Friedrich Schiller war ohne Zweifel ein literarisches Genie, das zahlreiche berühmte Dramen verfasste. Zweihundertfünfzig Jahre nach seiner Geburt werden seine Dramen und Gedichte regelmäßig in Schulen gelesen und in Theatern aufgeführt. Sein Drama „Kabale und Liebe“ zählt dabei zu den bekanntesten Werken Schillers. Ob er aber in der Lage war, sich auf die bürgerlichen Sphären herabzulassen, um dieses bürgerliches Trauerspiel zu schreiben, konnte er selbst nicht mit Sicherheit beantworten. Daher stellt sich die Frage, wie er auf die Idee für sein Werk kam. In der folgenden Arbeit sollen Anhaltspunkte aus der Geschichte, Intertextualitäten aus möglichen Werken anderer Autoren und aus seinem Leben gesucht werden, die Friedrich Schiller in „Kabale und Liebe“ einfließen ließ. Bevor aber nach diesen Punkten gesucht werden kann, soll der Begriff der Intertextualität anhand einer Definition geklärt werden. Nach der Klärung des Begriffs der Intertextualität, werden zuerst historische Geschehnisse mit Schillers bürgerlichem Trauerspiel verglichen. Als Anhänger des „Sturm und Drang“ ist es durchaus möglich, dass der damals dreiundzwanzigjährige Friedrich Schiller sein Missfallen gegenüber der vorherrschenden Realität in seinem Drama verarbeitete. Nach dem geklärt wird, ob historische Einflüsse bestehen, wird untersucht, ob Friedrich Schiller von anderen Autoren beeinflusst wurde. Dabei wird „Kable und Liebe“ zum einen mit Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“ und anschließend mit William Shakespeares „Romeo und Julia“ verglichen. Mögliche Intertextualitäten zwischen den einzelnen Werken sollen untersucht werden. Im letzten Punkt werden direkte, persönliche Erlebnisse Schillers und deren Einfluss auf sein Werk analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit nochmals kurz wiederholt und eine Antwort auf die anfangs gestellte Frage „Wodurch ließ sich Friedrich Schiller in seinem bürgerlichen Trauerspiel inspirieren?“ gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Intertextualität
3. Intertextualität
3.1 Historische Intertextualität
3.1.1 Soldatenhandel
3.1.2 Mätressenwesen
3.1.3 Zwischenfazit
3.2 Literarische Intertextualität
3.2.1 Emilia Galotti
3.2.2 Romeo und Julia
3.3 Persönliche Hintergründe
3.3.1 Beziehung zu 16-jährige Charlotte von Wolzogen
3.3.2 „Kabale und Liebe“ als Bühnenstück
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Inspirationsquellen Friedrich Schillers für sein bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“, wobei der Schwerpunkt auf historischen Einflüssen, intertextuellen Bezügen zu anderen literarischen Werken sowie persönlichen Lebenserfahrungen des Autors liegt.
- Analyse historischer Phänomene des 18. Jahrhunderts wie Soldatenhandel und Mätressenwesen
- Untersuchung literarischer Intertextualität durch Vergleich mit Lessings „Emilia Galotti“ und Shakespeares „Romeo und Julia“
- Betrachtung biographischer Hintergründe, insbesondere der Beziehung zu Charlotte von Wolzogen
- Analyse des Einflusses der zeitgenössischen Theaterpraxis auf die Rollenkonzeption
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Soldatenhandel
Friedrich Schiller greift das Thema Soldatenhandel in der Kammerdiener-Szene, im zweiten Akt auf. Ein Kammerdiener des Fürsten, soll der fürstlichen Mätresse Lady Milford ein Geschenk überreichen. Dieser schildert Lady Milford in einer emotionalen Szene, mit welchen finanziellen Mitteln der Fürst solche Geschenke finanziert. Im Anschluss an den Textauszug, wird die Szene auf ihre historische Richtigkeit überprüft.
„Ein alter Kammerdiener des Fürsten, der ein Schmuckkästchen trägt. Die Vorigen. Kammerdiener: Seine Durchlaucht der Herzog empfehlen sich Mylady zu Gnaden, und schicken Ihnen diese Brillanten zur Hochzeit. Sie kommen so eben erst aus Venedig. Lady (hat das Kästchen geöffnet und fährt erschrocken zurück): Mensch! was bezahlt dein Herzog für diese Steine? Kammerdiener (mit finsterm Gesicht): Sie kosten ihn keinen Heller! Lady: Was? Bist du rasend? Nichts? - und (Indem sie einen Schritt von ihm wegtritt). du wirfst mir ja einen Blick zu, als wenn du mich durchbohren wolltest - Nichts kosten ihn diese unermeßlich kostbaren Steine? Kammerdiener: Gestern sind siebentausend Landskinder nach Amerika fort - die zahlen alles.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach den Inspirationsquellen für Schillers Werk „Kabale und Liebe“ und legt das methodische Vorgehen dar.
2. Definition Intertextualität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Intertextualität auf Basis der Theorien von Julia Kristeva und Gérard Genette, um die theoretische Grundlage für die nachfolgende Analyse zu schaffen.
3. Intertextualität: Hier findet die eigentliche Untersuchung statt, unterteilt in historische Zusammenhänge, literarische Vorbilder und persönliche Einflüsse des Autors.
3.1 Historische Intertextualität: Untersuchung der Verarbeitung zeitgenössischer politischer und gesellschaftlicher Missstände, wie des Soldatenhandels und des Mätressenwesens, im Drama.
3.1.1 Soldatenhandel: Analyse der Kammerszene als Kritik am absolutistischen Herrschaftssystem und dem Verkauf von Untertanen.
3.1.2 Mätressenwesen: Untersuchung der Rolle der Mätresse als politische Einflussgröße und der historischen Vorlage Franziska von Hohenheim.
3.1.3 Zwischenfazit: Zusammenfassung der Kritik am Absolutismus und der sozialen Anklage durch die bewusste Wahl realer zeitgenössischer Phänomene.
3.2 Literarische Intertextualität: Einleitung des Vergleichs mit anderen Autoren, die Schiller beeinflusst haben könnten.
3.2.1 Emilia Galotti: Vergleich der Ständekritik und der Personenkonstellationen zwischen Schillers Drama und Lessings Werk.
3.2.2 Romeo und Julia: Analyse der motivischen Übereinstimmungen und der gesellschaftskritischen Ansätze in Shakespeares Tragödie und Schillers Stück.
3.3 Persönliche Hintergründe: Betrachtung der biographischen Faktoren, die den Entstehungsprozess des Dramas beeinflussten.
3.3.1 Beziehung zu 16-jährige Charlotte von Wolzogen: Analyse der Auswirkungen von Schillers unerfüllter Liebe auf die Thematisierung von Standesunterschieden.
3.3.2 „Kabale und Liebe“ als Bühnenstück: Betrachtung der Anpassung der Charaktere an die Schauspieler der Mannheimer Bühne.
4. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die zentrale Forschungsfrage und Resümee der identifizierten Einflüsse.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, Intertextualität, Absolutismus, Ständekritik, Soldatenhandel, Mätressenwesen, Emilia Galotti, Romeo und Julia, Literaturwissenschaft, Sturm und Drang, Theatergeschichte, Charlotte von Wolzogen, Quellenforschung, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, durch welche historischen, literarischen und persönlichen Einflüsse Friedrich Schiller zu seinem bürgerlichen Trauerspiel „Kabale und Liebe“ inspiriert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kritik am Absolutismus des 18. Jahrhunderts, die Verarbeitung realer gesellschaftlicher Missstände sowie der intertextuelle Dialog mit anderen Dramen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach: „Wodurch ließ sich Friedrich Schiller in seinem bürgerlichen Trauerspiel inspirieren?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellen- und einflussorientierte Untersuchung durchgeführt, die auf der literaturtheoretischen Definition von Intertextualität (nach Kristeva und Genette) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse historischer Hintergründe (Soldatenhandel, Mätressenwesen), literarischer Vorbilder (Lessing, Shakespeare) und biographischer Aspekte (persönliche Erlebnisse, Theaterpraxis).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Intertextualität, Absolutismus, Ständekritik, Soldatenhandel und den spezifischen Werksvergleich mit Emilia Galotti und Romeo und Julia charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt dem „Soldatenhandel“ im Drama zu?
Der Soldatenhandel dient als zentrale soziale Anklage gegen den absolutistischen Herrscher und stellt eine direkte Kritik an den realen Praktiken des Herzogs Karl Eugen dar.
Inwiefern beeinflusste Charlotte von Wolzogen das Werk?
Schillers unerfüllte Zuneigung zu ihr und seine Erfahrung mit gesellschaftlichen Standesvorurteilen spiegeln sich in der Darstellung der Liebeskonstellationen und der Ständekritik im Drama wider.
Warum spielt die Mannheimer Bühne eine Rolle bei der Entstehung?
Schiller entwarf seine Charaktere gezielt nach den Persönlichkeiten der Schauspieler vor Ort, um die Wirkung auf der Bühne zu maximieren und die Rollen authentischer zu gestalten.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Intertextualität?
Trotz zahlreicher Anleihen bei anderen Autoren und historischen Vorbildern kommt der Autor zu dem Schluss, dass Schiller ein eigenständiges Werk geschaffen hat, welches die Gesellschaft seiner Zeit mit einer besonderen Schärfe kritisiert.
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- Stefan Mergel (Author), 2009, Einflüsse und Intertextualitäten in Schillers „Kabale und Liebe„, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164515