Sport und Medien - Hat das Fernsehen als Massenmedium den Basketballsport in der NBA beeinflusst?


Hausarbeit, 2010

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Exposè

2. Die sieben Regeln des modernen Sports - Guttmann (1979)
2.1 Säkularisierung
2.2 Chancengleichheit
2.3 Spezialisierung
2.4 Rationalisierung
2.5 Bürokratisierung
2.6 Quantifizierung
2.7 Rekorde

3. Medien und Sport
3.1 Grundlegende Modelle der Massenkommunikation
3.1.1 Stimulus-Response-Modell
3.1.2 Lasswell-Formel
3.1.3 Two-Step-Flow-Modell
3.1.4 Uses-and-Gratifications-Ansatz
3.1.5 Agenda-Setting-Modell
3.1.6 Fazit
3.3 Zuschauerverhalten im Sport
3.3.1 Gesellschaftsimmanente Gründe fürs Zuschauen
3.3.2 Sportimmanente Gründe fürs Zuschauen
3.4 Der amerikanische Fernsehmarkt - ein Abriss

4. Basketball in der NBA
4.1 Einleitung
4.2 Entstehung und Entwicklung der NBA
4.2.1 Die Anfänge der NBA
4.2.2 Die Vorzeichen des Erfolges
4.2.3 Die Krise der NBA
4.2.4 Das Erfolgsmodell NBA
4.3 Aufbau und Regulation
4.3.1 Struktureller Aufbau der NBA
4.3.2 Salary Cap und Draft
4.4 Die Symbiose Sport und Fernsehen
4.4.1 Sport für das Fernsehen
4.4.2 Fernsehen für den Sport

5. Fazit
5.1 Versuch einer Modellentwicklung: Sport - Medien - Markt

6. Literatur
6.1 Bücher
6.2 Zeitungen/ Magazine
6.3 Internet/ Pressemitteilungen

1. Exposè

Seit Beginn der Fernsehübertragung Mitte der 1930er Jahre, ist der Sport ein festes Element geworden, welches heute nicht mehr aus den modernen Programmen der Sender wegzudenken ist. Vergleicht man allerdings die frühen schwarz-weiß Übertragungen mit den heutigen medialen Spektakeln auf dem Fernsehbildschirm, so lassen sich enorme Veränderungen in der Strukturierung, der Konzeption und auch am Sport selbst feststellen.

In der folgenden Arbeit möchte ich versuchen, auf die komplexen Veränderungen des Sports durch die Massenmedien einzugehen. Als Gegenstand meiner Untersuchung habe ich mich auf das Fernsehen als spezielles Massenkommunikationsmedium fokussiert, da dieses heute einer der wichtigsten Übertragungskanäle für Sportereignisse geworden ist (vgl. Kleinsteuber 2000, S. 323). Als sportlichen Untersuchungsgegenstand, habe ich mich für den Basketballsport in der NBA (National Basketball Association) entschieden. Die hier angewandten strukturellen, organisatorischen und sportlichen Veränderungen, stellen für mich einen idealen Untersuchungsgegenstand dar. In den USA gibt es vier große Profiliegen zu denen die NBA, die NFL (National Football League), die MLB (Major League Baseball) und die NHL (National Hokey League) gehören. Von diesen vier „Major Sports“ in den USA, ist Basketball die jüngste und mittlerweile erfolgreichste Sportart und erlebte einen unvergleichlichen Siegeszug über alle Kontinente. Heute ist Basketball in 212 Ländern medial vertreten (vgl. National Basketball Association, 2003e) und die Bekanntheit von Spielern und Vereinen wächst immer mehr. Längst wurde eine ganze Maschinerie in Gang gesetzt, welche durch Vermarktung, Senderechte, Regelanpassungen und Werbeeinnahmen weit über den eigentlichen Sport hinaus geht. Um diese Entwicklung zu verdeutlichen möchte ich zunächst mit Grunddefinitionen der Begriffe „Sport“ nach Guttmann (vgl. 1979, S. 61) und „Massenkommunikation“ beginnen, um einen theoretischen Rahmen für den Aufbau meiner Arbeit zu schaffen. Die gewählten Definitionen stehen in direktem Bezug zum weiteren Verlauf meiner Arbeit, wie im Folgenden deutlich werden wird. Nach dieser Einführung, werde ich speziell auf das Massenmedium Fernsehen eingehen und das Zuschauerverhalten von Fernsehereignissen im Sport aufzeigen. Anschließend wird eine kurze Darstellung des amerikanischen Fernsehmarktes folgen.

Nach diesem ersten Teil meiner Arbeit, welcher sich zunächst mit dem theoretischen Rahmen und den medialen Hintergründen befasst hat, werde ich im zweiten Teil auf die NBA eingehen. Hier ist es mir wichtig einen Überblick von den Anfängen der Liga bis heute zu geben, anhand dessen sich Veränderungen und Umstrukturierungen aufzeigen lassen. Anschließend werde ich auf die Organisation und den Aufbau den NBA eingehen und auf regulative Elemente eingehen, welche im Zusammenhang mit dem Fernsehen eine wichtige Rolle spielen. Diese regelrechte Symbiose zwischen Fernsehen und Basketball in der NBA gilt es im folgenden Teil meiner Arbeit aufzuzeigen und den gegenseitigen Nutzen, aber auch die Veränderungen die diese Gemeinschaft mit sich gebracht hat aufzuzeigen.

Abschließend werde ich zu einem Fazit kommen und den Versuch einer eigenen Modellentwicklung vornehmen, welches ich in Anlehnung an den „Kreislauf der Medienkultur“ (Hepp 2006, S. 71) entwickeln werde. Ich erhoffe mir so ein möglichst umfassendes Bild einer komplexen Entwicklung zu skizzieren. Ich möchte allerdings darauf hinweise, dass der Umfang meiner Arbeit es lediglich zulässt einen ersten Einblick in die Thematik „Sport und Medien“ zu vermitteln.

2. Die sieben Regeln des modernen Sports - Guttmann (1979)

Der Sportbegriff ist stark diskutiert und wird von vielen Experten auf verschiedene Art und Weise definiert. Ich habe mich als Grundlage meines Untersuchungsgegenstandes für die Sportdefinition nach Allen Guttmann entschieden, welche er in seinem Buch „Von Ritual zum Rekord“ (1979) darstellt. Er beschreibt mit den Begriffen „Säkularisierung, Chancengleichheit, Spezialisierung, Rationalisierung, Bürokratisierung, Quantifizierung und Rekorde“ (vgl. Guttmann 1979, S. 61) sieben Merkmale, welche den modernen Sport vom Sport der frühen Hochkulturen der Römer und Griechen abgrenzen sollen.

2.1 Säkularisierung

Mit Säkularisierung ist nicht mehr die Verankerung des Sports in den religiösen Kontext gemeint, wie es z.B. bei früheren Wettkämpfen der Griechen, bei denen die Götter geehrt wurden, der Fall war. Dennoch finden sich „quasi-religiöse“ (Schabelon 2009, S. 38) oder spirituelle Phänomene im Sport, welche nicht religiös im eigentlichen Sinne sind, aber trotzdem religiöse Elemente aufweisen. Wirft z.B. bei einem Basketballspiel ein Spieler des gegnerischen Teams einen Freiwurf auf den Korb vor dem Fanblock der Heimmannschaft, so wedeln alle Fans mit länglichen, farbigen Luftballons um den Spieler nervös zu machen. Einen solchen, gruppendynamischen Vorgang könnte man als ein Ritual mit religiösem Charakter beschreiben. Andere religiöse Elemente wären z.B. die symbolische „Bekreuzigung“ eines Spielers nach einem getroffenen Korb oder religiöse Symbole wie ein Kreuz, welches als Schmuck oder Tattoo präsentiert wird. „Genauer gesagt gehört Religion deshalb zum modernen Sport, weil der Sport selbst in eine weltliche Religion verwandelt ist“ (Guttmann 1979, S. 34).

2.2 Chancengleichheit

Guttmann geht von einer theoretischen Chancengleichheit in den Bereichen Vorbereitung, Wettkampfteilnahme und Wettkampfumstände aus. Diese Chancengleichheit scheint auf den ersten Blick selbstverständlich, war aber nicht immer gegeben. So war der Sport lange Zeit den wohlhabenden Aristokraten vorenthalten, die so ein Aufstreben von jungen Sportlern aus armen Verhältnissen verhindern wollten. Auch die Rassenfrage war bis ins 20. Jahrhundert noch ein wichtiges Thema, welches oft zu Ausschlüssen aus sportlichen Wettkämpfen führte. Heute bemüht man sich durch Regelungen, wie z.B. Gewichtsklassen beim Boxen oder ähnlichem eine gleiche Ausgangsposition zu schaffen. Auch der Fair-Play-Gedanke ist ein Ausdruck dieser Chancengleichheit (vgl. Guttmann 1979, S. 35-45).

2.3 Spezialisierung

Nach Guttmann findet die Spezialisierung im Sport in zwei wesentlichen Schritten statt. Zunächst muss eine Professionalisierung erfolgen die es dem Sportler ermöglicht, sich voll und ganz auf seinen Sport zu konzentrieren. Als Grundlage hierfür wird Zeit, nicht Geld vorausgesetzt. Allerdings kommt es durch die investierte Zeit zu einem Lohn in Form von Geld, welcher es ermöglicht sich Zeit zur Professionalisierung zu nehmen. Außerdem muss es zu einer Rollendifferenzierung und Rollenspezialisierung innerhalb der Sportart kommen, „to archieve a high level of performance [...]“ (Snyder 1989, S. 69 f.). Durch die gestiegenen Leistungsanforderungen ist es notwendig, Spieler im Basketball auf speziellen Positionen auszubilden und dafür zu spezialisieren (vgl. Guttmann 1979, S. 45-48).

2.4 Rationalisierung

Unter der Rationalisierung ist die Standardisierung bestimmter Normen im Sport, wie Gewicht von Spielgeräten, Maße für Spielfelder, Normen für TV-Übertragungen oder ähnliches zu verstehen. Diese Regel des modernen Sports ist eine der wichtigsten, da so ein gesamtes Format geschaffen wird, welches für alle gleich ist. Durch diese Standardisierung entsteht eine Weiterentwicklung des Sports. Regeln, Zeiten und Abläufe können geändert werden, um das Spiel den Bedürfnissen der Zuschauer anzupassen. So geht der Trend hin zu immer schnelleren, rasanteren und dynamischeren Sportarten (vgl. Guttmann 1979, S. 48-53).

2.5 Bürokratisierung

Die Bürokratisierung bezieht sich auf die Sportverbände, welche Mitte des 19. Jahrhunderts mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattet wurden die es ermöglichten, einen einheitlichen Spielbetrieb in Sportliegen zu organisieren. „Bureaucratization promotes universalism, standardization of rules and regulations, and efficiency“ (Snyder 1989, S. 70). Die Bürokratisierung steht nach Snyder in starkem Zusammenhang zur Rationalisierung, da zur Durchführung von Spielbetrieben bestimmte standardisierte Regelwerke, Strukturen und Formen geschaffen werden mussten (vgl. Guttmann 1979, S. 53-55).

2.6 Quantifizierung

Die Quantifizierung soll die Messbarkeit im Sport beschreiben, welche heute allgegenwärtig ist. Ist es die Zeit eines 100 Meter Läufers, die Zahl der Ballkontakte im Fußball oder die Trefferquote beim Basketball, überall finden wir Zahlen und Statistiken. Diese Werte und Statistiken machen Leistungen nicht nur messbar, sondern auch vergleichbar (vgl. Guttmann 1979, S. 55-58). „ Die Leistungen in den Mannschaftssportarten, insbesondere in den USA, werden mit Myriaden von Statistiken dokumentiert, die im Alltagsgespräch wie im Sportjournalismus in geradezu inflationärer Selbstverständlichkeit Verwendung finden“ (Schabelon 2009, S. 40).

2.7 Rekorde

Erst die Quantifizierung macht es möglich, immer bessere, schnellere, höhere und weitere Leistungen zu erbringen. Diese Rekorde werden durch ihre Dokumentation unabhängig von Raum und Zeit und sind so immer vergleichbar. Guttmann beschreibt dies als eine Rekordbesessenheit der Massenmedien in Amerika (vgl. Guttmann 1979, S. 58-61).

3. Medien und Sport

3.1 Grundlegende Modelle der Massenkommunikation

„Maletzke (1963) versteht unter Massenkommunikation in seiner weithin akzeptierten Definition die öffentliche, indirekte, einseitige, technische Verbreitung professionalisierter, strukturell und funktional ausdifferenzierter und periodisch veranstalteter Kommunikationsformen an ein disperses Publikum“ (vgl. Strauß 2002, S. 23 in Strauß, Kolb, Lames 2002).

3.1.1 Stimulus-Response-Modell

In den 1920er und 1930er Jahren dominieren einseitige, lineare Kommunikationsmodelle, wie das Stimulus-Response-Modell (1920). Es handelt sich dabei um ein einfaches Transportmodell, welches statt tatsächlicher Kommunikation lediglich die Signalübertragung vom Sender zum Empfänger zeigt. Eine Information wird intentional vom Sender S abgegeben und vom Empfänger E aufgenommen. Es besteht also eine Unidirektionalität und die Kommunikation findet nur einseitig statt. Man ging daher zu diesem Zeitpunkt von einer starken Medienwirkung aus, welche den Rezipienten direkt und ohne Umwege beeinflusst (vgl. Burkart 2002, S. 20-39)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: vgl. Burkart 2002; Modell nach Hepp 2006

3.1.2 Lasswell-Formel

„Who says what in which channel to whom with what effect”

Dieser Satz von Harold Lasswell (1927) ist einer der frühesten Versuche Massenkommunikation in ihrer Gesamtheit zu fassen. Grundlegend hierbei ist die Annahme, dass verschiedene Ebenen untersucht werden müssen. Lasswell teilt diese Ebenen wie folgt ein:

- who - Kommunikatorforschung
- what - Aussage-/ Inhaltsforschung
- wich channel - Medienforschung
- whom - Rezipientenforschung
- what effect - Wirkungsforschung

Die Lasswell-Formel entwickelt das Stimulus-Response-Modell weiter. Lasswell geht zwar immer noch von einem linearen, unidirektionalen Informationsfluss vom Sender zum Empfänger aus, allerdings erkennt er die Wichtigkeit der einzelnen Bestandteile der Informationsvermittlung (Lasswell 1961, S. 117).

3.1.3 Two-Step-Flow-Modell

In den 1940er Jahren findet eine Weiterentwicklung des einfachen Stimulus-Response-Modell statt. Katz und Lazarsfeld entwickeln nach einer Untersuchung zum Wahlkampf 1940 in Amerika das Two-Step-Flow-Modell. Sie gehen davon aus, dass sich Rezipienten nicht direkt von den Medien beeinflussen lassen, sondern sich um „kompetente“ Individuen, so genannte Meinungsführer (Opinion Leader) gruppieren, welche deren Meinung direkt beeinflussen. Katz und Lazarsfeld wenden sich gegen das Stimulus-Response Modell und gehen erstmals davon aus, das die Rezipienten aktiv mit den Medien umgehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: McQuail, Denis/ Windahl, Sven 1996: Communication Models for the Study of Mass Communications. 2. ed., 4. impr. London [u.a.]: Longman.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Sport und Medien - Hat das Fernsehen als Massenmedium den Basketballsport in der NBA beeinflusst?
Hochschule
Universität Bremen  (Sport- und Bewegungskultur)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V164763
ISBN (eBook)
9783640800957
ISBN (Buch)
9783640801169
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Medien, Fernsehen, Massenmedium, Basketballsport
Arbeit zitieren
Benjamin Müller (Autor), 2010, Sport und Medien - Hat das Fernsehen als Massenmedium den Basketballsport in der NBA beeinflusst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164763

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