Der folgende Text macht es sich zur Aufgaben, die Kontroverse um die Einflüsse des Romans auf die Frau in Amerika Ende des 18. Jahrhunderts näher zu untersuchen. Zunächst einmal wird auf die Literatur, die allgemein als günstig für die Frau empfunden wurde, eingegangen. Danach werden die Entwicklung des Romans, und die öffentliche Haltung ihm gegenüber näher beleuchtet. Dem schließen sich eine Analyse der potentiellen Gefahren des novel reading für die Frau, und mögliche Lösungen für die angesprochene Problematik an.
Die Grundlage der Analyse bildet die Darstellungsweise rund um das Thema novel reading in William Hill Browns The Power of Sympathy. Abschließend wird in einem letzten Punkt die Reaktion der Romanautoren auf die vehemente Kritik am Roman unter die Lupe genommen. Hierzu wird hauptsächlich auf William Hill Browns dedication page und Vorwort zu The Power of Sympathy zurückgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literatur und die Frau in der Neuen Welt
3. Risiken und Auswirkungen des novel reading
4. Vorteilhaft lesen
5. Der Autor und der Roman
6. Schluss
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die gesellschaftliche Kontroverse um den Einfluss des Romans auf Frauen in den USA des späten 18. Jahrhunderts, wobei William Hill Browns Werk "The Power of Sympathy" als zentrale Fallstudie dient. Dabei wird analysiert, wie zeitgenössische Vorstellungen von Moral, Erziehung und weiblicher Identität die Rezeption von Fiktion prägten.
- Die Rolle der Frau als moralische Instanz in der frühen US-amerikanischen Republik
- Gefahrenpotenziale und kritische Debatten um das "novel reading"
- Die Funktion von "conduct books" und Literatur als Erziehungsinstrument
- Der Balanceakt des Autors zwischen Unterhaltung und moralischer Belehrung
- Die Bedeutung von Urteilsvermögen und Selbstreflexion für die Leserin
Auszug aus dem Buch
3. Risiken und Auswirkungen des novel reading
Doch genau das schwache Geschlecht war es, das vor einem Genre wie dem Roman beschützt werden musste, denn der Roman vermittelte diesem unter anderem eine unrealistische Sichtweise vom Leben.
William Hill Brown beginnt seinen Diskurs über die Gefahren der falschen Wahl von Lektüre relativ früh in The Power of Sympathy, nämlich in den Briefen XI und XII, die Mrs. Holmes an Myra richtet. Hier schildert Mrs. Holmes den Besuch Belleviews der um Rat suchenden Mrs. Bourn mit ihrer Tochter, die, vor kurzer Zeit einen sozialen Aufstieg erlangt hatte und sich nun mit der richtigen Buchwahl für ihre vierzehnjährige Tochter konfrontiert sieht. Interessanterweise trübt Mrs. Holmes zu Beginn des Briefes ihr makelloses Image als Moralapostel.21 In einer Schmährede über die Bourns spottet sie über deren sozial niedrigere Herkunft und ihr übereifriges, jedoch offensichtliches Bemühen, diese zu kaschieren:
Placed, however, in a situation with which her education does not altogether comport, she has nothing disagreeable but her over assiduity to please (...) she sometimes appears solicitous to display her mental accomplishments and desirous to improve those of her daughter; but it is merely apparent (PS 20).
Miss Bourn, die Tochter, ist, laut Mrs. Holmes, lediglich eine durchschnittliche junge Dame, die zur Coquette neigt. Nichtsdestotrotz entschließen sich Worthy, Mrs. Holmes und Mr. Holmes Senior, der Familie Bourn, und somit dem Leser, die Gefahren von Literatur zu verdeutlichen und eine Einführung in die richtige Wahl von Büchern zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik der weiblichen Lesekultur in den USA nach 1776 ein und stellt die zentrale Forschungsfrage sowie das Werk von William Hill Brown vor.
2. Literatur und die Frau in der Neuen Welt: Dieses Kapitel thematisiert die damalige Werthierarchie der Literatur, in der Romane als moralisch bedenklich eingestuft wurden, während Geschichtsschreibung und Sachliteratur als erbaulich galten.
3. Risiken und Auswirkungen des novel reading: Hier werden die spezifischen moralischen Gefahren analysiert, die der Roman für die "tugendhafte Frau" darstellte, insbesondere durch die Gefahr der Verführung und Wirklichkeitsverzerrung.
4. Vorteilhaft lesen: Es wird untersucht, unter welchen Bedingungen das Lesen von Romanen als akzeptabel oder sogar vorteilhaft angesehen werden konnte, sofern die Leserin ein kritisches Urteilsvermögen entwickelte.
5. Der Autor und der Roman: Das Kapitel betrachtet die Verteidigungsstrategien der Romanautoren, die versuchten, ihre Werke durch didaktische Absichten vor der öffentlichen Kritik zu rechtfertigen.
6. Schluss: Die Schlussbetrachtung reflektiert die historischen Debatten aus Sicht des 21. Jahrhunderts und zieht Parallelen zu heutigen Medienkritiken.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
The Power of Sympathy, William Hill Brown, Roman, novel reading, amerikanische Literatur, 18. Jahrhundert, weibliche Erziehung, Sentimentalismus, Seduction, Moral, Republikanismus, conduct books, Literaturrezeption, USA, Tugend
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die kritische Auseinandersetzung mit Romanen und deren vermeintlichen negativen Einfluss auf Frauen in den USA gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Moral und weiblicher Erziehung in der frühen US-Republik sowie der literarische Diskurs über die Gefahren fiktionaler Texte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Lesen von Romanen im damaligen sozialen Kontext bewertet wurde und wie William Hill Brown diesen Diskurs in seinem Roman literarisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Primärtexten (William Hill Browns Werk) sowie ergänzender historischer Forschungsliteratur basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die moralische Einordnung der Literatur, die Risiken des Romans für das weibliche Geschlecht, notwendige Erziehungsmaßnahmen (wie die Auswahl der Lektüre durch einen "guardian") und die Reaktion der Autoren auf diese Kritik.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie "The Power of Sympathy", "novel reading", "Seduction", "Tugend" und der "Sentimentalismus".
Warum spielt die Figur der Mrs. Holmes eine so zentrale Rolle bei der Argumentation?
Mrs. Holmes fungiert als moralische Instanz und "guardian", deren Ratschläge an die Protagonistin Myra die damalige öffentliche Haltung gegenüber der Literatur und die Sorge um weibliche Tugendhaftigkeit widerspiegeln.
Wie wird die Verbindung zwischen der Romanlektüre und der Gefahr der Verführung ("seduction") erklärt?
Dem Roman wurde unterstellt, eine unrealistische und verführerische Lebenssicht zu vermitteln, die das Urteilsvermögen der jungen Frau schwächt und sie somit anfälliger für die realen Gefahren männlicher Verführung macht.
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- Anonym (Autor), 2007, Die Rezeption des Romans in den USA des späten 18. Jahrhunderts dargestellt am Beispiel von William Hill Browns "The Power of Sympathy", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164291