Sowie Hispanoamerika „sprachlich weder einen homogenen Raum [bildet, noch] ein grundsätzlicher Gegensatz zu den spanischen Varietäten der iberischen Halbinsel“ besteht (cf. Noll 2001: 23), so ist Guatemala sprachlich weder ein homogener Raum, noch in totalem Gegensatz zum restlichen Hispanoamerika zu setzen.
Jedoch stellt es sich auch als schwierig dar, Guatemala zu einer Dialektzone zuzuordnen, da die Einteilung Hispanoamerikas in Dialektzonen noch nicht zu allseits akzeptierten Ergebnissen geführt hat (Zamora Munné 1988: Kapitel VI). So teilt Armas y Céspedes Hispanoamerika in fünf Zonen ein, dabei gehört Guatemala mit dem restlichen Mittelamerika und Mexiko zu einer Zone. 1921 schließt Henríquez Ureña zusätzlich den Süden und Südwesten der USA ein. Dabei stützt er sich auf „die historisch und kulturell bedingten Bindungen […] unter Verweis auf den Kontakt mit den indianischen Substratsprachen“ (cf. Noll 2001: 44). In dieser Zone wäre das Substrat das Nahua und diverse Mayasprachen. Rona basiert wiederum seine diatopische Gliederung auf sprachliche Merkmale verschiedener Kategorien. Diese untersuchten Merkmale sind der Yeísmo, Zeísmo, Voseo und das jeweilige Verbalparadigma. Aufgrund dieser Kriterien gehören die mexikanischen Bundesstaaten Chiapas, Tabasco, Yucatán und Quintana Roo, sowie Mittelamerika und der Westen Panamas zu einer Zone (cf. Noll 2001: 45). Und Cahuzac, der seine diatopische Gliederung auf die Lexik basiert, kommt 1980 auf ein ganz anderes Ergebnis. Nach seinen Kriterien gehören der Süden USA, Mexiko, Mittelamerika, Venezuela, Kolumbien (ohne Andengebiete) und die Küste Ecuadors zu einer Zone (cf. Noll 2001: 49). Canfield jedoch weist daraufhin, dass eine diatopische Gliederung weder auf politische Grenzen in Hispanoamerika noch auf Verbreitung der Indianersprachen erfolgen kann, da die Merkmale (Realisierung von /b d g/, /s/, /x/, /r-l/ usw.) weder mit den Landesgrenzen noch mit den Substratsprachen übereinstimmen. Des Weiteren deutet Canfield daraufhin, dass man sprachlich die Hochlandgebiete und Tiefländer unterscheiden kann. (1962: 96)
Zum einen wird deutlich, dass viele Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch auch in anderen Teilen Hispanoamerikas auftreten. In anderen Worten die meisten aufgeführten Besonderheiten sind nicht exklusiv oder einzigartig im hispanoamerikanischen Raum. Jedoch wäre es auch unzutreffend Guatemala mit dem mexikanischen oder mittelamerikanischen Spanisch gleichzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Besonderheiten der Phonetik und Phonologie
2.1 Vokalismus
2.2 Konsonantismus
2.2.1 Der Seseo
2.2.2 Der Yeísmo
2.2.3 weitere Besonderheiten
3. Besonderheiten der Morphosyntax
3.1 Anrede
3.1.1 Ustedes für Vosotros
3.1.2 Der Voseo
3.2 Besonderheiten im Gebrauch der Tempora
3.3 Suffixe, Diminutiv- und Augmentativbildung
3.4 syntaktische Besonderheiten
4. Besonderheiten der Lexik
4.1 diatopische Differenzierungen
4.2 Lebensmittel, Gerichte
4.3 Toponymie
5. kurze Anmerkungen zu Redewendungen und Umgangssprache
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch und stellt diese dem peninsularen Standard gegenüber. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse phonetischer, morphosyntaktischer und lexikalischer Eigenheiten, um die Einordnung Guatemalas innerhalb des hispanoamerikanischen Sprachraums zu beleuchten.
- Phonetische und phonologische Merkmale wie Seseo und Yeísmo
- Morphosyntaktische Besonderheiten, insbesondere das Anredesystem und der Voseo
- Lexikalische Einflüsse durch indigene Sprachen wie Nahuatl und Maya
- Diatopische Variationen innerhalb Guatemalas
- Einfluss der Umgangssprache und soziolinguistische Faktoren
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der Voseo
Der Voseo ist in Guatemala üblich. Rona unterscheidet zwischen drei verschiedenen Typen (A, B, C, D) von Voseo. In Guatemala wird der Typ C (-ás, -és, -ís) benutzt (cf. Lipski 1994: 28; Moreno 1993: 180). Demnach ist der verwendete Voseo ein pronominal- verbaler Voseo. Als Regel zur Bildung der zweiten Person Singular im Präsens Indikativ gilt, dass das finale –r des Infinitivs durch ein –s ersetzt wird und die Betonung auf die letzte Silbe fällt (cantar-> vos cantás, comer-> vos comés, vivir-> vos vivís), jedoch mit den Ausnahmen ir -> vos vas und ser-> vos sos. Daraus ergibt sich auch, dass keine Diphthongierung wie zum Beispiel bei tener-> tú tienes erfolgt, da die Betonung auf der letzten Silbe ist. So ist die Vos- Form: vos tenés, analog auch decir-> vos decís. (cf. Martínez 2007: 42)
Umgangssprachlich wird beim einfachen Perfekt oft ein –s angehängt (vos fuistes, vos trabajastes usw.) (cf. Lausberg 2000: 277, Martínez 2007: 42).
Die Bildung des Imperativs erfolgt durch Abtrennung des finalen –r des Infinitivs und die Betonung fällt auf die letzte Silbe (trabajá, comé, vení). Die einzige Ausnahme ist ir mit der Imperativform andá (andar hat die gleiche Form). Im verneinten Imperativ sind die Formen -bis auf einige Ausnahmen- mit denen der tú- Form gleich, jedoch wird die letzte Silbe betont (tú vayas, vos vayás). Abweichungen treten bei folgenden Verben auf: acostar-> no te acostés, contar-> no contés, dormir-> no te durmás, morir-> no te murás, pedir-> no pidás, pensar-> no pensés, sentarse-> no te sentés, sentirse-> no te sintás, servir-> no te sirvás, vestirse-> no te vistás (cf. Martínez 2007: 42-46, Moreno de Alba 1993: 181)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung diskutiert die Einordnung des guatemaltekischen Spanisch in den hispanoamerikanischen Raum und betont die Schwierigkeit einer einheitlichen dialektologischen Gliederung.
2. Besonderheiten der Phonetik und Phonologie: Das Kapitel analysiert phonetische Merkmale des guatemaltekischen Spanisch, wobei insbesondere der Seseo und Yeísmo sowie Besonderheiten bei Konsonanten wie /r/ und /n/ hervorgehoben werden.
3. Besonderheiten der Morphosyntax: Hier werden Abweichungen im Bereich der Grammatik untersucht, mit Fokus auf das Anredesystem (Voseo), den Gebrauch der Tempora sowie Suffixbildungen.
4. Besonderheiten der Lexik: Dieses Kapitel widmet sich dem Wortschatz, untersucht Einflüsse aus indigenen Sprachen wie Nahuatl auf Lebensmittel und Toponyme sowie diatopische Differenzierungen.
5. kurze Anmerkungen zu Redewendungen und Umgangssprache: Der Abschnitt betrachtet typische Redewendungen, Apokopen und soziolinguistische Varietäten wie die diasexuale Sprachverwendung.
6. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen phonetischen, morphosyntaktischen und lexikalischen Unterschiede zum peninsularen Standard zusammen und resümiert den Forschungsstand.
Schlüsselwörter
Guatemala, Spanisch, Phonetik, Morphosyntax, Voseo, Seseo, Yeísmo, Lexik, Nahuatl, Dialektologie, Sprachvariation, Umgangssprache, Diatopik, Diastratik, Indigenismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten des in Guatemala gesprochenen Spanisch und vergleicht diese mit dem peninsularen Standard, um einen Überblick über die spezifischen Merkmale der Varietät zu geben.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die Analyse gliedert sich in die drei Hauptbereiche Phonetik/Phonologie, Morphosyntax sowie Lexik, ergänzt durch soziolinguistische Beobachtungen und Einflüsse indigener Sprachen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die Eigenheiten des guatemaltekischen Spanisch herauszuarbeiten und die Herausforderungen bei der dialektologischen Einordnung Guatemalas innerhalb des hispanoamerikanischen Sprachraums aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine deskriptive Arbeit, die auf der Auswertung bestehender wissenschaftlicher Literatur und Studien sowie eigener Beobachtungen basiert.
Was sind die wichtigsten Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die phonetischen Ausprägungen (wie Vokalismus und Konsonantismus), grammatikalische Besonderheiten (vor allem das Anredesystem) und lexikalische Besonderheiten, inklusive der Auswirkungen von Substratsprachen wie Nahuatl und Maya.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Guatemala, Spanisch, Voseo, Dialektologie, Seseo, Yeísmo und indigene Sprachsubstraten.
Wie unterscheidet sich das Anredesystem in Guatemala vom spanischen Standard?
In Guatemala ist der Voseo gebräuchlich (Verwendung von 'vos' anstatt 'tú'), und es fehlt die zweite Person Plural ('vosotros'), stattdessen wird für informelle und formelle Anreden gleichermaßen 'ustedes' verwendet.
Welche Rolle spielen indigene Sprachen für den guatemaltekischen Wortschatz?
Indigene Sprachen, insbesondere das Nahuatl und verschiedene Maya-Sprachen, haben einen bedeutenden Einfluss auf den Wortschatz, vor allem bei der Benennung von Gerichten und Ortsnamen (Toponymie).
- Citation du texte
- Eva-Maria Witzig (Auteur), 2009, Besonderheiten des guatemaltekischen Spanisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165373