Chronobiologische Zeit-Messung

Der zirkadiane Rhythmus im 24-Stunden-Takt


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum ‚Zeit’-Begriff

3. Methode

4. Versuchspersonen

5. Ergebnisse und Interpretation
5.1 Körpertemperatur
5.2 Blutdruck
5.3 Körpergröße
5.4 pH-Wert

6. Literatur

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch lebt in einer Welt, die von unterschiedlichen Rhythmen geprägt ist. Seien diese langwellig, wie etwa der Jahresrhythmus, welcher durch den Umlauf der Erde um die Sonne zustande kommt, oder mittelwellig, wie der durch die Erdumdrehung hervorgebrachte Rhythmus von Tag und Nacht. Aber auch kurzwellige Rhythmen im Stunden- und Minutentakt bis hin zu tausendstel Sekunden – sie alle haben einen mehr oder weniger starken Einfluss auf verschiedene Funktionsabläufe im menschlichen Körper. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Rhythmen, die durch Messungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten am menschlichen Körper sichtbar werden. Ich beginne mit einem kurzen theoretischen Überblick über den Zeitbegriff, der vor allem im modernen Leben der Menschen eine übergeordnete Rolle zu spielen scheint. Darauf folgend zeige ich an Hand von Messungen an vier Personen, wie sich die Körpertemperatur, der Blutdruck und die Körpergröße je nach Tages- bzw. Nachtzeit verändern.

2. Zum ‚Zeit’-Begriff

Soll der Begriff der Zeit definiert werden, so ist der früheste erhalte Definition bei Zenon zu finden. „Demnach ist die Zeit ’die Spanne (διάστημα) einer [jeden beliebigen] Bewegung’ und damit zugleich ‚das Maß und das Beurteilungskriterium für Schnelligkeit und Langsamkeit’“. (Wildberger 2006, S. 104) Zenon beschreibt Zeit als eine messbare Spanne, für Aristoteles hat sie einen anderen Charakter als bloß die „Differenz zwischen früheren und späteren Jetzten“ (Nassehi 2000, S. 25) und muss daher als Einheit der Differenz wahrgenommen und erlebt werden. Newton spricht von Zeit und ihrer Dauer als entweder genaues oder ungenaues Maß, dessen man sich einfach bedient. Für Kant (1977, S. 80) hingegen ist die Zeit gar nicht existent. Er schreibt: „Die Zeit ist nichts anders, als die Form des innern Sinnes, d. i. des Anschauens unserer selbst und unsers innern Zustandes.“

Der Soziologe Norbert Elias (2004, S. 22f.) führt zum Zeitbegriff an, dass dieser meist mit der Uhr in Verbindung gebracht wird. Und tatsächlich ist es die Symbolik des Ziffernblattes, die von den Menschen als Zeit verstanden wird:

„Die Einzigartigkeit der Zeit beruht darauf, daß hier Symbole – auf dem heutigen Stand vorwiegend Zahlensymbole – zur Orientierung in dem unablässigen Geschehensfluss, in dem Nacheinander des Geschehens gebraucht werden, und zwar nun des Geschehens auf allen Integrationsstufen, der physikalischen, der biologischen, der sozialen und der individuellen.“ (Elias 2004, S. 25)

Für Elias (2004, S. 9) ist Zeit mehr als der von Newton angenommene „objektiver Fluß“, und auch mehr als die von Einstein formulierte „Beziehungsform“. Zeit ist nach Elias’ Ansicht eine mit symbolischer Macht versehene Größe. Ein bekanntes Zeichen dafür ist beispielsweise das stündliche Schlagen der Kirchturmuhr. Auch wenn dies als nicht besonders schwerwiegend gehalten wird, der Glockenschlag lässt nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zeit ein allgegenwärtiger und gewichtiger Teil unseres Lebens geworden ist. Geißler (1999, S. 143) beschreibt dieser Erkenntnis aus heutiger Sicht mit folgenden Worten:

„Jahrtausendelang hat uns die untergehende Sonne der Menschheit den Weg in die Betten gewiesen, und die aufgehende Sonne hat sie dazu motiviert, diese wieder zu verlassen. Im letzten halben Jahrhundert hat, zumindest was den Beginn der Nachtruhe betrifft, der Sendeschluss des Fernsehens die Funktion übernommen.“

Die Menschen begannen also, die von der Natur vorgegebenen zeitlichen Rhythmen neu zu nutzen. Und dies nicht ohne Konsequenzen. Der biologische, mit der Natur in Einklang stehende Körperrhythmus, begann sich zu verändern. Das heutige Ergebnis, so Heintel (2008), ist das Ignorieren der Eigenzeit, welches sich auf die Gesundheit negativ auswirken kann. Die Folgen sind mitunter Stress oder Burnout, aber auch psychosomatische und chronische Krankheiten.[1] Das Ergebnis für den Menschen besteht somit nicht in einem Fortschritt, sondern eher in einem Rückfall mit diktatorischem Charakter. So wird etwa die Zeitumstellung von Normal- auf Sommerzeit einfach wie eine Käseglocke über die Bevölkerung gestülpt. Dem Großteil der Menschen bleibt wohl oder übel keine Wahl, sich diesem Diktat zu fügen. Dies gilt auch für Personen, die beispielsweise im Schichtbetrieb arbeiten. Andere wiederum setzten sich freiwillig körperfremden Rhythmen aus und ‚schlagen sich die Nächte um die Ohren’. „Entrhythmisierung“ so Geißler (1997, S. 127), „ist kein Fortschrittserfolg, da dieser nicht zu mehr, sondern im Effekt zu weniger Freiheiten führt, weil hierdurch die Bedingungen der Freiheit mißachtet werden.“

Doch nicht nur die Zeit hat Einfluss auf die mehr als 150 biologischen, an den Tag- und Nachtwechsel gekoppelten Körperrhythmen. Bereits 1952 entdeckte Winfried Otto Schumann, Elektrophysiker an der Technischen Universität München, dass bestimmte Frequenzen des Erdmagnetfeldes großen Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit des Menschen besitzen. Eine nach ihm benannte und als Schumann-Resonanz bekannte Schwingungszahl hat die Grundfrequenz von 7,8 Hertz und stimmt mit den Gehirnwellen des Menschen überein. Sie beeinflusst am stärksten den Alpha-Rhythmus (8-13 Hertz), der in den Entspannungs- und Traumphasen vorherrscht. Schwankungen der Schumann-Wellen können von gesundheitlichen Problemen bis hin zu lebensbedrohlichen Notfällen führen. In eine groß angelegte Versuchsreihe am Max Plack-Institut für Verhaltenspsychologie wurde bereits 1976 die Wirkung von Schumann-Wellen auf den Menschen untersucht. Dazu wurden zwei Versuchspersonengruppen unter Ausschluss von Tageslicht[2] 30 Tage lang isoliert. Es gab elektrisches Licht, jedoch keine Uhren zur Orientierung. Beide Gruppen befanden sich in identischen Räumen. Ein Raum war allerdings mit Schichten von Metall umgeben, sodass jegliche elektromagnetische Außeneinflüsse ausgeschlossen werden konnten. Die Probanden wussten aber nicht, in welchen Raum sie sich befanden. Schon nach kurzer Zeit desynchronisierte sich das Zeitgefühl bei jenen Personen, die sich im abgeschirmten Raum aufhielten. „Das Zeitgefühl, der Tagesrhythmus, also die ‚circadiane Periodik’ leierte sich ohne Schumann-Resonanzen sozusagen aus wie ein altes Gummiband, wobei sich die subjektive Tagesdauer auf 30 bis 36 Stunden ausweitete. Bei der Gruppe im Nicht-Faradey-Raum blieb der Tag dagegen gleich lang.“ (Scheiner 2006, S. 64)

In einem weiteren Versuch wurden die Personen im abgeschirmten Raum einem 10 Hz-Feld ausgesetzt. Es zeigte sich, dass ihr Tag-Nacht-Rhythmus schon nach kurzer Zeit wieder synchronisierte (vgl. Scheiner 2006, S. 64). Das Ausbleiben der Schumann-Wellen führte also dazu, dass der Organismus nicht mehr so leicht in den Alpha-Rhythmus finden konnte. Was bedeutet dies nun für den menschlichen Körper? Um leistungsfähig zu sein, braucht der Mensch Phasen der Regeneration. Entspannung und Selbstheilung finden zudem im Alpha-Zustand statt. Fehlt dieser auf Grund längerer Aktivitätsphasen, führt dies zu einer übermäßigen Verausgabung der Körperkräfte. Erkrankungen können die Folge sein. Für die Erhaltung von Gesundheit ist daher eine Regelmäßigkeit im Tages- uns Nachtablauf notwendig. Lemmer (1993, S. 73) konstatiert:

„Biologische Rhythmen sind nichts anderes als körpereigene Rückkoppelungsmechanismen, wie wir sie vielfach in Physiologie, Medizin und Pharmakologie kennen, die eine schnellere Reaktionsfähigkeit, eine bessere Anpassung des Organismus und – wie die Chronobiologie zeigt – unter Umständen ein besseres Überleben bei wechselnden Bedingungen der Umwelt erlauben. Störungen dieser rhythmischen Homöostase können sich als Krankheiten äußern, umgekehrt können Krankheiten selbst Störungen in der Zeitstruktur hervorrufen.“

Dass ein solches Verhalten früher oder später zu Reaktionen auf psychischer und physischer Ebene führen kann, ist naheliegend. Zwar mangelt es noch an der Beweiskraft für eine Stressbedingtheit von spezifischen Krankheiten, die Bedeutung von Stress auf die Gesundheit des Menschen wird jedoch kaum mehr angezweifelt (vgl. Schwarzer 2004, S. 137). Gesundheitsbeeinträchtigende Konsequenzen auf Grund der Ignoranz von Körperrhythmen sind jedoch für das seelische und körperliche Gleichgewicht belegt (vgl. Geißler 1997, S. 133).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Zeit im Leben der Menschen eine große Rolle spielt. Der Zeitbegriff hat in den einzelnen Jahrhunderten unterschiedlich ausgesehen und wurde verschiedenartig definiert. Der Tag-Nacht-Rhythmus der Menschen synchronisierte sich am Lauf der Sonne. Durch den verbreiteten Einsatz von künstlichem Licht kommt dieser natürliche Rhythmus zunehmend aus der Balance. Die Folgen sind gesundheitliche Belastungen. Dennoch ist Zeit notwendig, um sich im Tages- (und Nacht) Ablauf orientieren zu können.

Wie mit festen Zeitpunkten gearbeitet werden kann, wird in den nächsten Kapiteln erörtert. Darin zeige ich an Hand zeitlich festgelegter Messpunkte, wie unterschiedlich sich der zircadiane Rhythmus im 24-Stunden-Verlauf bei vier Versuchspersonen darstellt. Auch wird zu sehen sein, dass sich eine Umstellung der Lebensgewohnheiten (im angeführten Beispiel allerdings nicht auf den Körperrhythmus bezogen) auf die funktionellen Abläufe im Körper auswirkt.

[...]


[1] Vgl. Kleine Zeitung vom 01.04.2008, S. 5.

[2] Tageslicht ist als sehr starker Zeitgeber anzusehen. Um bei elektrischem Licht denselben Effekt zu erzielen, muss die Intensität über 2000 Lux liegen (vgl. Zulley 1993, S. 56).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Chronobiologische Zeit-Messung
Untertitel
Der zirkadiane Rhythmus im 24-Stunden-Takt
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Veranstaltung
Chronobiologie - Chronomedizin
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V164968
ISBN (eBook)
9783640802197
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chronobiologie, Gesundheit, Zeit
Arbeit zitieren
MMag. Herbert Adrian Ortner (Autor), 2009, Chronobiologische Zeit-Messung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164968

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