Warum sieht Steven Lukes seine "Three-dimensional View of Power" gegenüber anderen Konzepten von Macht als überlegen an?


Seminararbeit, 2010
13 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was kann eine Definition leisten?

3. Unterschiedliche Definitionen von Macht
3.1 Robert Dahl's „The Concept of Power“
3.2 Peter Bachrach und Morton S. Baratz: „Two Faces of Power“
3.3 Steven Lukes' „Three-dimensional View of Power“

4. Kritik an Lukes' Theorie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zum Phänomen „Macht“ gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen; was Macht eigentlich ist, wie jemand Macht bekommt, über seine Mitmenschen ausübt und sich an der Macht hält. Um das zu verstehen, sind verschiedene Theorien entwickelt worden. Im Folgenden wird zuerst geklärt, was eine Definition überhaupt leisten kann. Dann werden drei der bekanntesten Theorien von Macht vorgestellt: „Concept of Power“ nach Robert Dahl, „Two Faces of Power“ von Peter Bachrach und Morton S. Baratz und Steven Lukes' „Three-dimensional View of Power“. Lukes reagiert mit seiner Theorie auf die erst genannten Konzepte und versucht zu erklären, was seine Vorgänger außer Acht gelassen haben, und eine Lösung für das vernachlässigte Problem zu entwickeln. Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ihm das gelingt und warum Lukes seine Arbeit als den anderen überlegen ansieht.

Abschließend wird versucht, aufzuzeigen, worin die Stärken von Lukes' Theorie liegen und welche Aspekte auch von ihm ungeklärt bleiben.

2. Was kann eine Definition leisten?

Um den Begriff „Definition“ zu erläutern, muss erst geklärt werden, was mit den Elementen einer Definition, nämlich „Wort“, „Begriff“ und „Bedeutungsinhalt“ gemeint ist. Prim und Tilmann erläutern dies folgendermaßen: Ein Wort ist eine Kette von Buchstaben, die bestimmte Laute repräsentieren. Diese bloße Aneinanderreihung verschiedener Laute hat noch keinen Sinn. Wenn man aber z.B. die Kombination b-u-n-d-e-s-p-r-ä-s-i-d-e-n-t betrachtet, erscheint sie nicht willkürlich, sondern man hat sofort ein Bild vor Augen. Das liegt daran, dass man dieses Wort mit einem Vorstellungsinhalt („Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland“) verbunden hat. Der Vorstellungsinhalt „bezieht sich auf Merkmale, Merkmalskombinationen und Beziehungen zwischen Merkmalen“ (Prim/Tillmann 1989: 33). Ein Begriff ist demnach eine Bedeutung oder ein Vorstellungsinhalt, den ein bestimmtes Wort repräsentiert. Diese Bedeutung erhält ein Wort durch eine Definition.

„Definition“ bedeutet, dass ein Vorstellungsinhalt von einem Wort (Definiens = womit definiert wird) auf ein anderes, zu definierendes Wort (=Definiendum) übertragen wird. Eine Definition ist somit auch eine Substitution für eine lange Kette von Worten, die ein anderes Wort beschreibt.

Wenn die Bedeutung des Definiens nicht bekannt ist, muss auch dieses Wort definiert werden. Das man nennt man dann einen „definitorischen Regress“. Es gibt mehrere Typen von Definitionen. Eine lexikalische Definition beschreibt, welche Bedeutung ein Wort oder mehrere Wörter haben.

Bei einer Nominaldefinition legt ein Autor fest, welche Bedeutung ein von ihm in einem Text verwendeter Begriff hat, z.B. wenn ein Begriff in Alltags- und Fachsprache jeweils unterschiedliche Bedeutungen hat.

Realdefinitionen zielen auf das Wesen von Dingen, auf das was sie ausmacht. Es ist umstritten, ob es überhaupt möglich ist, eine Realdefinition zu liefern, und sie spielt demnach auch eher eine Rolle in der Philosophie als in den Sozialwissenschaften.

Analytische Definitionen werden vom Autor festgelegt. Er definiert damit, was er meint, wenn er ein Wort gebraucht, z.B. wenn er ein Wort in einem anderen als dem üblichen Sinn verwendet.

Mögliche Kriterien, nach denen man die Gültigkeit einer Definition beurteilt, sind Zweckmäßigkeit und ob das Wesen einer Definition voll erfasst wurde. Letzteres ist - wenn überhaupt möglich – nur sehr schwer durchführbar. Wichtiger ist die Zweckmäßigkeit: Beschreibt die Definition den besagten Begriff so, dass der Adressat versteht, was der Erklärende meint? Wenn ja, dann ist eine Definition zweckmäßig.

Eine Definition wird benötigt, wenn man ohne sie in vielen Worten erklären müsste, was man meint, wenn Missverständnisse entstehen, weil jeder von einem bestimmten Begriff andere Vorstellungen hat. Definitionen helfen auch den Bedeutungsinhalt (= Bedeutungsintension) zu klären, also bei Mehrdeutigkeit. Das gilt auch, wenn mit einem Begriff viele Bedeutungen verknüpft sind, d.h. der Bedeutungsumfang (= Bedeutungsextension) groß ist

(vgl. Prim/Tillmann 1985).

3. Unterschiedliche Definitionen von Macht

Eine große Herausforderung beim Definieren besteht darin, ein sehr komplexes Phänomen zu beschreiben wie z.B. „Macht“. Im Folgenden werden drei berühmte Definitionen von Macht vorgestellt und verglichen.

3.1 Robert Dahl's „The Concept of Power“

Dahl liefert zu Beginn seiner Ausführungen in „The Concept of Power“ (Dahl 1957) eine analytische Definiton, wie er den Begriff „Macht“ verwendet: als Synonym der Begriffe „Einfluss“, „Kontrolle“, „Herrschaft“. Er definiert Macht als „Beziehung zwischen Menschen“ (Dahl 1957: 202). Dies drückt er in folgender Formel aus:

A has power over B to the extent that he can get B to do something that B would not otherwise do“ (Dahl 1957: 202).

A und B sind Akteure; diese können einzelne Personen, Gruppen, Staaten o. ä. Sein. Es wird im Folgenden untersucht, wie Dahl Macht spezifiziert, welche Eigenschaften und Bedingungen er für Macht formuliert und wie er die Macht, die zwei Akteure haben, vergleichbar machen will.

Macht basiert auf verschiedenen Faktoren. Dazu gehören vor allem vier: die Quelle oder Basis der Macht (base), die Mittel (means), um Macht durchzusetzen, die Menge an Macht (amount) und der Wirkungsbereich oder die Bandbreite (scope).

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der Bundeskanzler hat (in gewissem Rahmen) Macht über seine Regierungsmehrheit im Bundestag und sein Kabinett. Die Basis seiner Macht besteht aus allen möglichen persönlichen Eigenschaften, Rechten, die er per Verfassung hat, und Gelegenheiten, seine Macht auszuüben. Z.B. weist ihm das Gesetz die Richtlinienkompetenz und das Recht zu, seine Minister zu ernennen und dem Bundespräsidenten zur Entlassung vorzuschlagen. Zur Basis zählen aber auch sein Ansehen bei den Wählern, sein Charisma, sein Einfluss innerhalb der Partei u.ä.

Die Mittel zur Machtdurchsetzung umfassen vor allem Drohungen (beispielsweise einen widerspenstigen Minister zu entlassen) und Versprechen (sich für ein Thema einzusetzen), mit denen er die Wähler durch überzeugende Auftritte in Interviews oder im Fernsehen auf seine Seite zu ziehen versucht.

Die Menge an Macht soll folgendermaßen gemessen werden: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gesetz, wenn sich der Kanzler dafür einsetzt, von seiner Koalition angenommen wird, sei bei 8 von 10. Das ist allerdings nicht zwangsläufig eindeutig. Es stellt sich die Frage, ab wann ein Kanzler Macht hat. Ab einer Wahrscheinlichkeit von 5 von 10? Ab 7 von 10? Dahl gibt zu, dass man die Menge an Macht besser einschätzen kann in Verbindung mit den Mitteln und dem Wirkungsbereich, d.h. welche und wie viele Mittel eingesetzt werden müssen, um ein Ziel zu erreichen. Der Wirkungsbereich umfasst dabei die Reaktionen derjenigen, über die ein Akteur Macht hat.

[...]

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Details

Titel
Warum sieht Steven Lukes seine "Three-dimensional View of Power" gegenüber anderen Konzepten von Macht als überlegen an?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V164861
ISBN (eBook)
9783640804498
ISBN (Buch)
9783640804764
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, steven, lukes, three-dimensional, view, power, konzepten, macht
Arbeit zitieren
Nicolette Deister (Autor), 2010, Warum sieht Steven Lukes seine "Three-dimensional View of Power" gegenüber anderen Konzepten von Macht als überlegen an?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164861

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