Am 20. Oktober 1997 wird Astana die neue Hauptstadt der Republik Kasachstan. Damit wird das im Süden gelegene Almaty von seinen Funktionen als wirtschaftliches und politisches Zentrum offiziell enthoben. Der im Süden gelegenen ehemaligen Hauptstadt Almaty wird die Funktion als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum offiziell entzogen. Bei der Verlegung einer Hauptstadt handelt es sich um ein Ereignis von entscheidender historischer Bedeutung. So reichen die Motive von regionalplanerischen Ausgleichsbemühungen, über autokratische Selbstverwirklichungsphantasien bis hin zu geomantischen Bedrohungsgefühlen. Was aber sind die Gründe für die Verlagerung in Kasachstan? Dieses Ereignis ist in verschiedenen Kontexten zu betrachten und zu interpretieren, was sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe macht. Dazu ist es nötig die Bedeutung, die Aufgabe und die Eigenschaften einer Hauptstadt ganz allgemein zu erörtern und diese in Relation zu den nationalen geostrategischen Zielen zu setzen.Im Vergleich zu anderen Hauptstadtverlegungen der jüngeren Geschichte fällt es im Fall Kasachstan schwer umfangreich begründende und befriedigende Motive zu nennen, die zum einen Astana, das ehemalige Akmola als neue Hauptstadt prädestiniert und zum anderen Almaty als Hauptstadt nicht länger ausreichend erscheinen lassen. Dieser Umstand bewegt die Forschung zur Untersuchung anderer Beweggründe, die im Umfeld des dominierenden Präsidenten und seiner Zielsetzungen und Motivationen zu suchen sind. Diese Thematik ist und muss Gegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit sein und wird durch die ausführliche Darstellung der politischen Veränderungen der Jahre nach 1990 in Kapitel 4 betrachtet. Zur Einschätzung der genannten Faktoren der Hauptstadtverlegung, die teilweise ihre Wurzeln in der Geostrategie haben, ist ein Vergleich mit einer anderen Hauptstadtverlegung von Interesse und bei der Bewertung dieses Untersuchungsgegenstandes von Bedeutung. Dieser Vergleich wird am Beispiel St. Petersburg im sechsten Abschnitt dieser Arbeit angestellt.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit ist der Umzug der kasachischen Hauptstadt abgeschlossen. Das zeitweilige Bild einer modernen Geisterstadt hat sich nun allmählich mit Leben gefüllt und neben Staatsdienern und den hier ursprünglich lebenden Kasachen und Russen finden Mitarbeiter der durch Investitionsanreize angelockten Unternehmen aus In- und Ausland einen neuen Mittelpunkt ihres Lebens und des Landes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorschungsstand und Materiallage
1.2 Definitionen
1.2.1 Hauptstadt
1.2.2 Geostrategie
2. Kasachstan und seine Bevölkerung
2.1 Territorium
2.2 Einwohner & Religion
2.3 Wirtschaft
2.3.1 Erdöl und Erdgas
3. Geschichtlicher Rückblick Kasachstans
3.1 Horden, Business-Klans und Regionen
3.2 Business-Klans
3.3 Regionen
3.4 Kasachstan in der Sowjetzeit
4. Der Aufstieg Nasarbaevs
4.1 Innenpolitik unter Präsident Nasarbaev
5. Außenpolitische Beziehungen
5.1 Politische Beziehungen zu Russland
5.2 Politische Beziehungen zu China
5.3 Politische Beziehungen zum Westen
6. Die Hauptstadtverlegung: Eine neue Repräsentation des Staates Kasachstan
6.1 Geschichte der Hauptstadt
6.2 Haupstadtverlegungen
6.4 Exkurs: St. Petersburg
6.3 Astana- von der besetzten Stadt zur Hauptstadt
7. Die Verlegung einer Hauptstadt – ein geostrategischer Schachzug?
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Gründe für die Verlegung der Hauptstadt Kasachstans von Almaty nach Astana unter geostrategischen und politischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, das komplexe Zusammenspiel von nationalen Interessen, der Machtstellung des Präsidenten Nasarbaev und raumplanerischen Notwendigkeiten zu analysieren.
- Geostrategische Analyse der Hauptstadtverlegung
- Rolle der ethnischen Strukturen und Horden in der kasachischen Politik
- Einfluss der Präsidentenfamilie und Machtkonsolidierung
- Vergleich mit historischen Hauptstadtverlegungen (z.B. St. Petersburg)
- Wirtschaftliche Bedeutung der Rohstoffvorkommen in der nördlichen Region
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Am 20. Oktober 1997 wird Astana die neue Hauptstadt der Republik Kasachstan. Damit wird das im Süden gelegene Almaty von seinen Funktionen als wirtschaftliches und politisches Zentrum offiziell enthoben. Bei der Verlegung einer Hauptstadt handelt es sich, was das eingangs angeführte Zitat unterstreicht, um ein Ereignis von entscheidender historischer Bedeutung. So reichen die Motive von regionalplanerischen Ausgleichsbemühungen, über autokratische Selbstverwirklichungsphantasien bis hin zu geomantischen Bedrohungsgefühlen.
Was aber sind die Gründe für die Verlagerung in Kasachstan?
Dieses Ereignis ist in verschiedenen Kontexten zu betrachten und zu interpretieren, was sich die vorliegende Arbeit zur Aufgabe macht. Dazu ist es nötig die Bedeutung, die Aufgabe und die Eigenschaften einer Hauptstadt ganz allgemein zu erörtern und diese in Relation zu den nationalen geostrategischen Zielen zu setzen. Zuvor ist eine ausführliche Nennung der Rahmenbedingung im Bezug auf, unter anderem, die Geschichte, die Bevölkerung und die internationalen Beziehungen vorzunehmen, da diese helfen ein Profil des Landes zu erstellen.
Im Vergleich zu anderen Hauptstadtverlegungen der jüngeren Geschichte fällt es im Fall Kasachstan schwer umfangreich begründende und befriedigende Motive zu nennen, die zum einen Akmola, bzw. Astana als neue Hauptstadt prädestiniert und zum anderen Almaty als Hauptstadt nicht länger ausreichend erscheinen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Hauptstadtverlegung in Kasachstan ein und definiert die zentrale Fragestellung sowie das methodische Vorgehen.
2. Kasachstan und seine Bevölkerung: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die geographischen Gegebenheiten, die demografische Struktur sowie die wirtschaftlichen Kennzahlen der Republik.
3. Geschichtlicher Rückblick Kasachstans: Hier werden die historischen Ursprünge der sozialen Organisation in Horden und Clans sowie die Situation Kasachstans während der Sowjetzeit detailliert beleuchtet.
4. Der Aufstieg Nasarbaevs: Dieses Kapitel analysiert den politischen Werdegang Nursultan Nasarbaevs und seine Methoden der Machtkonsolidierung innerhalb der neuen staatlichen Ordnung.
5. Außenpolitische Beziehungen: Eine Untersuchung der multivektoriellen Außenpolitik Kasachstans mit Fokus auf die strategischen Partnerschaften mit Russland, China und dem Westen.
6. Die Hauptstadtverlegung: Eine neue Repräsentation des Staates Kasachstan: Dieser Abschnitt erörtert die allgemeine Theorie von Hauptstädten, vergleicht internationale Verlegungen und beschreibt die Transformation Astanas von einer Provinzstadt zur neuen Hauptstadt.
7. Die Verlegung einer Hauptstadt – ein geostrategischer Schachzug?: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und bewertet die Hauptstadtverlegung als geostrategisches und politisches Instrument des Präsidenten.
Schlüsselwörter
Kasachstan, Astana, Hauptstadtverlegung, Geostrategie, Geopolitik, Nursultan Nasarbaev, Almaty, Horden, Business-Klans, Außenpolitik, Russland, China, Energiepolitik, Machtkonsolidierung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit?
Die Arbeit analysiert die Verlegung der Hauptstadt Kasachstans von Almaty nach Astana und untersucht, ob es sich dabei um eine geostrategische Entscheidung oder ein politisches Machtinstrument handelte.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Werk ab?
Zu den Kernbereichen zählen die Geopolitik und Geostrategie, die historische Entwicklung Kasachstans, die Machtstrukturen unter Präsident Nasarbaev sowie die internationalen Beziehungen des Landes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die tieferen Beweggründe für den Umzug des Regierungssitzes zu verstehen, die über rein infrastrukturelle oder ökonomische Faktoren hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine politikwissenschaftliche Untersuchung durchgeführt, die Theorien der Geopolitik auf das Fallbeispiel Kasachstan anwendet und durch historische Analysen und Literaturvergleiche untermauert wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Rolle der Clans und Horden, dem Aufstieg von Nasarbaev, der Außenpolitik gegenüber Russland und China sowie der theoretischen Einbettung von Hauptstadtfunktionen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Geostrategie, Machtkonsolidierung, kasachische Innenpolitik und internationale Energiebeziehungen beschreiben.
Wie spielt die „Ältere Horde“ in die Hauptstadtverlegung hinein?
Die Arbeit legt dar, dass Präsident Nasarbaev, der selbst der Älteren Horde angehört, durch die Platzierung des Machtzentrums im Norden seine politische Kontrolle über wichtige Regionen und Ressourcen festigen konnte.
Wie wird die Rolle der Präsidentenfamilie bewertet?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Mitglieder der Präsidentenfamilie Schlüsselpositionen in Medien, Banken und Industrie besetzten, was Nasarbaev dabei half, seine Machtbasis über das gesamte Land zu konsolidieren.
Warum wird Astana als „geostrategischer Schachzug“ bezeichnet?
Die Verlegung dient als Mittel, um politische Kontrolle in den russisch geprägten Norden auszuweiten, wirtschaftliche Anreize zu schaffen und einen symbolischen Neuanfang für den jungen kasachischen Staat zu etablieren.
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- Henriette Becker (Author), 2009, Die Verlegung einer Hauptstadt - Ein geostrategischer und politischer Schachzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164433