Auswirkung der Finanzkrise auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand


Diplomarbeit, 2010

124 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung und Formulierung des Forschungsproblems
1.1 Aktualität des Themas und Zielsetzung
1.2 Methodische Vorgehensweise der Untersuchung und Eingrenzung

2. Die Finanzkrise
2.1 Definition und Entstehung der Finanzkrise
2.1.1 Die Vergabe von Subprime-Krediten
2.1.2 Der Verbriefungsprozess
2.1.3 Das Platzen der Blase
2.2 Entwicklung von der Subprime-Krise zur Finanzmarktkrise
2.3 Folgen der Finanzkrise
2.4 Reaktionen der Politik und Realwirtschaft

3. Der Deutsche Mittelstand
3.1 Terminologische Abgrenzung und Grundlagen
3.2 Die ökonomische Bedeutung des Mittelstands
3.3 Unternehmensfinanzierung und Eigenkapitalquote
3.4 Bilanzierungsregeln im Mittelstand
3.5 Entwicklung der letzten Jahre

4. Der Mergers & Acquisitions-Markt
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Motive für die Durchführung
4.2.1 Synergien
4.2.2 Diversifikation und Wachstum
4.3 Der Mergers & Acquisitions-Prozess
4.4 Besonderheiten von Fusionen und Übernahmen in Deutschland
4.5 Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand
4.5.1 Bewertung von mittelständischen Unternehmen
4.5.2 Private Equity im Mittelstand

5. Zusammenführung der Untersuchungsgebiete
5.1 Auswirkungen auf den Mergers & Acquisitions-Markt
5.2 Auswirkungen der Finanzkrise auf den deutschen Mittelstand
5.2.1 Kreditvergabe im Deutschen Mittelstand
5.2.2 Kreditklemme und Ratings
5.3 Zukunftsprognose

6. Empirische Analyse der Auswirkungen
6.1 Empirische Analyse
6.1.1 Untersuchungsdesign und technische Realisierung
6.1.2 Vorstudie
6.1.3 Struktur und Aufbau des Fragebogens
6.2 Durchführung der Befragung und Stichprobenbeziehung
6.2.1 Datenerhebung
6.2.2 Qualität der Messung
6.2.3 Beschreibung der Befragten
6.3 Auswertung und Analyse der Befragung
6.4 Diskussion der Ergebnisse

7. Kritische Würdigung und Schlussfolgerung

Verzeichnis des Anhangs

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: S&P/Case-Shiller Home Price Index von März 2001 bis Mai 2008, Datenquelle: Federal S&P, Case-Shiller Composite-20, Januar 2000 = 100, eigene Darstellung.

Abb. 2: Eigentumsquote bei Eigenheimen in den USA, Datenquelle: U.S. Census Bureau, Housing and Homeownership 2009, eigene Darstellung.

Abb. 3: Notleidende US-Hypothekenkredite von 2000 bis 2008, Datenquelle: Mortgage Bankers Association 2008, eigene Darstellung.

Abb. 4: Monatliche Zwangsversteigerungen von 2005 bis 2008, Datenquelle: Realty Trac, Foreclosure Market Report 2008, eigene Darstellung.

Abb. 5: Differenzierung von KMU und Großunternehmen sowie Mittelstand und Familienunternehmen,

Abb. 6: Schlüsselzahlen und Vergleich: KMU und Großunternehmen in Deutschland,

Abb. 7: Entwicklung der Eigenkapitalquote zwischen 2000 und 2009 im Deutschen Mittelstand,

Abb. 8: Sammelsynonym und Oberbegriff M&A,

Abb. 9: Gesamtheit von M&A-Aktivitäten in allgemeiner Darstellung,

Abb. 10: Transaktionsentwicklung in Deutschland von 1985 bis 2009, Quelle: M&A Database, Kunisch/Wahler 2010, S. 54, eigene Darstellung.

Abb. 11: Der idealtypische M&A-Prozess,

Abb. 12: Ziele und Interessen der Transaktionspartner in einem M&A-Prozess,

Abb. 13: Transaktionsentwicklung in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009,

Abb. 14: Unternehmensgröße des befragten Unternehmens, Frage 1,eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 15: Art des befragten Unternehmens, Frage 2, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 16: Branche des befragten Unternehmens, Frage 3, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 17: Corporate Finance-Aktivitäten des befragten Unternehmens, Frage 4,eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 18: Selbsteinschätzung der Befragten, Frage 43-46, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 19: Geschlechterverteilung der Befragten, Frage 48, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 20: Bildungsabschlüsse der Befragten, Frage 50, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 21: Alter der Befragten, Frage 49, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 22: Hierarchieebenen der Befragten, Frage 47, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 23: Größenklassen von Unternehmen in Bezug auf den Investitionsfokus der Befragten, Frage 5, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 24: Umsatzausprägungen der befragten Unternehmen in den Jahren 2007 bis 2009, Frage 6 und 7, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 25: Transaktionsvolumen der befragten Unternehmen vor der Finanzkrise 2007, 2008/2009 und geschätzt 2010, Frage 8, 10 und 34, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 26: Anzahl der Deals der befragten Unternehmen vor der Finanzkrise 2007 bis 2009, Frage 9 und 11, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 27: Einordnung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten 6 bis 12 Monaten, Frage 12, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 28: Einschätzung der M&A-Marktentwicklung, Frage 13 und 14, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 29: Beurteilung des Kauf- bzw. Verkaufszeitpunktes von KMU, Frage 15 und 16, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 30: Über- und Unterbewertung von Unternehmen und speziell KMU, Frage 17 und 18, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 31: Über- oder Unterbewertung von KMU in der Zukunft, Frage 33, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 32: Prioritäten bei Bewertungskennzahlen, Frage 32, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 33: Internationale Konkurrenzfähigkeit Abb. 34: Vorteile für KMU in der Finanzkrise gegen- von KMU, Frage 26, eigene Darstellung. über internationalen Wettbewerbern, Frage 27,

Abb. 34: Vorteile für KMU in der Finanzkrise gegen- von über internationalen Wettbewerbern, Frage 27 eigene Darstellung eigene Darstellung.

Abb. 35: Einschätzung der Wachstumspotentiale für KMU aus der Finanzkrise, Frage 28, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 36: Internationalisierungsstrategien für KMU, Frage 19–25, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 37: Häufigkeit von externem Expertenrat, Frage 29, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 38: Anfertigungsintervalle von eigenen Marktanalysen, Frage 30, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 39: M&A-Beratungslandschaft mit Fokus auf KMU, Frage 35, eigene Darstellung.

Abb. 40: Beratungsbedarf bei KMU, Frage 36, eigene Darstellung.

Abb. 41: Branchen mit künftig höher erwarteten M&A-Aktivitäten, Frage 31, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 42: Zukunftspotentiale von Private Equity im Deutschen Mittelstand, Frage 37, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 43: Beurteilung der Exit-Strategie im Jahr 2010, Frage 39, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 44: Dominanz von strategischem Investor oder Finanzinvestor im Deutschen Mittelstand, Frage 38, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 45: Kreditvergabepolitik der Banken im Jahr 2010, Abb. 46: Gefahr einer Kreditklemme, Frage 41, Frage 40, eigene Darstellung der Ergebnisse. eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 46: Gefahr einer Kreditklemme eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 47: Erwartungen zu Distressed M&A im Deutschen Mittelstand, Frage 42, eigene Darstellung der Ergebnisse.

Abb. 48: Der Verbriefungsprozess von Subprime-Hypotheken,

Abb. 49: Entwicklungen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, Datenquelle: Thomson Reuters, eigene Darstellung.

Abb. 50: Übersichtsdiagramm der Entwicklungen von der Subprime-Krise zur Finanzkrise, Datenquelle: Thomson Reuters, eigene Darstellung.

Abb. 51: DAX-Performance von 2006 bis 2009, Datenquelle: Thomson Reuters - Datastream, eigene Darstellung.

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Quantitative Einteilung von Unternehmen nach IfM, eigene Darstellung.

Tab. 2: Quantitative Einteilung von Unternehmen nach der EU-Kommission, eigene Darstellung.

Tab. 3: Rücklauf des Fragebogens bei unmittelbarem E-Mail-Kontakt, Quelle: eigene Darstellung.

Tab. 4: Übersicht über die relevanten derivativen Produkte, eigene Darstellung.

Tab. 5: Motive und Ziele von M&A-Aktivitäten in der Literatur,

Tab. 6: Aufbau des Fragebogens, eigene Darstellung.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung und Formulierung des Forschungsproblems

Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren für die globale Wirtschaft eine neuordnende Zeit. Vielfältige Veränderungen in der Umweltsituation haben sich bei Unternehmen bemerkbar gemacht. Mergers & Acquisitions, das sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Bestandteil der strategischen Unternehmenspolitik auch im Mittelstand etabliert hat, wurde unmittelbar davon beeinflusst. Die Subprime-Krise, von den USA ausgehend, stellt den Ausgangspunkt der vorliegenden Diplomarbeit „Auswirkung der Finanzkrise auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand“ dar. Mit Beginn der exorbitanten Abschreibungen und den damit verbundenen Verlusten von international operierenden Banken sprang die Krise auf die globale Weltwirtschaft über und führte in Deutschland zur größten Rezession der Nachkriegszeit. Daher müssen die Entstehung und die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise genauer analysiert werden. Es wird gezeigt, warum die Krise einen globalen Ansteckungseffekt hatte.

Die Diplomarbeit hat den Anspruch, in einem weiteren Schritt den Deutschen Mittelstand[1] und die Entwicklungen in diesem gesamtwirtschaftlich bedeutendsten Sektor in den letzten Jahren zu analysieren. Daran anschließend wird die aktuelle Situation und Entwicklung des M&A-Marktes[2] diskutiert. Hierbei stehen die verschiedenen Ausprägungen von Unternehmensfusionen und Übernahmen, sei es mit horizontalem oder vertikalem Übernahmegedanken, bei kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland im Vordergrund. Die Zusammenführung der einzelnen Themenbereiche erfolgt in einem weiteren Schritt. Es wird auf direkte und indirekte Interaktionen und Abhängigkeiten der Finanzkrise im mittelständischen Marktsegment sowie auf Änderungen in den Mergers & Acquisitions-Charakteristiken eingegangen.

Diese Veränderungen sollen durch eine empirische Studie in Form einer Expertenbefragung bei direkt involvierten Personen des M&A-Marktes verdeutlicht werden. Vorher wird die Konzeptionierung und Vorgehensweise der Befragung erläutert. Die Auswertung der Ergebnisse gilt der Verifizierung der theoretischen Analyse.

Die Diplomarbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und einem Ausblick auf zukünftige Entwicklung auf diesem Sektor ab.

1.1 Aktualität des Themas und Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit soll es sein, zu zeigen, welchen Einfluss die globale Finanzkrise auf den Markt für Unternehmensfusionen und Übernahmen im Deutschen Mittelstand hat. Der rapide Einbruch der M&A-Marktdaten, bezogen auf Transaktionsvolumen sowie die Anzahl der Kauf- und Verkaufsobjekte, soll kritisch untersucht werden. Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll überprüft werden, ob die Gründe für diese Beobachtung in ihren unterschiedlichen Auswirkungen signifikanten Einfluss auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand sowie deren Finanzstruktur haben.

Die Forschung befindet sich in der Aufarbeitung dieses komplexen Sachgebietes, da sich die Weltwirtschaft derzeit noch in der Krise befindet. Empirische Untersuchungen sind aktuell auf diesem Gebiet Mangelware, demzufolge fehlt der Übergang von der Theorie zur Praxis. Der Anspruch dieser Diplomarbeit ist es, einen Beitrag zu liefern, der die Kriseneffekte auf die Realwirtschaft und den deutschen M&A-Markt im Mittelstand verdeutlicht und die Lücke zwischen Theorie und Realität schließt.

Die fokale Fragestellung der Arbeit lautet: Welche Auswirkung hat die Finanzkrise auf den Markt für M&A im Deutschen Mittelstand und welche Faktoren haben verstärkt Einfluss auf diesen Bereich in Folge der Wirtschaftskrise ausgeübt? Dafür soll anhand einer empirischen Untersuchung gezeigt werden, dass Unterschiede zwischen dem Vorkrisenjahr 2007 und der heutigen Zeit nachweisbar sind und welche Entwicklungen erwartet werden. Die Veränderungen im Marktumfeld, Marktentwicklungen sowie eine Prognose für die zukünftige Entwicklung des Marktes sollen durch Expertenmeinungen fundiert werden.

1.2 Methodische Vorgehensweise der Untersuchung und Eingrenzung

Das übergeordnete Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, eine prozess- und marktorientierte Perspektive zu eröffnen. Die kritische Würdigung theoretischer Methoden und Verfahren dient dem allgemeinen Verständnis. Im Vordergrund der Betrachtung stehen Veränderungen der Unternehmens- und Umweltsituationen sowie Rahmenbedingungen.

Zu Beginn dieser Arbeit erfolgen im zweiten Kapitel ein Überblick über die Entstehung der Subprime-Krise sowie eine Einordnung der relevanten Grundbegriffe. Eine besondere Bedeutung kommt dem Verbriefungsprozess von Krediten zu, da dieser dem Verständnis der aktuell eingeschränkten Kreditvergabe von Banken dient. Die Ursachen, der Verlauf und die Folgen der Finanzkrise für die Realwirtschaft, Rettungs- und Stabilisierungsprogramme und potentielle zukünftige Entwicklungen der Wirtschaft werden detaillierter skizziert. Die Effekte der globalen Wirtschaftskrise werden analysiert und bilden den Ausgangspunkt des zu untersuchenden Themas. In diesem und den drei folgenden Kapiteln werden die Arbeitsdefinition und das Grundlagenverständnis für die spätere empirische Analyse erarbeitet.

Das dritte Kapitel stellt einen Überblick über die Literatur und Theorie des Deutschen Mittelstandes dar. Die Veränderungen in den letzten Jahren bzgl. der Unternehmensfinanzierung und der Bilanzierungsregeln werden genauer erläutert. Entscheidend ist zudem die Frage, was den Deutschen Mittelstand kennzeichnet und wie sich dieser im Zuge der Krise verhalten hat. In diesem Zusammenhang sollen insbesondere die relevanten Veränderungen durch die Krise und Gemeinsamkeiten mit der Vergangenheit hervorgehoben werden, um so die Verbindung zum empirischen Teil der Arbeit zu schlagen.

Der Mergers & Acquisitions-Markt wird im vierten Kapitel genauer dargestellt. Die historische Entstehung und Entwicklung muss genauer betrachtet werden, um den noch relativ jungen deutschen M&A-Markt im Mittelstand analysieren zu können. Wichtig sind in diesem Zusammenhang Motive und Gründe für Übernahmen und Fusionen im Kontext des eigentlichen Mergers & Acquisitions-Prozesses. Die Besonderheiten für den deutschen Markt dienen der Einleitung, um speziell auf den M&A-Markt im deutschen Mittelstand einzugehen. Im Fokus stehen hierbei die Schwierigkeiten der Unternehmensbewertung von kleineren und mittleren Unternehmen sowie eine Investorenanalyse.

Im fünften Kapitel erfolgt die Zusammenführung der einzelnen Untersuchungsfelder, um das zentrale Forschungsanliegen zu konkretisieren. Es erfolgt eine Datenanalyse der Finanzdatendienstleister, um quantitativ zu zeigen, wie sich der Markt für Fusionen und Übernahmen verändert hat. Daran anschließend wird auf eine Veränderung der Akteure und Transaktionsphasen eingegangen. Veränderungen im Mittelstand durch die Finanzkrise spielen in der kurz- und mittelfristigen Umgestaltung des M&A-Marktes auf diesem Gebiet eine wichtige Rolle und werden deshalb genauer aufgezeigt. Das fünfte Kapitel schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft.

Um die auf der Theorie basierenden Implikationen auf ihre praktische Relevanz im Umfeld der Finanzkrise zu überprüfen, wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt. Eine Umfrage unter Anwaltskanzleien, Industrieunternehmen, Investmentbanken, mittelständischen Unternehmen, Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfungen bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. Ziel der Analyse ist es, entsprechend der Arbeitsdefinition einen signifikanten Unterschied vor und nach Krisenausbruch im Markt für M&A im Deutschen Mittelstand nachzuweisen und einen Branchenausblick zu geben. Dieser empirische Teil und dessen Ergebnisse werden im sechsten Kapitel beschrieben, ausgewertet und mit den theoretischen Überlegungen abgeglichen. Zuvor wird der Prozess der Datenbeschaffung, -analyse und -aufbereitung skizziert.

Die wichtigsten Erkenntnisse werden im siebten Kapitel in knapper Form wiedergegeben, zusammengefasst und die gewonnenen Ergebnisse einer finalen Würdigung unterzogen. Abschließend soll auf dieser Basis ein Ausblick auf die weitere Entwicklung im Markt für M&A im Deutschen Mittelstand gewagt werden.

2. Die Finanzkrise

In einem ersten Schritt müssen die Gründe für die anfangs rein US-amerikanische Subprime-Krise analysiert werden, um den Verlauf zur Finanzmarktkrise und die spätere Entwicklung zu einer Weltwirtschaftskrise zu verstehen. Diese hat einen unmittelbaren Einfluss auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand und in einem noch stärkeren Ausmaß zu Veränderungen in diesem Wirtschaftssektor geführt.

2.1 Definition und Entstehung der Finanzkrise

Die Wirkungskette der globalen Krise beginnt mit den negativen Entwicklungen auf dem US-Hypothekensektor. Der private Immobilienmarkt in den USA hatte sich in den letzten zwanzig Jahren unter anderem durch Maßnahmen der Politik sehr positiv entwickelt. Der Case Shiller Index, der als Gradmesser der Häuserpreisentwicklung in den USA gilt, verdoppelte sich annähernd in den Jahren 2000 bis 2006, wie Abbildung 1 auf der folgenden Seite zeigt. Mit dem Rückgang der Immobilienpreise seit dem 3. Quartal 2006 kam es zu erhöhten Ausfällen bei Hypothekenkrediten und das langjährige, höchst erfolgreiche System brach zusammen.

Die USA wiesen in den Jahren 2004 und 2005 eine Eigentumsquote bei Eigenheimen von bis zu 69 Prozent[3] aus. Die Entwicklung in den Jahren 1990 bis 2008 wird in Abbildung 2 dargestellt. Das Ziel bzw. der Traum vieler US-Bürger, ein eigenes Haus zu besitzen, unabhängig von der ethnischen Schicht oder Einkommensgruppe, wurde lange Zeit von der Politik unterstützt (vgl. Rottke/Medla 2009, S. 29; Bloss et al. 2009, S. 26). Die Deregulierung des amerikanischen Hypotheken- und Finanzmarktes hat entscheidend zu dem starken Wachstum und der Vergabe von Krediten beigetragen (vgl. Bloss et al. 2009, S. 23 f.). Hierbei ist eine auffällige Parallele zu bisherigen Real-Estate-Krisen, dass eine staatliche Subvention und Garantieübernahmen eine ausschlaggebende Rolle bei der inadäquaten Risikobewertung spielen (vgl. Calomiris 2008, S. 6 und 14; Demirguc-Kunt et al. 2008, S. 2). Seit 2003 gab es weniger bonitätsstarke Hypothekennehmer, wodurch die Nachfrage nach Hypotheken nicht an Wachstum verlor, da diese vom Subprime-Segment überkompensiert wurde (vgl. Gramlich 2007, S. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: S&P/Case-Shiller Home Price Index von März 2001 bis Mai 2008, Datenquelle: Federal S&P, Case-Shiller Composite-20, Januar 2000 = 100, eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Eigentumsquote bei Eigenheimen in den USA, Datenquelle: U.S. Census Bureau, Housing and Homeownership 2009, eigene Darstellung.

2.1.1 Die Vergabe von Subprime-Krediten

„Subprime“ charakterisiert einen Kreditnehmer mit geringer Bonität. Der sogenannte „FICO-Credit-Score “, der von der Fair Isaac Corporation ermittelt wird, wird als Basis für die Kategorisierung der einzelnen Schuldnergruppen von den Kreditgebern herangezogen und ermittelt Kreditrisiken. Der FICO-Score hat Einteilungsintervalle von 300 bis 850 Punkten und wird durch die Länge der Kreditgeschichte und historisches Kreditverhalten ermittelt. Liegt dieser Wert unter 620 Punkten, bedeutet das, dass der Schuldner einen Subprime-Status[4] hat (vgl. Zandi 2008, S. 32; Fishelson-Holstine 2005, S. 177 und 182; Bloss et al. 2009, S. 63). Zur zusätzlichen Stimulation der Hypothekennachfrage senkten die Hypothekengeber in den Jahren 1999 bis 2007 fortlaufend die Mindestanforderungen an die Hypothekennehmer (vgl. Zimmerman 2007, S. 7). Die Aufweichung der Vergabekriterien führte dazu, dass Ninja-Darlehen[5] immer häufiger vergeben wurden. Der Anteil des Subprime-Marktes am Gesamtmarkt wird auf 13 Prozent oder eine Billionen US- Dollar geschätzt (vgl. Kofner 2009, S. 38).

Investoren und Kreditgeber entdeckten bei der Suche nach höheren Renditen verstärkt den Subprime-Hypothekenmarkt. Die zweistelligen jährlichen Preissteigerungen der Häuser von 2000 bis 2005 machten den Kauf einer Wohnimmobilie zu einem scheinbar sicheren Investment (vgl. Abbildung 1). Eigenheime waren ein Spekulationsobjekt für Kreditgeber und -nehmer sowie Banken, die mit Hypothekenkreditprodukten handelten. Da sich der Markt jahrelang nur in diese Richtung, nämlich nach oben bewegte, funktionierte das System. Diese Entwicklung wurde von der expansiven Geldpolitik der US- amerikanischen Zentralbank, Federal Reserve, nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und den Anschlägen vom 11. September 2001 unterstützt und wird in der finanzwirtschaftlichen Literatur als ein Schlüsselfaktor der Entstehung der Finanzkrise gesehen (vgl. Bordo/Wheelock 2007, S. 92).

2.1.2 Der Verbriefungsprozess

Um die Problematik bei der Kreditvergabe der Banken in der Krise nachvollziehen zu können, ist es wichtig, die Entwicklungen im Verbriefungsmarkt genauer darzustellen. Bis zum Jahr 1980 wurden Hypotheken fast ausschließlich von Sparkassen vergeben. Die Institute vergaben und betreuten die Kredite und hielten die Hypotheken in ihrer Bilanz. Eine ausschlaggebende Rolle bei der Schaffung des Sekundärmarktes für Kredite und für den Wechsel vom Originate-To-Hold- zu einem Originate-To-Distribute-Geschäftsmodell spielten Fannie Mae und Freddie Mac. Sie sind Government Sponsored Enterprises (GSE) und ihre Aufgabe liegt darin, Hypothekenkredite von Banken aufzukaufen, diese zu bündeln und in Form von Mortgage Backed Securities (MBS) auf den Kapitalmarkt weiterzuleiten. Eine Trennung der Vergabe und der Betreuung der Hypotheken sowie zwei gesonderte Einnahmequellen waren die Folge.

Der Hypothekenprozess fand durch den Verbriefungsprozess eine starke Entflechtung, da die Kreditgeber die Kredite nicht länger in ihren Portfolios bzw. Bilanzen halten mussten (vgl. Barth et al. 2007, S. 3; Abbildung 48 im Anhang). Investoren investierten in die mit Vermögensgegenständen[6] besicherten Papiere, die jahrelang hohe Renditen erzielten. Aus diesem Grund stiegen viele Finanzinstitute in das Geschäft mit der Kreditvergabe, der Verbriefung und dem Handel von MBS ein. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) berechnete, dass alleine das Emissionsvolumen von Subprime-Produkten im Jahr 2006 bei 421 Milliarden US-Dollar lag (vgl. Hull 2007, S. 3). Eine Weiterleitung des Risikos durch den Verkauf der verbrieften Papiere schaffte weitere Möglichkeiten für die Vergabe neuer Hypotheken. Aus illiquiden Krediten wurden durch diesen Entflechtungsprozess handelbare Wertpapiere. Schätzungen zufolge wurden im Jahr 2006 rund 75 Prozent der Hypothekenkredite verbrieft (vgl. Hull 2007, S. 4). Hierbei war das Vertrauen in das Rating der Hypothekenprodukte entscheidend, da der Investor durch die Intransparenz im Gegensatz zum lokalen Kreditgeber einen schlechteren Überblick über die zugrundeliegenden Sicherheiten hatte (vgl. Barth et al. 2007, S. 3). Einem Käufer von MBS über den Sekundärmarkt ist es nicht möglich, die Relationen zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer zu überprüfen (vgl. Whalen 2008, S. 4 f.). Die Nutzung von Credit-Scores für Kreditnehmer und Ratings für MBS-Emissionen machten die Einordnung für Investoren vermeintlich leichter, da es mehr Informationen für eine bessere Bewertung des Risikos gab. Im Jahr 2007 stieg die Hypothekenvergabe durch Institute auf ein Volumen von 2,2 Billionen US-Dollar an (vgl. Barth et al. 2007, S. 3). Durch die jahrelang von der Fed anvisierte Niedrigzinspolitik und ein erhöhtes Vertrauen in die Kreditbewertung wurden das enorme Wachstum der Subprime-Kredite und die Verbriefüng durch die Finanzinstitute ermöglicht.

Ein weiterer Grund für das rasante Wachstum der Subprime-Hypotheken war die Risikoabsicherung durch Kreditversicherer. Die Absicherung des Risikos ist ein entscheidender Grund für das Rating und damit für eine positive Emission am Kapitalmarkt. Die steigende Risikoneigung der Investoren führte zu der Lockerung der Kreditvergabemechanismen. Collateralized Debt Obligations (CDO)[7] wurden mit immer riskanteren und auch weniger besicherten Tranchen konstruiert. Banken konnten das Risiko riskanter Kredite über das Instrument CDO weitergeben und ihre Kunden mit starker Renditeorientierung mit neuen Produktkategorien bedienen (vgl. Ashcraft/Schuermann 2008, S. 1-11). Diese Beobachtung wird von Adelson und Jacob als einer der Gründe für die Vergabe von sehr risikoreichen Krediten analysiert. Vor allem im Jahr 2006 kommt es zu einem starken Anstieg bei der Vergabe von risikoreichen Hypotheken, die weitergegeben wurden, was auch zu einem Anstieg bei CDO Produkten führte (vgl. Adelson/Jacob 2008, S. 5). Durch die Mehrfachverbriefung kam es zu immer intransparenteren und komplexeren Strukturen bei den derivativen Produkten, wobei die Relation zu den zugrunde gelegten Handelsobjekten fast verloren ging bzw. nur noch schwer nachvollziehbar war. Ratingagenturen spielen eine Schlüsselrolle, um die fehlende Transparenz durch passende Bewertung zu erbringen und damit das Risiko quantifizierbar zu machen. Die Anpassungen der Ratings zu Beginn der Subprime-Krise zeigen jedoch, dass die Risiken nicht adäquat bewertet wurden (vgl. Kuls 2009). Diese Entwicklungen bildeten die Grundlage für die Subprime-Krise.

2.1.3 Das Platzen der Blase

Mit dem Platzen der Preisblase im Frühjahr 2007 kam es zu einem rapiden Abwärtstrend auf dem Subprime-Markt. Der Hauptgrund war der Vertrauensverlust der Anleger durch Informationsasymmetrien im Hinblick auf hinterlegte Sicherheiten. Die Bewertungsfehler der Ratingagenturen bei MBS wurden mit dem Preisrückgang der Immobilien sichtbar. Das Ausmaß der Risiken für die globalen Kapital- und Kreditmärkte hat sich zu spät herauskristallisiert. Frühwarnindikatoren signalisierten zwar eine potentiell riskante Entwicklung, diese wurden aber ignoriert. Im Jahr 2005 hatte die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC)[8] und das größte Hypothekeninstitut Fannie Mae auf Risiken im amerikanischen Immobilienmarkt für private Nutzung hingewiesen. Die überproportionalen Renditen aus Hypothekenderivaten in den letzten Jahren haben dazu geführt, dass Warnungen bei Investoren nicht wahrgenommen bzw. vernachlässigt wurden.

Die Anfälligkeit des Hypothekenmarktes für Schuldner mit geringer Bonität wurde 2004 erstmals sichtbar, als die Fed die Leitzinsen erhöhte, um gegen eine aufkommende Inflation zu intervenieren. Da die Mehrzahl der Hypothekenverträge in diesem Marktsegment aus ARM[9] bestand, wirkte sich eine Zinserhöhung unmittelbar auf die variablen Zinsen der Kreditverträge aus. Die Kreditnehmer merkten diesen Anstieg und die damit verbundenen Konsequenzen erst zeitlich versetzt. Dieser Anstieg führte zu Zahlungsschwierigkeiten und die Anzahl der Zwangsversteigerungen in den USA stieg ab 2006 stark an (vgl. Abbildung 3 und 4; Mortgage Banker Association 2008). Die Märkte wurden durch die Erwartung, dass 2,8 Millionen Subprime-Haushalte in den nächsten Jahren ihre Häuser zwangsversteigern müssen, auf einen Abwärtskurs geschickt (vgl. Federal Reserve of New York 2008). Die Notverkäufe führten zu einem Überschuss auf dem Markt für privat genutzte Immobilien, was ein sinkendes Preisniveau zur Folge hatte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Notleidende US-Hypothekenkredite von 2000 bis 2008, Datenquelle: Mortgage Bankers Association 2008, eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Monatliche Zwangsversteigerungen von 2005 bis 2008, Datenquelle: Realty Trac, Foreclosure Market Report 2008, eigene Darstellung.

Die zeitliche Verzögerung der Wirkungsmechanismen und die steigende Arbeitslosigkeit führten zu steigenden Ausfallraten, so stieg die Anzahl der Zwangsversteigerungen um 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an (vgl. Sommer 2009, S. 113 f.; Henry 2009). Kofner sieht den Anteil der Zwangsvollstreckungen bei 30 Prozent des gesamten Marktes (vgl. Kofner 2009, S. 42). Der Anstieg der Immobilienpreise bis ins Jahr 2007 drehte sich in die andere Richtung und die Häuserpreise fielen. Viele US-Hausbesitzer haben aus Angst vor einem weiteren Preisverfall ihre Immobilien freiwillig verkauft, was die negative Wirkungskette und das Überangebot verstärkte. Private Immobilienkredite in den USA bestehen in der Regel aus Limited-Recourse- bzw. Non-Recourse-Finanzieru- ngen, d. h., der Kreditnehmer hat Haftungsbeschränkungen, die sich auf das Kreditobjekt begrenzen.[10] Kreditnehmer überließen, sofern ihre Restschuld größer als der Beleihungswert war, ihre Immobilie der Bank und waren dadurch unverschuldet. Durch diese Schuldverschiebung mussten die Kreditgeber bzw. die Investoren der Subprime-Produkte auf dem Sekundärmarkt den Verlust tragen. Die Verflechtung von verschiedenen Reaktionen ist hierbei entscheidend und der Prozess endete in einer systembedrohenden Situation. Die Sekundärmarktgeschäfte bei international operierenden Banken und die breite Streuung der Risiken mittels Verbriefung führten somit zu der Internationalisierung der Krise Anfang 2007.

2.2 Entwicklung von der Subprime-Krise zur Finanzmarktkrise

Im Sommer 2007, als das Ausmaß der Krise noch nicht absehbar war, befürchteten Analysten und der Markt die Ausweitung auf die die gesamte Finanzwirtschaft[11] und Auswirkungen auf andere Wirtschaftssektoren. Durch die Performance der Produkte des US- Subprime-Marktes seit Ende der 1990er Jahre waren fast alle Kreditinstitute in diesem Markt involviert (vgl. Rudolph 2009, S. 26). Die Kreditgeber waren unmittelbar von den fallenden Immobilienpreisen betroffen, da sich die hinterlegten Sicherheiten stark reduzierten. Das hatte gravierende Auswirkungen auf die meist hochbewerteten ABS-Papiere, die zusätzlich zu den Subprime-Krediten in den Bankenbilanzen standen. Die erheblichen Wertverluste der Finanzderivate resultierten aus dem großen Misstrauen in deren Werthaltigkeit, wodurch die Nachfrage im Verbriefungsmarkt einbrach. Die Banken versuchten die toxischen MBS-Papiere durch einen „fire sale“ zu verkaufen, was die Marktpreise weiter drückte (vgl. Schwarcz 2008, S. 213f.).

Die Ratingagenturen[12] stuften die Hypothekenprodukte in kurzer Zeit von ihren besten Ratingklassen herab (vgl. Rottke/Medla 2009, S. 43). Die Folge des gesunkenen Ratings wirkte sich direkt durch die Bilanzierungsvorschriften (IAS, IFRS und US-GAAP) auf die involvierten Finanzinstitute aus. Diese mussten ihre Vermögensgenstände[13] im Market-to-Market-Verfahren zu Marktpreisen neu bewerten. Der Markt für SubprimePapiere war zu diesem Zeitpunkt zusammengebrochen und de facto war kein Marktpreis vorhanden. Hieraus resultierten die immensen Abschreibungen, da ein Verkauf und eine Bewertung nicht mehr möglich waren. Die Abschreibungen[14] gegen Ende des Jahres 2007 reduzierten weiter das vorhandene Eigenkapital. Die Ratingwerte der Banken verschlechterten sich ebenfalls, was die Refinanzierung weiter erschwerte. Da die Eigenkapitaldecke in vielen Fällen nicht mehr ausreichend war, nahmen viele Banken Staatshilfen[15] in Anspruch oder suchten bei Staatsfonds über die Ausgabe neuer Aktien nach Kapitalquellen. Bis Ende des Jahres 2008 haben die Kreditinstitute über 435 Milliarden US-Dollar an Kapital aufnehmen können und somit den Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert (vgl. Calomiris 2008, S. 2). Die Unsicherheit der Marktakteure führte zu einer weiteren Ausbreitung der Krise und es entstand ein Dominoeffekt. Der Interbankenmarkt war der erste Markt, der aufgrund von Vertrauensverlusten zusammenbrach. Dieser Markt gilt als wichtigster Refinanzierungsmarkt der Banken, auf dem sie sich untereinander Geld leihen. Ein weiteres Problem waren die Off-Balance-Aktivitäten der Banken, denn durch Inanspruchnahme von Liquidität des Mutterhauses[16] wurden viele Banken in akute Liquiditätssituationen gebracht (vgl. Rottke/Medla 2009, S. 44).

Nach der Anmeldung der Zahlungsunfähigkeit von Bear Stearns11, Countrywide und IndyMac brachen die Kapitalmärkte weltweit ein. Nachdem auch einer der weltgrößten Versicherungskonzerne, American International Group (AIG), durch staatliche Hilfen aufgefangen und teilverstaatlicht wurde, dachten die Marktteilnehmer, eine Insolvenz eines Globalplayers sei nach dem Leitsatz „Too big to fail“ nicht möglich. Am 16. September 2008 wurden diese Annahmen mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers[17] aufgehoben und der Zusammenbruch gilt als Katalysator der Krise. Der Interbankenmarkt verlor vollständig an Liquidität, da keine Bank mehr als ausfallsicher galt und die Abschreibungen und Verlustprognosen erhöhten weiter das Misstrauen. Finanzinstitute die seit Beginn der Krise wenig betroffen waren, schrieben im 4. Quartal 2008 massive Verluste.[18] Den Weg von den Subprime-Ausfällen bis in die Finanzkrise stellt Abbildung 49 im Anhang grafisch dar. Ausgelöst durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers wurden die globalen Auswirkungen in ihrem Ausmaß deutlich.

Die Intransparenz des Marktes für komplexe Produkte, wie CDOs und CDS, führte im Gegensatz zu den relativ robusten organisierten Märkten zu einem drastischen Liquiditätsabfluss (vgl. Madhani 2009, S. 39). Der aufgeblähte und intransparente CDS-Markt, welcher die tatsächlich besicherten Kredite um ein Vielfaches übersteigt und die Absicherung in den Hintergrund gedrängt hat, wird in der Literatur durch seine Zweckentfremdung und Fehlentwicklung als das Schlüsselproblem für die globale Auswirkung angesehen. Der Vertrauensverlust und die Angst vor weiteren nicht absehbaren Risiken und Ausfällen führen bis heute zu einer stark restriktiven Kreditvergabe, die durch den eingebrochenen Verbriefungsmarkt verstärkt wird.

2.3 Folgen der Finanzkrise

Die Stabilität im deutschen Bankensystem wurde durch Bürgschaften der Bundesregierung für Privateinlagen fixiert, sodass es zu keinem „Bank Run“[19] kam. Das Trennbankensystem wurde vor allem durch die Rettung der durch Fehlspekulationen an den Rand eines finanziellen Zusammenbruchs geratenen Landesbanken mit Steuergeldern inkonsistent. Die Deutsche Bank übernahm Teile der Postbank, was auf eine strategische Konzentration des Privatkundengeschäfts und nicht auf eine Fokussierung des Kapitalmarktgeschäftes im Investmentbanking hinweist.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) versuchte die globalen Folgen der Finanzkrise zu quantifizieren, in einem im April 2009 veröffentlichten Bericht wird die Summe der Abschreibungen bis Ende 2010 auf rund vier Billionen US-Dollar beziffert. Zwei Drittel dieses Betrages entfielen auf Banken für die Neubewertung von „Ramschpapieren“ (vgl. dpa 2009; Schrörs 2009). Die fehlende Regulierung und Transparenz in diesen Märkten verstärkte den Verfall der Preise an den weltweiten Märkten. Abbildung 51 im Anhang zeigt den DAX-Verlauf, der vor Ausbruch der Krise bei über 8.000 Punkten notierte und bis März 2009 auf 3.500 Punkte fiel. Der DJIA rutschte von 13.800 Punkten im Sommer 2007 auf 6.620 Zähler im März 2009 (vgl. Thomson Reuters-Datastream). Dieser Abwärtstrend wurde lange als Liquiditätskrise und erst später als Finanzkrise antizipiert.

Die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zieht das Risiko einer Verknappung von Krediten für Unternehmen mit sich - besonders zu Beginn des Jahres 2010, wenn die Jahresabschlüsse von 2009 schwache Ergebnisse ausweisen. Folgen in diesem Zusammenhang sind die Herabstufungen von Firmen in den Kreditratings der (Haus- und Geschäfts-)Bank, sodass die Refinanzierung verteuert wird und sich auf Seiten der Banken zudem die Eigenkapitalunterlegung erschwert (vgl. Die Zeit 2009, Nr. 5). Ein weiteres Augenmerk wird auf den Verbriefungsmarkt gerichtet. Durch die Finanzkrise ist der Markt für ABS, die Verbriefung und Bündelung von Forderungen in handelbare Wertpapiere, wie in Kapitel 2.2 beschrieben, fast vollständig zusammengebrochen. Die Wiederbelebung dieses Marktes würde bei den Banken mehr Eigenkapital freisetzen und somit die Kreditvergabe antreiben.

Eine logische Konsequenz war das Überspringen auf die Realwirtschaft, da Unternehmen entweder selbst vom Kapitalmarkt oder von der Finanzierung der Banken abhängig sind. Banken erhöhten bei Krediten die Risikoaufschläge, da sie implizierten, dass durch das sinkende Konjunkturklima auch Unternehmen außerhalb der Finanzbranche ein höheres Ausfallrisiko durch fallende operative Gewinne haben. Restriktive Kreditlinien beinhalten die Gefahr, den Weg in die Rezession zu unterstützen. In einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company wird von einer Marktnormalisierung im Bankensektor erst ab dem Jahr 2012 gerechnet, jedoch nicht auf dem Niveau der Jahre vor Ausbruch der Krise (vgl. Bain & Company 2008, S. 6).

2.4 Reaktionen der Politik und Realwirtschaft

Eine entscheidende Rolle in der Finanzkrise nehmen die Zentralbanken ein. Sie stehen vor der prekären Situation, auf der einen Seite eine Kreditklemme zu vermeiden und auf der anderen eine Inflation zu umgehen. Leitzinssenkungen, wie sie weltweit stattgefunden haben, treiben durch die Geldmengenerhöhung Inflationsrisiken an, führen aber zu mehr Liquidität, um die Kreditvergabe für Banken zu erleichtern. Die EZB hat nach der Ausweitung der Krise, in der Zeit zwischen Oktober 2008 und Mai 2009, den Leitzins auf einen historischen Tiefststand von einem Prozent gesenkt und weitere geldpolitische Maßnahmen ergriffen, um die Kreditvergabe zu stimulieren (vgl. Trichet 2009, S. 3 f.).

Um das rapide Sinken der Wirtschaftsleistung und des Konsums aufzufangen, haben Regierungen weltweit Rettungs- und Konjunkturprogramme aufgelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Jahr 2009 um fünf Prozent, so stark wie nie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges (vgl. Räth et al. 2010, S. 13 f.). In Deutschland hat die Regierung eine Vielzahl von Maßnahmen[20] beschlossen, um die Wirtschaft und Beschäftigung zu stabilisieren. Damit verbunden stieg die Verschuldung des deutschen Staates zum Ende des Jahres 2008 auf 1,6 Billionen Euro an. Im Vergleich zur gesamten volkswirtschaftlichen Leistung entspricht dies einem Verschuldungsgrad von 65,9 Prozent des BIP für das Jahr 2008. Krisenbedingt wird Deutschland im Jahr 2009 schätzungsweise auf eine Quote von 73,4 Prozent und im Jahr 2010 auf 78,7 Prozent kommen. Im Jahr 2013 muss Deutschland laut Vereinbarungen mit der EU-Kommission wieder unter die im Stabilitätspakt vorgeschriebene 3-Prozent-Grenze kommen (vgl. FAZ 2009, Nr. 269).

Die massiven Staatsausgaben haben die Wirtschaft scheinbar gestützt und erzielen den gewünschten Erfolg. Der Sachverständigenrat prognostiziert in seinem Jahresgutachten für das Jahr 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent (vgl. Marschall 2009). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht für 2010 ein Wirtschaftswachstum der Industrie von fünf Prozent. Die Vielzahl der Prognosen geht von einem Wirtschaftswachstum aus, jedoch verbunden mit einem Wegfall von Arbeitsplätzen[21] (vgl. FAZ

2009, Nr. 284). Im Vergleich zu anderen Industriestaaten hat Deutschland durch Kurzarbeit die Krise weniger volatil überstanden und ein Vorkrisenniveau im Arbeitsmarkt wird für das Jahr 2013 erwartet (vgl. FTD 08.12.2009).

3. Der Deutsche Mittelstand

In diesem Kapitel werden, in gebotener Kürze, die Begriffe kleine und mittlere Unternehmen, Familienunternehmen und Mittelstand terminologisch genauer abgegrenzt und aufgezeigt, aus welchen Betrachtungsperspektiven sie verwendet werden. Nachfolgend wird die wirtschaftliche Bedeutung des „Mittelstandes“ in der deutschen Gesamtwirtschaft skizziert. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) ist der Deutsche Mittelstand für 99,7 Prozent der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen und für 70,6 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verantwortlich (vgl. IfM 2009a). Diese Größeneinordnung macht deutlich, wie interessant ein solches Thema und Untersuchungsgebiet ist. Der immense Einfluss des Mittelstandes auf den Wirtschaftsstandort Deutschland soll in Form einer Situationsanalyse grundlegend aufgezeigt werden. In einem weiteren Schritt werden fundamentale Aspekte hinsichtlich Unternehmensfinanzierung, Kapitalstruktur und Bilanzierungsregeln dargelegt. Abschließend wird die Entwicklung in den letzten Jahren herausgearbeitet.

3.1 Terminologische Abgrenzung und Grundlagen

Der Begriff Mittelstand wird im deutschen Sprachgebrauch für kleine und mittlere Unternehmen, kurz KMU, verwendet - in der internationalen Literatur unter Small and Medium Sized Enterprises (SMEs) zu finden. Dieser Begriff basiert auf einer rein quantifizierbaren Klassifizierung der Unternehmen. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition und gesetzliche Festlegung für die Einteilung des Mittelstandes. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) segmentiert den Deutschen Mittelstand nach anderen Größenkriterien als das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und die Europäische Kommission23 (vgl. BMWi 2009a; IfM 2009b; EU-Kommission 2003). Die gewählte Rechtsform des Unternehmens spielt bei der Einteilung keine Rolle.

Für die Untersuchung in der vorliegenden Diplomarbeit werden die quantitativen Kriterien für KMU bzw. den Deutschen Mittelstand des IfM und der EU-Kommission herangezogen. In der Praxis sind für die größenspezifischen Abgrenzungskriterien von KMU die Kennzahlen: Anzahl der Arbeitsplätze, Jahresumsatz und/oder Bilanzsumme relevant. Unternehmen mit weniger als 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz bis 50 Mio. Euro gelten laut IfM als KMU (vgl. IfM 2009b). Die Einteilung des IfM ist wie folgt gestaffelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Quantitative Einteilung von Unternehmen nach IfM, eigene Darstellung.

Eine alternative und engere quantitative KMU-Einteilung ist die der Europäischen Kommission (vgl. EU-Kommission 2003, L 124/39, Artikel 2). Hat ein Unternehmen weniger als 250 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro oder eine Bilanzsumme von höchstens 43 Mio. Euro, gilt es als KMU. Die detaillierte Klassifizierung der EU sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Quantitative Einteilung von Unternehmen nach der EU-Kommission, eigene Darstellung.

Die Einteilung ist in erster Linie für die Beantragung von Fördermitteln aufgestellt worden. In der Europäischen Union gibt es ca. 23 Mio. KMU, die 75 Mio. Arbeitsplätze bieten und 99 Prozent aller Unternehmen ausmachen (vgl. EU-Kommission 2006, S. 5 f.). Der hohe Stellenwert von KMU wurde am 25. Juni 2008 von der Europäischen Kommission durch die Verabschiedung des Small Business Act for Europe (SBA) unterstrichen. Im Dezember 2008 hat der Europäische Rat zu dem SBA in Bezug auf Wachstums- und Innovationspotentiale noch weitere Schlussfolgerungen verabschiedet. Diese enthalten im Anhang einen „Aktionsplan“, der auf dringliche SBA-Maßnahmen hinweist, um gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise wirksam zu intervenieren (vgl. Rat der EU 2008, S. 4 f., 16).

Die Definitionen Mittelstand und Familienunternehmen basieren auf qualitativen Besonderheiten und sind komplexer voneinander abzugrenzen. Der Mittelstand definiert sich über größenspezifische Kriterien und qualitative Merkmale (vgl. Grichnik 2003, S. 78 f.). Goeke sieht bei mittelständischen Unternehmen neben den quantitativen auch die qualitativen Merkmale der „Mitwirkung der Leitung an allen unternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen“ und die „Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko“ als Unterschiede zu Großunternehmen (Goeke 2008, S. 12). „Eigentümer-Unternehmerschaft“, „begrenzter Zugang zum Kapitalmarkt“ und „finanzielle und rechtliche Unabhängigkeit“ (Koch/Migalk 2007, S. 12) werden von Koch/Migalk als qualitative Eigenschaften von mittelständischen Unternehmen genannt (vgl. Koch/Kössler 2008, S. 28). Nach dieser Einordnung zählen zum Mittelstand ausschließlich eigentümergeführte KMU. Familienunternehmen, die keinen familieninternen Geschäftsführer haben, konzerngebundene Unternehmen, die voneinander abhängig sind, sowie Unternehmen, die nicht den quantitativen Kriterien der KMU-Einordnung entsprechen, zählen demnach nicht zum klassischen Mittelstand (vgl. Haunschild et al. 2007, S. 5; Goeke 2008, S. 12).

Familienunternehmen sind sowohl eigentümergeführte als auch (familien-)extern geführte Unternehmen. Im zweiten Fall sind die Geschäftsführung und das Eigentum des Unternehmens voneinander getrennt. Das IfM definiert Familienunternehmen im engeren Sinne dadurch, dass die strategische Entscheidungsmacht und das Eigentum in einer Hand liegen. In diesem Zusammenhang bedeutet dies, dass über 50 Prozent der Unternehmensanteile von maximal zwei natürlichen Personen bzw. deren Angehörigen gehalten werden und diese zeitgleich Mitglied der Geschäftsführung sind. Quantitative Kriterien spielen in diesem Zusammenhang bei der Einordnung von Familienunternehmen keine Rolle (vgl. IfM 2009c). Der „Wunsch nach Unabhängigkeit und die geringe Bereitschaft zur Transparenz über die Unternehmenssituation“ (Ahrweiler/Börner 2003, S. 8) sind Ausprägungen, die insbesondere bei Familienunternehmen vorkommen. In Abbildung 5 wird die Abgrenzung zwischen Großunternehmen, KMU, Familienunternehmen und mittelständischen Unternehmen visualisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Differenzierung von KMU und Großunternehmen sowie Mittelstand und Familienunternehmen,

Quelle: Wolter/Hauser 2001, S. 31 und IfM, eigene Darstellung.

3.2 Die ökonomische Bedeutung des Mittelstands

Die Literatur ist der einheitlichen Ansicht, dass die große Anzahl an KMU die tragende Basis für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist. Der Deutsche Mittelstand hat somit in der deutschen Gesamtwirtschaft die bedeutendste Rolle. Statistiken des Statistischen Bundesamtes und des IfM zeigen, dass im Jahr 2008 von einer Gesamtmenge von 3,63 Mio. Unternehmen[22] in Deutschland 3,62 Mio. Unternehmen der Kategorie KMU zurechenbar sind, dies entspricht 99,7 Prozent. Von insgesamt 5.148 Mrd. Euro der Umsätze in Deutschland erzielen KMU rund 1.932 Mrd. Euro (37,5 Prozent). In Deutschland sind 21,15 Mio. bzw. 70,5 Prozent der insgesamt 30,01 Mio. Erwerbstätigen bei einem KMU beschäftigt (vgl. IfM 2009a; Abbildung 6).

Die Anzahl von Familienunternehmen im engeren Sinne ist im Gegensatz zu KMU schwer mit amtlichen, statistischen Daten zu belegen. Eine Studie des IfM verifizierte, dass unter 3,13 Mio. Unternehmen im Jahr 1998 rund 2,97 Mio. Unternehmen bzw. 94,8 Prozent den qualitativen Einordnungskriterien der Einheit von Leitung und Eigentum entsprachen (vgl. Wolter/Hauser 2001, S. 71 f.). Die Studie zeigt somit, dass der Großteil der KMU eigentümergeführt ist und damit dem Mittelstand angehört.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Schlüsselzahlen und Vergleich: KMU und Großunternehmen in Deutschland,

Quelle: Daten des IfM 2009b, eigene Darstellung.

3.3 Unternehmensfinanzierung und Eigenkapitalquote

Eine Unternehmung orientiert sich bei der Finanzierungs- und Investitionspolitik an zwei Zielen. Das betriebswirtschaftliche Ziel fokussiert die Bedarfsdeckung der Kunden, während die Maximierung des Unternehmenswertes und des Vermögens das finanzwirtschaftliche Ziel darstellt. Mit letzterem eng verbunden sind die Kriterien Wachstum, Rentabilität, Sicherheit und Liquidität (vgl. Volkart 2007, S. 42 f.). Franke/Hax definieren die grundlegende Ausrichtung eines Unternehmens in der „Leistungserstellung und Leistungsverwertung“ (Franke/Hax 2004, S. 1).

Die Finanzierung durch Beschaffung von Geldkapital, die dem Investitionszweck dient, ist eines der Basiselemente für die Geschäftsfähigkeit eines Unternehmens. Die langfristige Existenz eines Unternehmens am Markt ist nur möglich, wenn es für die Eigenkapitalgeber einen Mehrwert schafft (vgl. Franke/Hax 2004 S. 6 f.; Volkart 2007, S. 43 f.).[23] Das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital ist bedeutend für die finanzwirtschaftlichen Ziele und somit für die Maximierung des Unternehmenswertes (vgl. Franke/Hax 2004, S. 486 f.; Volkart 2007, S. 623-627).[24] Die Stärkung der Eigenkapitalbasis durch die Minimierung der Kapitalkosten sowie der Steuerlast werden durch eine Maximierung der Rentabilität ausgelöst. Mit ausreichender Liquidität kann sichergestellt werden, dass das Unternehmen rechtzeitig Zahlungsverpflichtungen begleichen kann, was zu einem bilanziellen Gleichgewicht führt. Ein Unternehmen ist umso unabhängiger von externer Finanzierung, je besser die Liquidität und die Eigenkapitalquote sind (vgl. Schneck 2006, S. 17). Durch Wachstum kann das Unternehmen seine Finanzierung gewährleisten und seine Wettbewerbsposition verbessern (vgl. Volkart 2007, S. 141). Risikominimierung, Eigenkapitalerhaltung und Verluste zu meiden sind Kernaufgaben, die unter dem Begriff Sicherheit zusammengefasst werden. Bei Finanzierungsentscheidungen von Unternehmern spielen Unternehmenseigenschaften wie Risikoneigung, Unternehmensziele und Erfahrung bzw. die allgemeine Unternehmensführung eine entscheidende Rolle (vgl. Michaelas et al. 1998, S. 254-258).[25]

Ein Hauptmerkmal von eigentümergeführten KMU ist die enge Verbindung zwischen Familie und Unternehmen. Der Erfolg des Unternehmens ist somit in vielen Fällen die Existenzgrundlage für den Unternehmer und die ganze Familie, da der Unternehmer in den meisten Fällen mit privatem Kapital haftet. Diese Verantwortlichkeit führt zu einem starken Unabhängigkeitswillen und einer weniger starken Neigung zur Aufnahme von externem Kapital, weil diese mit einer Offenlegung von Informationen verbunden ist (vgl. Ahrweiler/Börner 2003, S. 7 f.; Volkart 2007, S. 142, 588). Die Wettbewerber und der Markt sollen keinen Einblick in die Unternehmensstrategie erhalten. Dies könnte geschehen, sobald das Unternehmen gewisse Informationen offenlegen würde (vgl. Myers/Majluf 1984, S. 195). Bei Aufnahme von externem Kapital gibt der Unternehmer Teile der Mitbestimmung und Kontrolle an Außenstehende ab. Ahrweiler und Börner sehen darin die Begründung der familieninternen Nachfolgeregelung und einer distanzierten Haltung gegenüber externer Finanzierung (vgl. Ahrweiler/Börner 2003, S. 7 f.). Diese stark dezimierte Kontroll- und Mitwirkungsberechtigung Dritter und die geringe Informationsoffenlegung erschweren eine rationale Unternehmensbewertung.[26]

Bei der Unternehmensfinanzierung lässt sich zwischen Eigenkapital, Fremdkapital und Verflüssigungsfinanzierung differenzieren und diese lassen sich jeweils weiter in interne und externe Finanzierung aufteilen. Hierbei gilt Eigenkapital als Risikokapital und Fremdkapital als Gläubigerkapital. Die Thesaurierung der Vorjahresgewinne führt zur Selbstfinanzierung. Diese ist eine Art der internen Finanzierung und dient laut Literatur elementar dem Zugang zu weiteren externen Finanzierungsmöglichkeiten, was zur Steigerung des Unternehmenswertes führt (vgl. Volkart 2007, S. 685). Die externe Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital sowie die Umschichtung des Vermögens charakterisieren die externe Finanzierung. Die Klassifizierung von externem Eigen- und Fremdkapitalzugang unterteilt sich in die Art der Entlohnung, Haftung, Fristigkeit oder der Befugnis zur Teilnahme an der Geschäftsführung (vgl. Süchting 1989, S. 24 f.). Durch Kapitalüberlassungen für unbegrenzte Zeit von externen Eigenkapitalgebern wird die Eigenkapitalbasis eines Unternehmens gestärkt. Im Gegenzug verliert der Unternehmer durch die Beteiligung jedoch Kontroll- und Stimmrechte und lässt die Mitwirkungsberechtigung an der Geschäftsführung von Externen zu.

Externe Fremdkapitalgeber sind nach Volkart Gläubiger, die einen erfolgsneutralen Rückzahlungsanspruch - des Nennbetrages des überlassenen Kapitals - einschließlich einer festen Verzinsung nach Ablauf einer vertraglich vereinbarten Frist haben (vgl. Volkart 2007, S. 571). Eigenkapitalgeber sind einem höheren Risiko als Fremdkapitalgeber ausgesetzt, da das Eigenkapital im Fall von Zahlungsunfähigkeit als Haftungsmasse fungiert. Aus diesem Grund fordern externe Eigenkapitalgeber eine höhere Rendite für ihr eingebrachtes Kapital, was wiederum die Kapitalkosten für das Unternehmen erhöht (vgl. Padberg/Padberg 2006, S. 29). Geht das Unternehmen in der Unternehmensfinanzierung einen anderen Weg als den der Selbstfinanzierung, sind immer mindestens zwei Parteien beteiligt: das Unternehmen und externe Kapitalgeber. Dies führt zu einen Principal-Agent- Problem und Interessenkonflikten, da jede Partei versucht ihren eigenen Nutzen zu maximieren (vgl. Jensen/Meckling 1976, S. 308 f.; Barnea et al. 1981, S. 574 f.).[27] Asymmetrische Informationsverteilung ist bei KMU meistens deutlicher ausgeprägt als bei Großunternehmen, da KMU oftmals weniger öffentliche Informationen zur Verfügung stellen (vgl. Wagenvoort 2003a, S. 12).

Im Jahr 2006 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unter Mitwirkung des IfM eine Studie der Finanzierungsstrukturen deutscher KMU vorgestellt. Aus dieser Studie geht hervor, dass kurzfristige und langfristige Bankkredite sowie Lieferanten- und Leasingkredite und vor allem Innenfinanzierung die wichtigsten Finanzierungsarten für deutsche KMU sind (vgl. BMWi 2007, S. 40; Reize 2006, S. 44-46).

Eine solide Eigenkapitalquote trägt wesentlich zum Zugang von Krediten bei. Für die Kreditvergabe der Banken ist die Ratingeinstufung ausschlaggebend und diese wird durch eine höhere Eigenkapitalquote verbessert. Ein hoher Eigenkapitalanteil führt zu einer besseren Risikotragfähigkeit und größeren finanziellen Spielräumen für Unternehmen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten (vgl. Reize/Lo 2008, S. 36; Schneck 2006, S. 17). Nach Expertenmeinung sollte ein produzierendes Unternehmen eine Eigenkapitalquote von einem Drittel der Bilanzsumme aufweisen. Eine Eigenkapitalquote unter 20 Prozent gilt in vielen Branchen als bedenklich und unter 10 Prozent als bedrohlich für die Geschäftsfortführung (vgl. BVK 2009a, S. 3). Die durchschnittliche Eigenkapitalquote von deutschen KMU liegt zwischen 14 und 22 Prozent und ist damit im internationalen Vergleich[28] relativ gering. Die durchschnittliche langfristige Fremdkapitalquote deutscher KMU liegt bei 65 Prozent (vgl. Rivaud-Danset 1998, S. 31).[29]

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2004 haben KMU in Deutschland eine Eigenkapitalquote von durchschnittlich 15 Prozent und sind damit unterkapitalisiert (vgl. BVK 2009a, S. 3-5; PwC 2009). Der Deutsche Mittelstand konnte in den letzten Jahren seine Eigenkapitalquote stätig verbessern. Aus dem Mittelstandspanel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geht hervor, dass sich die durchschnittliche Quote von 19 Prozent im Jahr 2002 bis zum Jahr 2006 auf 23,9 Prozent verbessert hat (vgl. Reize/Lo 2008, S. 21).[30] Die Entwicklung wird in Abbildung 7 dargestellt, dabei ist Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes in Relation zur Bilanzsumme abgebildet. Eine weitere Unterteilung erfolgt zwischen Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote bis 10, 20, 30 Prozent und über 30 Prozent. Es ist ersichtlich, dass der prozentuale Anteil der Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote über 30 Prozent gestiegen ist und die Anzahl der Unternehmen mit einer Quote unter 10 Prozent über den Zeitverlauf abgenommen hat.

Unternehmensfinanzierung wird durch Eigenkapital erleichtert. Eine höhere Liquidität ist die Folge, was wiederum zu Flexibilität bei Kreditlinien, Investitionen, organischem und externem Wachstum führt (vgl. Stäglich 2003, S. 351–353; Jünger 2007, S. 151 f.; Creditreform 2009b).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Entwicklung der Eigenkapitalquote zwischen 2000 und 2009 im Deutschen Mittelstand,

Datenquelle: Creditreform 2001–200933, eigene Darstellung.

3.4 Bilanzierungsregeln im Mittelstand

Die angewendete Bilanzierungsmethode hat unmittelbare Auswirkung auf die Vergleichbarkeit und die Unternehmensbewertung in einem Kauf- bzw. Verkaufsprozess im Rahmen einer M&A-Transaktion. Kleine und mittelständische Unternehmen können ihre Bilanzierung nach drei Alternativen durchführen. Es gibt die Wahlmöglichkeit zwischen dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), dem deutschen Handelsgesetz (HGB) und den als komplex und kostenintensiv geltenden International Financial Reporting Standards („full IFRS“). In Zukunft ist noch eine schlanke Version des internationalen Rechnungslegungsstandards vom Deutschen Mittelstand wählbar („IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen“)[31]. Diese ist in Richtung der traditionellen Wertkonzepte ausgerichtet (vgl. Kajüter et al. 2008, S. 592 f.). Diese Version wurde im Juli 2009 vom International Accounting Standards Board (IASB) nach fünfjähriger Entwicklungszeit veröffentlicht. Das Ziel des Standards ist es, KMU verkürzte und vereinfachte Bilanzierungsregeln gegenüber dem „füll IFRS“ zu ermöglichen. Die derzeitigen Regelungen im deutschen Recht über eine HGB-befreiende Anwendung des IFRS für KMU fehlen, aus diesem Grund besteht ausschließlich die Möglichkeit diesen zusätzlich zu einem HGB-Abschluss zu erstellen (vgl. Slotta/Ull 2009).

IFRS gilt seit dem Ausbruch der Krise als Synonym für die Krisenverstärkung. Eine Einführung im Mittelstand stößt auf große Ablehnung in der Praxis. In Anbetracht der immer restriktiver werdenden Kreditvergabe der Banken, die insbesondere Familienunternehmen Probleme bereitet, steht in der Diskussion, ob eine alternative Bilanzierung die Finanzierungschancen verbessert.[32] Das BilMoG führte zu einer Annäherung des HGB an viele Bereiche des IFRS.[33] Diskutiert werden hierbei das immer weitere Abdriften von Steuer- und Handelsbilanz, da in der Vergangenheit eine Einheitsbilanzierung bestand und diese nicht mehr möglich ist. Anders als für kapitalmarktorientierte Unternehmen, für die die internationale Rechnungslegung verpflichtend ist, gibt es für KMU somit die Wahl, welches Bilanzierungsrecht angewendet wird, um die größten Chancen auf bestmögliche Finanzierung zu erzielen. Durch diese Wahlrechte leidet die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse, auch für Kreditgeber (vgl. Bömelburg/Rödel 2009, S. 12).

3.5 Entwicklung der letzten Jahre

Der Deutsche Mittelstand gilt als „zentrales Element der sozialen Marktwirtschaft und[...] des deutschen Wirtschaftswunders“ (Goeke 2008, S. 9). Er steht als Begriff für Wachstum, Innovationen und Beschäftigung. In den letzten Jahren wird er stark von der Globalisierung und den Änderungen an den Kapitalmärkten sowie den Finanzierungsstrukturen geprägt. Er sieht sich immer stärker durch die globale Verflechtung mit internationaler Konkurrenz konfrontiert. Es ist deshalb sinnvoll, zwischen exportorientierten Mittelständlern und solchen, die sich auf die Binnennachfrage konzentrieren, zu unterscheiden. Preisdruck, Fertigungszeit und Lohnnebenkosten machen Produkte vor allem aus dem asiatischen Raum zum größten Problem für eine sehr stark exportabhängige Nation wie Deutschland.

Laut einer Studie des Verbandes der Vereine Creditreform e.V., die am 28.12.2009 vorgestellt wurde, mussten seit dem Jahr 2000 in Deutschland 340.000 Unternehmen[34] Insolvenz anmelden. Geprägt vom Zusammenbruch des Neuen Marktes, schweren Managementfehlern und der Rezession in den vergangenen zwei Jahren sind das so viele in einem Jahrzehnt wie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr (vgl. FTD 28.12.2009).

[...]


[1] Die Begriffe „Deutscher Mittelstand“ und „Mergers and Acquisitions“ werden im Verlauf der Arbeit, in Anlehnung an die führende Literatur, als Eigennamen verwendet.

[2] „Mergers and Acquisitions“, „M&A“, „Fusionen und Übernahmen“, „Fusionen und Akquisitionen“ etc. als Begriffe werden im Folgenden synonym verwendet. Die Etymologie bietet die Verwendung der erst und zweit genannten Schreibweise. Wortkombinationen mit der Abkürzung „M&A“ werden in Anlehnung an die deutschsprachige Literatur mit einem Bindestrich versehen.

[3] Dies ist im internationalen Vergleich eine sehr hohe Quote. Zum Vergleich liegt die Eigenheimquote in Deutschland, laut Angaben des Statistischen Bundesamtes, bei 41% (vgl. Rottwilm 2009).

[4] Die Kennzahlen Debt-to-Income-Ratio (DTI > 40 %) und Loan-to-Value-Ratio (LTV > 80 %), welche den Verschuldungsgrad in Relation zum Bruttoeinkommen bzw. die Beleihungshöhe der Immobilie messen, haben ebenfalls Auswirkungen auf die Einordnung des Schuldnerstatus.

[5] Ninja steht für „No Income, No Job, or Assets“ (ohne Einkommen, ohne Job oder Vermögen).

[6] Im Fall von MBS sind die Vermögensgegenstände Hypotheken bzw. die zugrundeliegenden Immobilien.

[7] Ein kurzer Überblick über die einzelnen derivativen Produkte befindet sich in Tabelle 4 im Anhang, sie dient der sprachlichen Vereinfachung, der Verkürzung im Weiteren und dem besseren Verständnis.

[8] Die FDIC ist ein Einlagensicherungsfonds, der durch den Glass-Steagall Act von 1933 ins Leben gerufen wurde.

[9] Die KreditlinienAdjustable Rate Mortgages machten zu Ausbruch der Krise über die Hälfte der Hypothekenkredite im Subprime-Segment aus. Der Kreditgeber darf bei ARMs, nach anfänglichen festen Zinsen und einer Zinsbindungsfrist, die Zinsen im Zeitablauf an die Marktsituation anpassen (vgl. Bloss et al. 2009, S. 63). Das Problem dieser Kredite ist das zeitverzögerte Auftreten der negativen Effekte, so führt eine Anpassung des Zinssatzes nach der Zinsbindungsfrist nach oben - höhere Zinsen für die Rückzahlung - zu zahlreichen Ausfällen.

[10] Diese Finanzierungsform findet im privaten Immobilienmarkt in Deutschland bei der Kreditvergabe nicht statt, sie tritt in Ausnahmen bei gewerblichen Immobilien auf.

[11] Unter dem Sammelbegriff Finanzwirtschaft sind die Untergebiete: Investition, Finanzierung und Risikomanagement zusammengefasst.

[12] Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) sind weltweit die drei führenden Ratingagenturen.

[13] Finanzinstrumente fallen unter Vermögensgegenstände.

[14] Beispielsweise schrieb die UBS 37,4 Mrd. US$, Morgan Stanley 8,4 Mrd. US$ und die Deutsche Bank 2,5 Mrd. € ab.

[15] In Deutschland stellte die Bundesregierung den sogenannten SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) und die US-Regierung das Hilfsprogramm TARP (Troubled Asset Relief Program) zur Verfügung.

[16] IKB (Rhineland Funding Capital Corp.), Sachsen LB (Sachsen LB Europe plc, Irland) und WestLB, um einige Beispiele zu nennen, mussten aus diesem Grund durch staatliche Eingriffe und Stützungsmaßnahmen vor der Insolvenz gerettet werden.

[17] Lehman Brothers war international tätig und brach am 16. September 2008 zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war die Bank die viertgrößte in den USA und weltweit in der Finanzbranche wie auch in der Wirtschaft stark vernetzt. Die Insolvenz bedrohte das globale Finanzsystem in einem Umfang, dass staatliche Intervention nötig war. Finanztransaktionen kamen weltweit fast völlig zum Erliegen (vgl. Madhani 2009, S. 36-38). Unter Abbildung 49 im Anhang werden die Entwicklungen und Hilfsmaßnahmen ab dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs genauer skizziert.

[18] Beispielsweise: Goldman Sachs 2,12 Mrd. US$, J.P. Morgan 4,8 Mrd. US$ und Morgan Stanley 2,2 Mrd. US$, Quelle: Thomson Reuters.

[19] Bei einem „Bank Run“ versuchen die Kunden eines Finanzinstituts ihre Einlagen (Depositen) kurzfristig abzuheben. Die Bank hält diese jedoch hauptsächlich in langfristigen Aktiva und nur geringe Teile in Bargeld, sodass es zu einer Insolvenz kommen kann.

[20] Die bekanntesten Maßnahmen sind die Abwrackprämie, Kurzarbeit und Staatshilfen oder gar (Teil-) Verstaatlichung bei Finanzinstituten.

[21] Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die Finanz- und Wirtschaftskrise bis November 2009 weltweit über 20 Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Durch die Reduktion der Staatshilfen könnte die Zahl bis auf 43 Millionen ansteigen. Im Fokus des Jobabbaus sind besonders Geringqualifizierte, Ältere und Migranten (vgl. FTD 08.12.2009).

[22] Betrachtet man ausschließlich die umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, sind es insgesamt 3,14 Mio. Unternehmen, wovon 3,13 Mio. KMU darstellen. Die Datenbasis ist das Jahr 2007.

[23] Erwirtschaftet ein Unternehmen keinen Mehrwert für die Eigenkapitalgeber, werden diese ihre Kapitalallokation in ein Investment mit einer höheren Rendite umschichten und nicht ihr Kapital zur Verfügung stellen.

[24] Der Leverage-Effekt bewirkt, dass Zinszahlungen für Fremdkapital von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abgezogen werden, d. h. der Verschuldungsgrad wirkt sich bis zu einem gewissen Verhältnis positiv auf Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Einkommensteuer aus (vgl. Franke/Hax 2004, S. 486 f.). Mit steigendem Fremdkapital steigen aber auch die Kapitalkosten eines Unternehmens (vgl. Volkart 2007, S. 623-627).

[25] Diese nichtfinanziellen Faktoren, die neben internen (Unternehmensalter, Wachstum und Profitabilität) und externen Faktoren (wirtschaftliche Lage und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen) bestehen, sind auch entscheidend bei der Kreditvergabe (vgl. Michaelas et al. 1998, S. 254-258; Kapitel 5.2.1).

[26] Vgl. hierzu Kapitel 4.5.1.

[27] Jensen/Meckling sehen einen Konflikt zwischen Geschäftsführern von Unternehmen und Eigentümern. Ist die Geschäftsführung vom Eigentum getrennt, besteht für den Geschäftsführer unter Umständen ein Anreiz, seinen individuellen Nutzen auf Kosten des Unternehmens zu maximieren. Dies führt zu steigenden Agency-Kosten. Steigt der Anteil des Geschäftsführers am Unternehmen, wird der Konflikt abgeschwächt und ist bei eigentümergeführten Unternehmen nicht vorhanden (vgl. Jensen/Meckling 1976, S. 327).

[28] Die durchschnittliche Eigenkapitalquote liegt in Spanien und Belgien bei rund 40%, in Portugal bei 31 40 %, in Frankreich bei rund 35 % und in Italien bei rund 25 % (vgl. Rivaud-Danset 1998, S. 31).

[29] Im internationalen Vergleich haben Österreich und Japan ähnliche Fremdkapitalquoten. In Spanien sind es im Durchschnitt 20 %, in Belgien und Portugal etwa 30 % und in Frankreich und Italien rund 40 %.

[30] Die unterschiedlichen Werte bzgl. der Eigenkapitalquote sind abhängig von der genauen KMU-Defini- tion. Beispielsweise gehen im KfW-Mittelstandspanel nur bilanzierungspflichtige Unternehmen in die Berechnung ein und Einzelunternehmen und -kaufleute bleiben unberücksichtigt (vgl. Reize/Lo 2008, S. 21).

[31] Die Europäische Kommission hat im November 2009 die Umsetzung ins nationale Recht eingeleitet. Hierbei wurden Bewertung und Ansatz vereinfacht, Anhangangaben reduziert und Wahlrechte aufgrund der besseren Vergleichbarkeit gestrichen (vgl. Slotta/Ull 2009; Bömelburg/Rödel 2009, S. 12).

[32] Diese Diskussion wird in Kapitel 5.2.1 und 5.2.2 wieder aufgegriffen und vertieft behandelt.

[33] Als Beispiele sind hier die Bewertung von Pensionsrückstellungen, die Konsolidierungspflicht für Zweckgesellschaften und die Möglichkeit zur Abbildung von Hedge Accounting (Sicherungsbeziehungen) zu nennen.

[34] Diese Zahl bezieht sich auf alle Unternehmen in Deutschland, wobei davon ausgegangen wird, dass es sich hierbei bis auf wenige Ausnahmen um KMU handelt.

Ende der Leseprobe aus 124 Seiten

Details

Titel
Auswirkung der Finanzkrise auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (UBS-Stiftungsprofessur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Management)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
124
Katalognummer
V164679
ISBN (eBook)
9783640799534
ISBN (Buch)
9783640800087
Dateigröße
23405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutscher Mittelstand, Finanzkrise, KMU, Mergers & Acquisitions
Arbeit zitieren
Tobias F. Kern (Autor), 2010, Auswirkung der Finanzkrise auf den Markt für Mergers & Acquisitions im Deutschen Mittelstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164679

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