Pädagogische Organisationen und Organisationstheorie

Schule im Fokus konstruktivistischen Denkens


Seminararbeit, 2008
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Darstellung der konstruktivistischen Organisationstheorie
3.1 Theoretische Verortung
3.2 Abgrenzung der wissenschaftstheoretischen Grundpositionen
3.3 Menschenbild
3.4 Prozess der Organisation und Reorganisation

4. Pädagogische Institutionen und Organisationen unter organisationstheoretischer Perspektive
4.1. Spezifische Merkmale von Institution und Organisation
4.2. Die Besonderheit des Pädagogischen in Bezug auf Institution und Organisation
4.3. Beispiel Schule als pädagogische Institution bzw. Organisation
4.3.1. Klassifizierung von Schule
4.3.2. Strukturelle Merkmale der Organisation Schule

5. Übertragung der OT auf eine pädagogische Organisation
5.1. Pädagogische Organisationen im Fokus der konstruktivistischen Organisationstheorie
5.2. Die pädagogische Organisation Schule im Fokus der konstruktivistischen Organisationstheorie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Thematik der konstruktivistischen Organisationstheorie in ihrer Übertragbarkeit auf pädagogische Institutionen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Organisationsstruktur einer pädagogischen Organisation anhand der konstruktivistischen Organisationstheorie realisiert und ob sich daraus eine Sinnhaftigkeit ableiten lässt. Diesbezüglich wird anhand einer Darstellung der Gründzüge des konstruktivistischen Ansatzes eine Übertragung, erst allgemein auf pädagogische Organisationen und folgend im Speziellen auf Schule, diskutiert werden. Nach eingängiger Begriffsklärung wird dazu eine theoretische Verortung des konstruktivistischen Ansatzes vorgenommen, sowohl organisations- als auch wissenschaftstheoretisch. Der zentralen Erörterung des Menschenbildes folgt die Darstellung des Organisationsprozesses, sowie einschließend entsprechende Reorganisation. Anschließend erfordert die Anwendung der konstruktivistischen Organisationstheorie auf eine pädagogische Organisation die detailliertere Differenzierung der Begrifflichkeiten Institution und Organisation im besonderen Hinblick auf deren pädagogische Merkmalsausprägung. Auch Schule bedarf einer näheren Betrachtung in Bezug auf die strukturellen Aspekte in ihrer Funktion als pädagogische Organisation. Danach werden nun – sowohl allgemein als auch im Speziellen im System Schule – gegebene Organisationsstrukturen, denen der konstruktivistischen Sichtweise folgenden, gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen diskutiert.

2. Begriffsklärung

Um den Begriff Organisation zu konkretisieren ist eine vorherige Betrachtung des damit verbundenen Begriffs der Institution nötig. Unter Institution versteht man nach Bea, Göbel (2002) einerseits „relativ stabile und für einen größeren Kreis von Menschen verbindliche Systeme von formalen und informellen Regeln […]“ und andererseits zugleich auch „abgrenzbare soziale Systeme, denen ein bestimmtes Regelsystem zugrunde liegt“ (Bea, Göbel 2002, S.2).

Eine Institution ist somit für die ordnende Gestaltung menschlicher Interaktion zuständig. Organisation kann man nun in dreifacher Weise als eine besondere Klasse von geordneten sozialen Systemen (institutioneller Organisationsbegriff), als System der formalen und informellen Regeln (instrumenteller Organisationsbegriff) und als Prozess der Ordnungsentstehung (prozessorientierter Organisationsbegriff) begreifen (vgl. Bea, Göbel 2002, S.2f.). Durch eine Synthese dieser drei Organisationsbegriffe lässt sich Organisation allgemein definieren als „ein von der Unternehmung geschaffenes System von Regeln, um gemeinsame Ziele zu verfolgen, in welcher Ordnung aber auch von selbst entstehen kann“ (Bea, Göbel 2002, S.8).

Eine genaue Abgrenzung von Organisation und Institution ist aufgrund der teilweise synonymen Verwendung der Begrifflichkeiten in der Literatur schwierig. Böttcher, Terhart (2004) fassen beispielsweise Organisation – als tradiert unter dem Begriff Institution – somit gleicherweise als „äußere Rahmung des eigentlich zwischenmenschlichen, situativ bestimmten und von pädagogischen Ambitionen der Erzieher geleiteten pädagogischen Geschehens“ (Böttcher, Terhart (Hg.) 2004, S.7).

Trotz der teilweise synonymen Verwendung der Begriffe Organisation und Institution in der Literatur, erachte ich hinsichtlich der folgenden Ausarbeitung eine Differenzierung nach Lersch (2004) als relevant, der Institution als aus dem sozialen Leben einer Gemeinschaft entstanden beschreibt und damit abgrenzt von der bewusst, planmäßig und rational zur Verfolgung bestimmter Zwecke eingerichteten Organisation (vgl. Lersch in Böttcher, Terhart (Hg.) 2004, S.79).

Die mit der Unterscheidung verbundenen divergierenden Merkmale seien an späterer Stelle genauer betrachtet. Eine Einordnung im Sinne einer Klassifikation eines bestimmten Sozialsystems lässt sich entsprechend des Ausprägungsgrades organisatorischer und institutioneller Bestimmungsmerkmale angeben (vgl. Lerch in Böttcher, Terhart (Hg.) 2004, S.82).

Aufgabe einer Organisationstheorie ist es nun, „ein informatives und wahres Aussagensystem für die zielgerichtete Gestaltung der Unternehmensstruktur bereitzustellen“ (Bea, Göbel 2002, S.32).

Die Organisationstheorie an sich lässt sich nicht als homogene Disziplin beschreiben. Es existieren diverse unterschiedliche Ansätze, die sich aus der Komplexität des Forschungsgegenstandes erklären lassen (vgl. Bea, Göbel 2002, S.54). Eine grobe Zuordnung der verschiedenen organisationstheoretischen Ansätze lässt sich anhand der Einteilung in klassische, neo-klassische und moderne Ansätze vornehmen. Ein weiteres Einteilungskriterium ist die vertretene Sichtweise des Ansatzes, ob nun objektivistisch die Organisationsstruktur oder bestimmte Merkmale der Organisation objektiv erfassbar erscheinen, oder subjektivistisch die Organisation von der Perspektive der Organisationsmitglieder abhängig ist (vgl. Kieser 2002, S.287).

Der im Folgenden vorgestellte konstruktivistische Ansatz ist zu den modernen Ansätzen zu zählen und vertritt die subjektivistische Perspektive.

3. Darstellung der konstruktivistischen Organisationstheorie

Die Zuordnung des konstruktivistischen Ansatzes in die Organisationstheorie ist insofern irreführend, als dass es sich um eine wissenschaftstheoretische Grundposition, den Konstruktivismus, handelt. Dementsprechend existieren diverse theoretische Ansätze mit unterschiedlichen Begründern, die sich jedoch in der Ablehnung positivistischen Denkens vereinen.

3.1 Theoretische Verortung

Als Auslöser der Entstehung konstruktivistischer Ansätze in der Organisationstheorie können konstruktivistische Ansätze der Soziologie genannt werden. Diese gehen von der Grundannahme aus, dass soziale Wirklichkeit durch Kommunikation und Interaktion erschaffen wird, die infolge als objektive Wirklichkeit erscheint.

Als Begründer dieser soziologischen Ansätze ist Mead und darauf aufbauend Blumer, mit der Theorie des Symbolischen Interaktionismus zu nennen. Diese vertreten die Annahme, dass Bedeutungen das Ergebnis eines stetigen Aushandlungsprozesses sind und Situationen dementsprechend kontinuierlich neu definiert werden müssen. Regelsysteme werden somit durch einen Prozess aktiver Ausformung von Bedeutung ständig neu geschaffen.

Schütz hingegen, geht im Rahmen des Phänomenologischen Interaktionismus davon aus, dass soziale Regeln abrufbarer Bestandteil des Alltagswissens darstellen und folglich im Gedächtnis gespeichert sind. Handeln wird hier nicht als Bedeutungshandeln betrachtet, sondern geschieht unter der Annahme einer gemeinsam geteilten Weltsicht der Interaktionspartner.

Von diesen Ansätzen ausgehend entwickeln Berger und Luckmann eine umfassende Darstellung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft. Kern ist die Vorstellung einer sozialen Konstruktion von Wirklichkeit, die, unter der Vorstellung von gemeinsam geteilter Auffassung von Welt, ihren Ausgangspunkt im Alltagswissen der Akteure und dem daran anschließenden routinierten Handeln nimmt (vgl. Kieser 2002, S. 288ff.).

3.2 Abgrenzung der wissenschaftstheoretischen Grundpositionen

Die Darstellung des konstruktivistischen Ansatzes der Organisationstheorie impliziert die Bezugnahme auf die beiden widersprüchlichen Traditionslinien der Philosophie, einerseits den Konstruktivismus, auch als subjektivistische Position bezeichnet, welcher in seiner theoretischen Anknüpfung an Spinoza, Hegel und Kant Erkenntnisse als Produkte unseres Geistes ansieht; andererseits der Positivismus, auch als objektivistische Position bekannt, der anknüpfend an Locke, Hume und Popper die äußere Welt als Quelle von Erkenntnis betrachtet (vgl. Kieser 2002, S.288). Trotz der unterschiedlichen Facetten konstruktivistischer Ansätze stimmen diese in den grundsätzlichen Aussagen des Konstruktivismus überein und lassen sich somit von der wissenschaftstheoretischen Gegenposition des Positivismus differenzieren. Um den Widerspruch zu verdeutlichen und die Kernaussagen konstruktivistischen Denkens hervorzuheben soll im Folgenden eine knappe Abgrenzung zwischen konstruktivistischem und positivistischem Denken erfolgen.

Deutliches Unterscheidungsmerkmal der beiden Sichtweisen ist deren Weltbild. Nach konstruktivistischer Sicht ist Wirklichkeit grundsätzlich sozial konstruiert, bewusstseinsabhängig und entscheidend durch Sprache geprägt (vgl. Kieser 2002, S.288; Bea, Göbel 2002, S.196). Hingegen ist nach positivistischer Betrachtungsweise die Wirklichkeit objektiv gegeben, eindeutig messbar und völlig vom Menschen unabhängig. Aus dieser Sicht der Welt leitet sich auch die entsprechende Art und Weise der Forschung und die angewendeten Methoden ab. In positivistischer Betrachtung ergibt sich aus methodisch rationalem Vorgehen objektiv überprüfbare Erkenntnis, wogegen konstruktivische Forscher besonders an der subjektiven Perspektive Handelnder interessiert sind, da die Rekonstruktion der persönlichen Bedeutung und des Sinns gegenüber der Faktizität entscheidend ist für den Erkenntnisgewinn (vgl. Bea, Göbel 2002, S.192ff.).

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Details

Titel
Pädagogische Organisationen und Organisationstheorie
Untertitel
Schule im Fokus konstruktivistischen Denkens
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V164429
ISBN (eBook)
9783640952205
ISBN (Buch)
9783640952069
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisation, Organisationstheorie, Konstruktivismus, Institution, Schule, Schultheorie, konstruktivistische organisationstheorie
Arbeit zitieren
Bettina Nicole Dorscheid (Autor), 2008, Pädagogische Organisationen und Organisationstheorie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164429

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