Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Psychology - Social Psychology

Nur ein "Amokläufer"? - Sozialpsychologische Zeitdiagnose "nach Erfurt"

Title: Nur ein "Amokläufer"? - Sozialpsychologische Zeitdiagnose "nach Erfurt"

Scientific Essay , 2002 , 19 Pages

Autor:in: Dr. Richard Albrecht (Author)

Psychology - Social Psychology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Zum Text

Der hier nun auch als GRIN-Broschüre 2008 veröffentlichte Text von Richard Albrecht nahm den damaligen sogenannten Amoklauf Ende April 2002 an einem Erfurter Gymnasium zum Anlaß, um – ähnlich wie vorher schon (und unter ausdrücklichen Bezug darauf) Dr. Klaus Nikolaus Wenzel: Amoklauf ins Dritte Jahrtausend. Die Globalisierung anders gesehen (1999): http://www.multi-mediale-kompetenz.ag.vu/amoklauf.html [080208] – eine knappe Zeitdiagnose im Sinne Karl Mannheims („diagnosis of our time“) unter kulturanalytisch-sozialpsychologischer Perspektive zu skizzieren.

Richard Albrechts Text wurde 2002 in der Fachzeitschrift „Recht und Politik“, 38 (2002) 3, pp. 143-152, primarpubliziert und rasch unter anderem in den Zeitschriften „liberal“ (Heft 3, 2002) und „sinn-haft“ (Heft 13,2002) nachgedruckt. Die Schriftststellerin Dr. Karin Jäckel, die den Text damals auf ihrer Autorennetzseite placierte, lobte den Essay seinerzeit öffentlich „wegen des darin ausgebreiteten Wissens und der spürbaren emotionalen Komponente“.


Zum Autor

Richard Albrecht, PhD., ist Sozialwissenschaftler und Bürgerrechtler, Autor und - seit Sommer 2007 - Editor des unabhängigen Halbwochenmagazins moz.art1 (http://de.geocities.com/earchiv21/moz.art1.htm). Der Autor veröffentlichte zuletzt die Bücher StaatsRache - Justiz-kritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem). München: GRIN Verlag für akademische Texte, 2005; 2007² (http://www.wissen24.de/vorschau/36391.html). - „Demoskopie als Demagogie“ (Aachen: Shaker, 2007). - Genozidpolitik im 20. Jahrhundert (Aachen: Shaker, 2006/07, drei Bände). - Crime/s Against Mankind, Humanity, and Civilisation (München: GRIN 2007); Bürgerrechte – Staatspflichten – Rechtsprechung – Bürokratie (München: GRIN, 2008 [= Justizkritik 1]). - „Beleidigung“ – Materialien zur Kritik eines justiziellen Phantomdelikts (München: GRIN, 2008 [= Justizkritik 2]).


Korrespondenzadresse
dr.richard.albrecht@gmx.net

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

Zielsetzung und Themen der Publikation

Die vorliegende Arbeit versteht sich als sozialpsychologische Zeitdiagnose, die das Erfurter Ereignis vom 26. April 2002 zum Anlass nimmt, um tiefgreifende gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und deren destruktive Auswirkungen auf das Individuum zu untersuchen. Ziel ist es, die Tat jenseits von monokausalen oder rein moralisierenden Erklärungen in den Kontext von Enttraditionalisierung, Bindungslosigkeit und Sinnverlust zu stellen und ein rationales Verständnis für derartige Gewaltphänomene zu fördern.

  • Kritische Analyse gängiger Erklärungsansätze zum "Amoklauf" und zu Massenmorden.
  • Untersuchung gesellschaftlicher Umbruchsprozesse wie Individualisierung, Differenzierung und Pluralisierung.
  • Diskussion der Rolle von Medien und soziokulturellen Faktoren bei der Entstehung von Gewalt.
  • Reflektion über die Krise intermediärer Strukturen und den Wandel zur "abstrakten Gesellschaft".
  • Erarbeitung eines differenzierten soziologischen Deutungsrahmens für jugendliche Gewalt und Vernichtungshandeln.

Auszug aus dem Buch

II.

Unabhängig davon, ob es je einen dauerhaften Zustand sozialer Harmonie gegeben hat oder überhaupt geben kann - Nikolaus Wenzels zitiertem Hinweis auf Amoklauf als soziale Institution ist in einer Hinsicht nachzugehen: Gerade bei dem, was hierzulande so umstandslos als Amok oder Amoklauf oder Amokläufer bezeichnet - auch etikettiert - wird, geht es um gesellschaftliche Umstände. Weshalb ihre (nüchterne) Beschreibung als Voraussetzung für (sozialwissenschaftliche) Erklärung/en notwendig und noch lange keine Rechtfertigung etwa des Erfurter Blutbads vom 26.April 2002 ist...jenseits aller bloß moralisierenden Kritik und der sich in ihr ausdrückenden kritisierenden Moral. Insofern geht es auch nicht vordringlich um die Persönlichkeit des 19-jährigen Täters und “Amokläufers” Robert Steinhäuser, der als relegierter Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasium ebendort maskiert eindrang und mit 71 Schüssen aus seiner Pistole insgesamt 16 Menschen -darunter 13 Lehrer/innen- tötete und sich, nachdem ihn ein Lehrer erkannte, stellte, ansprach, demaskierte und mutig abdrängte, anschließend selbst erschoss...vielmehr geht es um sich auch in dieser Tat destruktiv ausdrückende Wirksamkeiten bekannter gesellschaftlicher Prozesse von Enttraditionalisierung, Bindungslosigkeit und Sinnverlust im Prozess beschleunigter Modernisierung.

Zusammenfassung der Kapitel

I.: Einführung in die Begriffsgeschichte des "Amoklaufs" und Abgrenzung zwischen dem ursprünglichen kulturellen Phänomen und modernen Interpretationen.

II.: Analyse des Erfurter Blutbads als Symptom gesellschaftlicher Enttraditionalisierung und Bindungslosigkeit im Zuge der Modernisierung.

III.: Kritische Einordnung der Begriffe "Amoklauf" und "Massaker" sowie Abgrenzung zu tatsächlichen Tatmustern.

IV.: Auseinandersetzung mit populistischen und monokausalen Erklärungsmodellen, wie der Medien- oder Videospielkritik nach Erfurt.

V.: Auseinandersetzung mit der Theorie von Wolfgang Sofsky und Kritik an der Sichtweise des Amoklaufs als unvermeidbares soziales Schicksal.

VI.: Darstellung der Erklärungsansätze von Johannes Schwarte und Götz Eisenberg zu den Hintergründen des neuen Tätertyps.

VII.: Vertiefende Auseinandersetzung mit der psychodynamischen Deutung von Götz Eisenberg und der Rolle von Massenmedien bei der Imitation von Gewalttaten.

VIII.: Einordnung der Problematik in das soziologische Konzept der "abstrakten Gesellschaft" und den Verlust intermediärer Strukturen.

Schlüsselwörter

Amoklauf, Erfurter Blutbad, Sozialpsychologie, Modernisierung, Anomie, Gewaltforschung, Enttraditionalisierung, Identitätsfragmentierung, Schulmord, Soziale Integration, Intermediäre Gruppen, Abstrakte Gesellschaft, Bindungslosigkeit, Gesellschaftliche Pathologie, Zeitdiagnose.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation liefert eine sozialpsychologische Analyse und Zeitdiagnose des Amoklaufs von Erfurt im Jahr 2002, indem sie die Tat in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext einbettet.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Modernisierung, Individualisierung und Enttraditionalisierung auf das Individuum sowie die Erosion intermediärer gesellschaftlicher Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Tat rational zu erklären, statt sie durch moralisierende oder populistische Deutungen (wie die Schuldzuweisung an Medien) zu vereinfachen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen sozialwissenschaftlichen Ansatz, der sich an soziologischen Theorien (u.a. Durkheim, Giddens, Zijderveld) auf mittlerer Reichweite orientiert, um das gesellschaftliche Gesamtgefüge zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Kritik an gängigen Deutungsversuchen, der Analyse spezifischer Tätertypen und der Diskussion soziopathischer Identitätsformen in der modernen Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Anomie, Bindungslosigkeit, Modernisierung, Enttraditionalisierung und das Konzept der abstrakten Gesellschaft.

Warum lehnt der Autor die Bezeichnung "Amoklauf" für Erfurt ab?

Der Autor argumentiert, dass wichtige Merkmale eines Amoklaufs – wie das planlose, rauschhafte Element und die Zufälligkeit der Opfer – auf die geplante Tat in Erfurt nicht zutreffen.

Welche Bedeutung kommt dem Konzept des "Homo duplex" zu?

Das Konzept beschreibt die notwendige Balance des Menschen zwischen privatem Innenleben und den institutionellen Strukturen der Gesellschaft, deren Störung zur Gefährdung der menschlichen Integrität führt.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Nur ein "Amokläufer"? - Sozialpsychologische Zeitdiagnose "nach Erfurt"
Author
Dr. Richard Albrecht (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V16515
ISBN (eBook)
9783638213479
ISBN (Book)
9783638909785
Language
German
Tags
Amokläufer Sozialpsychologische Zeitdiagnose Erfurt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Richard Albrecht (Author), 2002, Nur ein "Amokläufer"? - Sozialpsychologische Zeitdiagnose "nach Erfurt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16515
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint