Das Spiel mit Metaphern in Beratung und Therapie


Bachelorarbeit, 2010

64 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Cartoon I - anstelle eines Vorwortes

1 Einführung

2 Annäherung an das Phänomen Metapher - Grundaussagen und Theoretische Konzepte
2.1 Schlüsselbegriffe
2.2 Sprachspiel, Sprachressource und Sprachebene
2.3 Forschungsfelder: sprachliche Bilder - bildliche Sprache
2.4 Metaphernfreundliche und metaphernkritische Traditionen
2.5 Die Metapher „Metapher“
2.6 Symbole und Symbolbedeutungen
2.7 Überblick über Metapherntheorien
2.8 Literarische Beispiele für Metaphern und Geschichten in Beratung und Therapie

3 Metaphern als Medien in Therapie und Beratung - Verständnisweisen und Funktionen
3.1 Verschiedene therapeutische Konzepte und Ansätze
3.2 Wirkungsebenen und -mechanismen von Metaphern und Geschichten
3.3 Submodalitäten, Synästhesie und Veränderung
3.4 Funktionen der Metaphern - die bildhafte Sprache als Vehikel oder Spielmaterial für das Unbewusste?
3.5 Formen von Metaphern
3.6 Hilfe durch Metaphern
3.6.1 Ausdrucksmöglichkeit
3.6.2 Diagnosehilfe
3.6.3 Kommunikationshilfe
3.6.4 Arbeiten mit Ressourcen im therapeutischen Prozess
3.7 Metaphernanalyse
3.8 Humor und Kreativität - als Ausgangspunkt und als Ergebnis von Beratung und Therapie

4 Metapherntheoretisches in der Anwendung - Metaphorische Interventionen
4.1 Sprachlich-kreatives Beziehungsangebot in der Heilpädagogik
4.2 Methaphorisches Lernen in der Erlebnispädagogik
4.3 Kritische Auseinandersetzung mit Fremdmetaphern
4.3.1 Die fertige Metapher
4.3.2 Fragen und Aufgaben in der Arbeit mit individuellen Metaphern
4.3.3 Eigene oder konstruierte Metaphern
4.4 Präsentation der Metapher
4.5 Was spricht für, was gegen die Verwendung von Metaphern?

5 Schlussgedanken und Ausblick

Cartoon II

Literaturverzeichnis

Empfohlene Literatur

Glossar

1. Einführung

Metaphern sind ein schillerndes, faszinierendes und nicht zuletzt ein verführerisches Thema. Was ich hier präsentiere, ist als Versuch zu betrachten, Einblicke in das „Spiel mit Metaphern“ in Beratung und Therapie zu geben. Es ist notwendig, dieses Thema vor allem im Bereich der Metapherntheorien ein - und zu den verwandten Sprachwissenschaften deutlich ab zugrenzen, da es den Umfang dieser Arbeit sprengen würde. Ich werde hochgradig selektiv vorgehen und nur jene grundlegend wichtigen Aspekte erwähnen, die rund um die Metapher besonders erhellend, bereichernd oder stützend sind. Ziel ist, Grundlagen für den Einsatz von bildlicher Sprache und deren Wirkung zu beschreiben und die Aufmerksamkeit auf eine allgemeinere Ebene zu heben, indem ich frage, wo tauchen Metaphern in therapeutischen Bezügen auf, wie werden sie in Therapie und Beratung bereits angewendet und was sollten Berater und Therapeuten, die die Arbeit mit Metaphern in ihre Tätigkeit integrieren möchten, wissen? Das ist ein weites Feld. Deshalb werde ich allenfalls an der Oberfläche der Thematik kratzen können. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftige, desto deutlicher wird, wie viele gängige Konzepte und Theorien es zur Metaphorik gibt und wie umfangreich diese sind. Da gibt es zum einen eher kognitive oder neurowissenschaftliche Modelle und zum anderen ganzheitliche, philosophische und anthropologische Erklärungs- und Denkansätze. Ich stimme deshalb Cornelia Schödlbauer (1999, S. 57) voll und ganz zu, die meint: „Der Selbstbedienungsladen von Philosophie, Psychologie, Kunst und Dichtung steht weit offen. Ich plädiere für schamloses Plündern - nachdem man sich gründlich im Sortiment umgesehen hat, denn es könnte sonst sein, dass man am Ende das Beste stehen gelassen hat.“

Im ersten Kapitel werden die Grundaussagen von Konzepten und Metapherntheorien vorgestellt und der Bezug zur Therapie und Beratung vorbereitet. Dabei orientiere ich mich, neben einigen anderen, vor allem an den für mich relevanten Autoren Gordon und Lakoff/Johnson. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen verbunden mit der Frage, ob Impulse aus der Metaphernarbeit hilfreich für die Reflexion und Entwicklung praktischen Handelns sind und wie diese genutzt werden. Im dritten Teil werden Beispiele metaphorischer Interventionen vorgestellt und deren Parallelen und Unterschiede aufgezeigt.

2. Annäherung an das Phänomen Metapher - Grundaussagen und Theoretische Konzepte

2.1 Schlüsselbegriffe

Eine Reise in unbekannte Gebiete zwischen zwei Meeren (oder zwei Ohren). Die Belohnung für diese Reise liegt in der aufregenden Fülle sich bietender Risiken und der daraus gewonnenen neuen Perspektiven (Gordon, 1986, S. 15).

Die Metapher ist für die meisten Menschen ein Mittel der poetischen Imagination und der rhetorischen Geste - also dem Bereich der außergewöhnlichen und nicht der gewöhnlichen Sprache zuzuordnen. In der Regel wird die Metapher für ein rein sprachliches Phänomen gehalten und ist somit eine Frage der Worte und nicht des Denkens oder Handelns. Dabei durchdringt die Metapher unseren Alltag und ist zentraler Bestandteil unserer Sprachkultur. Sie ermöglicht uns ein bildhaftes begreifen der (Kommunikations-)Welt ohne das wir uns wohl nur schwer zurechtfinden würden (vgl. ebd).

Das Wort stammt ursprünglich aus dem Griechischen »Meta pherein« und bedeutet so viel wie «anderswo hintragen» (vgl. Reichenbach, 2004, S. 24). Bezeichnet wird damit zunächst eine konkrete Handlung, nämlich das Hinübertragen eines Gegenstandes von einem Ort zum anderen. Daraus wurde die Metapher, wenn die Übertragung nicht wörtlich, sondern bildlich genommen wird. „Unter Metapher im eigentlichen Sinne versteht man Bildworte, deren Bedeutung über die wörtliche Enge des Gesagten hinausgeht, also die eigentliche Bedeutung weiter tragen als begriffliche Sprache das zu tun vermag“ (ebd). Oder um es mit den Worten von Mahlmann auszudrücken: „Metaphern und andere Tropen werden dem Überbegriff der sprachlichen Bilder zugeschrieben. Seit der Antike gehören Metaphern zu den Tropen. Ein Tropus bezeichnet eine Kategorie für eine sprachliche Einkleidung, die Bildliches transportiert beziehungsweise erzeugt. Tropisches Reden nimmt einen Begriff aus seinem üblichen Bedeutungskontext heraus und trägt ihn an einen anderen Ort, in einen neuen Zusammenhang. Die ‚eigentliche‘ Bedeutung wandelt sich so zu einer ‚uneigentlichen‘, der metaphorischen Bedeutung, die sich in einem konkreten Ausdruck offenbart“ (Mahlmann, 2010, S. 75). Die Metapher dient also der Veranschaulichung von Geistigem, wobei die beiden durch eine Metapher verbundenen Gegenstandsbereiche nicht identisch sind.

Die Metapher unterscheidet sich vom Gleichnis bzw. Vergleich, weil bei ihr das Bild an die Stelle der Sache tritt. „Metaphern wurzeln in den körperlichen Erfahrungen und dem menschbezogenen Erleben“ (Scheiblich, 1999, S. 15). Auf diesen Punkt möchte ich an anderer Stelle zurückkommen, nämlich wenn es um Submodalitäten und synästhetisches Empfinden geht.

Die Metapher ist „eine Sprachhandlung oder Sprachfigur, die es ermöglicht, über etwas eine Aussage zu machen, ohne es zu benennen; dazu zählen Anekdoten, Analogien, Geschichten, Wortspiele, Rätsel, Witze, idiomatische Begriffe usw.“ (Hücker 1998, S. 184). Oder anders formuliert: „Das Wort Bild umschreibt einen Bedeutungshof von Zeichen, Gleichnis, Abbild, Gestalt, Sinnbild, Vorbild, Vorzeichen. Das Wort Bild wird im übertragenen Sinn häufig als Oberbegriff für Metapher, Gleichnis, Vergleich verwendet“ (Scheiblich, 1999, S. 12). Damit wird deutlich, wie schwierig oder sogar unmöglich es ist, eine inhaltlich klare Abgrenzung dieser Begriffe zu ziehen (vgl. Koopmann, 1999, S. 23). „Der Begriff 'Metapher' wird so inflationär verwendet“, meint Bacon (2002, S. 30), „daß er sorgsam definiert werden muß.“

Auch Bacon verwendet die Umschreibung »Sprachfigur«. Bacon betont aber noch einen weiteren Aspekt: „Eine Metapher ist auch etwas, das manchmal in Bezug auf eine Anekdote, eine Geschichte oder einen Erfahrungsschatz, der irgendwie eine Situation im wirklichen Leben klären half, verwendet wird. … Diese zweite Bestimmung der Metapher ist verknüpft mit den Begriffen der Parabel und der Allegorie.“ Und er erläutert den Unterschied, indem er erklärt, dass „sowohl Parabel als auch Allegorie … häufig mit einem eher kognitiven Lernstil in Verbindung gebracht“ werden, „bei dem die Zuhörer bewußt Lektionen, die sie auf ihr Leben anwenden können, aus dem Gehörten ziehen“ und hebt hervor „im Gegensatz dazu wird bei der Metapher - zumindest in dem Sinn, in dem sie hier gebraucht wird - die Botschaft der Metapher in der Erfahrung, affektiv und unbewußt aufgenommen, wobei nur ein minimaler, oder zumindest sekundärer Anteil an bewußtseinsmäßiger Einsicht hinzutritt.“ Diese spezifische Eigenschaft der Metapher beschreibt die Wirkungsebene, die nach meiner Ansicht für Beratung und Therapie relevant sind und genutzt werden.

Manchmal wird der Begriff Metapher als Überbegriff verwendet, der auch Geschichten mit einschließt. Man kann beides aber auch differenzieren, meint Regina Mohl, in dem sie sagt: „Der Unterschied zwischen einer Metapher und einer Geschichte besteht darin, dass Geschichten meist umfangreicher sind - sie können mehrere oder viele Metaphern enthalten. Eine Metapher hingegen beinhaltet in der Regel eine, meist stark verdichtete Geschichte. Und Mohl ergänzt, „gerade weil die Metapher so tief in der Sprache verankert ist und ein zentraler Bestandteil unserer Selbst- und Welt(bild)konstruktion ist, ist sie so wirksam und kann so in Beratungskontexten genützt werden“ (Mohl, 2007, S. 14).

Gordon bringt es auf den Punkt, indem er eine Metapher allgemein dadurch bestimmt sieht, „daß sie eine Sache in den Begriffen einer anderen ausdrückt, wobei diese Verknüpfungen ein neues Licht auf die beschriebene Sache wirft“ (Gordon 1986, S. 17) und fährt fort, dass eine Metapher „also eine neuartige Darstellung eines Sachverhaltes ist. Und veranschaulicht dies, indem er zitiert: „Es gibt mehrere Wege, einer Katze das Fell abzuziehen.“ Gordons erklärte Absicht ist die Vermittlung von Fertigkeiten, die es ermöglichen, therapeutische Metaphern zu formulieren und sie wirkungsvoll einzusetzen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass „Metaphorik“ die Bezeichnung für einen anschauungs- und assoziationsreichen Sprachstil sowie für poetische Bildlichkeit ist. Damit gilt: „Geschichten“ sind „Erzählungen“, sie können bestehen aus Märchen, Fantasiegeschichten, Ereignissen, Erlebnissen, Erinnerungen, Analogien und Metaphern.

2.2 Sprachspiel, Sprachressource und Sprachebene

Zu dem großen Teil metaphorischen Sprechens gehören nach Lakoff/Johnson (vgl. 2004, S. 11-12) Bilder, Metaphern sowie Gleichnisse. Konzepte, die das Denken strukturieren, sind nach ihrer Ansicht nicht auf den intellektuellen Bereich begrenzt, sondern sie lenken auch nicht reflektiertes Alltagshandeln bis in die prosaischsten Einzelheiten. Diese Konzepte strukturieren das, was wahrgenommen wird, wie man sich in der Welt bewegt und wie man sich auf andere Menschen bezieht. Das Konzeptsystem ist kein Gebilde, dessen man sich im Normalfall bewusst ist.

Ich fasse zusammen: Bei den meisten unkomplizierten Handlungen, die wir tagtäglich ausführen, denken und handeln wir nur mehr oder weniger automatisch nach bestimmten Leitlinien. Wie diese aber beschaffen sind, ist keineswegs offenkundig. Eine Möglichkeit, diese Leitlinien herauszuarbeiten besteht darin, dass man die Sprache auf diesen Aspekt hin untersucht. Sprache ist daher eine wichtige Erkenntnisquelle dafür, wie ein System beschaffen ist. „Der größte Teil unseres alltäglich wirksamen Konzeptsystems ist im Kern metaphorisch angelegt“ (Lakoff / Johnson 2004, S. 11-12).

Verschiedene Autoren (Uerlings, 1993; Böhmer, 1993; Boscolo, 1993) zeigen, bezogen auf Therapie, über welchen Reichtum die Sprache verfügt. Uerlings stellt die Bedeutung der dialogischen Sprache für den therapeutischen Prozess heraus. Er fordert einen »poesie- therapeutischen« Umgang mit dem Klienten, um die dialogische Kraft der Sprache zu nutzen. Bei Böhmer wird die Bedeutung der Bildhaftigkeit der Sprache in der individuellen Entwicklung betont. Auch sie sieht eine enge Verbindung zwischen Sprache und Tun (Sprach-Werkzeug, Sprach-Akt), wobei auch die befreiende Kraft der Sprachgestaltung dargestellt wird. Boscolo berichtet über den gezielten Einsatz von sogenannten „Schlüsselworten“ in der Familientherapie, in deren Unbestimmtheit und Mehrdeutigkeit eine große Kraft liege.

Dazu meint Neumann (1996, S. 23): „Neue Sprachspiele, die durch … Schlüsselworte ausgelöst werden, fördern neue Emotionen, Handlungsweisen und Beschreibungen. Sie eröffnen Horizonte.“ Die Beispiele unterstützen die hier vertretene These, dass in Beratung und Therapie die Macht der Sprache, ihre Poesie, ihre Kraft, all ihre Ressourcen genutzt werden sollten.

Eine soziale und dialogische Perspektive sieht Ursprung und Entwicklung von Sprache und Sprechen in ihrer Verwendung, in sozialer Interaktion und Kommunikation. Die Äußerungen einer Therapeutin in einer bestimmten Sitzung z.B. stehen in Beziehung zu allen ihren vorherigen Äußerungen, allen ihren zukünftigen Äußerungen und auch zu allen Äußerungen des Klienten zu einem bestimmten Thema - eine Situation, die Bachtin „Intertextualität“ und Wittgenstein ein „Sprachspiel“ nannte (vgl. de Shazer,1998, S. 70). Konkret heißt das: „Ein Wort ist kein Zug in einem Schachspiel, ein Wort ähnelt eher dem Aufstellen einer Figur auf einem Brett. Ein Satz ist dann so etwas wie ein Schachzug, aber der Zug kann nur im Kontext der Schachpartie verstanden werden. Somit hat alleine für sich genommen noch nicht einmal ein Satz eine Bedeutung. Einen Satz zu verstehen, heißt, eine Sprache verstehen bzw. den Kontext, in dem der Satz steht - ein 'Sprachspiel'“ (Wittgenstein zitiert nach de Shazer, 1998, S. 73).

In einem völlig anderen Sinn wird dieser Begriff von Neumann (1996, S. 78) verwendet. Er versteht unter Sprachspiel den Einsatz von Humor und Kreativität in Beratung oder Therapie. Sein Credo ist, dass der Berater aufmerksam und warm, offen und ehrlich mit seinen Klienten umgehen sollte, humorvoll und menschenfreundlich.

2.3 Forschungsfelder: sprachliche Bilder - bildliche Sprache

Wer die sprachliche Erscheinung, die man Metapher zu nennen pflegt, einmal anfängt zu beobachten, dem erscheint die menschliche Rede bald ebenso aufgebaut aus Metaphern wie der Schwarzwald aus Bäumen (Bühler, zit. nach Schmitt, 1995, S. 72).

Mit Worten Bilder oder Bildhaftes zu erzeugen wird sprachwissenschaftlich der bildlichen Sprache oder den sprachlichen Bildern zugeordnet. Das visuelle Moment wird hervorgehoben. Seit der Antike gilt: Bildsprache veranschaulicht die metaphorische Ausdrucksweise im Sinn des «vor Augen führen» oder »zur Anschauung bringen«. Der Terminus «Bild» beleuchtet die kognitiven Fähigkeiten, imaginieren, etwas vorstellen oder etwas zur Anschauung bringen zu können. Es unterstreicht den visuellen Sinn und die visuelle Wahrnehmung. Gleichzeitig besteht in der Fachliteratur Einigkeit darüber, dass auch die anderen Sinne beim Imaginieren eine Rolle spielen und in beraterischen Interventionen ein besonderes Gewicht erhalten und außerordentliche Wirkmacht entfalten können. Noch bevor Neurowissenschaftler diese Erkenntnis von der Interaktion verschiedener Sinne zu einer Wahrnehmung und Imagination sowie ihrer Auswirkungen auf das Befinden bis hin zum Handeln bekannt gemacht haben, „ermuntert das Konzept die Anwender dazu, mit Imaginationen so zu arbeiten, dass das Vorgestellte lebendig wird - erzeugt mit allen Sinnen und erfassbar“ (Mahlmann, 2010, S. 77).

Die Sprache der Metaphern richtet sich gegen die totale Erklärbarkeit der Welt und ihre Macht besteht in der Macht ihrer Bilder. Das, was in der Welt anderswo rationalisiert wird, ist von der Metapher visualisiert: so können Bilder ganze Argumentationsketten ersetzen. Oft drückt sich etwas Ursprüngliches visuell aus, Gefühle, Stimmungen, Eindrücken, namen- und wortlose Erlebnisse werden in ein Bild übertragen, wie Koopmann (1999, S. 21) meint: „ ... diese Macht der Bilder, die eigentlich Gleichnisse sind, erreicht den Menschen nicht auf dem Weg über den Verstand.“ Metaphern können definiert werden als Ersatzbeschreibungen oder Umschreibungen in Form eines bildhaften Ausdrucks, etwa als Verdinglichung von Verhalten z.B. «wie ein Fels in der Brandung», Personifikation von Dingen z.B. »stählerne Arme« für «Kran», Ähnlichkeitsbezeichnungen z.B. »das Gold ihrer Haare« und einer Umschreibung aus dem Bereich der Sinnesempfindung (Synästhesie) z.B. «stinksauer».

Übersetzt werden können Metaphern eigentlich nicht. „Was der Dichter in seinen unaufhörlichen Gleichnissen sagt, läßt sich niemals auf irgendeine andere Weise (ohne Gleichnisse) sagen: nur das Leben vermag das gleiche auszudrücken, aber in seinem Stoff, wortlos“ (ebd., S. 20). Und an anderer Stelle: „Die Welt des Metaphorischen ist nicht übersetzbar, es ist die Unmittelbarkeit und Intensität einer irrationalen Kraft, die dann wenn sie sich in einem Bild äußert, metaphorischen Ausdruck gewinnt. Metaphern konstituieren, kurz gesagt, eine Seelensprache, sie sind autochthon, sind nicht in den Dienst irgendeiner Sache oder eines Zweckes zu stellen. Die metaphorische Sprache ... kann etwas verdeutlichen, was sich dem Verstande und dem alltäglichen Sprechen von vornherein und grundsätzlich entzieht. … Die Sprache der Metaphern ist Gegenwehr gegen die Alltäglichkeit, sie ist Versuch einer Sinngebung jenseits des allgemeinen Konsens ...“ (ebd., S. 22). Vielleicht sind Metaphern heute mehr denn je Hilfsmittel einer Weltdeutung, die jenseits des naturwissenschaftlichen Zugriffs liegen. „Metaphern klären dort auf, wo die normale Vernunft längst versagt hat“ (ebd., S. 31).

Geschichten, Anekdoten und Redewendungen besitzen ein gemeinsames grundlegendes Merkmal: die Fähigkeit, eine Botschaft zu übermitteln oder etwas über ein bestimmtes Problem zu erfahren. In diesen Erzählungen steht immer irgendjemand irgendeiner Schwierigkeit gegenüber, die er auf irgendeine Art bewältigt oder an ihr scheitert. Die Art und Weise, wie der Held das Problem löst, kann einem Menschen in einer ähnlichen Lage eine Lösung zeigen. Wenn der Konflikt in der Geschichte dem des Zuhörers ähnlich ist, gewinnt sie sofort an Bedeutung für ihn (vgl. Gordon, 1986, S. 16).

Metaphern sind das wichtigste Sprachinstrument, um innere Erfahrungen so reproduzieren zu können, dass sie mitteilbar werden. „Metaphern sind Fluchtwege aus der Wirklichkeit, und mögen sie auch dunkel sein, sie haben vielleicht immer noch etwas von ihrem aufklärerischen Gehalt, in der Weise, daß sie auf irrationale Weise verständlich machen“ (Koopmann 1999, S. 39).

Bei Mahlmann (2010, S. 77) zählen hingegen Geschichten oder Erzählungen ausdrücklich nicht zu den Sprachbildern und Metaphern. Dieser Auffassung kann ich mich nicht anschließen und halte mich an die Argumentation Gordons. Übereinstimmung dagegen besteht darin, dass sprachliche Bilder veranschaulichen und nicht auf Denken und Sprache beschränkt sind. „Tropen, vor allem die Metapher“ - so die Auffassung - „entstehen vielmehr aus oder in der Interaktion von Sprache und Denken“ (ebd.). Damit es dazu kommen kann, bedarf es weiterer Faktoren. Zu ihnen werden Körperwahrnehmungen, materielle, soziale und kulturelle Umwelten sowie der Austausch zwischen diesen Dimensionen gezählt. Weitläufig wird die Metapher als Synonym für bildliche Sprache verwendet.

2.4 Metaphernfreundliche und metaphernkritische Traditionen

Zum besseren Verständnis gebe ich einen kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Metapher. Allen voran sah Aristoteles in der Dichtung und den poetischen Sprachmitteln einen positiven Wert:

Es ist wichtig, daß man alle die genannten Arten [das sind nach Aristoteles übliche Wörter und fremdartige Ausdrücke wie Glosse, Metapher sowie Erweiterungen, Verkürzungen und Abwandlungen der Wörter - Anm. d. Übers.] passend verwendet … es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung. … Auf leichte Weise nämlich zu Wissen zu gelangen, ist für alle von Natur aus angenehm; es sind aber die Worte, die etwas bezeichnen. Folglich sind die Worte, die uns Wissen verschaffen am angenehmsten. Die fremdartigen Worte nun sind uns unbekannt, während wir die gängigen kennen. Die Metapher aber versetzt uns am ehesten in diesen Zustand [der angenehmen Empfindungen] … (Aristoteles zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004. S. 217).

Die klassische Position, das Lob auf die Fähigkeit der Metapher, Erkenntnisse zu fördern, wurde nie in das moderne philosophische Denken integriert (vgl. ebd., S. 217-218).

Dem gegenüber steht eine metaphernkritische Tradition, die zeitgleich mit dem Aufkommen der empirischen Wissenschaft als Wahrheitsmodell in den Vordergrund trat. Der Argwohn gegenüber Dichtung und Rhetorik wurde im abendländischen Denken genährt, wobei die Metapher und andere bildhafte Sprachmittel Objekt des Spotts wurden. Thomas Hobbes beispielsweise hielt die Metapher für absurd und irreführend emotional: „Die Vernunft ist der Schrittmacher, die Wissenschaft der Weg und das Ziel ist das Wohl der Menschheit.“ Metaphern dagegen sind unsinnige oder zweideutige Wörter und gleichen den „ignes fatui“ (den Irrlichtern). „Wenn man sich von ihnen leiten läßt, wandelt man zwischen latentem Unsinn und endet im Streit, Aufruhr und Ungehorsam‘ “ (Hobbes zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004, S. 218).

Für Hobbes hatte die Metapher etwas Absurdes; schließlich „… gelangt man zu unsinnigen Schlüssen, wenn man anstelle der eigentlichen Ausdrücke Metaphern oder bildliche Ausdrücke gebraucht.“ John Locke setzte die Tradition des Empirismus fort. „Die in der Tradition des Empirismus vorherrschende Angst vor der Metapher und der Rhetorik ist eine Angst vor Subjektivismus: eine Angst vor Emotionen und Imagination“ (Locke zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004, S. 219). Das Mißtrauen der Empiristen und ihre Angst vor der Metapher hat Samuel Parker 1666 in seinem Werk Free and Impartial Censure oft the Platonick Philosophy schön resümiert:

All die philosophischen Theorien, die nur in metaphorischen Begriffen ausgedrückt sind, stellen keine echten Wahrheiten dar, sondern nichts als Produkte der Imagination, die (wie Puppen) in ein paar glitzernde inhaltsleere Worte gekleidet sind. … So kriechen ihre lüsternen und ausschweifenden Phantasien in das Bett der Vernunft, beschmutzen es nicht nur durch Unkeuschheit und außereheliche Umarmungen, sondern schwängern den Verstand mit nichts als Wertlosigkeiten und abenteuerlichen Hirngespinsten, statt richtige Begriffe und Vorstellungen von Dingen zu schaffen (Parker zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004, S. 219).

Lakoff und Johnson sehen den Mittelweg in der Synthese von Metaphorik mit und durch Erfahrung: „Der Grund, weshalb wir uns so intensiv auf die Metapher konzentrieren, besteht darin, daß sie Vernunft und Imagination in sich vereint“ ( ebd., S. 220).

2.5 Die Metapher „Metapher“

Eine Grundlage jeder Therapie oder jeder Richtung innerhalb der Psychologie ist (also) eine Anzahl von Metaphern in Form eines Vokabulars, mit denen in einem gewissen Maße vermittelt werden kann, wie jemand die Welt erfährt. Jedoch muss eine wichtige Unterscheidung gemacht werden: Diese Metaphern sind nicht die Erfahrung selbst. … Metaphern sind Möglichkeiten,über Erfahrung zu reden (Gordon, 1986, S. 17 und 18).

Hier wird sichtbar, dass jede verbale Verständigung auf einer metaphorischen und damit unvollständigen Repräsentation einer tatsächlichen Erfahrung beruht. Gordon ergänzt, dass wir alle unser eigenes, einmaliges Modell der Welt entwickeln. Was so viel heißt wie: Wir alle sitzen im gleichen Kino, aber jeder in seinem eigenen Film. Oder wie Maturana sagt: „Jeder lebet in seiner eigenen Welt.“ Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, denn es ist für jede effektive therapeutische Situation grundlegend, präzise Informationen zu sammeln.

Wenn wir begreifen, daß jede Kommunikation metaphorisch ist und auf einzigartiger Erfahrung basiert, schärfen wir unseren Blick für die Tatsache, daß sie dann notwendigerweise auch unvollständig ist und daß der Zuhörer die Lücken füllt. … Für die Entwicklung und Anwendung therapeutischer Metaphern sind die Ähnlichkeiten in den Mustern, wie sich die Menschen über ihre Erfahrungen verständigen, von größter Bedeutung (ebd., S. 20).

Metaphern können also sowohl Verständigungsfallen als auch Verstehenshilfen sein. Sie können aufdecken, ebenso wie sie Inhalte auch verschleiern.

Dank unserer anthropologischen Grundausstattung, Leib und Emotion, Geist und Intellekt, Sprache und Denken, prägen wir und werden wir geprägt im ständigen wechselseitigen Austauschprozess mit unseren Umwelten. „Wir schaffen unsere Wirklichkeit, mit der wir - reflexiv - auf die Wirklichkeit einwirken“ (Mahlmann, 2010, S. 77). Wortsprache und bildliche Ausdrucksweisen im Besonderen, helfen uns dabei, uns zu orientieren. George Lakoff und Mark Johnson, die Pioniere in der Forschung um Alltagsmetaphern, haben ihr Buch „Leben in Metaphern“ (im Original: „Metaphors we live by“) genannt, also Metaphern, nach und in denen wir leben.

Die Metapher gilt als prototypische, als paradigmatische Figur, der ein spezifischer Prozess, nämlich der der Übertragung, zu eigen ist. Übertragen werden Worte, Begriffe und Bedeutungsfelder. In welchen Stadien des Prozesses wird diese „Uneigentlichkeit“, also das durch Übertragung erzeugte metaphorische Moment, vorbereitet und schließlich geboren? Mahlmann (2010, S. 79) beschränkt sich auf folgende drei Stadien:

- Die rein kognitive Verarbeitung
- Die kognitiv-sprachliche Verarbeitung x Die Geburt des „Uneigentlichen“

Diese Analyse offenbart, worin Metapherntheorien und das wissenschaftliche Einkreisen bildlicher Sprache ein bis dato ungelöstes Rätsel sehen. Es wird interdisziplinär weiter daran geknobelt. „Wenn Übertragung als ein kognitiv-sprachlicher Prozess konzipiert ist - und viele Indizien sprechen dafür -, wird damit ein enger, ein notwendiger Zusammenhang hergestellt zwischen Denken und Erkennen und sprachlichem Ausdruck“ (ebd.).

Metaphorische Sprache aktiviert verbalassoziative Prozesse im Gehirn.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse stützen diese Annahme. Bildgebende Verfahren, Studien, Experimente, Arbeit mit Patienten zeigen, dass Metaphern in zahlreichen Arealen in beiden Hemisphären der Großhirnrinde Teilareale aktivieren (vgl. Mahlmann, 2010, S. 80-81).

George Lakoff und Mark Johnson führen in ihrem erfahrungsbasierten Ansatz anhand zahlreicher Beispiele aus, inwiefern Metaphern unmittelbar im Menschen wurzeln und ihm entspringen. Der Tenor ihrer Erörterung ist nach wie vor gültig, auch wenn es weiterführende theoretische Überlegungen und Kontroversen im Hinblick auf Metaphern gibt. Metaphern versorgen ungreifbare, unvertraute Zusammenhänge mit bekannten Strukturen, Inhalten und haben - wegen ihrer Anschaulichkeit - eine konkretisierende, Bekanntheit herstellende und Verstehen ermöglichende Funktion. Metaphern spielen in der Wissenschaft eine ebenso bedeutende wie kontrovers diskutierte Rolle. Sie wirken dort theorienkonstitutiv, das heißt, sie spielen eine entscheidende Rolle dabei, welche Theorien wie gedacht, konzipiert und formuliert werden. Metaphern bahnen die Möglichkeiten und Begrenzungen dessen, was theoretisch eingefangen werden kann. Und genau diese Stärke der „blitzschnellen“ Veranschaulichung ist es, die das praktische Arbeiten mit Metaphern in Kontexten, in denen eine Veränderung angestrebt wird, so wertvoll macht.

2.6 Symbole und Symboldeutungen

Ursprünglich war ein Symbol etwas ganz Sinnliches. Wenn zwei Freunde sich für lange Zeit trennten, zerbrachen sie einen Ring. Jeder bekam eine Hälfte. Am passenden Gegenstück sollte man den anderen wiedererkennen (vgl. Schödlbauer, 1999, S. 54). Symbole sind Sinn-Bilder, die in komplexer Weise äußere und innere Wirklichkeiten zusammenfassen. Auf diese Weise entstanden Mythen und Märchen und entstehen auf andere Weise Träume und Imaginationen (vgl. Böschemeyer, 2008, S. 21). Tagtäglich gebrauchen wir zwar Symbole, oft aber ohne bewussten Bezug auf ihren tatsächlichen Kern. Die Funktionalisierung und auch Abwertung von Symbolen liegt in einer Reihe von Lebensbereichen vor, z.T. in der Bildsprache der Piktogramme. Beim Versuch Symbole zu erschließen bzw. uns einem Symbolverständnis anzunähern, fällt zunächst die Vieldeutigkeit von Symbolen auf. Eine solche Bedeutungsbreite von Symbolen mag zunächst verwirren oder auch irritieren, da wir eine beschreibende, logisch eindeutige Begrifflichkeit gewöhnt sind, „in der ein Tisch ein Tisch bleibt und Veränderungen nur sekundäre Merkmale betreffen (z.B. alter, runder, moderner Tisch usw.)“ (Bingel, 1987, S. 107). Symbole konfrontieren uns mit der Frage der Zuordnung und der Transzendenz. Welche allgemeine, also überdauernde Bedeutung messe ich einem Symbol bei? Welche subjektive Zuordnung erscheint mir zutreffend? Was könnte die transzendente Bedeutung des Symbols sein, „also etwas, was über mich, die menschliche Existenz hinausweist, daher mich, wenn ich mir diesen Zusammenhang bewußt mache, wieder in eine kosmische Ordnung einfügt, die meinem Leben Sinn zu geben vermag“ (ebd., S. 108). Diese dritte Zuordnung erscheint besonders schwierig. Hier bietet es sich an, Symbole in Form von Episoden in Geschichten einzufügen. Wenn eine Änderung bevorsteht, kommen dafür sogenannte Wandlungssymbole wie z.B. „Ei - Raupe - Kokon - Schmetterling“ in Frage.

Psychoanalytiker haben sich in großem Umfang mit einzelnen Metaphern beschäftigt. Es stellt sich heraus, dass der psychoanalytische Begriff des Symbols starke Überschneidungen mit dem Begriff der Metapher hat; es sei „ein stellvertretender anschaulicher Ersatzausdruck für etwas verborgenes, mit dem es sinnfällige Merkmale gemeinsam hat oder durch innere Zusammenhänge assoziativ verbunden ist. Sein Wesen liegt in der Zwei- und Mehrdeutigkeit“ (Rank/Sachs zitiert nach Schmitt, 1995a, S. 78). Diese Definition zeigt Nähe und Distanz zum Metaphernbegriff. Freud geht davon aus, dass Symbole durch einen Vergleich gebildet werden. Dieser Vergleich geschieht im Wesentlichen auf dem Hintergrund der Analogie von Form, Größe, Funktion und Rhythmus. Ebenso wie gängige Metaphern sind Symbole kollektiv. Ähnlich den Metaphern in der Alltagspraxis gibt es in Traumdeutungen Möglichkeiten, ein Symbol auch wörtlich und nicht symbolisch zu verstehen. Symbole lassen sich als Sonderfall der Metaphorik kennzeichnen (vgl. ebd., S. 79).

„Die Resymbolisierung, d. h. die Gewinnung vielfältiger sprachsymbolischer Verfügung über frühe Erfahrungen ist das Ziel der psychoanalytischen Methode“ (ebd., S. 83). Dieser Verstehensprozeß der Metaphernanalyse versucht solche sprachsymbolischen Verfügungsmöglichkeiten zu erfassen. So können Metaphern als „sprachliche Kondensate“ für szenische Interaktionen und Handlungsentwürfe verstanden werden.

Umerto Eco schreibt zur Deutung von Symbolen, „ daß Wahrheit geheim ist und daß kein Hinterfragen der Symbole und Rätsel jemals die letzte Wahrheit enthüllen wird, sondern das Geheimnis einfach an einen anderen Ort verschiebt“ (zitiert nach de Shazer, 1998, S. 28).

2.7 Überblick über Metapherntheorien

Vereinfacht können zwei Traditionen voneinander unterschieden werden: die aristotelische, auch rhetorische genannt (mit ihr ist die Substitutionsthese verknüpft) und die erfahrungs- basierte, interaktionistische der kognitiven Sprachwissenschaft. In der Tradition der Rhetorik, einschließlich Sprachtheorie, wird die Auffassung vertreten, eine Metapher sei ein Wort, das durch ein anderes, nüchternes, präzises substituiert werden kann. Vertreter dieser Überzeugung halten Metaphern für verzichtbar, da sie artifiziell, bestenfalls poetisch hübsches Schnörkelwerk seien. Metaphorisches Reden gilt hier als unernstes Reden, weil Metaphern Deutungsspielräume lassen und nicht eindeutig sind. Diese Sichtweise wird von linguistischer und erkenntnistheoretischer Seite kritisiert (vgl. Mahlmann, 2010, S. 123).

„Metaphern sind eigene Bedeutung tragende Gestalten Daraus folgt: man kann keine allgemein gültigen Regeln angeben, wann eine Metapher vorliegt. Denn es sind die Akteure die darüber entscheiden“ (ebd., S. 124). Nach diesem Verständnis sind Metaphern analytisch nicht in Elemente oder Merkmale zerlegbar, sondern nur hermeneutisch, durch Interpretation zugänglich. Darin findet sich die Annahme wieder, dass Adressat und Sender über ein mehr oder weniger geteiltes Wissen verfügen oder einen Sprachgebrauch teilen, dass beide ein gemeinsames Grundverständnis von der Metapher haben. Gestützt wird diese Ansicht auch durch andere Autoren: „Metaphern sind mehr und anderes, als Schmuckformen einer besonders wirkungsvollen, rhetorisch ausgefeilten Rede. Metaphern, , sind auch mehr und anderes, als besonders effektive Transfervehikel des Lernens. … Metaphern führen - wenn auch manchmal in die Irre“ (Schödlbauer, 1999, S. 43).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick über Metapherntheorien

(Andreas Salomé verwendet aus Schödlbauer, 1999, S. 51)

Metaphern sind keine „uneigentliche Sprache“, sind keinesfalls nur schmückende literarische Bilder. Ich begreife Metaphorik als Konstruktionsprinzip unserer Erfahrungsorganisation. Metaphern dienen der natürlichen Kategorisierung von Welt und der Besetzung von Welt, sie organisieren Erfahrungen und verweisen auf Wahrnehmungs- und Denkstrukturen. Sie leiten die Aneignung von Welt, sie sind Interpretationsfolien, durch die wir assimilieren. Sie strukturieren Unvertrautes in Bezeichnung, Wahrnehmung und Handlung, indem sie Vertrautes übertragen. Die Dominanz der metaphorischen Modelle lässt sich aus der historischen, sozialen und individuellen Lebenspraxis ableiten, in ihnen sind physische und kulturelle Erfahrungen vermittelt. Sie betonen bestimmte Erfahrungen und blenden andere aus. „Metaphern sind Zugang zu individuellen wie kollektiven Erfahrungen einer Sprachgemeinschaft“ (Schmitt, 1995a, S. 109). Ich gehe mit Lakoff und Johnson (vgl. 2004, S. 202) davon aus, dass gerade komplexe Bereiche der sozialen Interaktion, wie sie in Beratung, Therapie und Heilpädagogik auftauchen, nur via Metapher von den Subjekten begriffen werden.

2.8 Beispiele für Metaphern und Geschichten in Beratung und Therapie

Vor langer, langer Zeit saß irgendwann ein Mann irgendwo vor einer Runde gespannter Zuhörer und erzählte Geschichten. Die Zuhörer mochten arm oder reich gewesen sein; das zählte nicht, denn die Geschichten, die der Mann erzählte waren für alle die zugeschnitten, deren Lebenskleid zerrissen, zerlumpt oder dünn geworden war. Einige von ihnen waren da und dort der Kälte ausgesetzt, andere mißbilligenden Blicken, wieder andere trugen unscheinbare oder ungeeignete Kleidung (Gordon, 1986, S. 14).

Die Nutzung von Geschichten und Metaphern für Veränderung ist Kennzeichen aller menschlichen Kulturen. Auch die moderne Psychotherapie nutzt Geschichten auf vielfältige Weise. So sieht auch Nossrat Peseschkian in Geschichten, Mythologien, Parabeln und Konzepten „einen Weg, der Phantasie und Intuition in Selbsterfahrung und Lösung von Konflikten mehr Raum zu geben“ (Peseschkian, 1979, S. 8).

Wie der Volksmund schon sagt: „Die meisten Leute lassen sich nicht gerne etwas sagen, aber gerne was erzählen.“ Was für Erwachsene gilt, hat für Jugendliche in der Pubertät eine besondere Gültigkeit, speziell im Bezug auf ihre Eltern. Daher sind Metaphern in Form von Geschichten besonders geeignete Mittel, um zu Emotionen Zugang zu finden. Ich möchte an dieser Stelle die Metapher des „Scheinriesen“ (aus: „Jim Knopf“ von Michael Ende) einführen: Ein Riese - Herr Turtur mit Namen - welcher zunächst riesig erscheint, dann aber schrumpft, je näher man ihm kommt. Die Metapher zur Frage: Wie kann ich lernen meine Angst zu bewältigen?

In ihrem Buch „Die Heilungskräfte des starken Wanja“ beschäftigt sich Barbara Bräutigam mit der Frage nach der Verwendbarkeit kinder- und jugendliterarischer Texte in der beratenden und psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Experten wurden befragt und schätzten den Nutzen bzw. die Grenzen dieses methodischen Ansatzes ein. Eine weitere Kategorie stellt der schier unerschöpfliche Fundus an Volksmärchen dar.

Was sie ausmacht, sie charakterisiert und ihnen eigen ist, führt Max Lüthi wie folgt aus und gilt ebenso für die Arbeit mit erwachsenen Klienten: „Bedeutender Zug vieler Märchen ist, daß, wenn ein Unmögliches möglich wird, zugleich ein andres Unmögliches unerwartet möglich wird; daß, wenn der Mensch sich selber überwindet, er auch die Natur zugleich überwindet und ein Wunder vorgeht, das ihm das entgegengesetzte Angenehme gewährt in dem Augenblicke, als ihm das entgegengesetzte Unangenehme angenehm ward …“ (Lüthi, 1976, S. 10). Die Verwandlung des Übels und die Erfahrung, dass zerstörerische Kraft nicht vernichtet zu werden braucht, sondern zur hilfreichen Kraft umgeschaffen werden kann - „auch diese Weisheit ist in den Bildern des Märchens lebendig und wird vom Kinde, das das Märchen hört, nicht bloß verstanden, sondern in sich aufgenommen. Nur in Bildern ist sie ihm zugänglich, nur in Bildern kann eine solche Wesensschau in das Empfinden und Erleben eines Kindes eingehen. (…) Aber selbst dort, …, wo nur das Üble und Gefährliche ist, spürt das Kind mit sicherem Gefühl, daß es sich der Auseinandersetzung mit dieser gefährlichen Gewalt nicht entziehen darf“ (ebd.).

Ein weiterer Aspekt für die Dringlichkeit mit der Auseinandersetzung von aktuellen Lebensthemen wird so beschrieben: „Wer das Verbot übertritt und die Tür öffnet, gerät zwar zunächst in eine üble Lage - er befreit zum Beispiel einen schlimmen Dämon - gelangt aber schließlich eben dadurch doch zu einem weit höheren Ziel, als wenn er das Zimmer nie betreten hätte“ (ebd., S. 16). Mythen und Gleichnissen, aber auch Parabeln, Märchen und Fabeln ist gemeinsam, dass sie Vorstellungen vermitteln, Ideen und Lebenseinstellungen. Dies geschieht nicht direkt, sondern in Form von Vergleichbarem, das die Phantasie anregt, die Gedanken belebt und die Annahme von Schlussfolgerungen erleichtert.

Bei indirekten Angeboten, wie durch den Einsatz von Geschichten, geht es meist weniger um eine Ursachenklärung. Stattdessen wird vielmehr erkennbar, welche eigenen Hilfs- und Lösungsmöglichkeiten der Hörer zur Verfügung hat, von denen er nichts wusste - und welchen Sinn und Zweck z.B. seine Angst haben könnte.

Die therapeutische Arbeit mit poetischen Texten bedeutet dem Wittgensteinschen Sprachspielbegriff entsprechend, dass Lesen bzw. Hören eigene Geschichten integrieren, indem die aktuellen Gefühle und Konflikte auf dem Hintergrund der Lebensgeschichte Gestalt gewinnen (vgl. Petzold/Orth, 1985, S. 89). Kindern fällt es aufgrund ihrer stärkeren Verbundenheit mit dem bildhaften Denken meistens weniger schwer, symbolische Bedeutungen zu erkennen und zu verarbeiten.

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Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Das Spiel mit Metaphern in Beratung und Therapie
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
64
Katalognummer
V165013
ISBN (eBook)
9783640806386
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inhaltsangabe: - Annäherung an das Phänomen Metapher (Grundaussagen und Theoretische Konzepte) - Metaphern als Medien in Therapie und Beratung (Verständnisweisen und Funktionen) - Metapherntheoretisches in der Anwendung (Methaphorische Interventionen)
Schlagworte
Metaphern, Sprachbilder, Humor und Kreativität, Metaphernarbeit, Diagnostikhilfe
Arbeit zitieren
Monika Vahle (Autor), 2010, Das Spiel mit Metaphern in Beratung und Therapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165013

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