Antiautoritäre Erziehung am Beispiel Alexander S. Neill´s Summerhill


Seminararbeit, 2005
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Biografie von Alexander Sutherland Neill und Summerhill

3. Die Philosophie von Summerhill

4. Wie funktioniert Summerhill?

5. Kritische Auseinandersetzung mit Ansichten von Summerhill bzw. Alexander Sutherland Neill

6. War die antiautoritäre Erziehung nur ein Phase?

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich möchte gern erklären, warum ich gerade dieses Thema gewählt habe und meine Erwartungen, die ich damit verknüpfe erläutern.

Ich selbst bin ein freiheitsliebender Mensch, der ein Klima braucht, indem er sich frei entfalten und seine eigene Meinung leben kann.

Genau diesen Gedanken verbinde ich mit Summerhill.

In meinen weiteren Ausführungen möchte ich auf den Begründer Alexander Sutherland Neill eingehen, sowie die Philosophie und die Praxis von Summerhill genauer beleuchten.

Ich werde mir das Ziel setzten, herauszufinden wie man den Begriff „antiautoritär“ erklären kann.

Bedeutet er etwa Anarchie oder einfach nur Freiheit?

Besteht in dieser Schule mehr Wahlrecht für jeden Einzelnen?

Meine Erfahrungen mit dem Gefüge in unserem Schulsystem lässt nur einen Schluss zu: Unterordnung und eine klare Struktur. Struktur könnte man auch mit einer klaren Regelung des gesamten Tagesablaufes beschreiben.

Ich werde mit der Literatur widerlegen, dass es nur mit klaren, festen Strukturen reife, verantwortungsbewusste Schulabgänger geben kann. Dabei werde ich meine eigene Meinung einfließen lassen.

2. Kurze Biografie von Alexander Sutherland Neill und Summerhill

In diesem Punkt will ich nur einen kurzen Abriss über Alexander S. Neills Leben geben, mit Punkten die zur Entwicklung von Summerhill wichtig sind.

Alexander S. Neill wurde am 17. Oktober 1883 in der kleinen schottischen Stadt Forfar geboren.

Am 15. Oktober 1914 wurde Neill Leiter der Gretna Public School.

Neill bemerkte hier zum ersten Mal, was Erziehung an Schulen wirklich bedeutet. Er konnte sich mit dem autoritären Schulsystem nicht anfreunden.

„Seit Neills eigener Kindheit hatte sich im schottischen Schulwesen wenig geändert, und bald unterschied sich der Unterricht in Gretna Green erheblich von dem an anderen Schulen.“ (Kühn, 1995, S. 29)

Die Kinder konnten weniger populäre Fächer vernachlässigen und den Unterricht verlassen. In Zeiten des Krieges diskutierte man eintreffende Kriegsnachrichten. Man besprach die Hintergründe der Frauenbewegung und konzipierte eine Schülerzeitung. Neill setzte sich in dem kleinen Ort durch, obwohl es auch Gegner seiner Ansichten gab.

„Diese sich allmählich entwickelnden Ansichten und Unterrichtsmethoden mußten in der konservativen ländlichen Umgebung wie eine Revolution erscheinen, ...“ (Kühn, 1995, S. 31)

Neill musste in Zeiten des Krieges zur Musterung und wurde Soldat, obwohl er nie an die Front musste. Schließlich wurde Neill krankheitshalber ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen.

Er suchte eine neue Anstellung und bewarb sich bei dem amerikanischen Erzieher Homer Lane. Lane leitete eine Besserungsanstalt für jugendliche Verbrecher und gründete das Little Commonwealth. Es war eine Gemeinschaft in der die älteren Kinder in Zusammenkünften das Geschick dieses Experimentes bestimmten. Diese Form der Selbstverwaltung wurde Self-Government genannt.

Nach einen Skandal musste das Little Commonwealth geschlossen werden.

Homer Lane wurde beschuldigt, ein Mädchen sexuell belästigt zu haben. Allerdings wurde das nie bewiesen.

Neill wechselte in dieser Zeit zur King Alfred School, die von John Russel geleitet wurde.

Hier praktizierte Neill direkt das Prinzip der Selbstverantwortung, welches allerdings scheiterte. Die Schüler konnten das Experiment nur in seinem Unterricht durchführen. Hier lernte Alexander Lilian Neustätter kennen, welche Mutter eines Schülers war. Mit ihr entwarf er eine Schulutopie, die in Summerhill eingesetzt werden sollte. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten verließ Neill die King Alfred School. Er gründete mit Lilian Neustätter 1924 die Summerhill School. Hier konnte Neill das erste Mal ungestört seine Ideen verwirklichen. „Summerhill ist Neill. Es ist die direkte Umsetzung seiner Persönlichkeit.“ (Kühn, 1995, S. 64)

Im Herbst 1927 musste die Schule umziehen und fand in Leiston seinen Platz.

Anfangs hatte die Schule nur wenig Zulauf gefunden. Aber durch viele Reisen von Neill, auf denen er Vorträge hielt und seiner Bücher, erlangte die Schule mehr Beachtung. Schon bald musste eine Warteliste eingeführt werden.

Die wichtigsten von Neills Büchern, waren Veröffentlichungen aus der Problemreihe.

1926 kam sein achtes Buch „The Problem Child“ auf dem Markt. Es folgte „The Problem Parent“, in dem die Problematik streitender Eltern in den Vordergrund rückt. „Es seien die heimlich unglücklichen Ehen, die Problemkinder produzierten, wie im übrigen Unehrlichkeit seitens der Eltern stets zu Neurosen bei Kindern führe“ (Kühn, 1995, S. 75)

Schließlich folgte 1939 das Buch „The Problem Teacher“.

Neill nahm sich also nicht nur die Probleme der Kinder an, sondern verfolgte auch Punkte, die zu diesem Problem führen können.

„Am 10. Mai 1966 gab die Erziehungsbeilage der „Times“ bekannt, daß Mr. A.S. Neill schließlich in die Ränge des Establishments aufgenommen werde, wenn ihm am folgenden Tag die Universität Newcastle die Würde des Ehrendoktors verleihe. (…) Dies war die erste von drei Ehrendoktorwürden, die Neill bekam.“ (Kühn, 1995, S. 110) Am 23. September 1973 stirbt Alexander Sutherland Neill in der Klinik von Aldeburgh.

3. Die Philosophie von Summerhill

Die Philosophie von Summerhill kann man mit zwei kleinen Worten beschreiben: Selbstregierung und Demokratie.

Summerhill ist eine antiautoritäre Schule.

Dennoch hat es nicht zu bedeuten, dass jeder machen kann was er will.

Vielmehr ist es ein Ort, an dem jeder ein Wahlrecht hat und sich ein jeder einbringen kann, wie er möchte.

„Nicht Regellosigkeit kennzeichnet sie, wohl aber selbst ausgehandelte Verbindlichkeit; nicht Beliebigkeit macht sich dort breit, sondern selbst gewollte (und also verantwortete) Strukturierung; kein bloßer Spaß (simple fun) ist dort zu spüren, wohl aber Freude, Lust und Vergnügen beim Lernen“ (Aplleton, 2003, S. VII) In Summerhill gibt es zur Zeit ca. 230 Regeln, nur wurden diese nicht vom Personal dieser Schule aufgestellt. Jeder der diese Schule besucht, ob Personal oder Schüler, hat eine Stimme. Und jede Stimme ist gleich viel wert, gibt sie ein Schüler ab oder die Direktorin.

Es gibt zweimal in der Woche ein Treffen. Eines am Freitag, an denen diese Richtlinien aufgestellt werden. Diese können jederzeit neu diskutiert oder verändert werden. Daher befinden sich die Schulgesetze immer in einem Zustand der Entwicklung und spiegeln so die Bedürfnisse der Gemeinschaft zu jeder Zeit wider.

Ein anderes Treffen findet am Dienstag statt. Es wird Tribunal genannt, denn bei diesem Treffen, werden Beschwerden gegen andere angebracht.

„Jeder hört bei der Verhandlung der Fälle genau zu, bringt eigene Betrachtungsweisen ein und macht Vorschläge, was man tun könnte, um einen Konflikt zu lösen oder bestimmte Aktivitäten zu beschränken.“ (Appleton, 2003, S. 74)

Da in Summerhill die Schüler mit ca. 65 Personen dem Personal gegenüber in der Mehrzahl sind, sind die Regel mehrheitlich auch von den Schülern aufgestellt und somit natürlich auch akzeptiert wurden.

„Die Tatsache, daß ich ein Erwachsener bin, gibt mir keine Autorität über irgendjemanden, und es ist nicht meine Aufgabe, anderen zu befehlen, was sie tun sollen.“ (Appleton, 2003, S. 36)

Die Regeln dieser Schule übersteigen in der Anzahl manch andere Schule.

Einige von ihnen wären z.B., dass man während der Essenszeiten nicht fernsehen oder dass man die Bettzeitregeln nicht brechen darf.

In Summerhill herrscht eine einzigartige Demokratie, in der jeder seiner Meinung Ausdruck geben kann und die gleichen Rechte und Pflichten hat, egal wie alt er ist, welche Nationalität er hat und welche Aufgabe er verkörpert.

Die Schule ist eine selbst regierende Gemeinschaft, in der alle Entscheidungen des täglichen Lebens, von der ganzen Gruppe getroffen werden.

„In den meisten Situationen, in denen Erwachsene und Kinder zusammenleben, liegt alle Macht und Entscheidungsgewalt in den Händen der Erwachsenen, und die vergessen sehr schnell, wie die Welt vom Standpunkt der Kinder her aussieht.“ (Aplleton, 2003, S. 75)

Geschäftsangelegenheiten gehören allerdings nicht dazu. Die Kinder werden nicht aufgefordert Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die für sie ungeeignet sind. Denn Kinder haben ein Interesse, wann sie ins Bett gehen müssen, aber nicht wer die Stromrechnung bezahlt.

Aufgrund der Freiheit, die jeder Schüler in Summerhill genießen kann, sind sie gesellschaftlich verantwortlich und denken an die Gruppe, anstatt an ihre eigenen Bedürfnisse.

Das bedeutet nicht, dass es keinen Streit gibt. Dieser wird nur in einer Art geklärt, dass beide Parteien eine angemessene Lösung erfahren.

Die Philosophie beruht auf dem Glauben an Freiheit, aber nicht auf Lizenz.

„In unserer Schule bedeutet Freiheit, daß man tun kann, was man möchte, solange man die Freiheit der anderen nicht beeinträchtigt.“ (Neill, 1971, S. 22)

Der eigentliche Unterricht stellt einen Aspekt dar, aber nicht den wichtigsten.

Es gibt zwei Klassen in Summerhill. Die erste Klasse besuchen die Schüler von fünf bis zehn Jahren und die zweite Klasse für zehn bis zwölfjährige.

Diese Schüler haben einen Stundenplan. Alle Schüler über zwölf erhalten einen leeren Stundenplan und können sich so für bestimmte Fächer einschreiben. Der Unterricht beinhaltet die Fächer Naturwissenschaften, Mathe, Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch, Geschichte, Geographie, sowohl Holzarbeiten, Kunst, Töpfern, Computer, Musik, Drama und verschieden Sportarten.

[...]

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Details

Titel
Antiautoritäre Erziehung am Beispiel Alexander S. Neill´s Summerhill
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn  (Berufsakademie)
Veranstaltung
Pädagogisches Handeln und Denken
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V164154
ISBN (eBook)
9783640789849
ISBN (Buch)
9783640789320
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antiautoritär, Erziehung, Pädagogik, Sozialpädagogik, Summerhill
Arbeit zitieren
Thomas Gerth (Autor), 2005, Antiautoritäre Erziehung am Beispiel Alexander S. Neill´s Summerhill , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164154

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