Der lange Weg nach Rom

Die politische Geschichte der Jahre 308 bis 312 nach Christus anhand ausgewählter Quellen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Quellenproblem

3. Politische Entwicklung bis zur Schlacht an der Milvischen Brücke (284 – 312 n.Chr.)
3.1 Vorgeschichte bis 308 n.Chr
3.2 Die Konferenz von Carnuntum
3.3 Maximians Ende – Eine neue Legitimation für Konstantin
3.4 Die Usurpation des Domitius Alexander in Africa
3.5 Das Galeriusedikt von 311 n.Chr
3.6 Spannungen und Bündnisse im Osten
3.7 Konstantins Zug gegen Maxentius

4. Fazit

Quellen

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Geschichte der Jahre 308 bis 312 nach Christus, von der Kaiserkonferenz in Carnuntum bis zur Schlacht an der Milvischen Brücke vor den Toren Roms, erscheint als ein einziges Wirrwarr ständig wechselnder Bündnisse und Konflikte zwischen rechtmäßigen oder nachträglich legitimierten Herrschern und Usurpatoren und der Konkurrenz zwischen dynastischem und leistungsbezogenem Herrschaftssystem. Zudem sind die Quellen zu dieser Zeit in vielen wesentlichen Punkten widersprüchlich und ihre Darstellung durch Zeit oder politische bzw. religiöse Haltung der Verfasser verzerrt.[1]

In dieser Arbeit werde ich also zunächst auf die wichtigsten Quellen, ihre Stellung und zeitliche Einordnung eingehen und im Hauptteil den Versuch unternehmen, anhand dieser Zeugnisse und ausgewählter moderner Forschungsliteratur ein strukturiertes Bild dieser kurzen, aber bewegten Epoche zu zeichnen. Neben den unten aufgeführten Quellen sei hier als meine wesentliche Sekundärliteratur auf Elisabeth Herrmann-Ottos „Konstantin der Große“, „Der Kaiser Licinius“ von Heribert Feld und „Die Konstantinische Wende“ von Klaus M. Girardet verwiesen.[2]

2. Das Quellenproblem

Die spätantiken Quellen, die uns als Zeugnisse der Zeit Konstantins des Großen dienen, liefern ein sehr ambivalentes Bild jener Epoche. Einerseits zeichnen christliche Autoren wie Eusebius oder Laktanz ein sehr positives Bild Konstantins, da sie ihn ihrer Intention entsprechend als überzeugten Christen darstellen. Auf der anderen Seite stehen die heidnischen Quellen, die den Kaiser teilweise sehr negativ darstellen, bzw. gar nicht näher auf Christen oder Kirche eingehen. Einige der wichtigsten Quellen und Autoren beider Couleur möchte ich hier kurz vorstellen, um die Ambivalenz und Unsicherheiten offenzulegen, welche die Konstantinforschung bis heute beschäftigen.

Zum ersten sei hier Eusebius genannt, zu Lebzeiten Konstantins Bischof von Caeserea und nach Herrmann-Otto gleichwohl „Chefideologe“ des Kaisers. Seine Vita Constantini ist somit mehr eine durchweg positive Lobpreisung Konstantins denn eine Biographie, die aber trotz ihrer deutlichen Parteilichkeit wertvolle Informationen über das Leben des Kaisers enthält, zumal Eusebius ihr auch inzwischen als authentisch anerkanntes Schriftenmaterial beilegte.[3]

Wegweisend, insbesondere für die spätere Geschichtsschreibung des Christentums, und damit auch für Informationen über Konstantin, war seine nach 324 n.Chr. fertiggestellte Historia Ecclesiastica, in der Eusebius die Entstehung der christlichen Kirche bis zum Erscheinungsdatum der letzten Ausgabe anhand von Urkunden und Augenzeugenberichten darzustellen versuchte. Auch dieses Werk ist tendenziös wie die Vita Constantini, aufgrund des enthaltenen Materials aber ebenso wie diese für die Geschichte Konstantins unverzichtbar.[4]

Ein anderer wichtiger Zeitzeuge für die Zeit Konstantins ist der zum Christentum bekehrte Rhetoriklehrer Laktanz, der als solcher schon am Hof Diokletians in Nicomedien wirkte und später der Lehrer von Konstantins ältestem Sohn Crispus war. Für die vorliegende Arbeit ist sein Werk „De mortibus persecutorum“ von Bedeutung, eine Schilderung der antichristlichen Kaiser und ihrer Tode als Resultate ihrer Religionspolitik. Das Werk ist von seiner Einstellung Konstantin gegenüber wie das des Eusebius rein positiv geprägt.[5]

Eine bezüglich ihrer religiösen Orientierung und Datierung strittige Quelle ist der Anonymus Valesianus, dessen Form und Darstellung nach Feld „christlichen Geist atmet“, von Bleckmann aber zu den heidnischen Quellen gezählt wird.[6] Der als relativ objektiv geltende Text konzentriert sich auf die politische Geschichte der Jahre 306-324 und ist der einzige, in dem Licinius schon vor seiner Erhebung zum Augustus als Unterhändler des Galerius bei dessen Zug gegen Maxentius erwähnt wird.[7]

In den hier verwendeten heidnischen Textzeugnissen spielt das Christentum kaum eine Rolle, Zosimus einmal ausgenommen. Die Intention lag bei Aurelius Victor, einem hohen Beamten unter Kaiser Julian und späterem Konsul, in seinem um 360 verfassten „Liber de Caesaribus“ eher auf einer nüchternen Darstellung der Kaiser von Octavian bis Constantius II.. Interessant an dieser Quelle ist die Gegenüberstellung der Güte und Menschlichkeit des (Christen?) Konstantin mit der Grausamkeit des Heiden Licinius.[8]

Auch Eutrop ignoriert in seinem aus den sechziger oder siebziger Jahren des 4. Jahrhunderts stammenden „Breviarum ab urbe condita“ das Christentum weitestgehend, denn ihm ging es in erster Linie um die Darstellung der Herrlichkeit Roms und der römischen Geschichte in Kurzform. Der Text stellt Konstantin in keinem sehr guten Licht dar, geht aber auch nur vergleichsweise kurz auf diesen ein.[9]

Zum Schluss ist noch Zosimus’ Historia Nova vom Anfang des 6. Jahrhunderts zu nennen, die ausführlich auf die Kaiser von Septimus Severus bis zum Jahr 410 eingeht, wobei Zosimus Konstantin aufgrund seiner eigenen religiösen Haltung sehr negativ bewertet. Obwohl die Historia Nova also stark antichristlich geprägt ist, bietet sie eine recht gute Illustration der Ereignisse des 4. Jahrhunderts, zu bestimmten Episoden dieser Zeit ist sie sogar die einzige vorhandene Quelle.[10]

3. Politische Entwicklung bis zur Schlacht an der Milvischen Brücke (284 – 312 n.Chr.)

3.1 Vorgeschichte bis 308 n.Chr.

Seit der Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus befand sich das römische Reich in einer schweren Krise. Innerhalb von nur etwa vierzig Jahren waren über 50 Kaiser erhoben und wieder abgelöst worden, kaum einer von ihnen durch einen natürlichen Tod. Als 284 Diokletian als letzter in der Reihe dieser Soldatenkaiser von den Truppen zum Kaiser ausgerufen wurde, riss er auf militärischem Wege sofort die Macht im Reich an sich und leitete umgehend umfassende Reformen ein, deren wichtigste die Reform des Kaisertums selbst war. Um im ganzen Reich allgegenwärtig sein zu können, nahm er eine Aufteilung der Herrschaft zwischen vier Regenten vor, jeweils zwei Augusti und zwei Caesaren sollten das Reich regieren. Es war vorgesehen, dass die Caesaren nach zehn Jahren zu Augusti aufrücken und aus den besten und fähigsten Männern zwei neue Caesaren ernennen sollten. Die schon vorher praktizierte Teilung der Macht kombinierte Diokletian also mit einem Leistungsprinzip, dem er den Vorzug gegenüber dem früher angewandten dynastischen Prinzip gab.[11]

[...]


[1] Das geht soweit, dass schon frühe Autoren die sehr ähnlichen Namen der Kaiser und damit auch diese und ihre jeweilige Rolle verwechseln, wie Eutrop Maximianus und Maximinus Daia: „[...] Diocletian [machte] den Maximianus Herculius […] zum Augustus, den Constantius und Maximianus zu Caesaren […].“ Eutr., Brev., 9,22,1.

[2] Vgl. Feld, Heribert: Der Kaiser Licinius. Saarbrücken 1960.

Vgl. Girardet, Klaus M.: Die Konstantinische Wende. Vorraussetzungen und geistige Grundlagen der Religionspolitik Konstantins des Grossen. Darmstadt 2006.

Vgl. Herrmann-Otto, Elisabeth: Konstantin der Große. Darmstadt 2007.

[3] Vgl. Herrmann-Otto, S. 9-10.

[4] Vgl. Bleckmann, Bruno: Sources for the History of Constantine. In: Lenski, Noel (Hg.): The Cambridge Companion to the Age of Constantine. S. 14ff.

Vgl. Herrmann-Otto, S. 9-10.

Vgl. Feld, S. 22.

[5] Feld, S. 29-31.

[6] Feld, S. 17.

Vgl. Bleckmann, Sources, S. 14ff..

[7] Anon. Vales., Orig. Const.1,3,7.

Vgl. Feld, S. 17-18.

[8] Vgl. Feld, S. 8. Ob Konstantin Christ war soll hier nicht diskutiert werden. Eine Einführung zu dieser Frage bieten u. a. Hermann-Otto, Piepenbrink oder Girardet.

[9] Vgl. Eutr., Brev. 10, 4, 3 – 10, 5.

Vgl. Bleckmann, Sources, S. 14ff..

[10] Vgl. Feld, S. 14, sowie Herrmann-Otto, S. 10.

[11] Vgl. Herrmann-Otto, Elisabeth: Konstantin der Große. Darmstadt 2007. S. 18-27.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der lange Weg nach Rom
Untertitel
Die politische Geschichte der Jahre 308 bis 312 nach Christus anhand ausgewählter Quellen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Konstantin der Große
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V164456
ISBN (eBook)
9783640795529
ISBN (Buch)
9783640795321
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Christus, Quellen, Konstantin, Kaiser, Rom, Byzanz
Arbeit zitieren
Martin Kramer (Autor), 2009, Der lange Weg nach Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164456

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