In dieser Arbeit wird zunächst das Phänomen der liaison im größerem Zusammenhang erklärt werden, anschließend werden deskriptiv die verschiedenen Liaison-Arten und ihre Regeln dargestellt, in der Unterteilung zwischen liaison obligatoire, liaison interdite und liaison facultative, welche auch den gängigen Grammatiken vorliegt. Als Einführung dienten die Erklärungen in Meisenburg und Selig. Die deskriptiven Erläuterungen zur Liaison begründen sich hauptsächlich auf Delattre, Klein und Léon, aber auch andere Arbeiten, z.B. von Schwarze und Lahiri, Encrevé und Tranel wurden ergänzend hinzugezogen. Die Erklärungen zu den Eigenschaften der Liaison werden durch Beispiele erläutert.
Die anschließende Analyse eines aufgezeichneten Gesprächs aus dem elektronischen Korpus C-ORAL-ROM soll die Frage beantworten, in wie weit die Liaison im Alltagfranzösisch der Gegenwart Gebrauch findet und ob die normativen Grammatikregeln zur Liaison von Muttersprachlern befolgt werden. Auf diese Weise sollen Akzeptibilitätsurteile erhoben werden. Hierbei sind sowohl Häufigkeit als auch Art der Liaisons, die vom Sprecher des zu Grunde liegenden Monologs realisiert werden, von besonderem Interesse.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, die Anwendung der im ersten Teil genannten normativen Regeln der Liaison anhand eines Textes in der Praxis zu überprüfen und Konformitäten und Abweichungen festzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Liaison in der Theorie
2.1 Liaison obligatoire
2.2 Liaison interdite
2.3 Liaison facultative
2.4 Falsche Liaison
3. Die Liaison in der Praxis
3.1 Realisierte Liaison im untersuchten Gespräch
3.2 Nichtrealisierte Liaison im untersuchten Gespräch
3.3 Kommentar zur Analyse des Gesprächs
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das phonologische Phänomen der französischen Liaison sowohl aus theoretischer Sicht als auch in ihrer praktischen Anwendung. Ziel ist es, anhand eines Transkripts aus dem Korpus C-ORAL-ROM zu analysieren, ob und wie Muttersprachler im alltäglichen Sprachgebrauch die normativen Regeln der Liaison umsetzen.
- Phonologische Definition und Klassifizierung der Liaison (obligatoire, interdite, facultative).
- Einflussfaktoren wie Stilistik, Syntax und Prosodie auf die Liaison.
- Abgrenzung der Liaison gegenüber dem Phänomen des enchaînement.
- Analyse der Verwendung von Liaison in einem authentischen Gesprächskorpus.
- Untersuchung von Übergeneralisierungen in Form der sogenannten "falschen Liaison".
Auszug aus dem Buch
2.4 Falsche Liaison
In den vorangegangenen Kapiteln wurde gezeigt, dass Liaison an der Wortgrenze stattfindet und zwei Wörter phonologisch aneinander bindet. Wichtig hierbei ist, dass das neue Wort resilbifiziert wird weil der Liaisonkonsonant phonologisch zum Onset des zweiten Wortes gehört: les [z]hommes. Viele Sprecher realisieren häufige Liaison, wie z.B. zwischen Determinant und Nomen, auch dann, wenn sie eine Pause zwischen dem ersten und zweiten Wort machen: Vermutlich hat der Gebrauch dazu geführt, dass in häufig auftretende Liaison der Liaisonkonsonant als zum zweiten Wort zugehörig empfunden wird: „Im heutigen Sprachbewusstsein ist somit [z] der Plural zu [
ein Liaisonkonsonant an einer Stelle ausgesprochen wird, an der keine Liaison vorgesehen ist, weil kein latenter Konsonant vorhanden ist: huit[z]hommes. Der Liaisonkonsonant [z] ist als Pluralmarker sehr häufig in solche Übergeneralisierungen zu finden: Hommes d’Etat[z]africains. Im Verbalphrasen wird häufig fälschlicherweise ein t eingefügt: ça va[t]être (Meisenburg, Selig 2004: 137). Die Phänomene der falschen Liaison werden in drei Kategorien aufgeteilt (Béchade 1992:53):
a) pataquès: Verwendung falscher Bindungslaute: tro(p)-[z]-habile
b) cuir: ein [t] wird eingefügt: dis-moi-[t]-un-peu
c) velours: ein [z] wird eingefügt: j’ai-[z]-appris.
Solche Übergeneralisierungen zeigen, wie prägnant und nachhaltig, ja geradezu produktiv die Liaison in der französischen Sprache vertreten ist. Dennoch vermerkt Klein eine Abnahme der Liaison und führt dies auf die weniger gehobene bzw. gebildete Sprache zurück (Klein 1963:165f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des phonologischen Phänomens der Liaison und Darlegung der Zielsetzung, ihre Anwendung in einem Gesprächskorpus zu prüfen.
2. Die Liaison in der Theorie: Detaillierte Darstellung der Liaison-Arten (obligatoire, interdite, facultative) sowie relevanter Faktoren, die ihre Realisierung beeinflussen.
2.1 Liaison obligatoire: Definition der obligatorischen Liaison in festen syntaktischen Verbindungen wie Artikel + Nomen oder bei klitischen Pronomina.
2.2 Liaison interdite: Erläuterung der Fälle, in denen Liaison aufgrund semantischer oder phonologischer Grenzen unzulässig ist.
2.3 Liaison facultative: Untersuchung der Liaison, deren Realisierung von stilistischen, syntaktischen und prosodischen Faktoren abhängt.
2.4 Falsche Liaison: Analyse der Übergeneralisierung von Liaisonkonsonanten an Stellen, an denen kein latenter Konsonant existiert.
3. Die Liaison in der Praxis: Einleitung in die empirische Analyse eines Gesprächs aus dem C-ORAL-ROM-Korpus.
3.1 Realisierte Liaison im untersuchten Gespräch: Auswertung der tatsächlich vollzogenen Liaisonen im untersuchten Transkript.
3.2 Nichtrealisierte Liaison im untersuchten Gespräch: Identifikation von Fällen, in denen trotz Liaison-Option keine Verbindung stattfand.
3.3 Kommentar zur Analyse des Gesprächs: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Sprachniveaus des Sprechers.
4. Zusammenfassung: Resümee über die theoretischen Grundlagen und die empirischen Ergebnisse der Arbeit.
Schlüsselwörter
Liaison, Phonologie, Französisch, Sprachwissenschaft, Liaison obligatoire, Liaison interdite, Liaison facultative, Falsche Liaison, enchaînement, Sprachgebrauch, Korpusanalyse, C-ORAL-ROM, Phonetik, Grammatikregeln, Alltagsfranzösisch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das phonologische Phänomen der Liaison im Französischen, bei dem stumme Endkonsonanten vor vokalisch anlautenden Wörtern ausgesprochen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Einteilung der Liaison (obligatorisch, verboten, fakultativ) sowie deren praktische Realisierung im gesprochenen Französisch.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu überprüfen, inwieweit die normativen grammatikalischen Regeln zur Liaison von einem Muttersprachler in einem authentischen Gesprächskorpus tatsächlich befolgt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Kombination aus theoretischer Aufarbeitung der linguistischen Literatur und einer deskriptiven Analyse eines Transkripts aus dem elektronischen Korpus C-ORAL-ROM.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Kategorisierung der Liaison-Arten und eine anschließende empirische Untersuchung, in der die Liaison-Realisierung des Sprechers kategorisiert und bewertet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Liaison, Phonologie, Sprachgebrauch, Korpusanalyse und die spezifischen Liaison-Arten charakterisiert.
Was unterscheidet die "falsche Liaison" von der fakultativen Liaison?
Während die fakultative Liaison eine zulässige, stilistisch motivierte Variante darstellt, bezeichnet die "falsche Liaison" eine Übergeneralisierung, bei der Konsonanten eingefügt werden, die dort linguistisch nicht vorgesehen sind.
Welche Rolle spielt das soziale Niveau des Sprechers bei der Liaison?
Die Analyse legt nahe, dass ein höheres Bildungsniveau und ein gehobenerer Gesprächsstil mit einer häufigeren Realisierung der fakultativen Liaison korrelieren.
Warum wird die Liaison bei "et" strikt verboten?
Die Liaison nach dem Verbindungswort "et" ist verboten, da dies die semantische Trennung zwischen den zu verbindenden Wortgruppen aufheben würde und das Verständnis erschweren könnte.
- Arbeit zitieren
- Laura Hordoan (Autor:in), 2006, Die französische Liaison in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164719