Die Fußballliga am Gymnasium

Entwicklung und Durchführung eines Konzepts für einen "Fair-Play-Cup"


Examensarbeit, 2010

53 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. ,,Der Fair-Play-Cup“ - Anlass und Kontext dieser Arbeit
2.1 Lehrerfunktionen und daraus resultierende Lehrerrolle

3. Wissenschaftspropadeutische
3.1 Begriffsbestimmung
3.1.1 Die Bedeutung des Konzepts im projektorientierten Unterricht
3.1.2 Der Begriff „Fair-Play“ im Kontext Sport
3.1.3 WarumFuRballinderSchule?

4. Projekterlauterung
4.1 Spielenin Regelstrukturen-Sportspiele(lnhaltsbereich7)
4.2 Die padagogische Perspektive (E) „Kooperieren, wettkampfen und sichverstandigen“
4.3 Methodische Umsetzung
4.3.1 Projektschritt 1: Die problemhaltige Sachlage
4.3.2 Projektschritt2:PlanzurProblemlosungentwerfen
4.3.3 Projektschritt 3: Die handlungsorientierte Auseinandersetzung ,Projektdurchfuhrung“
4.3.4 Projektschritt 4: Uberprufung der Problemlosung an der Wirklichkeit
4.3.5 Etablierung des ,,Fair-Play-Cup“ am Gymnasium

5. Evaluation
5.1 VorgehenundMethodikderEvaluation
5.2 Presentation der Ergebnisse
5.3 Schlussfolgerungen und Perspektiven
5.4 Reflexion der Lehrerfunktionen

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

„Anstatt Fairness zu lernen, wird vielen Jugendlichen in den Vereinen gerade das Gegenteil vermittelt. Das plakative Einklagen von Fairplay, die Erziehung zur Fairness fruchten solange wenig, solange der Erfolgsdruck, der auf Sportlerinnen und Sportlern, aber auch Trainerinnen und Trainern lastet, nicht gemindert wird. Solange dies nicht geschieht, sind Unfairness, die Handlungsmoral des „fairen Fouls" oder „Alles oder Nichts" durchaus sinnhaftes Handeln, das man den Athleten nicht zum Vorwurf machen kann und darf. Solange ist es auch unredlich - um nicht zu sagen „unfair" - von den Sportlern Fairplay einzuklagen.'

Dieses Zitat verdeutlicht die akute Problematik des FuRballs. Der Begriff Fairness wird haufig in den Medien thematisiert und eingefordert, kann aber im Profi- und Breitensport kaum umgesetzt werden, da Leistung und Erfolg im Profi- aber zum Teil auch im Breitensport aus finanzieller Sicht von groRer Bedeutung sind. Diesem Druck sind auch schon viele heranwachsende Jugendliche im Vereinssport ausgesetzt, was aus eigener Erfahrung im Rahmen moralischer Handlungen zu Gewissenskonflikten bei den Kindern und Jugendlichen fuhren kann.

Dieses Zitat beinhaltet gleichfalls die Aufforderung an die sportinteressierte Gesellschaft, sich diesem Phanomen und der damit verbundenen Herausforderung zu stellen. Bereits in den Richtlinien des Sportunterrichts werden als Aufgaben und Ziele der Sekundarstufe I des Gymnasiums der Aufbau sozialer Verantwortung und Orientierung an Grundwerten ausdrucklich gefordert1 2. Der Schulsport, besonders die bekannten regelgeleiteten Spiele konnen dies in besonderer Weise leisten, denn der Sportunterricht soll nicht nur die Spielfahigkeit von Kindern und Jugendlichen fordern, sondern auch ein entsprechendes Regelbewusstsein entwickeln , orientiert an der Idee der Fairness.3

2. Per „Fair-Plav-Cup“ - Anlass und Kontext

Im Rahmen des Referendariats habe ich mich dazu entschlossen, eine FuRballmeisterschaft in der Jahrgangsstufe 6, den „Fair-Play-Cup“, durchzufuhren. Die Grunde dafur sind vielfaltiger Natur und mochte ich im Folgenden erlautern. Die Sportart FuRball begeistert die Massen in Deutschland, auch die Kinder und Jugendlichen im Ruhrgebiet. Der FuRball im Ruhrgebiet ist ein Kulturgut, welches nicht aus dieser Region wegzudenken ist.4 Die traditionsreichsten Vereine Deutschlands (FC Schalke 04, Borussia Dortmund, MSV Duisburg, VFL Bochum, Rot-WeiR-Oberhausen u.v.m.) haben ihr Zuhause im Ruhrgebiet und locken Woche fur Woche mehrere tausend Fans in die modernen FuRballarenen.

„Die Bundesliga lockt auch in Zeiten der Wirtschaftskrise europaweit die meisten Zuschauer in die Stadien: Mit 6.445.094 Fans wurde der

Hinrundenrekord aus dem Vorjahr erneut iibertroffen. [...] Im Schnitt stromten 42.683 Besucher zu den bislang 151 Spielen der Saison 2009/2010. [...] Zuschauerkrosus ist einmal mehr Borussia Dortmund."5

Auch in der Schulerschaft des Gymnasiums ist der FuRball ein standiges Thema. Die ortsansassigen Vereine MSV Duisburg und die Bundesliga Damenmannschaft des FCR Duisburg finden groRen Zuspruch bei den Schulerinnen und Schulern6. Dies spiegeln auch die Wunsche der Kinder und Jugendlichen im Sportunterricht wider.

Wahrend meiner ersten „Gehversuche“ als angehende Lehrkraft haben viele SuS der Jahrgangstufe 6 im Sportunterricht immer wieder den Wunsch geauRert, FuRball im Unterricht zu thematisieren. Auf Nachfrage bei den Kollegen habe ich erfahren, dass das Sportspiel FuRball nur selten im Unterricht behandelt wird. Die Grunde dafur sind vielfaltig. Zum einen kommt es haufig zu typischen fuRballspezifischen Konflikten zwischen den SuS, wenn beispielsweise schwachere Spieler den Spielerfolg gefahrden und die Vereinsspieler sich wahrend der Ubungsphasen unterfordertfuhlen.7

Zudem ist die Hallensituation an der Schule auRerst ungunstig. Die Schule besitzt eine groRe und eine kleine Sporthalle. In den Klassen findet ein wochentlicher Wechsel der Sporthallen statt. Dabei liegt eine Schwierigkeit in der Nutzung der kleinen Halle, da diese auch als Aula fur Theater oder Konzertauffuhrungen fungiert. Durch die architektonische Anlage der Halle, welche beispielsweise mit einer Theaterbuhne ausgestattet ist, bietet diese Halle groRen Klassen nur wenig Raum zum Sporttreiben. Neben dem beengten Raum konnten die technischen Vorrichtungen, z.B. Schweinwerfer, Musikanlagen, Boxen usw. durch Ball- /Torschusse getroffen werden, was das (Sport)Spiel letztlich erschwert. AuRerst Fur auRerst problematisch halte ich es jedoch, wenn sich durch einen Schuss ein Scheinwerfer o.a. von der Buhnenkonstruktion lost, in den Hallenbereich fallt und eventuell SuS dadurch verletzt werden konnten. Der Platzmangel lasst des Weiteren keinen Aufbau mehrerer Ubungsstationen zu, so dass hier kaum ein leistungsdifferenzierter Sportunterricht durchgefuhrt werden kann, was aber in den heterogenen Klassen notwendig ware.

Ein weiterer Grund andere Sportarten eher im Unterricht zu thematisieren ist die Teilnahme der Schule an den Stadtmeisterschaften im Basketball, Volleyball und den Bundesjugendspiele, fur die immer wieder auch im Unterricht trainiert wird.

Da es wahrend der Stadtmeisterschaften im FuRball haufig Streitereien und andere unschone, besonders unfaire Vorfalle gab, hat sich die Fachkonferenz entschlossen, nicht mehr an den FuRball-Stadtmeisterschaften teilzunehmen, was letztendlich dazu gefuhrt hat, dass auch im Unterricht seltener FuRball gespielt wird.

Des Weiteren kam es wahrend eines Unterrichtsvorhabens in der Jahrgangsstufe sechs in verschiedenen Situationen, angefangen mit der selbststandigen Organisation von Mannschaften/Gruppen und wahrend einiger Spielsituationen, haufig zu Streitereien aufgrund unfairen Verhaltens gegenuber anderen Mitschulerinnen und Mitschulern.

All diese Voraussetzungen haben dazu gefuhrt, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wie ich die Sportart FuRball auch fur unsere Schule wieder attraktiv gestalten kann, so dass an erster Stelle die SuS ihren Bewegungsdrang und die Lust am FuRballspielen ausleben konnen, gleichzeitig aber auch selbstorganisatorische Kompetenzen, Team- und Kooperationsfahigkeit sowie sozialen Kompetenzen unter dem Aspekt „Fairness“ gestarkt werden, ohne dabei den Leistungsgedanken vollig auszublenden. Um dies zu erreichen sind drei Schritte zu beachten, aus denen sich die Gliederung der vorliegenden Untersuchung ergiebt.

Den Start bildet ein kurzer Einblick in die Theorie der Thematik.

Dabei werden in erster Linie die Schlusselbegriffe thematisiert und definiert. AnschlieRend wird im zweiten Teil meiner Arbeit die Entwicklungs- und Durchfuhrungsphase des „Fair-Play-Cups“ am Gymnasium erlautert. Im Teil der praktischen Umsetzung meines Konzeptes wird des Weiteren auch der Bezug zu den Lehrerfunktionen hergestellt.

Der dritte Teil meinerAusfuhrung thematisiert die gemachten Erfahrungen aus der Praxis. Hier nutze ich die Moglichkeit, meine im Rahmen des Projektes durchgefuhrte Evaluation vorzustellen, um an Hand der Ergebnisse mein Konzept kritisch-konstruktiv zu reflektieren.

Abgerundet wird die Arbeit durch ein Fazit und einen Ausblick. Zudem befinden sich im Anhang neben einer Fotostrecke, die den Ablauf und die Durchfuhrung des ,,Fair-Play-Cups“ dokumentiert, noch in diesem Zeitraum entstandene Zeitungsartikel, die Auswertung der Evaluation und alle weiteren eingesetzten Materialien, die wahrend der Konzepterarbeitung entstanden und Voraussetzung fur die notige Transparenz sind.

2.1 Lehrerfunktionen und die daraus resultierende Lehrerrolle

Im Folgenden werden die fur diese Arbeit relevanten Lehrerfunktionen kurz angerissen. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch den Verlauf der Arbeit und werden an den sinnvollen Stellen naher erortert.

1. „Erziehen“

Mit dem vorliegenden Konzept mochte ich die SuS in ihrer Personlichkeits- und Identitatsentwicklung unterstutzen und fordern. Besonders die Entwicklung eines Wertebewusstseins, im Sinne eines fairen Umgangs miteinander beim Sporttreiben, sowie die Forderung selbstorganisatorischer Kompetenzen sollen hier im Vordergrund des erziehenden Unterrichts stehen.

2. „Leistung messen und beurteilen“

Hierbei sollen die SuS eine Ruckmeldung uber ihre erbrachten sportlichen und organisatorischen Leistungen bekommen. Diese Leistungsbeurteilungen mussen fur die SuS zu jedem Zeitpunkt transparent und adressatengerecht begrundet sein.

3. „Organisieren und Verwalten“

Zu den Aufgaben einer professionellen Lehrperson gehort es, „die Institution Schule und die in ihr zu leistende Arbeit systematisch und umsichtig mitzugestalten"8. Dazu gehort auch, Verantwortung bei der eigenstandigen Verwaltung der Schule zu ubernehmen.9 Fur die Entwicklung und Umsetzung meines Vorhabens, die Durchfuhrung des „Fair-Play-Cups“ in Form einer FuRballliga fur die Jahrgangsstufe 6, ist das Organisieren und Verwalten unentbehrlich.

4. „Evaluieren, Innovieren und Kooperieren“

Die Lehrerfunktionen Evaluieren, Innovieren und Kooperieren spielen wahrend des gesamten Vorhabens eine wesentliche Rolle. Mein Ziel ist es, die Schulqualitat durch ein neues Sport-Angebot fur die SuS uberdauernd zu verbessern (innovieren).10

Fur die Entwicklung meines Vorhabens bedarf es der Kooperation und Rucksprache mit verschiedenen Entscheidungstragern der Schule wie der Schulleitung, der Fachkonferenz Sport und der in das Projekt eingebundenen Kolleginnen und Kollegen.

Die Nutzung von Evaluationsergebnissen soll zu einer Qualitatsverbesserung beitragen.11

5. „Beraten“

Die SuS erfahren von mir kontinuierlich Unterstutzung bei auftretenden Problemen und erhalten Anregungen zur Problemlosung. Dabei ist eine adressaten- und situationsgerechte Beratung gefordert.

Schon ein kurzer Blick auf die Lehrerfunktionen verdeutlicht, dass die klassische Rolle des reinen Wissensvermittlers den aktuell-gesellschaftlichen Anforderungen der Lehrperson nicht mehr gerecht wird.

Neben der Konzeptentwicklung und Organisation des „Fair-Play-Cups“ mussen noch einige weitere Bereich miteinander in Einklang gebracht werden. Dazu gehort neben der Durchfuhrung der FuRballliga, die Betreuung der in das Projekt involvierten SuS, die Kooperation mit verschiedenen schulischen Entscheidungstragern und die abschlieRende Evaluation des Projektes. Die genauere Betrachtung zeigt, dass die angesprochenen Bereiche stark miteinander verbunden sind, woraus sich fur die Lehrperson z.T. deckungsgleiche Aufgaben und Funktionen ergeben.

Die Lehrperson muss sowohl Inhalte vermitteln, als auch ,,Verantwortung bei der Organisation und Gestaltung von Lernprozessen innerhalb des Setting Schule"12

ubernehmen. Dies bedeutet zwangslaufig, dass die Lehrperson Schule mitgestalten und somit auch innovativ tatig werden muss. Mein Ziel ist es hierbei, den SuS die Moglichkeit eines neuen Bewegungsangebots im Schulalltag anzubieten, aber auch das eigene Verhalten in Wettkampfsituationen unter dem Aspekt bzw. der Idee der Fairness zu reflektierten. Meine gemachten Erfahrungen als FuRballtrainer einer Jugendmannschaft kommen mir hier bei der Auseinandersetzung mit dem ..Problem der Fairness" zu Gute. Diese Erfahrungen waren mir vor allem im Rahmen der Gesprachsfuhrung, bei der Konzeptentwicklung und der Organisation meines Projektes von Nutzen.

Neben einer Planungskompetenz spielt die Organisations- und Kooperationskompetenz eine bedeutende Rolle. Im Bereich der Planungskompetenz ist es von besonderer Bedeutung, dass die wichtigsten Handlungsschritte gut durchdacht und sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.

Zu den Funktionen des Organisators und Experten tritt vor allem die Funktion des ..Vorbild sein" in den Vordergrund. .,Der Sportlehrer kann durch seine Vorbildfunktion Lernprozesse positiv beeinflussen, wenn er durch seine Art - seine Begeisterungsfahigkeit und seine Schaffung eines positiv-emotionalen Klimas - auf alle SuS eingeht, auch auf die Leistungsschwacheren, weniger Begabten und/oder am Sportspiel weniger interessierten."13 In dieser Rolle wird der Lehrkraft ein hohes MaR an Flexibilitat abverlangt, da durch die Konstellation der am Projekt teilnehmenden SuS immer neue Spielsituationen entstehen.

Die Lehrkraft muss auch in der Lage sein, Hilfestellungen zu Problem- und Konfliktlosungen zu geben. Dies bedeutet, dass die Lehrperson aus einer Beobachterrolle heraus eine beratende Funktion ubernehmen muss.

Des Weiteren spielt die Reflexionskompetenz eine bedeutende Rolle. Konzepte und Projekte mussen, wenn durch diese zur Verbesserung von Schulqualitat beigetragen werden soll, auf ihren Nutzen und Probleme hin uberpruft werden. Um ein Projekt als gelungen oder misslungen bewerten zu konnen, muss die Lehrkraft zwangslaufig uber eine gute Reflexionskompetenz verfugen und einen Grundfundus an Evaluationsmethoden beherrschen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, steht einer Optimierung eines Konzeptes nichts mehr im Wege.

Nur unter diesen Voraussetzungen ist es moglich, den Nutzen eines Konzeptes zu uberprufen und einen erfolgsversprechenden Prozess der Optimierung zu gewahrleisten.

Auf der Basis dieser Lehrerrolle wurde das nachfolgend dargestellte konzeptuell entwickelte Pilotprojekt am Abtei-Gymnasium durchgefuhrt.

3. Wissenschaftspropadeutische Anlaqe

Um das Thema der Hausarbeit .Die FuRballliga der Jahrgangsstufe 6 am Gymnasium - Entwicklung und Erprobung eines Konzepts fur einen Fair-Play- Cup" transparent, verstandlich und greifbar zu machen, werden im Folgenden die einzelnen Begriffe definiert und eingegrenzt.

3.1 Beqriffsbestimmunq

Neben dem „Konzept-/Projektbegriff“, soil im weiteren Verlauf die Bedeutung des „Fair-Play“ fur den Sport definiert werden, bevor die Frage „Warum FuRball in der Schule?“ genauer betrachtet und die Bedeutung fur das Projekt herausgestellt wird.

3.1.1 Die Bedeutung des Konzepts im projektorientierten Unterricht

In erster Linie wird in diesem Abschnitt der Begriff Konzept mit der Begrifflichkeit Projekt in Einklang gebracht. Das Wort Konzept leitet sich aus dem lateinischen ,,concipere“ (erfassen, in sich aufnehmen), ,,conceptus“ (das Erfasste, das Verfasste) ab und beschreibt heute die Idee eines ersten Entwurfes, einer erster Fassung oder eines groben Planes.14

In der Literatur prazisieren GeiRler und Hege diese erste Begriffsdefinition. Sie verstehen unter einem Konzept ein Handlungsmodell, in dem Ziele, Methoden und die Verfahren in einen begrundeten Zusammenhang gebracht werden.15 Ein Konzept entsteht ihrer Meinung nach aus der Notwendigkeit heraus, eine Arbeit auf inhaltlicher Ebene zu konkretisieren. Sie stellen somit den Bezugsrahmen dar, in dem sich padagogisches Handeln vollzieht.16 Hinsichtlich dieser Untersuchung, zielt der Konzeptbegriff ,,auf einen in sich konsistent dargelegten und schlussig begrundeten Handlungsentwurfab".17 Das Ziel meiner Uberlegungen war es, ein Konzept fur eine interne FuRballliga am Gymnasium zu entwerfen, d.h. meine Gedankengange theoretisch zu strukturieren, um am Ende ein anwendbares Produkt prasentieren bzw. durchfuhren zu konnen. Dabei sollte dieses Konzept so angelegt sein, dass es auch auf andere Schulformen problemlos ubertragbar ware.18 Der Konzeptbegriff ist demnach im Wesentlichen mit den einzelnen Schritten und Merkmalen eines Projektes, welche im Voraus Orientierungspunkte zur Planung darstellen, zu vergleichen.

Das Folgende, von mir entwickelte Konzept ist in der Durchfuhrung fur das Gymnasium neu (innovativ) und bis jetzt einzigartig. Aufgrund dieser Ausgangssituation kann deshalb der „Fair-Play-Cup“ als ein „Pilotprojekt“ bezeichnet werden. In der Planung und Durchfuhrung des Konzeptes habe ich mich im Wesentlichen an den Projektschritten nach Gudjons/Bastian orientiert. Somit lasst sich die Durchfuhrung dieses Projektes in einzelne Phasen gliedern, die einer kurzen Erlauterung bedurfen.

Gudjons/Bastian zahlen vier Projektschritte, die fur eine Durchfuhrung eines Projektes von Bedeutung sind, auf:

Proiektschritt 1: Auswahl einer fur den Erwerb von Erfahrungen geeignete, problemhaltige Sachlage.

Proiektschritt 2: Gemeinsame Entwicklung eines Plans zur Problemlosung. Proiektschritt 3: Sich mit dem Problem handlungsorientiert auseinandersetzen. Proiektschritt 4: Die erarbeitet Problemlosung an der Wirklichkeit uberprufen.

Um meine geleistete Arbeit innerhalb dieses Projektes zu verdeutlichen, mochte ich nun die Durchfuhrung des „Fair-Play-Cups“ anhand der bereits genannten Projektphasen kurz darlegen. Dabei soll sowohl ein kurzer Einblick auf inhaltliche, als auch auf methodische Schwerpunkte gegeben werden.

Allgemeine Informationen zum .,Fair-Plav-Cup“ 2009/2010:

Beim Fair-Play-Cup handelt es sich um eine interne FuRballliga der Jahrgangsstufe 6. Es nahmen insgesamt alle vier Klassen dieser Jahrgangsstufe daran teil. Alle Klassen spielten in einem Ligabetrieb gegeneinander. Ziel des Turniers war es, in sechs verschiedenen Kategorien (Einwechselungen, Verhalten innerhalb des Teams, Fairness dem Gegner gegenuber, Regeln beachten und einhalten, Schiedsrichterentscheidungen akzeptieren und Organisation am Spieltag) moglichst viele .,Fair-Play-Punkte“ zu sammeln. Pro Kategorie konnten maximal funf Punkte gesammelt werden, so dass am Ende des Spieltages max. 30 Punkte erspielt werden konnten. Nach Absprache mit den ubrigen Kolleginnen und Kollegen und den SuS startete das Projekt im August 2009 und endete im Januar 2010. Die Teilnahme an diesem Projekt war freiwillig. Die Spiele fanden jeweils am Dienstag von 14.00-14.45 Uhr, im Anschluss an die letzte Stunde statt. Wahrend dieser Zeit wurden die SuS von mir vor, wahrend und nach den Spielen betreut.

Proiektschritt 1: Die Auswahl einer problemhaltigen Sachlage:

Im Rahmen meines Referendariats habe ich mir, wie schon in Punkt 1.1 erwahnt, Gedanken gemacht, wie man die Sportart FuRball fur die SuS sowie die Schule auRerhalb des Sportunterrichts, unter einer padagogischen Zielsetzung, attraktiv gestalten kann. Dafur habe ich mich mit den Kolleginnen und Kollegen der Fachkonferenz Sport19 ausgetauscht und uber Moglichkeiten eines Schulturniers oder einer FuRball AG diskutiert. Hierbei wurde schnell klar, dass die regelmaRige Durchfuhrung einer FuRball AG, aufgrund der Hallenbelegung, nur schlecht zu realisieren ist. Die Durchfuhrung eines Turniers an einem Tag kurz vor den Sommerferien fanden die Kollegen ebenfalls unpassend, da hier haufig die Bundesjugendspiele und Wandertage stattfinden. Zudem war es mir wichtig, das FuRballspiel vor einem padagogischen Hintergrund, dem Fair-Play, zu thematisieren. So habe ich mich schlieRlich dazu entschlossen, ein Konzept fur eine FuRballliga unter dem Aspekt des .,Fair-Play“ zu erarbeiten. Der Umgang mit dem Fair-Play-Gedanken stellt fur die SuS ein reales Problem dar, da eine Umsetzung in den Lebensbereichen der SuS, besonders im gemeinsamen Sporttreiben, eine Herausforderung bedeutet. Somit stellt diese Thematik den von Dewey geforderten Situationsbezug fur die SuS her. Die Auseinandersetzung mit dem Fair-Play-Gedanken beinhaltet auf diese Art und Weise eine „gesellschaftliche Praxisrelevanz" fur die SuS. Die Umsetzung der Erfahrungen aus der Schul- in die eigene Lebenswelt der SuS hinaus, stellt ein Ziel eines Projektprozesses dar.20

Proiektschritt 2: Gemeinsam einen Plan zur Problemlosung entwickeln Nachdem schlieRlich meine ersten Vorhaben einer FuRballliga zur Forderung selbstorganisatorischer Kompetenzen, Team- und Kooperationsfahigkeit und sozialer Kompetenzen, orientiert an der Idee der Fairness, sowohl von Seiten der Schulleitung, SuS, Eltern als auch von der FK-Sport eine allgemeine Zustimmung gefunden hatte, sah ich mich vor die Aufgabe gestellt, die einzelnen Projektphasen dieses Pilotprojekts zu planen. Dabei mussten zunachst essentielle Fragen geklart werden, welche leitender Funktion waren:

Welche Klassen sollen am Ligabetrieb beteiligt sein? Wie ist das Problem der schlechten Hallensituation zu losen? Welches AusmaR soll das Projekt insgesamt einnehmen? Welche Kolleginnen und Kollegen am Projekt, im Sinne eines .facherubergreifenden Unterrichts", beteiligt werden konnten. Es handelt sich in diesem Abschnitt also um die ,,zielgerichtete Projektplanung". Nach Gudjons mussen in dieser Phase des Projektes auch die SuS in die Projektplanung einbezogen werden, denn das gemeinsame Planen stellt eine wichtige Vorbereitung auf eine demokratische und zu demokratisierende Gesellschaft dar. Inwiefern die SuS in die Planung des Projektes letztlich einbezogen wurden, soll im weiteren Verlauf noch thematisiert werden. Des Weiteren spielen in dieser Phase die Selbstorganisation und Selbstverantwortung der SuS fur Dewey eine wichtige Rolle. Hierbei betont er aber ausdrucklich die Notwendigkeit der Vorausplanung der Lehrkrafte.21

Proiektschritt 3: Sich mit dem Problem handlungsorientiert auseinandersetzen ..Proiektdurchfuhrung"

Dieser Projektschritt kann als die Projektdurchfuhrung angesehen werden. Nachdem das Ziel geklart, die Planung unter Einbeziehung der SuS mit besonderer Betonung von Selbstorganisation und Selbstverantwortung der SuS erfolgt war, sollte es zu einer handlungsorientierten Auseinandersetzung mit der Thematik kommen.22 Die Durchfuhrung des Pilotprojekts erfolgte somit von September 2009 bis Ende Januar 2010. In diesem Zeitraum nahmen die SuS der Jahrgangsstufe 6 an der FuRballliga, dem „Fair-Play-Cup“, des Gymnasiums teil. Diese Phase ist besonders durch die sozialen Lernprozesse gekennzeichnet. Hier wurden auch im besonderem MaRe die Team- und Kooperationsfahigkeiten sowie ein hohes MaR an Selbstorganisation der SuS gefordert.

Proiektpunkt 4: Die erarbeite Problemlosung an der Wirklichkeit uberprufen Abgeschlossen wurde das Projekt durch eine klassenuberqreifende Sieqerehrunq in der Schulaula. Dies entspricht in erster Linie keinem greifbaren Endprodukt, das prasentiert werden konnte. Dies sollte auch nicht das Ziel des Vorhabens sein. Im Vordergrund sollte eine tiefergehende Einstellungsanderung bei den Kindern stehen, was bedeutet, dass nicht das Produkt, sondern die Qualitat des Prozesses wahrend des Turniers von Bedeutung war.23 Inwiefern die Durchfuhrung auch die erhofften Ergebnisse gebracht hat, wird im weiteren Verlauf im Bereich der Evaluation dargelegt.

Dieses „Pilotprojekt“ war vorerst auf das erste Schulhalbjahr 2009/2010 begrenzt. Es ist jedoch moglich, ein Interesse der Schulleitung vorausgesetzt, dieses Projekt im zukunftig geplanten Ganztagsbetrieb des Gymnasiums dauerhaft anzubieten. Aus diesem Grund mochte ich noch einen weiteren Punkt in meine Uberlegungen einbeziehen, welcher nicht im Projektverlauf von Gudjons/Bastian zu finden sind. Dies betrifft die Einbindung des Projektes in den Schulalltag der SuS, die sog. Projektimplementierung ins Schulprogramm.

Einbindung des Proiekts in den Schulalltag:

,,Die Erarbeitung und Fortschreibung von Schulprogrammen als Grundlage der Schulentwicklung und von Schulqualitat ist inzwischen in vielen Bundeslandern Selbstverstandlichkeit.“24 Unter dem Gesichtspunkt einer guten und gesunden Schule und der einhergehenden Forderung, mehr Bewegung in die Schule zu bringen, ist es erstrebenswert, dieses oder ein ahnliches Projekt im Schulprogramm des Abtei-Gymnasiums fest zu implementieren und somit zu institutionalisieren.25 Da am Gymnasium besonders der Sportunterricht unter Kurzungen leidet, konnte dies u.a. eine Moglichkeit zur Weiterentwicklung im Kontext zur Forderung sozialer und kooperativer Kompetenzen im Umfeld Schule bedeuten. Zudem ruckt zunehmend die Gesundheit der SuS in den Blick des schulischen Erziehungsauftrages. Das Anliegen, mehr Bewegung in die Schule zu bringen, schlieRt solche besonderen Unterrichtsformen wie Projekte ein.26 Dabei kann eine Einbettung von Bewegung in ein Schulprogramm in sehr unterschiedlicher Weise geschehen und als ein Element neben anderen im padagogischen Konzept einer Schule stehen. So konnen beispielsweise im Sportunterricht selbststandiges Lernen durch Themenorientierung, facherubergreifende Projekte und vorwiegend offene Unterrichtsgestaltung initiiert werden.27

Beitrage des Schulsports zum Schulprogramm sind zudem ausdrucklich gewunscht: ,,Sportlehrerinnen und Sportlehrer sind aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz besonders gefordert, sich im Rahmen der schulischen Entwicklungsprozesse fur die bewegungs- und sportbezogenen Anteile in der Schule einzusetzen“28 und jene mitzugestalten.

An dieser Stelle bietet es sich an, einen Bezug zu den geforderten Lehrerfunktionen herzustellen. Neben einer gelungenen Kooperation und Kommunikation mit der Schulleitung, Kolleginnen und Kollegen als auch der FK- Sport, FK Kunst sowie den SuS und Eltern mussten alle Termine (Spieltage, Siegerehrung etc.) organisiert und auf die Moglichkeit einer Realisierung hin uberpruft werden. Nebst der schulinternen Zusammenarbeit mit den Kollegen der FK Kunst, habe ich zudem eine Kooperation mit externen Partnern, dem Management des MSV Duisburg angestrebt. Wahrend der gesamten Durchfuhrung des Projektes stand ich auRerdem den SuS zu jeder Zeit begleitend als Ansprechpartner und Berater zur Verfugung.

Zu der konzeptionellen Erarbeitung der innovativen FuRballliga habe ich mir auch Gedanken uber die Entwicklung eines Evaluationsverfahrens im Anschluss an das Projekt gemacht, um eine mogliche Implementierung zu legitimieren und somit auch zur Gestaltung und Weiterentwicklung des Schulprogramms beitragen zu konnen.

Der folgende Abschnitt dieser Arbeit soll dazu beitragen, die Durchfuhrung des von mir entwickelten „Fair-Play-Cups“ und die Einbettung dessen in den Schulalltag zu legitimieren. Dazu mochte ich die wichtigsten Begriffe, namlich die Bedeutung des Fair-Play-Gedanken fur den Sport und die Frage ,,Warum FuRball in der Schule?“ erlautern und unter Verweis auf den aktuellen ,,Lehrplan Sport fur die Sekundarstufe I - Gymnasium in NRW“ genauer betrachten.

3.1.2 Per Beqriff „Fair-Plav“ im Kontext Sport

Bevor wir einen Blick auf den Begriff ,,Fair-Play“ im FuRball werfen, bedarf es zuerst einmal einerAnnaherung an das Thema ,,Fairness“.

Im Lexikon der „Ethik des Sports“ wird der Begriff Fairness folgendermaRen definiert:

"Fairness zeigt sich im Rahmen sportlicher Wettkampfhandlungen im Bemuhen der Sportler, die Regeln konsequent und bewusst (auch unter erschwerten Bedingungen) einzuhalten oder sie zumindest nur selten zu ubertreten, im Interesse der Chancengleichheit im Wettkampf weder unangemessene Vorteile entgegenzunehmen noch unangemessene Nachteile des Gegners auszunutzen und den Gegner nicht als Feind zu sehen, sondern als Person und Partner zu achten."29

Nach Robert Pohl beschreibt der Begriff ,,Fairness“ den Kernbegriff einer ,,Spezialethik des Sports“. Das Ziel dieser ,,Spezialethik des Sports“ besteht seiner Meinung nach darin, die besonderen normen- und wertrelevanten Problemstellungen dieses Lebensbereiches zu entschlusseln.30 Er bezeichnet den Begriff „Fairness“ als moralischen Angelpunkt des Sports und schreibt ihr drei Funktionen zu. Die Funktion der Fairness aus:

- utilitaristischer
- kulturphilosophischer
- anthropologischer ... Sicht

Der fur diese Arbeit bedeutende Aspekt, welcher im Folgenden betrachtet werden soll, ist die Funktion der Fairness aus utilitaristischer Sicht. Dieser Ansicht nach unterliegt das moralische Handeln im Sport keinem Selbstzweck, sondern ist auf einen konkreten Nutzen bezogen, namlich das groRte allgemeine Wohlergehen zu fordern. ,,Die Aufgabe einer jeden Spielart utilitaristischen argumentierender Ethik besteht deshalb darin, solche MaRstabe zu entwickeln, die dem obersten Kriterium des groRten Glucks der groRten Zahl der Beteiligten gerecht werden (,the greatest happiness principle')“31

Dies kann durch die Absprache und das Einhalten von Regeln gelingen. Das Befolgen der Regeln bietet die beste Voraussetzung fur einen optimalen Wettkampfverlauf und garantiert somit auch ein Glucksmaximum fur alle am Wettkampf direkt beteiligten Personen (wettkampfimmanente Grund). Durch das Einhalten der Regeln konnen auch uber den Wettkampf hinaus positive ,,Echoeffekte“ initiiert werden, z.B. indem fairen Wettkampfen eine Vorbildwirkung furfolgende Wettkampfe zukommen kann.32

Der Begriff des ,,Fair-Play“ geht mit dem der Fairness einher, wird aber durch die Internationale Fair-Play-Charta noch um den Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehungen erweitert und folgendermaRen definiert:

„Fair Play bezeichnet nicht nur das Einhalten der Spielregeln, Fair Play umschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers: der Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Fair verhalt sich derjenige Sportler, der vom anderen her denkt.“33

Zusammengefasst gebietet Fairness: Anerkennung der Spielregeln, einen partnerschaftlichen Umgang mit dem Gegner, auf gleiche Chancen und Bedingungen zu achten, das Gewinnmotiv zu begrenzen, aber auch die Haltung in Sieg und Niederlage zu bewahren.

3.1.3 Warum FuRball in der Schule?

Warum muss eigentlich FuRball im Sportunterricht thematisiert werden?

Wie schon in der Einleitung erwahnt, ist der FuRball in den Medien allgegenwartig und begeistert die Massen in Deutschland.

„lm Jahr 2007 spielten 2,3 MHHonen Jungen und Madchen in Vereinen organisiert FuRball. [...] FuRball ist unter den Sportarten die Nummer Eins in Deutschland/34

Viele der Kinder und Jugendlichen haben also schon im Sportverein ihre ersten FuRballerfahrungen gesammelt. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 ist FuRball bei den Jungen mit 42% die Hauptsportart sowie Einstiegssportart Nummer eins. Bei den Madchen ist der FuRball mit einem Anteil von 6% unter den Top 5 der Sportarten vertreten (Platz 1 weiblich: Reiten 16%).35 Ware gerade dies nicht ein Grund eher andere, weniger populare Sportarten im Unterricht zu thematisieren, um den SuS ein moglichst breites Spektrum an neuen Bewegungserfahrungen zu ermoglichen? Nach Blumhoff resultiert zudem aus der Popularitat des FuRballs bei Kindern ein entsprechend hoher Ehrgeiz, welchen wir auch in der Sportstunde beim Thema FuRball wiederfinden. Dadurch kann es haufig zu einem Reizthema fur die Lehrkraft und SuS werden. Wie auch von meinen Kolleginnen und Kollegen im Sportunterricht beobachtet, sieht Blumhoff einen Hauptgrund, der zu Konflikten fuhrt, wenn spielschwache Spieler das erfolgreiche Spiel der ,,Konner“ gefahrden.36

Wahrend die ,,Konner“ mit einem groRen Siegeswillen das Spiel angehen, greifen die ubrigen SuS, wenn sie ,,einem Ball nicht ausweichen konnen nur alibimaRig und wenig engagiert ein“37. Das fuhrt dann haufig dazu, dass schwachere SuS kaum angespielt werden, um Ballverluste zu vermeiden und die Gewinnchancen moglichst hoch zu halten. Darunter leidet nicht nur das Spiel, sondern auch die Motivation und das Selbstvertrauen der SuS. Auch der Unterschied zwischen dem Anspruch von SuS und Lehrerinnen und Lehrer kann zu Problemen im Sportunterricht fuhren. Wahrend sich die einen ein spannendes Spiel vorstellen, denken die anderen an das Erlernen der technischen Fertigkeiten.38 Warum also FuRball in der Schule?

Im Sinne einer vom Lehrplan geforderten Schulerorientierung39 halte ich es deshalb besonders wichtig, den SuS die Moglichkeit zu geben, die von ihnen favorisierte Sportart FuRball auch im Unterricht zu thematisieren, denn das Spiel bietet viele Moglichkeiten die Bildungspotenziale eines erziehenden Sportunterrichts zu realisieren.40 Teamfahigkeiten und Kooperationsfahigkeit zahlen zu den wichtigsten sozialen Kompetenzen fur das Sporttreiben und werden auch im Lehrplan unter der padagogischen Perspektive E ,,kooperieren, wettkampfen und sich verstandigen“ eingefordert. Phanomenologisch gesehen ist ein Wettkampf als kooperatives Unterfangen zweier Teams zu verstehen. FuRball bietet dabei die Moglichkeit, Kooperation im Miteinander des Zusammenspiels einer Mannschaft zu erfahren, aber auch Kooperation im Gegeneinander zu thematisieren.41 Genau das war mein Gedanke bei der Durchfuhrung des ,,Fair- Play-Cups“. Mit der Durchfuhrung der FuRballliga mochte ich dazu beitragen, die Kooperations- und Teamfahigkeit innerhalb der Klasse unter dem Aspekt der Fairness, im Spiel gegen eine andere Klasse, zu fordern. Zudem sollen die SuS ein positives, verantwortungsvolles Wertebewusstsein entwickeln. Die SuS sollen dabei, wie vom Lehrplan gefordert, wahrend des Spiels ein gelungenes Miteinander erleben, aber auch mit entstehenden Problemen und Konflikten im sozialen Miteinander konfrontiert werden und sich mit diesen auseinandersetzen.42

4. Proiekterlauterunq

Um den praktischen Teil meiner Arbeit zu strukturieren, mochte ich im weiteren Verlauf auf die einzelnen Projektphasen eingehen. Dabei sollen nicht nur die einzelnen Schritte meiner Planungen und die Durchfuhrung in den Blick genommen, sondern auch ein kontextueller Bezug zu den von mir im Vorfeld erwahnten Lehrerfunktionen hergestellt werden. An dieser Stelle halte ich es zudem fur sinnvoll, einen Bezug zu den Rahmenvorgaben der Richtlinien und dem Lehrplan Sport fur die Sekundarstufe I am Gymnasium in NRW herzustellen, um die Durchfuhrung des Projektes zu legitimieren.

4.1 Spielen in Reqelstrukturen - Sportspiele (Inhaltsbereich 7)

Der Inhaltsbereich 7 ,,Spielen in Regelstrukturen - Sportspiele“ ist als integraler Bestandteil der Inhaltsbereiche 1 bis 9 zu verstehen und auch fur das vorliegende Konzept von Bedeutung. Dieser Inhaltsbereich umfasst die gelaufigen Partner- und Mannschaftssportspiele, die von einer vorgegebenen Spielidee und einem historisch gewachsenen Regelwerk charakterisiert sind. Diese Spiele erfordern von den SuS verschiedene Kompetenzen, um ein gelingendes Sportspiel zu gewahrleisten. Das Handeln in bestimmten Spielsituationen ist einerseits durch differenzierte Regelvorschriften, strategische Festlegungen und motorische Standards charakterisiert, andererseits gelingt erfolgreiches Agieren nur durch ein flexibles und kreatives Spiel. Die besondere Bedeutung und Relevanz des Inhaltsbereichs fur das Projekt wird durch die folgende Aussage bestarkt: ,,Im Ausbalancieren dieser Herausforderungen bei moglichst konfliktarmer, sozial gelingender Kommunikation unter den Spielbeteiligten halten gerade die Sportspiele bedeutsame Erfahrungen bereit.“43

Fur eine Erziehung zu einem fairen, verantwortungsvollen Regelbewusstsein, aber auch zur Selbstverantwortung und Reflexionsfahigkeit bieten demnach die Sportspiele eine geeignete Grundlage. Diese tragen nicht nur zur Verinnerlichung des Fair-Play-Gedanken bei, sondern konnen daruber hinaus noch die Klassengemeinschaft durch eine Forderung der Team- und Kooperationsfahigkeiten starken.

[...]


1 http://www.sportunterricht.de/lksport/fairaggzit.html, 01.04.2010.

2 Vgl. Richtlinien und Lehrplane fur die Sekundarstufe I in NRW. Gymnasium. Sport, 2001, S.12 f.

3 Vgl. A.a.O. , S. 38.

4 Vgl. Schiffer, Jurgen, FuRball als Kulturgut, S.148 f.

5 http://www.handelsblatt.com/magazin/fussball/fussball-bundesliga-bundesliga-neuer- besucherrekord-in-hinrunde;2502611, 29.03.2010.

6 Schulerinnen und Schuler im weiteren Verlauf mit „SuS“ abgekurzt.

7 Vgl. Blumhoff, Gunther, FuRball in der Schule-ein Reizthema! S.21.

8 Vgl. www.bildungsportal.nrw.de/BP/Schulrecht/Lehrerausbildung/Rahmenvorgabe_OVP.pdf,

29.03.2010.

9 Vgl. http://seminar.ham.nw.schule.de/portal/studienseminarentwicklung/S K I Gesamt.pdf,

29.03.2010.

10 Vgl. www.bildungsportal.nrw.de/BP/Schulrecht/Lehrerausbildung/Rahmenvorgabe_OVP.pdf,

30.03.2010.

11 Vgl. http://seminar.ham.nw.schule.de/portal/studienseminarentwicklung/S K I Gesamt.pdf,

30.03.2010.

12 Holtappels, Heinz-Gunter: Schulqualitat durch Schulentwicklung und Evaluation, S. 12.

13 Schmidt, Werner, Lehren und Lernen im Sportspiel, S. 495.

14 Vgl. Schreibtisch Bibliothek, Lexikon der Fremdworter.

15 GeiRler/Hege: Konzepte sozialpadagogischen Handelns, S. 23.

16 Vgl. a.a.O., S. 24.

17 Vgl.http://www.pruefungsamt.nrw.de/Info_zur_Pruefung/Hausarbeit/Hinweise_zur_Hausarbeit__ S

tand_November_2006.pdf, 2006, S. 7, 04.04.2010.

18 Vgl. a.a.O., S. 8, 04.04.2010.

19 Fachkonferenz im weiteren Verlauf mit FK abgekurzt

20 Vgl. Gudjons/Bastian: Das Projektbuch II, S. 28 f.

21 Vgl. a.a.O., S. 33 f.

22 Vgl. a.a.O., S. 35.

23 Vgl. Gudjons/Bastian: Das Projektbuch II, S. 37.

24 Dr. Kottmann, Lutz: Bewegungsfreudige Schule- Schulentwicklung bewegt gestalten, S., S. 195.

25 Vgl. a.a.O., S.193.

26 Vgl. Laging, Ralf: Neues Taschenbuch des Sportunterrichts, S.397.

27 Vgl. Dr. Kottmann, Lutz: Bewegungsfreudige Schule- Schulentwicklung bewegt gestalten, S.193.

28 Richtlinien und Lehrplane fur die Sekundarstufe I - Gymnasium in NRW, 2001, S. 53.

29 Vgl. http://www.sportunterricht.de/fairplay/wasist.html, 08.04.2010.

30 Vgl. Prohl, Robert: Der „Fairness“ auf der Spur, S. 167.

31 Vgl. Prohl, Robert, Der „Fairness“ auf der Spur, S. 167.

32 Vgl. a.a.O., S. 170.

33 http://www.sportunterricht.de/fairplay/fairdekla.html, 08.04.2010.

34 Blumhoff, Gunther, FuRball in der Schule-ein Reizthema! S. 21.

35 Schmidt, Werner, Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht, S. 159.

36 Blumhoff, Gunther, FuRball in der Schule-ein Reizthema! S. 21.

37 Vgl. a.a.O., S. 21.

38 Vgl. a.a.O., S. 21.

39 Vgl. Richtlinien und Lehrplane furdie Sekundarstufe I in NRW. Gymnasium. Sport, 2001, S.19.

40 Vgl. Frick, Ullrich, FuRball in der Schule und Verein - Eine Herausforderung fur Forschung und Lehre, S. 28.

41 Vgl. a.a.O. S. 29; Vgl. Singer, Roland, Praxis sozialen Lernens im Sportunterricht, S. 49.

42 Vgl. Richtlinien und Lehrplane furdie Sekundarstufe I in NRW. Gymnasium. Sport, 2001, S.12.

43 Vgl. a.a.O., S. 44.

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Die Fußballliga am Gymnasium
Untertitel
Entwicklung und Durchführung eines Konzepts für einen "Fair-Play-Cup"
Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen Oberhausen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
53
Katalognummer
V165030
ISBN (eBook)
9783640806409
ISBN (Buch)
9783640806751
Dateigröße
1374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball Turnier, Fußball in der Schule, Fair Play in der Schule, Stärkung des Klassenverbandes
Arbeit zitieren
StR. Marcel Lange (Autor), 2010, Die Fußballliga am Gymnasium , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165030

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