Afrikanisches Kino - Filmanalyse "Les Saignantes" von Jean - Pierre Bekolo Obama


Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Filmanalyse
2.1. Filmbeschreibung
2.2. Das Ritual „Mevungu“
2.3. Die Schrifttafeln
2.4. Allgemeine Betrachtung und Rezensionen

3. Zusammenfassung

Quellen

1. Einleitung

Der Film «Les Saignantes» von Regisseur Jean-Pierre Bekolo Obama entstand im Jahre 2005 und hat eine Länge von 92 Minuten. Bekolo wurde 1966 in Yaounde, Kamerun, geboren und lehrt heute an der Duke University in North Carolina in den USA. Er hat zunächst an der Universität von Yaounde Physik studiert und ist erst mit über zwanzig nach Frankreich gegangen, um dort eine Ausbildung am Institut Nationale de l'Audiovisuel zu machen. Seinem Film «Les Saignantes» gingen die Filme «Le Quartier Mozart» aus dem Jahr 1992 und «Le Complot d'Aristote» aus dem Jahr 1996 voraus. Auch das Filmgeschehen dieser beiden Filme spielt sich in Afrika ab. Da Bekolo nicht mehr nur in Kamerun, sondern auch in Frankreich und den USA lebt, macht er sich bei seiner Arbeit zweifellos auch seine Außenschau auf den afrikanischen Kontinent und die kulturellen Unterschiede zur sogenannten westlichen Welt zunutze.

Im Film «Les Saignantes» gibt es keinen eindeutigen Plot, der einer schlüssigen Logik folgt und es ist häufig schwierig, dem Geschehen zu folgen. So ist es bereits schwer, den Film einem eindeutigen Genre zuzuordnen. Die Liste der Zuordnungen innerhalb der Rezensionen ist lang. So wird der Film etwa dem Genre des „Action”, der „Avant-Garde”, dem „Futurismus”, dem „Fantastischen”, dem „Zauberhaften”, dem „Sciene-Fiction- Horror”, der „Science-Fiction-Comedy”, der „Erotik” und der „Satire” zugeordnet. Auch wird er einem Genre zugeordnet, das „undefinierbar” oder „neu” ist, in einem Fall mit dem Hinweis darauf, dass das afrikanische Kino schließlich selbst, was natürlich fragwürdig ist, als ein eigenes Genre angesehen wird. Auch taucht öfter die Vermutung auf, Bekolo sei stark von Godard beeinflusst.

Die Protagonisten sind zwei junge Frauen, die sich inmitten der moralisch verkommenen Gesellschaft Kameruns, genauer der Hauptstadt Yaounde, befinden. Anhand ihres Schicksals wird ein Bild des allgemeinen Zustands des Landes gezeichnet.

Die Analyse beginnt mit einer ausführlichen Zusammenfassung des Filmgeschehens. Da es keinen eindeutigen Plot gibt, ist Ausführlichkeit unerlässlich, da durch die verwirrende Struktur zunächstjede Sequenz als relevant angesehen werden muss. Ein Augenmerk wird anschließend auf dem „Mevungu”-Ritual liegen, das eine entscheidende Rolle spielt. Danach folgt die Betrachtung der sechs im Laufe des Films eingeblendeten Schrifttafeln, die Fragen an den Betrachter richten. Auf dieser Basis folgt eine allgemeinere Betrachtung des Films, auch unter Berücksichtigung der Rezensionen zum Film. Bei diesen handelt es sich ausschließlich um Internet-Quellen, da der Film bisher in der Literatur nicht diskutiert wurde. Schließlich soll diese Analyse dahin führen, eine Einschätzung hinsichtlich Intention und Schwerpunkt des Films machen zu können. Im Vordergrund werden nicht die eingesetzten filmischen Mittel stehen, sondern vielmehr die behandelten inhaltlichen Aspekte.

2. Filmanalyse

2.1. Filmbeschreibung

Das gesamte Filmgeschehen findet im Dunkeln statt, so als wäre permanent Nacht. Der Film beginnt mit der Einblendung der ersten Schrifttafel: 00.00'20": «Comment faire un film d'anticipation dans un pays qui n'a pas d'avenir?» (franz.=Wie einen Film der Vorausschau machen, in einem Land, das keine Zukunft hat?)

Auf diese Tafel folgt die Einblendung von „Yaounde 2025”. Der Film spielt also 20 Jahre in der Zukunft. Eine Erzählerin, die mit hypnotisierender Stimme den ganzen Film aus dem Off begleitet, fuhrt in das Filmgeschehen mit den Worten ein: «Nous étions déjà en 2025, pas grand-chose n'avait changé [...]» (franz.=„Wir hatten bereits das Jahr 2025 und nichts hatte sich großartig verändert [...]”. Es folgt nun eine surreale Szene, in der eine der beiden jungen und sehr attraktiven Protagonistinnen, genannt Majolie (franz.=Meine Hübsche), in einer schaukelartigen Vorrichtung über einem Bett „schwebt”, in dem ein älterer Mann rücklings liegt. Beide sind nackt und obwohl kein deutlicher Geschlechtsakt gezeigt wird, wird hier deutlich, dass es sich um eine Sex-Szene handelt. Die Erzählerin beginnt nun, das „Mevungu“-Ritual zu beschreiben. Sie beschreibt zunächst, was es nicht ist und sagt schließlich, dass dieses an jenem Tag über sie (Plural) gekommen sei. Der Mann bewegt sich plötzlich nicht mehr, worauf Majolie sehr erschrocken ist. Sie nimmt seinen Pass aus seiner Tasche und stellt fest, dass er 1939 geboren wurde. Er ist demnach im Jahre 2025 86 Jahre alt, wohingegen sie in etwa zwischen 20 und 30 sein dürfte. Sie ist empört darüber, dass ein so alter Mann sich an sie, eine so viel jüngere Frau annäherte. Majolie, die nun nicht weiß, wie sie mit dem toten Mann umgehen soll, kontaktiert schließlich ihre etwa gleichaltrige Freundin Chouchou (franz.=Liebling), die gerade in einem Taxi sitzt, und bittet sie, zu ihr zu kommen. Etwa zeitgleich wird Chouchou aber auch via Mobiltelefon von ihrer Mutter kontaktiert. Diese ist sogar auf dem Display des Telefons zu sehen. Für den Betrachter wird es groß eingeblendet. Hinter der Mutter stehen vier weitere (unbekannte) Frauen. Die Atmosphäre wirkt magisch und geheimnisvoll. Die Mutter teilt mit, dass die Frauen sie sehen wollen. Chouchou fragt, wer die anderen Frauen seien und teilt mit, dass sie keine Zeit hat, da sie einer Freundin helfen müsse. Majolie wäscht sich indessen intensiv und geht dann in eine Bar, in der nur Männer sitzen. Dort betrinkt sie sich und stellt sich schließlich vor die Bar, wo sie im Stehen heftig uriniert. Die vor der Bar sitzenden Männer sehen ihr dabei zu, tunjedoch sonst nichts. Wieder zu Hause empfängt Majolie ihre Freundin in Unterwäsche. Auch Chouchou zieht sich bis auf diese aus und die Frauen beginnen zu tanzen und sich zu betrinken. Die Erzählerin redet wieder vom „Mevungu“-Ritual, während Majolie Chouchou schließlich den Leichnam des Mannes zeigt. Sie stellen erschrocken fest, dass es sich bei dem Mann um den SGCC (=Secrétaire Général du Cabinet Civil), also einen hohen Politiker, handelt. Schließlich schaffen sie die Leiche zunächst in den Kofferraum seines eigenen Autos und fahren los. In einer parallelen Szene sitzen zwei männliche Polizeibeamte in ihrem Auto. Sie treffen schließlich auf Majolie und Chouchou und halten diese an. Um ihre Autorität deutlich zu machen, bestehen sie darauf, in den Kofferraum des Autos zu sehen. Die Frauen sind erschrocken. Als der Kofferraum geöffnet wird, ist wie durch ein Wunder keine Leiche darin zu sehen. Die Frauen sind darüber einerseits erleichtert, andererseits aber natürlich verwirrt. Sie beginnen sich außerhalb des Autos zu streiten. Nach einem Schnitt tritt erstmals ein anderer Politker auf, der sich später als Ministre d'Etat herausstellt. Dieser weiß bereits über den Tod des SGCC Bescheid und sagt : «On doit lancer Plan B» (franz.=”Wir müssen Plan B einsetzen”). Die Erzählerin stellt die Frage, wie man das „Mevungu” von anderen unterscheiden soll, injenem Land, in dem sich Tote und Lebende vermischen. In der nächsten Szene befinden sich die Frauen wieder im Auto. Eine dritte Frau, ebenso attraktiv und selbstbewusst wie Majolie und Chouchou, ist noch hinzugekommen. Es handelt sich um Majolies Nachbarin. Die Sympathie zwischen Chouchou und dieser scheintjedoch nicht groß und es bleibt unklar, warum sie plötzlich im Auto sitzt. In der folgenden Szene nähern sich Majolie und Chouchou, nun wieder allein, einem Schlachthof, auf dessen Gelände ein Mann mit animalischen Zügen mit einer Kettensäge auf brachiale Art und Weise Fleisch zerlegt. Chouchou streckt im auf verführerische Weise einen Geldschein entgegen. Der Mann sägt schließlich in den Körper des SGCC, probiert davon und stellt fest, dass es sich um SGCC-Fleisch handelt. Er mag es nicht und spuckt es aus. Die Frauen reden ihm gut zu und versuchen ihn von seinem Eindruck abzubringen. In der nächsten Szene befinden sich die beiden allein auf einer Brücke, wo sie von ihrer Kindheit, ihren Familien und vor allem ihren Müttern reden. Schließlich fahren die beiden zu einem Gebäude, wo sie auf einen Mann treffen. Auch die „dritte Frau”, die vorher schon einmal im Auto saß, tritt hier wieder in Erscheinung. Es stellt sich heraus, dass sie Natou heißt. In dem Gebäude befinden sich mehrere Politiker. Die Szene wirkt verworren. Es ist unklar, warum die Frauen sich dorthin begeben und auch, was die Politiker dort machen. Die Erzählerin konstatiert, dass die einzigen Partys, die die Leute in jenem Land feierten, Trauerfeiern seien. Mit dem Praktizieren des „Mevungu” höre dies jedoch auf und der Tod könne kein (lukratives) Geschäft mehr sein. Sie schließt damit, dass sie verstanden hätten, was zu tun sei, und dass es das „Mevungu” sei, dass sie alle in dem Land bräuchten. Majolie und Chouchou fahren nun weg, denn sie haben, wie sie sagen, eine Beerdigung zu organisieren und einen „Plan” umzusetzen. Mitten in der Nacht gehen sie nun zu einem Mann, der im Leichenhaus arbeitet. Sie haben vom SGCC nur noch den Kopf (obwohl der Leichnam eigentlich zuvor vollständig verschwunden war) und benötigen einen Ersatz-Körper, da das Fehlen des Körpers andernfalls auffallen würde. Im Inneren des Leichenhauses verhandeln sie mit dem Mann über die Summe, die er für den Service, dem Kopf einen neuen Körper anzusetzen, bekommen soll. Er fordert eine übermäßig hohe Summe. Die Frauen gehen darauf ein. An dieser Stelle melden sich auch die Mutter von Chouchou und der Kreis der weiteren Frauen wieder und zeigen ihre Präsenz. In der nächsten Szene möchte der Ministre d'Etat den Leichnam besehen. Er kommt zusammen mit seiner Frau und vielen weiteren Personen in das Leichenhaus. Majolie und Chouchou fahren indessen zu Chouchous Mutter, wo sie Maden und andere seltsame Dinge zu Essen bekommen. Später beginnen Majolie und Chouchou in Chouchous Zimmer zu tanzen und probieren in der Manier von Teenagern verschiedene Kleider an. Die Erzählerin verkündet, dass das „Mevungu” seine letzte Phase erreicht habe und darüber hinaus seine Integrität zurück erlangt habe. Die zweite Tafel wird eingeblendet: 00.55'10": «Comment faire un film d'action dans un pays où agir est subversif?» (franz.=Wie einen Actionfilm machen, in einem Land, in dem Handeln als umstürzlerisch gilt?)

Plötzlich klingelt es bei der Mutter und ein Polizeibeamter fragt nach Chouchou. Die Mutter verleugnet sie, während die beiden Frauen über ein Fenster flüchten.

Bei der anschließenden Szene der Trauerfeier des SGCC, bei dem neben dessen Familie auch Majolie, Chouchou und der Ministre d'Etat anwesend sind, wird von der Witwe bemerkt, dass es sich nicht um den richtigen Körper handelt, was diese auch laut äußert. Majolie und Chouchou versuchen abzulenken, indem sie mit Nachdruck kondolieren und betonen, was für ein guter Mensch der Verstorbene war. Nach der Feier fahren die beiden zusammen mit dem Minstre d'Etat in seinem Auto weg. Alle drei sitzen auf der Rückbank. Eine der Frauen rechts, die andere links von dem Mann. Majolie flirtet mit ihm, während Chouchou skeptisch ist. Im Büro des Mannes angekommen, werden Majolies verführerische Attacken deutlicher. Die Frauen wollen ein „Business”. Sie wollen ein Krankenhaus errichten und fordern viel Geld. Majolie leckt dabei provozierend und in sehr souveräner Haltung an einem Lolli. Der Ministre d'Etat legt den beiden nahe, einen Antrag zu stellen und ihre Slips auszuziehen. Majolie tut dies, Chouchou bleibt verhalten. Einen Antrag wollen die Frauen nicht stellen, da sie sich davon offensichtlich keinen Erfolg versprechen. Die dritte Schrifttafel wird eingeblendet:

1.07'35': «Comment faire un film d'horreur dans un endroit où la mort est une fête?» (franz=Wie einen Horrorfilm machen, an einem Ort, an dem der Tod eine Party ist?)

Es folgt eine Szene in einem großen Treppenhaus, offenbar dort, wo die Trauerfeier stattfand bzw. noch immer stattfindet. Die Tochter des SGCC äußert laut, dass es sich bei dem Leichnam nicht um ihren Vater handelt. Sie ist außer sich, wirdjedoch von autoritär auftretenden Personen zur Ordnung gerufen und auch körperlich leicht angetastet. Die vierte Tafel wird eingeblendet:

1.12'20'': «Comment faire un film d'amour là où l'amour est impossible?» (franz.=Wie dort einen Liebesfilm machen, wo Liebe unmöglich ist?)

In der nächsten Szene sind Majolie und der Ministre d'Etat in einem Hotelzimmer. Die Frau fragt nach dem Vertrag für das „Business”. Sie fordert auf verführerische Art und Weise eine Million. Als ihre Forderung allzu ernsthaft wird, schlägt die Stimmung um. Die fünfte Tafel wird eingeblendet:

1.18'25'': «Comment faire un film policier dans un pays où on ne peut pas enquêter?» (franz.=Wie einen Kriminalfilm machen, in einem Land, in dem man keine Untersuchungen durchführen kann?)

Schließlich taucht Natou noch einmal auf. Sie ist allein mit dem Ministre d'Etat im Park. Sie befinden sich neben einem Auto. Er bedroht sie mit einer Waffe, denn sie wusste über seine Machenschaften Bescheid. Plötzlich erscheinen Majolie und Chouchou, um sie erfolgreich zu verteidigen und den Mann handlungsunfähig zu machen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Afrikanisches Kino - Filmanalyse "Les Saignantes" von Jean - Pierre Bekolo Obama
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
„Geschichte des afrikanischen Kinos”
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V164477
ISBN (eBook)
9783640795581
ISBN (Buch)
9783640795345
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrikanisches Kino, Afrika, Kino, Cinematografie, Bekolo, Regie, Schauspiel, Film, Actionfilm, Science-Fiction, Genre
Arbeit zitieren
Miriam Sowa (Autor), 2010, Afrikanisches Kino - Filmanalyse "Les Saignantes" von Jean - Pierre Bekolo Obama, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164477

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