Nachrichten im Fernsehen werden immer wichtiger. Sie informieren die Menschen, geben ihnen Orientierung und eine Art eigenen Blickwinkel Ereignisse auf der ganzen Welt zu betrachten. Aber wer oder was entscheidet eigentlich, wann eine Nachricht zur Nachricht wird bzw. ob sie letztendlich ausgestrahlt wird oder nicht? Seit den 20er Jahren befassen sich Forscher wie Walter Lippmann (1922) nun schon mit dieser Frage und entwickeln immer wieder neue Theorien, die immer komplexer werden. Immer mehr Faktoren kommen hinzu, immer detaillierter werden diese aufgeschlüsselt und beschrieben. Ein Faktor allerdings, welcher meiner Meinung nach eine sehr entscheidende Rolle im heutigen Medienzeitalter spielt, wurde bis vor einigen Jahren völlig vergessen – das Bild. Erst 2003 taucht das Bild erstmals konstant als Nachrichtenfaktor in „Der Wert von Nachrichten im deutschen Fernsehen“ von Georg Ruhrmann, Jens Woelke, Michael Maier und Nicole Diehlmann auf. Diese Studie, welche sich mit dem Wandel von Fernsehnachrichten, deren Selektion und Publikation befasst, wird somit das zentrale Werk für meine Hausarbeit sein. Grundannahme hier ist „dass in den letzten 15 Jahren aufgrund ökonomischer und technischer Entwicklung – Stichworte sind hier Kommerzialisierung und Digitalisierung – eine Reihe von Veränderungen bei Fernsehnachrichten zu beobachten sind“ (Maier et al. 2003, 13). Die Annahme, dass in immer kürzerer Zeit, von immer weniger Journalisten, immer mehr Nachrichtenplätze gefüllt werden müssen, wird auch in anderen Studien, wie z.B. „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ (Weischenberg 2006) belegt. Auch der aktuelle Trend hin zum Infotainment, wie er in Werken wie „Infotainment: Fernsehnachrichten zwischen Information und Unterhaltung“ (Wittwen 1995) oder „Infotainment: zwischen Bildungsanspruch und Publikumserwartung; wie unterhaltsam darf Information sein?“ (Klöppel 2008) beschrieben wird, nimmt meiner Ansicht nach starken Einfluss auf das Bild als Nachrichtenfaktor. Die Zuschauer wollen unterhalten werden und nicht mehr nur Informationen geliefert bekommen. Diese regelrechte Präsentation von Informationen und die zunehmende Wichtigkeit von Visualität in den Fernsehnachrichten, werde ich im Laufe meiner Hausarbeit versuchen zu vertiefen.
Inhaltsverzeichnis
1. Exposè
2. Nachrichtenfaktoren – von den Anfängen bis heute
2.1 Von Lippmann über Östgaard bis Galtung/Ruge
2.2 Entwicklungen von 1965 – heute
3. Die „Gatekeeper“-Forschung
4. Visualität als Nachrichtenfaktor
4.1 Einleitung
4..2 Konstruktion von Visualität als Nachrichtenfaktor
4.3 Gesammelte Forschungsergebnisse nach Maier et. al. 2003
4.3.1 Datenanalyse
4.3.2 Leitfadeninterviews
4.3.3 Fragebögen
4.4 Die Bedeutung von Visualität
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die zunehmende Bedeutung der Visualität als Nachrichtenfaktor in modernen Fernsehnachrichten und analysiert, wie technische und ökonomische Entwicklungen die Nachrichtenselektion beeinflussen.
- Historische Entwicklung der Nachrichtenwerttheorie
- Die Rolle der "Gatekeeper"-Forschung bei der Nachrichtenauswahl
- Empirische Analyse der Visualisierung in Fernsehnachrichten
- Einfluss von ökonomischen Zwängen auf die Nachrichtengestaltung
- Wirkung von Bildmaterial auf die Informationsvermittlung und Zuschauerwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
4.1 Einleitung
In den letzten 15 Jahren haben sich die Fernsehnachrichten sehr stark verändert. Die Stichworte hier sind Technisierung und Ökonomisierung. Durch die neuen Techniken, wie Digitalisierung und Satellitenübertragung ist es möglich geworden, schon wenige Stunden, manchmal sogar Minuten, nach einem spektakulären Ereignis, Bilder davon zu haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Einschlag der beiden American Airlines Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers, am 11. September 2001. Die ersten Bilder von diesem Ereignis wurden nur zufällig gefilmt und trotzdem gingen sie nicht mal 1 Stunde später um die Welt. Wenige Minuten nach dem Einschlag waren bereits Kamerateams vor Ort, die live filmten, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers raste.
Diese rasante Entwicklung im Bereich der Fernsehnachrichten und der bewegten Bilder scheint immer schnellere und extremere Formen anzunehmen. Und hier kommt der zweite Faktor, nämlich die Ökonomisierung ins Spiel. Die großen Sender in der heutigen Fernsehlandschaft müssen konkurrenzfähig sein und dazu gehört nun mal die alte Weißheit: „Zeit ist Geld“. Wer nicht innerhalb kürzester Zeit die aktuellsten Bilder vor Ort hat, der kann einpacken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Exposè: Einführung in die Fragestellung und Begründung der Relevanz des Bildes als Nachrichtenfaktor im Kontext von Kommerzialisierung und Digitalisierung.
2. Nachrichtenfaktoren – von den Anfängen bis heute: Darstellung der theoretischen Grundlagen der Nachrichtenwerttheorie von Lippmann bis Galtung/Ruge und deren Weiterentwicklung.
3. Die „Gatekeeper“-Forschung: Erläuterung der Filterfunktion von Journalisten und wie diese durch redaktionelle Prozesse und technische Voraussetzungen die Nachrichtenauswahl steuern.
4. Visualität als Nachrichtenfaktor: Analyse der empirischen Ergebnisse zur zunehmenden Rolle bewegter Bilder in deutschen Fernsehnachrichten und deren Kategorisierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der kritischen Entwicklung hin zur bildzentrierten Berichterstattung und deren Einfluss auf den Informationsgehalt.
Schlüsselwörter
Visualität, Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenwerttheorie, Gatekeeper-Forschung, Fernsehnachrichten, Journalismus, Nachrichtenselektion, Digitalisierung, Kommerzialisierung, Infotainment, Medienproduktion, Bildwirkung, Nachrichtenpräsentation, Informationsgehalt, Sendeformate
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich die Auswahl und Präsentation von Fernsehnachrichten durch den wachsenden Stellenwert von Bildmaterial verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Nachrichtenwerttheorie, der Gatekeeper-Ansatz und die empirische Untersuchung der Visualisierung im Fernsehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle das Bild als Nachrichtenfaktor in den heutigen Fernsehnachrichten spielt und wie dies die Nachrichtenselektion beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Studien, insbesondere der LfR-Studie von Maier et al. (2003), kombiniert mit einer Analyse von Daten und Ergebnissen aus Leitfadeninterviews und Fragebögen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Nachrichtenfaktoren, die Gatekeeper-Theorie und die detaillierte empirische Auswertung zur Rolle der Visualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Visualität, Nachrichtenselektion, Gatekeeper, Nachrichtenwerttheorie und Fernsehnachrichten geprägt.
Wie unterscheidet sich die Visualisierung bei privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern?
Die Arbeit stellt fest, dass private Sender eine stärkere Tendenz zur Visualisierung aufweisen und Wortbeiträge dort schneller durch bewegte Bilder ersetzt werden als bei öffentlich-rechtlichen Sendern.
Welche Auswirkung hat der "Zwang zum Bild" auf die Berichterstattung?
Der Autor argumentiert, dass wichtige Ereignisse, die keine attraktiven Bilder liefern, vernachlässigt werden könnten, was zu einem regulierten, weniger informativen Weltbild führen kann.
- Citation du texte
- Benjamin Müller (Auteur), 2009, Visualität als Nachrichtenfaktor - Welche Rolle spielt das Bild als Nachrichtenfaktor in den heutigen Fernsehnachrichten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164762