Die sowjetische Intervention in Afghanistan ist ein kleiner Aspekt der umfangreichen Geschehnisse in der Geschichte der US- Außen- und Sicherheitspolitik. Sie wurde in der historischen Forschung weitgehend untersucht und beleuchtet. Wegen ihrer zahlreichen Aspekte und dem Zusammenfließen dreier unterschiedlicher Kulturen finde ich dieses Thema äußerst spannend. Aus diesem Grund wird der sowjetische Einmarsch in Afghanistan unter besonderer Berücksichtigung der als „Carter-Doktrin“ bekannt gewordenen Rede des Präsidenten, vom 23. Januar 1980, Gegenstand dieser Hausarbeit sein. In dieser Rede wird die Reaktion der amerikanischen Regierung auf die Invasion sehr deutlich.
Die Bearbeitung dieser Thematik geschieht unter der Frage, inwiefern sich die Außenpolitik Jimmy Carters nach den Ereignissen des Dezembers 1979 wandelte.
Hierbei wird die These des Autors Christian Hacke „[d]er Zusammenbruch der amerikanischen Rolle im Iran, [...] die Invasion in Afghanistan und die sowjetische Rüstung führten in der Regierung Carter zu einer Kehrtwendung um hundertachtzig Grad.“ beleuchtet und der vorliegenden Arbeit vorrangig zugrunde gelegt.
Die Arbeit ist untergliedert in die Einleitung, den Hauptteil und einen Schlussteil. Der Hauptteil umfasst die Bearbeitung der aufgestellten Frage und die Untersuchung der These innerhalb der Analyse des gesamten verwendeten Textausschnitts der Rede Jimmy Carters. Die Textanalyse erfolgt in chronologischer Abfolge und ist in Kapitel untergliedert, die sich mit der Darstellung der Lage Amerikas aus der Sicht Jimmy Carters, dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis und den außenpolitischen Wegen und Erfolgen der Großmacht beschäftigen. Das 2. Kapitel enthält unterdessen einen kurzen Abriss der Geschichte Afghanistans seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Untergliederung in verschiedene thematische Kapitel geschieht, da die Quelle ebenfalls einen Aufbau nach thematischen Unterpunkten aufweist. Im Schlussteil werden die erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst und Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage gegeben.
Neben der untersuchten Quelle wurde vorrangig Sekundärliteratur der Autoren Christian Hacke, Stephan Bierling, Wichard Woyke (Hg.), Assad Omar und Helmut Altrichter verwendet, die sich mit der amerikanischen Sichtweise der Ereignisse oder der Thematik im Allgemeinen auseinandersetzen. Diese und andere werden im Literaturverzeichnis aufgeführt. Die untersuchte Quelle befindet sich im Anhang dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Einführung in die Quelle und Darstellung der gegenwärtigen Situation aus der Sichtweise Carters
III. Die Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehung und die amerikanische Reaktion auf den sowjetischen Afghanistan-Einmarsch
IV. Darstellung außenpolitischer Wege und Erfolge
V. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die außenpolitische Reaktion von US-Präsident Jimmy Carter auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan im Dezember 1979 unter besonderer Berücksichtigung der sogenannten „Carter-Doktrin“ und analysiert den Wandel in der US-Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion.
- Die Auswirkungen der sowjetischen Invasion auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.
- Die strategische Bedeutung der Region um den Persischen Golf und die „Carter-Doktrin“.
- Der Übergang von einer idealistischen Menschenrechtspolitik hin zu einer „Politik der Stärke“.
- Die Analyse der Rede von Jimmy Carter vor dem Kongress am 21. Januar 1980.
- Die veränderte sicherheitspolitische Einschätzung der USA gegenüber dem Ostblock.
Auszug aus dem Buch
D 62: Carters Antwort auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan
Die achtziger Jahre wurden im Umsturz und Wandel geboren. Wir leben in einer Zeit der Herausforderung unserer Interessen und Werte – einer Zeit, die unsere Klugheit und unseren Willen auf die Probe stellt. In diesem Augenblick werden in Iran noch immer 50 Amerikaner, unschuldige Opfer des Terrorismus und der Anarchie, gefangengehalten. In diesem Augenblick versuchen massive sowjetische Invasionstreitkräfte, das stolze, unabhängige und tiefreligiöse Volk von Afghanistan zu unterjochen. Diese beiden Akte – ein Akt des internationalen Terrorismus und ein Akt der militärischen Aggression – stellen eine ernste Herausforderung für die Vereinigten Staaten und die anderen Länder der Welt dar. Gemeinsam werden wir diese Bedrohungen des Friedens meistern.
Ich bin entschlossen, daß die Vereinigten Staaten die stärkste aller Nationen bleiben, aber unsere Macht wird niemals benutzt werden, um von uns aus die Sicherheit irgendeines Landes oder die Rechte irgendeines Menschen zu bedrohen. Wir wollen sicher sein und sicher bleiben – eine Nation in Frieden in einer stabilen Welt. Aber um sicher zu sein, müssen wir uns der Welt stellen, so wie sie ist.
Drei grundlegende Entwicklungen haben mitgewirkt, um diese Herausforderungen an uns Gestalt annehmen zu lassen:
– das stetige Anwachsen sowjetischer Militärmacht und ihre zunehmende Projektion über die eigenen Grenzen hinweg;
– die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen Industriestaaten von der Ölversorgung aus dem Mittleren Osten; und
– der Druck sozialen, religiösen, wirtschaftlichen und politischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, beispielhaft demonstriert durch die Revolution in Iran.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem außenpolitischen Wandel Jimmy Carters nach den Ereignissen von 1979 und erläutert die methodische Herangehensweise anhand der Quellenanalyse.
II. Einführung in die Quelle und Darstellung der gegenwärtigen Situation aus der Sichtweise Carters: Hier wird der historische Kontext der Rede von Jimmy Carter im Januar 1980 beleuchtet, insbesondere vor dem Hintergrund der Geiselnahme im Iran und der sowjetischen Invasion in Afghanistan.
III. Die Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehung und die amerikanische Reaktion auf den sowjetischen Afghanistan-Einmarsch: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR seit den 1940er Jahren nach und analysiert die harte Reaktion Carters auf den sowjetischen Einmarsch.
IV. Darstellung außenpolitischer Wege und Erfolge: In diesem Abschnitt werden die konkreten Maßnahmen und die „Politik der Stärke“ dargelegt, mit denen die USA ihre sicherheitspolitischen Interessen und den Weltfrieden wahren wollten.
V. Schlussteil: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt den signifikanten Wandel in der Politik des US-Präsidenten vom Idealismus hin zum Realismus der Machtpolitik.
Schlüsselwörter
Jimmy Carter, Sowjetunion, Afghanistan, Carter-Doktrin, Außenpolitik, Kalter Krieg, Menschenrechte, Sicherheitspolitik, Krisenherd Iran, Militärintervention, Ost-West-Konflikt, Geiselnahme von Teheran, Strategische Interessen, Nahostpolitik, Weltfrieden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die US-amerikanische Außenpolitik unter Präsident Jimmy Carter am Ende der 1970er Jahre, wobei der Fokus auf seiner Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan liegt.
Welches ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwiefern sich die Außenpolitik Jimmy Carters nach den Ereignissen des Dezembers 1979 wandelte und ob man von einer „Umkehr um hundertachtzig Grad“ sprechen kann.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die strategische Relevanz des Nahen Ostens, die Rolle der Menschenrechtspolitik und der Übergang zur sogenannten Politik der Stärke.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch eine chronologische Textanalyse der „State of the Union Address“ von Jimmy Carter aus dem Jahr 1980 sowie die Auswertung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Ausgangslage, die chronologische Aufarbeitung der US-sowjetischen Beziehungen und die detaillierte Analyse der außenpolitischen Maßnahmen Carters.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Carter-Doktrin, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan, der Machtwandel im Kalten Krieg und die sicherheitspolitische Neuausrichtung der USA.
Welche Rolle spielt die sogenannte „Carter-Doktrin“ in der Arbeit?
Die Arbeit identifiziert die Doktrin als zentrales Element von Carters neuem Kurs, in dem jeder Versuch einer auswärtigen Macht, die Kontrolle über den Persischen Golf zu erlangen, als Angriff auf die vitalen Interessen der USA definiert wurde.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen Idealismus und Realpolitik in Carters Regierungszeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Carter seine ursprüngliche idealistische Menschenrechtspolitik nach der Invasion in Afghanistan zugunsten einer sicherheitsorientierten Realpolitik in den Hintergrund stellte.
- Citation du texte
- Anna Wengel (Auteur), 2010, Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan unter besonderer Berücksichtigung der "Carter-Doktrin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164897