Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch

Ein Vergleich des guatemaltekischen Spanisch mit dem peninsularen Standard


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Besonderheiten der Phonetik und Phonologie
2.1 Vokalismus
2.2 Konsonantismus
2.2.1 Der Seseo
2.2.2 Der Yeísmo
2.2.3 weitere Besonderheiten

3. Besonderheiten der Morphosyntax
3.1 Anrede
3.1.1 Ustedes für Vosotros
3.1.2 Der Voseo
3.2 Besonderheiten im Gebrauch der Tempora
3.3 Suffixe, Diminutiv- und Augmentativbildung
3.4 syntaktische Besonderheiten

4. Besonderheiten der Lexik
4.1 diatopische Differenzierungen
4.2 Lebensmittel, Gerichte
4.3 Toponymie

5. kurze Anmerkungen zu Redewendungen und Umgangssprache

6. Schluss

Anhang: verwendete Lautsymbole, Abkürzungen

Bibliographie

1. Einleitung

Sowie Hispanoamerika „sprachlich weder einen homogenen Raum [bildet, noch] ein grundsätzlicher Gegensatz zu den spanischen Varietäten der iberischen Halbinsel“ besteht (cf. Noll 2001: 23), so ist Guatemala sprachlich weder ein homogener Raum, noch in totalem Gegensatz zum restlichen Hispanoamerika zu setzen.

Jedoch stellt es sich auch als schwierig dar, Guatemala zu einer Dialektzone zuzuordnen, da die Einteilung Hispanoamerikas in Dialektzonen noch nicht zu allseits akzeptierten Ergebnissen geführt hat (Zamora Munné 1988: Kapitel VI). So teilt Armas y Céspedes Hispanoamerika in fünf Zonen ein, dabei gehört Guatemala mit dem restlichen Mittelamerika und Mexiko zu einer Zone. 1921 schließt Henríquez Ureña zusätzlich den Süden und Südwesten der USA ein. Dabei stützt er sich auf „die historisch und kulturell bedingten Bindungen […] unter Verweis auf den Kontakt mit den indianischen Substratsprachen“ (cf. Noll 2001: 44). In dieser Zone wäre das Substrat das Nahua und diverse Mayasprachen. Rona basiert wiederum seine diatopische Gliederung auf sprachliche Merkmale verschiedener Kategorien. Diese untersuchten Merkmale sind der Yeísmo, Zeísmo, Voseo und das jeweilige Verbalparadigma. Aufgrund dieser Kriterien gehören die mexikanischen Bundesstaaten Chiapas, Tabasco, Yucatán und Quintana Roo, sowie Mittelamerika und der Westen Panamas zu einer Zone (cf. Noll 2001: 45). Und Cahuzac, der seine diatopische Gliederung auf die Lexik basiert, kommt 1980 auf ein ganz anderes Ergebnis. Nach seinen Kriterien gehören der Süden USA, Mexiko, Mittelamerika, Venezuela, Kolumbien (ohne Andengebiete) und die Küste Ecuadors zu einer Zone (cf. Noll 2001: 49). Canfield jedoch weist daraufhin, dass eine diatopische Gliederung weder auf politische Grenzen in Hispanoamerika noch auf Verbreitung der Indianersprachen erfolgen kann, da die Merkmale (Realisierung von /b d g/, /s/, /x/, /r-l/ usw.) weder mit den Landesgrenzen noch mit den Substratsprachen übereinstimmen. Des Weiteren deutet Canfield daraufhin, dass man sprachlich die Hochlandgebiete und Tiefländer unterscheiden kann. (1962: 96)

Zum einen wird deutlich, dass viele Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch auch in anderen Teilen Hispanoamerikas auftreten. In anderen Worten die meisten aufgeführten Besonderheiten sind nicht exklusiv oder einzigartig im hispanoamerikanischen Raum. Jedoch wäre es auch unzutreffend Guatemala mit dem mexikanischen oder mittelamerikanischen Spanisch gleichzusetzen. Dazu merkt Uta Lausberg (2000: 282) an:

El español guatemalteco tiene, aparte su continuidad con la variedad de la zona maya y con el istmo, su propio colorido, es decir, rasgos particulares que lo diferencian del español mexicano, yucateco, centroamericano y también de la norma ejemplar de la Real Academia Española.

Zum anderen weist Canfield daraufhin, dass die Landesgrenzen für die diatopische Verbreitung von Varianten in der Aussprache des amerikanischen Spanisch keine Bedeutung hat und weist vielmehr auf die Unterschiede zwischen Hochland und Tiefland hin (1962: 96). Daraus kann man schließen, dass Guatemala auch innerhalb der Landesgrenzen Varianten aufweist und nicht als homogener sprachlicher Raum verstanden werden kann. Auch Lipski weist daraufhin:

Entre los guatemaltecos que hablan español como primera o como segunda lengua con fluidez existe cierta variación, pero no tan destacada como, por ejemplo, en Mexiko o en Honduras. La estratificación sociolingüística es mucho más signicativa, y la correlación entre variación sociolingüística y etnicidad es muy elevada, pues buena parte del “español popular” de Guatemala refleja el influjo de las lenguas indígenas o un aprendizaje imperfecto del español.

Wie hier Lipski betont ist die diastratische Differenzierung höher als die diatopische.

Die Academia de lenguas mayas de guatemala beziffert die indigene Bevölkerung im Jahr 2007 auf 5,432,818 (von 8,432,659 Gesamtbevölkerung) und listet 23 Maya Sprachen auf, die immer noch aktiv gesprochen werden. Des Weiteren ist anzunehmen, dass nur 64,7% der Guatemalteken fließend Spanisch sprechen und es eine nicht genau zu beziffernde Zahl an Zweisprachigen gibt, die das Spanische als Lernersprache benutzen (cf. Noll 2001: 71), jedoch sind diese Interimsprachen nicht Teil des spanischen Systems.

Die diastratische Differenzierung Guatemalas ist bis dato nicht einhergehend erforscht, da es generell leider wenige Studien zum guatemaltekischen Spanisch gibt und da sich diese Studien meist eher auf die privilegierten Schichten beziehen. Lipski (1994: 283) meint dazu:

Lo que se suele describir como español de Guatemala representa el habla española monolingüe de clase media y alta de la ciudad de Guatemala y de las tierras altas de los alrededores.

Des Weiteren möchte ich mich nicht mit den Gründen der Herausbildung der Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch beschäftigen und weder die Polemik von M. L. Wagner und der Andalucismo- These, noch die Indeginismo- These aufleben lassen. Im Folgenden möchte ich- mit den vorhandenen Studien- die Unterschiede zwischen dem guatemaltekischen Spanisch und dem peninsularen Standard darstellen.

2.Besonderheiten der Phonetik und Phonologie

Die meisten Studien die sich zu Guatemala finden sind im Bereich der Phonetik und Phonologie. Dabei wären im Besonderen die Studien von Alvar (1980), Herrera Peña (1993), Lipski (1996) und Lentzner (1898) zu nennen. Dabei sei angemerkt, dass „ observations on the Spanish language in Guatemala“ von Lentzner sich auf 1898 datiert und Beobachtungen einschließen, die von den späteren Studien nicht belegt sind.

2.1 Vokalismus

Der Semivokal [j] in intervokalischer Stellung und in Kombination mit /e/ oder /i/ fällt oft weg, wie zum Beispiel in allí [aí], sello [´seo] oder silla [sía]. ( cf. Peña 1993: 4, Lipski 1994:283) Währenddessen Hiate oft durch Einschub von [j] aufgelöst werden: sea [´seja]. Diese Variante findet man vor allem bei der einfachen Bevölkerung an. (cf. Noll 2001: 25)

Lentzner gibt zudem an, dass es Fälle gibt in denen /e/ für /i/ oder /u/ für /a/ ausgesprochen wird. Zum Beispiel: mesmo anstatt mismo oder truje anstatt traje (1893: 42). Jedoch wird diese Variante von den anderen Autoren nicht erwähnt.

2.3 Konsonantismus

Guatemala hat folgendes System[1] von Konsonanten (regelmäßige Allophone eingeklammert):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei fällt sofort ins Auge, dass die Phoneme /λ/ und /θ/ fehlen, welche im Konsonantensystem des Kastilischen von Spanien vorhanden sind. So besitzt Guatemala ein Inventar von 17 Konsonanten. Des Weiteren ist [h] als Allophon von /x/ eingetragen. Dies steht im Kontrast zum Kastilischen, das kein [h] kennt (cf. Noll 2004: 26 ss.). Diese Aspekte sollen im Folgenden näher ins Auge gefasst werden.

2.2.1 Der Seseo

In Guatemala dominiert der Seseo (cf. Lausberg 2000: 277). „Unter ´Seseo´ versteht man den Zusammenfall der kastilischen Phoneme /s/ und /θ/, d.h. das Phonem θ existiert im phonologischen Inventar [des guatemaltekischen Spanisch] nicht“(Dietrich/ Geckeler 2004: 179). Z.B. cielo: [´sĭelo] anstatt [´θǐelo] oder danza: [´dansa] anstatt [´danθa]. Durch diesen Zusammenfall entstehen gelegentlich auch homophone Paare wie casar [ka´sar] und cazar [ka´sar] (cf. Noll 2004: 26). Kubarth (1987:32) merkt zudem an, dass

das Phonem /s/ in Lateinamerika als sogenanntes „konvexes“ prädorsales [s] oder als dentales [s] realisiert wird, das sich vom „konkaven“ apikoalveolaren [ş] Kastiliens unterscheidet.

2.2.2 Der Yeísmo

In Guatemala herrscht der Yeísmo vor (cf. Lausberg 2000: 277 ). „Unter ´Yeísmo´ versteht man den Zusammenfall der Phoneme /λ/ und /j/ in /j/, d.h. das Phonem λ existiert im phonologischen Inventar [des guatemaltekischen Spanisch] nicht“( Dietrich/ Geckeler 2004: 180). Z. B. wird halla (3 Person Singular von hallar) und haya (subjuntivo von haber in der 3 Person Singular) beide [´aja] ausgesprochen. Jedoch sei daraufhin hingewiesen, dass „das Phänomen in Spanien gleichfalls weit verbreitet ist und in den Zentren des Nordens Einzug gehalten hat,[daher] stellt der Yeísmo heute kein kontrastives Merkmal des amerikanischen Spanisch mehr dar“ (cf. Noll 2004: 28).

2.2.3 Weitere Besonderheiten der Aussprache der Konsonanten

Lipski (1994: 183ss.) führt unter den phonetischen Merkmalen des guatemaltekischen Spanisch an:

- Die stimmhaften Okklusive /b/, /d/ und /g/ werden in vorkonsonantischer Position als Frikative /β/, /δ/ und /ɣ/ ausgesprochen wie zum Beispiel in algo, arde usw.. Das intervokalische /d/ wie in /–ado/ bleibt erhalten.
- Der stimmlose Frikativ /x/ wird oft als schwaches [h] realisiert oder fällt vor allem in intervokalischer Stellung oft weg. Z.B. jugar [hu´ɣar], rojo [´rroho] oder [´rroo]
- Es ist nicht ungewöhnlich das /tr/ nach Konsonanten (wie in entre) alveolar und frikativ ausgesprochen wird. /rr/ erhält eine frikative Aussprache, die zwischen einem prepalatalen Frikativ und einem retroflexen Laut schwankt. Allgemein kann man die Tendenz feststellen, dass es zu einer Assibilierung von /r/ und /rr/ kommt und der Vibrant zum Sibilanten wird wie in perro [´pežo].
- /n/ am Ende eines Wortes wird oft velarisiert.
- /s/ am Ende eines Wortes oder einer Silbe kann etwas retroflex oder apikal klingen, aber fällt nicht weg. Z. B. das /s/ in chicas bleibt erhalten. Nur in den Grenzzonen zu El Salvador oder Belize sowie an der Pazifikküste kann man eine leichte Schwächung des vorkonsonantischen /s/ feststellen.

Währenddessen Moreno de Alba (1993: 166) charakterisiert die konsonantischen Besonderheiten folgendermaßen:

[…] la asibilación de rr, tr –r. […]Hay velarización de –n. La d intervocálica se mantiene como fricativa..

Zwar widersprechen sich Moreno de Alba und Lipski nicht direkt, jedoch erwähnt Moreno de Alba, weder die Realisierung von /x/ als [h], noch gibt er Angaben zur Realisierung von /s/. Dies würde darauf hinweisen, dass keine besonderen Merkmale bei dessen Realisierung auftreten.

Und Lentzner meint jedoch, dass zur typischen guatemaltekischen Aussprache gehört, dass das /n/ am Ende eines Wortes wie „nge“ ausgesprochen wird (wie bei también-> tambieng- ge) (1893:41-42). Außerdem weist er daraufhin, dass das Phonem /f/ nicht im Inventar der dort ansässigen Indianer vorkommt und deshalb /f/ oft als /p/ realisiert wird (San Pelip anstatt San Felip), jedoch fügt er hinzu, dass sich dieses Phänomen auf diejenigen beschränkt, die Spanisch als Zweitsprache benutzen. Zudem behauptet Lentzner, dass viele Guatemalteken /f/ am Wortanfang als /x/ artikulieren (fuego: /´xueɣo/ anstatt /´fueɣo/) (Lentzner 1898: 42). Jedoch findet man diese Beobachtungen weder bei Alvar, Lipski, Moreno de Alba, Canfield noch Herrera Peña.

[...]


[1] Die Tabelle ist an Anlehnung an die Tabelle von Dietrich/ Geckeler (2004) auf Seite 75

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Details

Titel
Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch
Untertitel
Ein Vergleich des guatemaltekischen Spanisch mit dem peninsularen Standard
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V165373
ISBN (eBook)
9783640809417
ISBN (Buch)
9783640809455
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besonderheiten, spanisch, vergleich, spanisch, standard, Guatemala, Dialekte, lateinamerikanisches Spanisch, Voseo
Arbeit zitieren
Eva-Maria Witzig (Autor), 2009, Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165373

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