche Stell­größe des Lernerfolgs dar. Für den Lehrer eröffnen sich in diesem Zusammenhang Einfluss­möglichkeiten, mittels derer er das Zeitkontingent der sog. „aktiven Lernzeit“ des Schülers steuern kann. Ziel der Gestaltung eines „guten Unterrichts“ ist insofern die Optimierung bzw. Maximierung selbiger in sowohl qualitativer als auch quantitativer Hinsicht. Nach Weinert (1998) zählt nur die von den Schülern aktiv genutzte Zeit (Her­vorhebungen von mir, A.S.), welche gemäß Meyer (2008, S. 40) als „echte Lernzeit“ (time on task) bezeichnet und in diesem Zusam­menhang als „die vom Schüler tatsächlich aufgewendete Zeit für das Erreichen der ange­strebten Ziele“ ver­stan­den wird.

[13] Vgl. Klafki (1975), gemäß welchen m.E. nach der Thematik jene „organische Kraft“ innewohnt.

[14] Vgl. TKM (Hrsg.): Lehrplan für das Gymnasium. Fach Deutsch. Erfurt 1999, S. 13f. und S. 42.

[15] Ebd. zzgl. S. 14f.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ironie, Humor, Satire. Kooperativer Wettbewerb zur Erstellung eines humoristischen Textes im Unterricht
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V164108
ISBN (eBook)
9783640806157
ISBN (Buch)
9783640805891
Dateigröße
1201 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wettbewerb, erstellung, textes, rahmen, vergabe, nachwuchspreises, thema, unterricht“, bereich, ironie/, humor/, satire, punkte
Arbeit zitieren
Annabelle Senff (Autor), 2010, Ironie, Humor, Satire. Kooperativer Wettbewerb zur Erstellung eines humoristischen Textes im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164108

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