Das Barock und die Romantik sind zwei Stilepochen, die nicht nur ein beachtlicher zeitlicher Abstand trennt, sondern die sich auch in ihren Kunstauffassungen stark unterscheiden, so steht zum Bespiel das Barock mit seiner poetologischen Forderung nach Formgebundenheit in starker Abgrenzung zur Romantik, die diese auflöst. Trotz der Unterschiede der äußeren Form und der inhaltlichen Struktur gibt es eine Gemeinsamkeit beider Gedichte, die Religiosität. Sowohl Andreas Gryphius „Morgen Sonett“ und Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“ liegt ein starker religiöser Grundgedanke zugrunde, da beide lyrischen Sprecher angesichts des Morgens in Dialog mit Gott treten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleichende Gedichtinterpretation
2.1 Analyse von Andreas Gryphius „Morgen Sonett“
2.2 Vergleich mit Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“
2.2.1 Antithetik und Naturdarstellung
2.2.2 Gottesauffassung und Kunstverständnis
2.2.3 Die Funktion des Schweigens und die Läuterung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der religiösen Grundhaltung von Andreas Gryphius’ „Morgen Sonett“ und Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“ durch eine vergleichende Interpretation herauszuarbeiten und dabei die epochenspezifischen Merkmale von Barock und Romantik zu beleuchten.
- Gegenüberstellung barocker Formstrenge und romantischen Kunstverständnisses
- Analyse der antithetischen Struktur (Tag/Nacht, Licht/Dunkelheit)
- Untersuchung der unterschiedlichen Gottesbilder in beiden Epochen
- Deutung der Naturmetaphorik und Signaturlehre
- Vergleich der Gebetsgestik und des Strebens nach Erlösung
Auszug aus dem Buch
Vergleichende Gedichtinterpretation
Das Barock und die Romantik sind zwei Stilepochen, die nicht nur ein beachtlicher zeitlicher Abstand trennt, sondern die sich auch in ihren Kunstauffassungen stark unterscheiden, so steht zum Beispiel das Barock mit seiner poetologischen Forderung nach Formgebundenheit in starker Abgrenzung zur Romantik, die diese auflöst. Trotz der Unterschiede der äußeren Form und der inhaltlichen Struktur gibt es eine Gemeinsamkeit beider Gedichte, die Religiosität. Sowohl Andreas Gryphius „Morgen Sonett“ und Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“ liegt ein starker religiöser Grundgedanke zugrunde, da beide lyrischen Sprecher angesichts des Morgens in Dialog mit Gott treten.
Beginnend mit Gryphius „Morgen Sonett“ offenbart sich dem Leser bereits beim alleinigen Lesen der Überschrift ein barocktypisches Merkmal: das Sonett, welches sich durch seine strenge Form, die aus zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht, auszeichnet und durchgängig im 6-hebigen Jambus geschrieben ist. Allerdings weicht im vorliegenden Gedicht das Reimschema in den Terzetten etwas vom klassischen Muster ab (ccd/eed). Auffallend sind auch die unreine Reime (verschlissen-grüßen, küssen-Füssen, umgibt-betrübt), welche nicht typisch für das Sonett sind. An diesem meist sehr strengen Schema lässt sich der zu dieser Zeit weit verbreitete Wunsch nach klarer Struktur und Ordnung erkennen, der auf die Verwüstungen, Zerstörungen und die politischen Unklarheiten des 30 jährigen Krieges zurückzuführen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der vergleichenden Gedichtinterpretation und die Abgrenzung der Epochen Barock und Romantik.
2. Vergleichende Gedichtinterpretation: Detaillierte Analyse und direkter Vergleich beider Gedichte hinsichtlich ihrer religiösen Motive und formalen Gestaltung.
2.1 Analyse von Andreas Gryphius „Morgen Sonett“: Untersuchung der formalen Struktur des Sonetts und der Interpretation des Morgens als religiöses Erwachen vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges.
2.2 Vergleich mit Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“: Synthese der Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Werke im Kontext ihrer jeweiligen literaturhistorischen Epoche.
2.2.1 Antithetik und Naturdarstellung: Betrachtung der Kontraste zwischen Tag und Nacht sowie der metaphorischen Bedeutung der Natur als göttliche Sprache.
2.2.2 Gottesauffassung und Kunstverständnis: Analyse der differierenden Gottesbilder und der Rolle des Künstlers als Vermittler zwischen Welt und Transzendenz.
2.2.3 Die Funktion des Schweigens und die Läuterung: Interpretation der Stille als spirituelles Läuterungsmoment und Vorbereitung auf das Jenseits.
3. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung der behandelten Gedichte für das Verständnis christlicher Demut.
Schlüsselwörter
Barock, Romantik, Gedichtinterpretation, Andreas Gryphius, Joseph von Eichendorff, Morgen Sonett, Morgengebet, Religiosität, Antithetik, Naturmetaphorik, Signaturenlehre, Erlösung, Gebetsgestus, Transzendenz, Memento mori
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer vergleichenden Interpretation von zwei Gedichten: dem „Morgen Sonett“ von Andreas Gryphius und dem „Morgengebet“ von Joseph von Eichendorff.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die religiöse Grundhaltung, die Anwendung von Metaphorik und das jeweilige Weltbild, wie es durch die literarischen Epochen des Barock und der Romantik geprägt ist.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, trotz des zeitlichen Abstands und der unterschiedlichen ästhetischen Anforderungen der Epochen, die gemeinsamen religiösen Anliegen und die Entwicklung des lyrischen Ichs gegenüber Gott aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewendet, die formale Aspekte (wie Reimschema und Metrum) sowie inhaltliche und motivgeschichtliche Deutungen verknüpft.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einzelanalyse des Gryphius-Sonetts, den Vergleich mit Eichendorffs Gedicht sowie die Untersuchung spezieller Motive wie Stille, Gottvertrauen und die antithetische Darstellung von Licht und Dunkelheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Antithetik, Transzendenz, Gottesbild, Barocklyrik, Romantik, Signaturlehre und christliche Demut gekennzeichnet.
Inwiefern unterscheidet sich die Gottesauffassung in beiden Werken?
Während Gryphius Gott primär als gütige, aber höchste Macht für den demütigen Menschen darstellt, erscheint in Eichendorffs Werk eine stärkere Nuance des strafenden und richtenden Gottes, der das Leben als Präludium zum Gericht betrachtet.
Welche Bedeutung kommt dem "Schweigen" in der Interpretation zu?
Das Schweigen wird als ein Symbol für die innere Nähe zu Gott gedeutet, welches eine Läuterung ermöglicht und das lyrische Ich von den störenden irdischen Reizen befreit, um sich auf das Wesentliche, die Ewigkeit, zu konzentrieren.
- Citation du texte
- Lynn Schmökel (Auteur), 2010, Vergleichende Gedichtinterpretation - Gryphius und Eichendorff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164633