Die Planung, Durchführung und Evaluation von Gottesdiensten in unterschiedlichen Kirchge- meinden ist ein Teilbereich meines beruflichen Praxisfeldes: Ich predige selbst, ich moderiere Gottesdienste oder berate Kirchgemeinden in der Gestaltung von zeitgemäßen christlichen Got- tesdiensten. Aber ich sitze selbst auch als Teilnehmer in Gottesdiensten.
In den letzten Jahren habe ich immer wieder zu Teilaspekten der Gottesdienstgestaltung gearbeitet, dabei jedoch eher von der Hand in den Mund gelebt. Außerdem habe ich als Theologe die Thematik der Gottesdienstgestaltung bisher eher aus theologischem Blickwinkel betrachtet. Im Rahmen dieser Diplomarbeit jedoch sehe ich für mich die Gelegenheit, das Thema »Gottes- dienst als Lernfeld« einmal sehr grundsätzlich aus erwachsenenbildnerischer Perspektive unter die Lupe zu nehmen. Dabei treibt mich besonders meine Neugierde. Ich möchte mit meiner Di- plomarbeit in meinem Praxisfeld und darüber hinaus etwas bewegen. »Gottesdienstgestaltung« ist auch ein Thema, das ich als Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona bearbeite. Das bereits von Kolleginnen und Kollegen bekundete Interesse gegenüber der Thematik motiviert mich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Anlaß und Motivation hinter der Arbeit
1.2. Ausgangslage und Problemstellung
1.3. Fragestellung
1.4. Zielsetzung
1.5. Eingrenzung/Abgrenzung der Thematik
1.6. Interessent/innen und Adressat/innen der Arbeit
1.7. Angaben zur Methodik und zum Vorgehen
1.8. Begriffsklärungen
2. ›Gottesdienst‹ – um was geht es?
2.1. Biblische Berichte sind Mobilisierungs- und Veränderungsgeschichten
2.2. Lehren und Lernen zur Zeit des Neuen Testaments
2.3. Die Freie Evangelische Gemeinde Birsfelden und ihr Gottesdienst
2.4. Fazit
3. Das Lernen Erwachsener – die lernpsychologische Ebene
3.1. Das Lernen erwachsener Menschen
3.2. Lehren und Lernen in der Spannung zwischen Instruktion und Konstruktion
3.3. Eine Taxonomie von Lernsituationen und Lernaktivitäten
3.4. Der spirituelle Anteil am Lehren und Lernen in christlichen Gottesdiensten
3.5. Fazit
4. Didaktische Leitprinzipien für die Gestaltung von Gottesdiensten in der FEG Birsfelden – auf der Grundlage eines gemäßigten Konstruktivismus
4.1. Didaktisches Leitprinzip: Teilnehmendenorientierung
4.2. Didaktisches Leitprinzip: Erfahrungsorientierung
4.3. Didaktisches Leitprinzip: Handlungsorientierung
4.4. Didaktisches Leitprinzip: Lernen in unterschiedlichen sozialen Konstellationen
4.5. Didaktisches Leitprinzip: Der Lernprozeß ist emotional bedingt
4.6. Didaktisches Leitprinzip: Verschiedene Lerntypen berücksichtigen
4.7. Didaktisches Leitprinzip: Die lernfreundliche Sequenzierung von Gottesdiensten
4.8. Fazit
5. Die Leitenden im erwachsenenbildnerisch gestalteten Gottesdienst
5.1. Unterschiedliche Begabungen der Leitenden bzw. Lehrenden berücksichtigen
5.2. Auftreten, Haltung und Kommunikation der Leitenden
5.3. Bekräftigendes Verhalten der Leitenden
5.4. Fazit
6. Praktisches Beispiel eines erwachsenenbildnerisch gestalteten Gottesdienstes
7. Gottesdienste evaluieren
7.1. Wozu wird evaluiert?
7.2. Was wird evaluiert?
7.3. Die Umsetzung der Evaluation
7.4. Fazit
8. Schlußfolgerungen
9. Verzeichnisse
9.1. Literaturverzeichnis
9.2. Abkürzungsverzeichnis
10. Reflexion
Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis lernpsychologischer Erkenntnisse didaktische Leitprinzipien für die Gottesdienstgestaltung zu entwickeln, damit Gottesdienste für Teilnehmende als lebensrelevantes Lernfeld fungieren können, das persönliche Veränderungsprozesse unterstützt. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Gottesdienste so gestaltet werden können, dass die Teilnehmenden konkrete Lernschritte vollziehen, die sie in ihrem Alltag als hilfreich erfahren.
- Analyse des Gottesdienstes als lernpsychologisches Feld auf Grundlage biblischer und konstruktivistischer Ansätze.
- Entwicklung und Erläuterung von sieben didaktischen Leitprinzipien für die gottesdienstliche Praxis.
- Bedeutung der Rolle und Haltung der Gottesdienstleitenden für die Gestaltung interaktiver Lernprozesse.
- Praktische Implementierung von Methoden zur Evaluation der Lernqualität im Gottesdienstkontext.
Auszug aus dem Buch
Die Leitenden im erwachsenenbildnerisch gestalteten Gottesdienst
Die Gottesdienstleitenden und der Pfarrer der FEG Birsfelden waren bereits in Kapitel 4 direkt oder indirekt immer wieder ein Thema. Sie sind diejenigen, die im dortigen Gottesdienst die Umsetzung der aufgezeigten didaktischen Leitprinzipien beachten und gemeinsam mit den Gottesdienstteilnehmenden verwirklichen. – In diesem Kapitel wird der Fokus nochmals ausdrücklich auf Gottesdienstleitende und Pfarrer/innen in ihrer Funktion als Leitende und Lehrende gerichtet. Es werden hier einige weitere didaktisch-methodische Aspekte genannt, die bisher noch nicht oder nur am Rande erwähnt wurden, für die erwachsenenbildnerische Gestaltung von Gottesdiensten jedoch wichtig sind.
Lehrende haben unterschiedliche individuelle Fähigkeiten – Stärken und Schwächen. Manche können sehr gut im Plenum arbeiten, andere sind stark in der Begleitung kleiner Gruppen. Die einen tendieren eher zum instruktionalen Verständnis von Lehren und Lernen, andere eher zum konstruktivistischen. Jede/r fühlt sich mit der Art des Lehrens am besten, die ihm/ihr am besten liegt! Das hängt auch mit der eigenen Lernbiographie zusammen. Persönliche Stärken und Schwächen sind unter anderem auf dem Hintergrund entstanden und gewachsen, daß die jeweilige Person mit bestimmten Haltungen und Vorgehensweisen offensichtlich Erfolg gehabt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Motivation des Autors, den Gottesdienst als Lernfeld zu betrachten, und definiert die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. ›Gottesdienst‹ – um was geht es?: Beleuchtet den biblischen Hintergrund des Lernens im Gottesdienst und beschreibt die spezifische Situation der FEG Birsfelden.
3. Das Lernen Erwachsener – die lernpsychologische Ebene: Analysiert die theoretischen Grundlagen des Erwachsenenlernens, insbesondere den Kontrast und die Komplementarität zwischen Instruktion und Konstruktion.
4. Didaktische Leitprinzipien für die Gestaltung von Gottesdiensten in der FEG Birsfelden – auf der Grundlage eines gemäßigten Konstruktivismus: Präsentiert sieben praktische Leitprinzipien zur Optimierung der Gottesdienstgestaltung basierend auf einem gemäßigten Konstruktivismus.
5. Die Leitenden im erwachsenenbildnerisch gestalteten Gottesdienst: Fokussiert auf die Rolle, Haltung und Kommunikation der Gottesdienstleitenden bei der Gestaltung von Lernprozessen.
6. Praktisches Beispiel eines erwachsenenbildnerisch gestalteten Gottesdienstes: Demonstriert die Anwendung der entwickelten didaktischen Prinzipien an einem konkreten Beispielgottesdienst.
7. Gottesdienste evaluieren: Erläutert Notwendigkeit, Gegenstände und Methoden zur systematischen Evaluation von Gottesdiensten.
8. Schlußfolgerungen: Fasst die zentralen Schlüsselerkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt Ausblicke für die kirchliche Praxis.
9. Verzeichnisse: Enthält das Literatur- und Abkürzungsverzeichnis der Arbeit.
10. Reflexion: Dokumentiert den persönlichen Lernprozess des Autors während der Erstellung dieser Diplomarbeit.
Schlüsselwörter
Gottesdienstgestaltung, Erwachsenenbildung, Konstruktivismus, Lernfeld, FEG Birsfelden, Teilnehmendenorientierung, Handlungsorientierung, Erfahrungsorientierung, Lernpsychologie, Gottesdienstleitende, Evaluation, Didaktik, Christlicher Glaube, Gemeindeleben, Praxistransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht, wie christliche Gottesdienste so gestaltet werden können, dass sie für erwachsene Teilnehmende als lernfördernde Räume dienen, die über reine Wissensvermittlung hinausgehen und persönliche Veränderung anregen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft biblisch-theologische Grundlagen mit modernen lernpsychologischen Theorien und wendet diese Erkenntnisse auf die praktische Gestaltung von Gottesdiensten in einer Freikirche an.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Gottesdienste in der FEG Birsfelden erwachsenenbildnerisch so gestaltet werden können, dass Teilnehmende Lernschritte tun, die für ihren Alltag relevant und verändernd sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus persönlicher Beobachtung, Fachgesprächen, theoretischer Literaturanalyse und der praktischen Erprobung didaktischer Konzepte im eigenen kirchlichen Praxisfeld.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der lernpsychologischen Fundierung (Instruktion vs. Konstruktion), der Ableitung didaktischer Leitprinzipien, der Rolle der Leitenden und der praktischen Umsetzung und Evaluation dieser Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gottesdienstgestaltung, Erwachsenenbildung, Konstruktivismus, Handlungsorientierung und Teilnehmendenorientierung.
Inwieweit spielt das "Schichtenmodell" eine Rolle für die Gestaltung?
Das Schichtenmodell dient als hilfreiches Instrument, um zu verdeutlichen, dass Gottesdienste oft tiefe persönliche Ebenen berühren; es mahnt dazu, methodische Interventionen umsichtig zu wählen, da tiefere Ebenen ein höheres Maß an Vertrauen erfordern.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Instruktion und Konstruktion wichtig?
Diese Unterscheidung ist zentral, um das reine Dozieren (Instruktion) durch aktivierende, konstruktive Elemente zu ergänzen, die dem erwachsenen Bedürfnis nach eigenständigem und erfahrungsbasiertem Lernen besser gerecht werden.
Wie wird eine "Fehlerkultur" im Gottesdienst definiert?
Eine lernfördernde Fehlerkultur bedeutet, Irrtümer nicht sofort als Scheitern zu werten, sondern als Gelegenheiten zum Lernen zu begreifen, was insbesondere durch die Haltung der Leitenden und ein offenes Gemeindeklima ermöglicht wird.
- Quote paper
- Reiner Bamberger (Author), 2003, Gottesdienst als Lernfeld. Am Beispiel der Freien Evangelischen Gemeinde Birsfelden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16444