Zum Phänomen „Macht“ gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen; was Macht eigentlich ist, wie jemand Macht bekommt, über seine Mitmenschen ausübt und sich an der Macht hält. Um das zu verstehen, sind verschiedene Theorien entwickelt worden. Im Folgenden wird zuerst geklärt, was eine Definition überhaupt leisten kann. Dann werden drei der bekanntesten Theorien von Macht vorgestellt: „Concept of Power“ nach Robert Dahl, „Two Faces of Power“ von Peter Bachrach und Morton S. Baratz und Steven Lukes' „Three-dimensional View of Power“. Lukes reagiert mit seiner Theorie auf die erst genannten Konzepte und versucht zu erklären, was seine Vorgänger außer Acht gelassen haben, und eine Lösung für das vernachlässigte Problem zu entwickeln. Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ihm das gelingt und warum Lukes seine Arbeit als den anderen überlegen ansieht.
Abschließend wird versucht, aufzuzeigen, worin die Stärken von Lukes' Theorie liegen und welche Aspekte auch von ihm ungeklärt bleiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was kann eine Definition leisten?
3. Unterschiedliche Definitionen von Macht
3.1 Robert Dahl's „The Concept of Power“
3.2 Peter Bachrach und Morton S. Baratz: „Two Faces of Power“
3.3 Steven Lukes' „Three-dimensional View of Power“
4. Kritik an Lukes' Theorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Machtbegriffs und analysiert insbesondere, weshalb Steven Lukes sein Konzept der „Three-dimensional View of Power“ als überlegen gegenüber den klassischen Ansätzen von Robert Dahl sowie Peter Bachrach und Morton S. Baratz betrachtet.
- Analyse der Leistungsfähigkeit von Definitionen in den Sozialwissenschaften
- Gegenüberstellung des „One-dimensional View“ von Robert Dahl
- Erläuterung des „Two Faces of Power“-Konzepts von Bachrach und Baratz
- Darstellung der „Three-dimensional View of Power“ nach Steven Lukes
- Kritische Würdigung der Problematik „reale Interessen“ und „falsches Bewusstsein“
Auszug aus dem Buch
3.3 Steven Lukes' „Three-dimensional View of Power“
Lukes stimmt Dahls Theorie bis zu einem bestimmten Punkt zu, kritisiert aber u.a. seine unpräzise Definition von Macht. Dahl stellt in seinem Werk „Who Governs?“ zwar fest, dass es „a necessary though possibly not sufficient condition“ ist, „that the key issue should involve actual disagreement in preferences among two or more groups“ (Dahl 1961: 467). Dennoch bezieht er diese Bedingung nicht in seine Definition ein.
Lukes stimmt daher mit Bachrach und Baratz überein in ihrer Kritik an Dahl. Lukes bezeichnet als wichtigen Punkt ihres Konzepts, dass sie diese „crucially important idea of the 'mobilization of bias'“ (Lukes 2005: 20) in die Machtdiskussion einbringen. Sie erachten zwar auch die Interessen von jenen Gruppen, die vom politischen System ausgeschlossen sind oder es gar nicht auf die Agenda geschafft haben, als untersuchungsrelevant. Dennoch sieht Lukes die Theorie von Bachrach und Baratz als unzulänglich an. Hierfür führt er vor allem drei Gründe an: Auch deren Konzept ist noch zu sehr auf offenes, beobachtbares Verhalten und konkrete Entscheidungen fokussiert. Damit zeigen sie nur ein Mittel, mit dem unliebsame Entscheidungen von der Agenda ferngehalten werden. Des Weiteren verbinden auch sie Macht mit einem beobachtbaren Konflikt, dabei schließt das zwei Spielarten von Macht aus: Manipulation und Autorität. Hier kann ein Akteur beeinflusst werden, ohne dass ein offener oder verdeckter Konflikt überhaupt entsteht. Nach Lukes übt A nicht nur dann Macht aus, wenn er B dazu zwingt, etwas zu tun, was B nicht will, sondern auch, wenn A kontrolliert und manipuliert, was B will. Das kann durch Propaganda geschehen oder durch eine kontrollierte Sozialisation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen Macht sowie Vorstellung der Zielsetzung und der zu untersuchenden Theorien von Dahl, Bachrach/Baratz und Lukes.
2. Was kann eine Definition leisten?: Erläuterung der terminologischen Grundlagen (Wort, Begriff, Bedeutungsinhalt) und der verschiedenen Typen sowie Kriterien wissenschaftlicher Definitionen.
3. Unterschiedliche Definitionen von Macht: Darstellung und Vergleich der drei einflussreichen Machtkonzepte, ihrer methodischen Ansätze und ihrer spezifischen Machtverständnisse.
4. Kritik an Lukes' Theorie: Diskussion wissenschaftlicher Einwände gegen Lukes' Modell, insbesondere hinsichtlich der Messbarkeit „realer Interessen“ und der empirischen Nachweisbarkeit.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Argumentationslinie, warum Lukes' Ansatz trotz offener methodischer Fragen eine plausible Erweiterung der Machtdebatte darstellt.
Schlüsselwörter
Macht, Politische Theorie, Steven Lukes, Robert Dahl, Bachrach und Baratz, Three-dimensional View of Power, One-dimensional View, Two Faces of Power, Interessen, Manipulation, Herrschaft, Entscheidungsprozess, Agenda-Setting, Machtausübung, Politisches System
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die theoretische Entwicklung des Machtbegriffs in der Politikwissenschaft, fokussiert auf den Vergleich dreier bedeutender Machtmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind Machttheorien, die Rolle von Interessenkonflikten in politischen Systemen sowie die methodische Schwierigkeit, Macht verdeckt zu erfassen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Textes?
Die Arbeit untersucht, warum Steven Lukes sein Konzept der „Three-dimensional View of Power“ als überlegen gegenüber den Vorgängermodellen von Dahl sowie Bachrach und Baratz bewertet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die eine Literaturrecherche und einen systematischen Vergleich der zentralen Machttheorien durchführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Klärung des Begriffs „Definition“, die detaillierte Darstellung der drei Machtmodelle und eine kritische Auseinandersetzung mit Lukes' Konzept durch wissenschaftliche Gegenthesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Macht, Interessen, Manipulation, Agenda-Setting, Entscheidungsprozess und politische Herrschaft.
Inwiefern unterscheidet sich Lukes' Ansatz von dem von Dahl?
Während Dahl Macht primär als sichtbare Entscheidung über offene Interessenkonflikte definiert, betrachtet Lukes auch die Macht zur Manipulation von Wünschen und zur Unterdrückung von Interessen vor dem Entstehen eines Konflikts.
Was versteht man in diesem Kontext unter einem „falschen Bewusstsein“?
Es bezeichnet die durch Machtinstrumente wie Propaganda oder Sozialisation beeinflusste Wahrnehmung des Akteurs, die dazu führt, dass dieser seine Interessen nicht mehr objektiv erkennt, sondern durch den Machthaber geformte Interessen übernimmt.
- Citar trabajo
- Nicolette Deister (Autor), 2010, Warum sieht Steven Lukes seine "Three-dimensional View of Power" gegenüber anderen Konzepten von Macht als überlegen an?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164861