Ohne die Unterstützung von Geschäftsprozessen durch Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) ist heute kaum noch ein Unternehmen konkurrenz- oder sogar überlebensfähig. Die Gründe hierfür werden sowohl in den sich naturgemäß stetig wandelnden Rahmenbedingungen operativer und strategischer Geschäftsaktivitäten als auch in der interdependenten Gestaltung von Anwendungssystemen und Unternehmensorganisation gesehen. Der Einsatz geeigneter Prozesse zur Steuerung, Kontrolle und Synchronisation der notwendigen Anpassungen nicht nur eine logische Konsequenz. Als einer der zentralen Themenbereiche der Wirtschaftsinformatik befasst sich das Geschäftsprozessmanagement (GPM) mit genau dieser Aufgabenstellung.
Verbesserungen für das GPM ergeben sich, wie in dieser Arbeit beschrieben, sowohl aus den inhärenten Eigenschaften einer SAS als auch aufgrund des resultierenden Potentials und der Folgen einer SAS-Einführung. GPM-, Business Intelligence- und Business Rules Management- Software bieten zudem die technologischen und organisatorischen Grundlagen, um die Herausforderung einer kontinuierlichen und automatisierbaren Aufbesserung von Geschäftsprozessen zu erfüllen. Üblicherweise werden diese Technologien allerdings weitgehend isoliert adressiert. Dabei kann deren Konvergenz wesentlich größere positive Auswirkungen auf Unternehmen zur Folge haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschäftsprozessmanagement sichert Existenzen
2 Management unternehmerischer Aktivitäten
2.1 Aufgaben
2.2 Motivation und Ziele
2.3 Relationen von GPM und IT
3 Inhärentes Verbesserungspotential von SAS
3.1 Lösungen zur Unterstützung des GPM
3.2 Konzeptalternativen
4 Konklusive GPM-Verbesserungen durch SAS
4.1 Auswirkungen der Spezifika einer SAS-Implementierung
4.2 Visualisierung und Austausch von Prozessen
4.3 Process Mining und Simulation
4.4 Flexibilität und Transparenz
4.5 Ansätze zur Prozessverbesserung
4.6 Organisatorische Konsequenzen
4.7 Effekte auf unternehmensübergreifende Prozesse
5 Potenzierung der Vorteile von SAS für das GPM
5.1 Serviceorientierte Architektur
5.2 Business Rules
5.3 Prozessorientiert automatisierte Business Intelligence
6 Caveat Emptor
7 Von der Integration zur Fusion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie der Einsatz von Standardanwendungssoftware (SAS) das Geschäftsprozessmanagement (GPM) in Unternehmen signifikant verbessern kann. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den inhärenten Vorteilen, technologischen Synergien und den organisatorischen Auswirkungen einer solchen Implementierung auf die Effizienz und Zukunftsfähigkeit betrieblicher Abläufe.
- Grundlagen des Geschäftsprozessmanagements
- Verbesserungspotentiale durch Standardanwendungssoftware
- Methoden der Prozessmodellierung und -automatisierung
- Rolle von Business Intelligence und Business Rules
- Risiken und strategische Ausrichtung bei der Softwareeinführung
Auszug aus dem Buch
3 Inhärentes Verbesserungspotential von SAS
Standardsoftwarestellt Funktionen für eine größere Zahl von Anwendern zur Verfügung und ist damit in mehreren Unternehmen als Alternative zu Individualsoftware (IS) einsetzbar. Als Standardanwendungssoftware (SAS)werden dabei anwendungsorientierte Programme bezeichnet, die für bestimmte Aufgabenstellungen eingesetzt werden [THOM96, S. 170].Alle in der Tabelle 1 vorgestellten Lösungen erfüllen diese Kriterien. Die komparativen Vorteile von SAS gegenüber IS sind dabei unter anderem [GADA08, S. 348f.]:
- Geringer Anschaffungspreis: SAS ist als Lösung für mehrere Unternehmen konzipiert, weshalb die Entwicklungskosten rationiert werden können. Aufgrund des positiven Netzeffekts einer Standardisierung können sowohl Unternehmen als auch das GPM Vorteile aus einer hohen Verbreitung von SAS ziehen.
- Know-How-Transfer: Indem Standardabläufe aus integrierten Softwarebibliotheken ausgewählt werden, können Unternehmen von den Best-Practice-Erfahrungen des Herstellers profitieren. Die Übernahme solcher oder die Weiterentwicklung eigener Prozesse anhand branchenweit erfolgreicher Abläufe schafft einen fundierten Referenzpunkt für das GPM.
- Permanente Weiterentwicklung: Regelmäßige Updates sowie vergleichsweise konsistente Update-Zyklen verbessern die Planungssicherheit und dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Darüber hinaus ändern sich die organisatorischen Rahmenbedingungen üblicherweise schneller, als eine individuell entwickelte Software aufgrund mangelnder vorgehaltener Ressourcen angepasst werden kann [THOM06, S. 155].Auch das GPM profitiert von dieser kontinuierlichen Verbesserung der Prozesse und Organisationsmethoden durch einen reduzierbaren Aufwand.
- Umfangreichere Funktionalität: Aus der Einsatzbreite einer SAS ergibt sich zwangsläufig auch ein höherer Funktionsumfang. Für das GPM bietet sich hierbei eine Evaluierung neuer, eventuell effektiverer Prozeduren an.
- Customizing: Ebenso wie die Anpassung von Funktionen, können auch IT-basierte Prozessabläufe adaptiert oder auf eigene Anforderungen hin konfiguriert werden. Somit müssen nicht alle Geschäftsprozesse an die IT angepasst werden. Durch eine solche spezifische Parametrisierung ist auch bei einer SAS ein bestimmter Grad an Individualität möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschäftsprozessmanagement sichert Existenzen: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit eines aktiven Geschäftsprozessmanagements als Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit in komplexen, dynamischen Umfeldern.
2 Management unternehmerischer Aktivitäten: Hier werden Definitionen und Ziele des GPM dargelegt sowie die enge Verzahnung zwischen strategischen Unternehmenszielen und der Prozessgestaltung betont.
3 Inhärentes Verbesserungspotential von SAS: Es werden die systematischen Vorteile des Einsatzes von Standardanwendungssoftware gegenüber Individualentwicklungen, wie Kostenersparnisse und Best-Practice-Methoden, hervorgehoben.
4 Konklusive GPM-Verbesserungen durch SAS: Dieses Kapitel behandelt die konkreten Auswirkungen von SAS auf die Prozessdokumentation, das Process Mining, die Flexibilität sowie die systembruchfreie Automation.
5 Potenzierung der Vorteile von SAS für das GPM: Es wird untersucht, wie architektonische Ansätze wie SOA, Business Rules und Business Intelligence die Effizienz des GPM weiter steigern können.
6 Caveat Emptor: Dieses Kapitel thematisiert kritisch die Risiken einer Herstellerabhängigkeit und des hohen Beratungsaufwands bei der Einführung von Standardsoftware.
7 Von der Integration zur Fusion: Die Arbeit schließt mit dem Ausblick auf eine umfassende Business-IT-Fusion, die über reine Integration hinausgeht und IT als integralen Treiber der Unternehmensstrategie positioniert.
Schlüsselwörter
Geschäftsprozessmanagement, GPM, Standardanwendungssoftware, SAS, Prozessoptimierung, Business-IT-Alignment, Continuous System Engineering, Workflow-Management, Prozessautomatisierung, Business Intelligence, Business Rules, Supply Chain, Effizienzsteigerung, Individualsoftware, Systembruchfreie Automation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Geschäftsprozessmanagement und Standardanwendungssoftware mit dem Ziel aufzuzeigen, wie Unternehmen durch den Einsatz dieser Software ihre Abläufe effizienter und wettbewerbsfähiger gestalten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die strategische Ausrichtung von IT und Organisation, die Auswahl und Implementierung von Standardsoftware, sowie moderne Methoden wie Process Mining und Business Rules Management.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das Verbesserungspotential für das GPM durch die Einführung und Nutzung von integrierten Standardanwendungssoftwarelösungen systematisch zu identifizieren und zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, die bestehende Konzepte, Referenzmodelle und wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Wirtschaftsinformatik synthetisiert, um logische Zusammenhänge herzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse inhärenter Vorteile von SAS, die Untersuchung spezifischer Verbesserungen bei Prozessvisualisierung und Simulation, sowie die Erweiterung durch architektonische Paradigmen wie SOA und Business Intelligence.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Geschäftsprozessmanagement (GPM), Standardanwendungssoftware (SAS), Prozessorientierung, Business-IT-Alignment und Automatisierung geprägt.
Was unterscheidet eine Standardanwendungssoftware laut Autor von einer Individualsoftware?
Der Autor führt an, dass SAS durch eine höhere Verbreitung positive Netzeffekte erzeugt, durch Best-Practice-Softwarebibliotheken Know-how-Transfer ermöglicht und durch regelmäßige Update-Zyklen eine langfristige Planungssicherheit bietet.
Welche Konsequenzen hat die Idee der "Business-IT-Fusion" für ein Unternehmen?
Die Fusion geht über das bloße Alignment hinaus; sie integriert IT vollständig in das operative Kerngeschäft, sodass die IT nicht mehr als reiner Dienstleister agiert, sondern als zentraler Treiber für innovative Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile fungiert.
- Arbeit zitieren
- B.Sc. cand. M.Sc. in Wirtschaftsinformatik Daniel Scheiner (Autor:in), 2010, Verbesserung des Geschäftsprozessmanagements (GPM) durch Einführung von Standardanwendungssoftware (SAS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164188