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Zur Rolle meta-semantischer Praktiken im philosophischen Streitgespräch

Titel: Zur Rolle meta-semantischer Praktiken im philosophischen Streitgespräch

Hausarbeit , 2025 , 43 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Argumentation im Gespräch wird in der Philosophie seit alters her eine bedeutende Rolle zugesprochen oder gar zum Hauptkriterium ihrer Definition erhoben. Zeitgenössische Vertreter ihres Faches erkennen dabei immer mehr die Rolle der Rhetorik und ihrer lange Zeit als bloßen Redeschmuck verpönten Mittel an. Aus Sicht der Linguistik stellt sich dabei die Frage, welche gesprochen-sprachlichen Ressourcen Sprecher im Dialog für ihre Argumentation verwenden.

Anhand eines Talkshowvideos des schweizer Medienunternehmens SRF, das online unter dem Titel »Soll man Sex kaufen dürfen?« zu finden ist, wird gezeigt, welchen Stellenwert meta-semantische Praktiken in der philosophischen Argumentation einnehmen können. Bei der Aufnahme handelt es sich um ein Beispiel aus dem Format »Sternstunde Philosophie«, das sich mit gesellschaftlichen Kontroversen rund um die Begebenheit der Prostitution befasst. Bewusst als Streitgespräch konzipiert, lädt SRF zur Debatte, die einigen Aufschluss für die hiesige Untersuchung bietet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
  • 1. Bedeutung als interaktionales Phänomen
    • 1.1. Methodische Vorüberlegung
    • 1.2. Meta-semantische Praktiken
  • 2. Meta-semantische Praktiken in philosophischen (Streit-)Gesprächen
    • 2.1. „Auch mein Körper is keine Ware“ oder die Frage Was ist Prostitution?
  • Fazit
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der Überprüfung und Spezifizierung der These, dass in der Philosophie als nicht-empirischer Disziplin, die primär auf Begriffsarbeit ausgerichtet ist, die Teilnehmer eines Diskurses vorrangig an Semantisierungsfragen interessiert sind und spezielle Verfahren zu deren argumentativer Nutzung entwickeln. Sie untersucht, welche gesprochen-sprachlichen Ressourcen Sprecher im Dialog für ihre Argumentation einsetzen.

  • Die Rolle von Argumentation und Rhetorik in philosophischen Gesprächen.
  • Semantik als dynamisches Diskursphänomen in der Gesprächslinguistik.
  • Identifikation und Analyse meta-semantischer Praktiken als rhetorische Ressourcen.
  • Methodische Grundlagen der Interaktionalen Linguistik und Gesprächsanalyse.
  • Fallstudie zu philosophischen (Streit-)Gesprächen am Beispiel der Prostitution.
  • Bedeutungskonstitution im Kontext verbaler Interaktion.

Auszug aus dem Buch

1.1. Methodische Vorüberlegung

Von Interesse ist der Gegenstand der gesprochenen Sprache deshalb, weil sowohl die geschrie- bene als auch die gesprochene Sprache nach je eigenen Gesetzmäßigkeiten beschrieben werden können, auf die weiter unten noch einzugehen ist. Zunächst sollte festgehalten werden, dass Arbeiten mit gesprächsanalytischem Fokus an der Kommunikation zwischen Gesprächspart- nern als einem sprachlichen Verhalten interessiert sind (vgl. Linke et al. 2004: 294). Depper- mann (2008:9f.) drückt dieses Interesse zunächst sehr einfach aus: „Sie [die Gesprächsanalyse, D.W.] will wissen, wie Menschen Gespräche führen“, um dann zu präzisieren: Sie untersucht, nach welchen Prinzipien und mit welchen sprachlichen und anderen kommunikativen Ressour- cen Menschen ihren Austausch gestalten und dabei die Wirklichkeit, in der sie leben, herstellen. Diese Ge- sprächswirklichkeit wird von den Gesprächsteilnehmern konstituiert, d.h. sie benutzen systematische und meist routinisierte Gesprächspraktiken, mit denen sie im Gespräch Sinn herstellen und seinen Verlauf organisieren [...] Im Zentrum stehen in jedem Falle die Gesprächspraktiken, mit denen die Gesprächsteilnehmer Gesprächs- aufgaben, Probleme und Ziele unterschiedlichster Art und auf verschiedenen Ebenen der Interaktionskonstitu- tion bearbeiten.

Eine an diese Bestimmung angelehnte Forschungsfrage für das hiesige Unternehmen könnte also folgendermaßen lauten: Welche Ressourcen nutzend und welchen Prinzipien folgend, stel- len Menschen die Gesprächswirklichkeit,philosophisches Gesprächʻ aktiv her und bearbeiten auf dieser Grundlage spezifische, sich hieraus ergebende Kommunikationsaufgaben? Eine, wenn nicht die dominante, Handlungsressource stellen sprachliche Mittel in einem en- geren Sinne dar, wie beispielsweise die Wortwahl oder der Satzbau, die von der allgemeinen Linguistik für den Bereich der geschriebenen Sprache längst umfänglich kategorisiert wurden. Im Gegensatz zu einer solchen systematischen Betrachtungsweise verstehen interaktional-lin- guistische Studien ihr Untersuchungsobjekt unter dezidiert funktionalen Vorzeichen: Sprache wird als Mittel zur Ausübung interaktionaler Funktionen bzw. zur Behebung kommunikativer Prob- leme betrachtet. Es werden also keine Beschreibungen abstrakter Formen geliefert, sondern es wird stets die Frage gestellt, zu welchem Zweck in einer Interaktion ein bestimmtes sprachliches Mittel eingesetzt wird (Imo/Lanwer 2019:69).

Offensichtlich kann man das Interesse der Interaktionalen Linguistik also als ein pragmatisches kennzeichnen, nämlich insofern, als in beiden linguistischen Disziplinen ein enger Funk- tionszusammenhang bei sprachlichen Äußerungen relevant gesetzt wird. Auch die Kon- textabhängigkeit der Interpretation wird von beiden Seiten stark betont (vgl. Meibauer 2008:2ff.). Je nachdem, wie weit der Pragmatik-Begriff nun gefasst wird, verschwinden die Grenzlinien zunehmend. Manche Autoren betonen die „starke Orientierung [der Interaktionalen Linguistik, D.W] an organisatorischen und strukturellen Aspekten des Miteinander-Sprechens“ (Linke et al. 2004:294). Andere unterstellen klassischen Positionen der Pragmatik (z.B. der Sprechakttheorie) „zu stark simplifizierende Ansichten über sprachliche Funktionen, die der sozialen Realität des alltäglichen Handelns kaum gerecht werden“ (Imo/Lanwer 2019:63f.). Hier ist kein Platz, um in dieser Frage überhaupt begründet Stellung zu beziehen. Für den wei- teren Verlauf genügt lediglich die Beobachtung, dass in den soeben referierten Distinktionsver- suchen Aspekte zur Sprache kommen, die wohl grundlegend für die besondere Behandlung von gesprochener Sprache sind, wie sie im Rahmen der Interaktionalen Linguistik gepflegt wird. Angesprochen wird einerseits die Orientierung an organisationalen strukturellen Aspekten ei- nes Gesprächs sowie andererseits ein Bewusstsein davon, wie eine komplexe soziale Realität die Funktionen einer Sprache beeinflusst. Soweit das hier beurteilt werden darf, sind es vor allem die Arbeiten von Arnulf Deppermann, die diese Einsichten ins Methodische wenden. An einer Stelle (Deppermann 2007:3ff.) werden fünf Prinzipien aufgestellt, die Hinweise darauf geben, wie verbale Interaktion grundsätzlich funktioniert: Akteure produzieren Handlungssequenzen aus einem Pool semiotischer Ressourcen. Bedeu- tung wird also aktiv hergestellt (Konstitutivität). Diese Handlungssequenzen als sprachliche Strukturen werden in der Zeit sukzessive aufgebaut (Prozessualität/„Sequenzialität“ bei Imo/Lanwer 2019:693). Dies beides wird als ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Akteuren re- alisiert, wodurch sich die besondere Notwendigkeit ergibt, Bedeutungen (u.a.) diskursiv auszu- handeln (Interaktivität). Nur so können Gesprächsteilnehmer kommunikative Probleme lösen (Pragmatizität). Unterstützt werden die Akteure dabei durch die Möglichkeit, auf sprach- und kulturspezifische Methoden zur Sinnherstellung zurückzugreifen (Methodizität). Imo und Lan- wer (2019:69) verweisen ergänzend noch auf das Prinzip der Kontextualität, das besagt, dass situative Faktoren und bestimmte Rollenverständnisse Gesprächsformen ganz maßgeblich be- einflussen. Im zweiten Teil der Arbeit wird hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt die These auf, dass philosophische Diskurse primär von Semantisierungsfragen geprägt sind, und skizziert die methodische Grundlage sowie den Untersuchungsgegenstand der Arbeit.

1. Bedeutung als interaktionales Phänomen: Dieses Kapitel legt die begrifflichen und methodischen Grundlagen der Arbeit dar, indem es sprachliche Bedeutung als dynamisches Diskursphänomen in der Gesprächslinguistik betrachtet und meta-semantische Praktiken als rhetorische Ressource in Streitgesprächen einführt.

1.1. Methodische Vorüberlegung: Der Abschnitt erläutert das Interesse der Gesprächsanalyse an sprachlichem Verhalten in Interaktionen und stellt die Prinzipien verbaler Interaktion vor, die als Grundlage für die Bedeutungsherstellung dienen.

1.2. Meta-semantische Praktiken: Hier werden verschiedene meta-semantische Praktiken wie Definition, Spezifikation und Verbegrifflichung definiert und erläutert, die als Mittel zur Aushandlung und Klärung lokaler Bedeutung in Gesprächen dienen.

2. Meta-semantische Praktiken in philosophischen (Streit-)Gesprächen: Dieses Kapitel demonstriert anhand eines Talkshow-Videos zur Prostitution die Anwendung und Relevanz meta-semantischer Praktiken in philosophischen Streitgesprächen.

2.1. „Auch mein Körper is keine Ware“ oder die Frage Was ist Prostitution?: Ein konkreter Gesprächsausschnitt wird analysiert, um zu zeigen, wie meta-semantische Praktiken zur Konstitution von Bedeutungen und zur Stärkung von Streitpositionen im Kontext der Prostitutionsdebatte eingesetzt werden.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass meta-semantische Praktiken in philosophischen Streitgesprächen als rhetorische Ressource dienen und die Semantik philosophischer Gespräche durch den häufigen Wechsel der Ebenen zur präzisen Begriffsarbeit charakterisiert ist.

Schlüsselwörter

Meta-Semantik, Praktiken, philosophisches Streitgespräch, Gesprächsanalyse, Interaktionale Linguistik, Bedeutungskonstitution, Definition, Spezifikation, Verbegrifflichung, Rhetorik, Argumentation, Prostitution, Intersubjektivität, Sprachphilosophie, Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle meta-semantischer Praktiken in philosophischen Streitgesprächen, insbesondere wie diese zur Bedeutungsherstellung und argumentativen Positionierung eingesetzt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Argumentation im Gespräch, die Rolle der Rhetorik in der Philosophie, die Semantik als dynamisches Diskursphänomen und die Analyse meta-semantischer Praktiken in konkreten philosophischen Streitgesprächen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Überprüfung und Spezifizierung der These, dass Teilnehmer an philosophischen Diskursen primär an Semantisierungsfragen interessiert sind und besondere Verfahren zu deren argumentativer Nutzung entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt Ansätze der Interaktionalen Linguistik und Gesprächsanalyse, die sprachliche Bedeutung als ein dynamisches Diskursphänomen betrachten und auf authentisches Gesprächsmaterial angewendet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die begrifflichen und methodischen Grundlagen der Interaktionalen Semantik und der meta-semantischen Praktiken dargelegt und anschließend anhand eines Beispiels aus einem philosophischen Streitgespräch über Prostitution demonstrativ analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Meta-Semantik, Praktiken, philosophisches Streitgespräch, Gesprächsanalyse, Interaktionale Linguistik, Bedeutungskonstitution, Definition, Spezifikation, Verbegrifflichung, Rhetorik, Argumentation, Prostitution, Intersubjektivität, Sprachphilosophie und Diskurs.

Was versteht die Arbeit unter "meta-semantischen Praktiken"?

Meta-semantische Praktiken werden als Tätigkeiten verstanden, die von Gesprächsakteuren genutzt werden, um die lokale Bedeutung von Äußerungen auszuhandeln oder zu klären, oft durch das Wechseln auf eine Meta-Ebene der Bedeutungsklärung.

Warum werden philosophische Gespräche als geeigneter Untersuchungsgegenstand gewählt?

Philosophische Gespräche gelten traditionell als Ort der Erkenntnisgewinnung und involvieren Begriffsarbeit, was sie zu einem idealen Feld für die Untersuchung semantischer Aushandlungsprozesse und meta-semantischer Praktiken macht.

Welche Rolle spielt der Konflikt in philosophischen Streitgesprächen laut der Arbeit?

Der Konflikt ist ein wesentlicher Anlass für den Einsatz meta-semantischer Praktiken und eine conditio sine qua non der Philosophie, da ohne die Profilierung gegensätzlicher Positionen keine argumentative Kontur entstehen kann.

Welches konkrete Fallbeispiel wird in der Arbeit analysiert?

Die Arbeit analysiert einen Ausschnitt aus der SRF Talkshow "Sternstunde Philosophie" mit dem Titel »Soll man Sex kaufen dürfen?«, um die Anwendung meta-semantischer Praktiken im Kontext der Debatte um Prostitution zu demonstrieren.

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Details

Titel
Zur Rolle meta-semantischer Praktiken im philosophischen Streitgespräch
Hochschule
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Sprachvariation
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
43
Katalognummer
V1651191
ISBN (PDF)
9783389165126
ISBN (Buch)
9783389165133
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesprächsanalyse Konversationsanalyse Interaktionale Linguistik Interaktionale Semantik Mündlicher Sprachgebrauch Streit Sprachliche Bedeutung Sprachvariation Gesprochene Sprache Philosophischer Streit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2025, Zur Rolle meta-semantischer Praktiken im philosophischen Streitgespräch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1651191
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Leseprobe aus  43  Seiten
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