Seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Familie in den Industriegesellschaften stetigen Wandlungsprozessen unterworfen. Die Lebensläufe der einzelnen Individuen sind nicht mehr standardisiert wie noch vor fünfzig Jahren. Damals folgte auf den Schulabschluss eine relativ schnelle, feste Bindung an einen Partner, die Ablösung vom Elternhaus, die Heirat und schließlich die Geburt des ersten Kindes. Männer waren für die Existenzsicherung zuständig und Frauen beschränkten sich auf ihr Dasein als Hausfrau und Mutter. Seit dem haben sich nicht nur die Familienformen ge-wandelt, sondern auch die Lebensentwürfe der Menschen. Es gibt mehr Wahlmög-lichkeiten in beruflichen und privaten Lebensabschnitten. Nach Ulrich Beck ist nicht mehr sicher, „ob man heiratet, wann man heiratet, ob man zusammenlebt, ob man das Kind innerhalb oder außerhalb der Familie empfängt oder aufzieht, mit dem den man liebt, der aber mit einer anderen zusammenlebt, vor oder nach der Karriere oder mittendrin.“
Trotz des enormen Wandels hat sich die Bedeutung der Familie kaum verändert. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung finden, dass die Familie zum Glücklichsein dazu gehört.
Vor diesem Hintergrund ist es für Schüler wichtig den Wandlungsprozess der Familie zu verstehen und ihre Funktionen in den Sozialisationsprozess einordnen zu können. Die folgende Sachanalyse bietet einen Hintergrund zur dargestellten Unterrichtseinheit und stellt die Ursachen des Wandels, sowie dessen Folgen dar. Dabei stützt sich der Autor vornehmlich auf Rüdiger Peuckert: „Familienformen im sozialen Wandel“.
Inhaltsverzeichnis
1 SACHANALYSE
1.1 EINLEITUNG
1.2 EHE UND FAMILIE IM UMBRUCH
1.3 DER DEMOGRAPHISCHE WANDEL
1.4 STRUKTURWANDEL DER FAMILIE
1.5 THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE
1.6 SCHLUSSBEMERKUNG
2 LERNZIELE
3 BEDINGUNGSANALYSE
STUNDENVERLAUFSPLAN
5 DIDAKTISCHE ANALYSE
5.1 EINORDNUNG IN DEN LEHRPLAN
5.2 DIDAKTISCHE PRINZIPIEN
5.3 DIE BEDEUTUNG DES THEMAS FÜR DIE SCHÜLER
5.4 DIE DIDAKTISCHE REDUKTION
5.5 BEGRÜNDUNG FÜR METHODEN UND MEDIEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit konzipiert eine Unterrichtseinheit für die achte Jahrgangsstufe, welche die Familie als soziale Institution und Sozialisationsinstanz beleuchtet. Ziel ist es, den Schülern den historischen Wandel der Familienformen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen verständlich zu machen, um sie für die Komplexität heutiger Lebensentwürfe zu sensibilisieren.
- Wandel der Familie von der Industrialisierung bis zur Gegenwart
- Demographische Entwicklungen und Geburtenrückgang
- Individualisierung und Pluralisierung von Lebensformen
- Sozialisationsfunktion der Familie im gesellschaftlichen Kontext
- Methodische Gestaltung problemorientierter Unterrichtsstunden
Auszug aus dem Buch
1.2 Ehe und Familie im Umbruch
Vor der Industrialisierung waren Familien primär Produktionsstätten (Landwirtschaft). In ihr wurden das Familienleben und die Produktion vereinheitlicht. Nicht nur Kinder gehörten zur Familie, sondern auch Knechte und Mägde, weswegen diese Familienform auch die Sozialform des „Ganzen Hauses“ genannt wurde.In ihr herrschten gefühlsarme Beziehungen, da es innerhalb der Familie vornehmlich darum ging die Produktionsstätte zu erhalten und die Existenz zu sichern. Nachwuchs wurde nicht gezeugt, um der Liebe zwischen den Partnern ein Gesicht zu verleihen, sondern um potentielle Arbeitskräfte zu gewinnen.
Mit der Industrialisierung wurden Arbeits- und Wohnstätte voneinander getrennt und es entstand die sogenannte „bürgerliche Familie“. Frauen und Kinder konnten fortan von der Erwerbstätigkeit freigestellt werden. Der Familie kamen nun emotionale und intime Funktionen zu Teil, die man vorher vernachlässigen musste. In dieser Zeit bildete sich die Polarisierung der Geschlechterrollen. Während Männer von nun an für die Erwerbstätigkeit zuständig waren, kümmerten sich Frauen um den Haushalt und die Kindererziehung.
Mit den Wandlungsprozessen der fünfziger und sechziger Jahre (Wirtschaftswunder, Ausbau des sozialen Sicherungssystems) verbesserten sich auch die Lebensverhältnisse der Bürger im Land. Ein neues Leitbild der modernen Kleinfamiliebestimmte das Familienbild. Dieses beinhaltete die lebenslange, monogame Ehe. Die Frau war zuständig für emotional-affektive Bereiche des Familienlebens. Wohingegen dem Mann als Autoritätsperson die Außenbeziehungen und instrumentalen Aspekte oblagen (Peuckert, 25). In diesem „golden age of marriage“ war der Familienverlauf der Menschen Teil ihres Lebenslaufes. Diese Phasen des Verlaufs waren institutionalisiert und wurden unhinterfragt gelebt.
Zusammenfassung der Kapitel
SACHANALYSE: Analysiert den historischen und gesellschaftlichen Wandel der Familienformen sowie theoretische Erklärungsansätze für die Deinstitutionalisierung der Ehe.
LERNZIELE: Definiert die angestrebten Kompetenzen, wie die Einordnung der Familie in den Sozialisationsprozess und das Verständnis für neue Lebensformen.
BEDINGUNGSANALYSE: Beschreibt die theoretische Lerngruppe und die situativen Rahmenbedingungen für die Unterrichtseinheit.
STUNDENVERLAUFSPLAN: Detaillierte Darstellung des zeitlichen Ablaufs und der methodischen Schritte der Unterrichtseinheit.
DIDAKTISCHE ANALYSE: Begründet die didaktischen Prinzipien, die Auswahl der Inhalte sowie die Wahl der verwendeten Medien und Methoden.
Schlüsselwörter
Familie, Sozialer Wandel, Industrialisierung, Normalfamilie, Pluralisierung, Lebensformen, Individualisierung, Sozialisation, Demographischer Wandel, Pädagogik, Unterrichtskonzeption, Generationen, Geschlechterrollen, Beutelsbacher Konsens, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert eine didaktische Unterrichtskonzeption für das Thema „Familie im Wandel“ für Schüler der achten Klasse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die historischen Wandlungsprozesse von der Produktionsfamilie zur bürgerlichen Kleinfamilie bis hin zu modernen, pluralen Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülern ein Verständnis für die soziologische Bedeutung der Familie und deren Wandel zu vermitteln, um ihre eigene Position in der Gesellschaft zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein problemorientierter Ansatz gewählt, der durch didaktische Reduktion und die Einbeziehung von Schülererfahrungen komplexe soziologische Sachverhalte zugänglich macht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Sachanalyse sowie eine fachdidaktische Ausarbeitung, inklusive Stundenverlaufsplanung und Begründung der didaktischen Prinzipien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialer Wandel, Pluralisierung, Deinstitutionalisierung, Individualisierungsthese sowie Handlungsorientierung im Unterricht.
Welche Rolle spielt der „Beutelsbacher Konsens“ in dieser Konzeption?
Das Kontroversitätsgebot dient als didaktisches Leitprinzip, um sicherzustellen, dass gesellschaftliche Probleme aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.
Warum wird der Begriff „Reproduktionsfunktion“ durch „Fortpflanzung“ ersetzt?
Dies ist eine Maßnahme der didaktischen Reduktion, um für die Schüler geläufigere Begriffe aus ihrem Vorwissen (Biologie) zu nutzen.
- Citar trabajo
- Michael Kunig (Autor), 2009, Unterrichtskonzeption: Brauchen wir die Familie noch? - Der Wandel der Familie und ihrer Funktionen im Laufe der Zeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164451