Luisenkult - Das Denkmal der Königin Luise von Erdmann Encke im Berliner Tiergarten 1876-1880 im Vergleich zu weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit


Seminararbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung
1. Forschungsstand und Fragestellungen
2. Denkmäler und Denkmalpolitik im 19. Jahrhundert

II. Hauptteil
1. Luisendenkmal im Berliner Tiergarten
1.1 Entstehungshintergründe und Enthüllungskontext
1.2 Standort
1.3 Beschreibung des Denkmals
1.3.1 Standbild
1.3.2 Sockelrelief
2. Weitere Luisendenkmäler im deutschen Kaiserreich
2.1 Das Tilsiter Denkmal
2.2 Das Magdeburger Denkmal
3. Vergleich der drei Luisendenkmäler

III. Schlussbetrachtungen Abschließendes Fazit

IV. Anhang Literaturverzeichnis

Luisenkult -

Das Denkmal der Königin Luise von Erdmann Encke im Berliner Tiergarten 1876-1880

im Vergleich zu weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit

I. Einleitung

1. Forschungsstand und Fragestellungen

Während des Kaiserreichs erlebte die Verehrung der preußischen Königin Luise einen Höhepunkt, indem sie von einem preußischen Kultbild zu einem Nationaldenkmal erhoben wurde.1 Zu ihren Lebzeiten trat sie eng verbunden mit bürgerlichen Idealen als Frau, Gattin und Mutter auf.2 Die Rezeption der Gestalt der Königin Luise hat sich aber durchaus im Laufe der Zeit gewandelt und änderte sich mit dem historischen Kontext, indem mal bürgerliche Ideale, mal emanzipatorische oder auch nationale Forderungen mit ihrem Abbild vertreten wurden.3 In der gegenwärtigen Forschung sind hier die Begriffe des Mythos und des Kultes leitend.4 Die Mythenbildung um Luise war nicht starr, sondern dynamisch und wurde je nach zeitgenössischer Intention angepasst, ausgeschmückt oder verengt. Sie diente dazu ihren Zeitgenossen die Gegenwart zu deuten, begreiflich zu machen und Werte zu vermitteln.5

Die Frage in unserem Zusammenhang ist nun, wie das Bild der Königin Luise im deutschen Kaiserreich aussah. Hierzu wird das Berliner Denkmal von Erdmann Encke im Vergleich zu zwei weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit besprochen: Welche Mythen werden hier vermittelt oder gebildet und was wollten die Denkmalsetzer damit bewirken? In einzelnen Aufsätzen und Kapiteln weniger Monographien findet Enckes Luisendenkmal Aufmerksamkeit. Erstmals widmet sich 1977 Jutta von Simson dem Thema der Luisenverehrung im Kaiserreich, geht auch auf Enckes Werk ein und bespricht ebenso das Reliefprogramm des Rundsockels dieses Denkmals.6 Danach erschienen erst wieder in den 1990er Jahren erneute Ansätze, sich dem Thema unter Berücksichtigung des Komplexes Mythos zu nähern. Die neuste und umfangreichste Beschäftigung mit dem Luisen- mythos bzw. - kult liefert Philipp Demandt, der für meinen Vergleich mit den anderen Luisendenkmälern maßgebend sein wird.7

2. Denkmäler und Denkmalpolitik im 19. Jahrhundert

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts nahm die Besetzung des öffentlichen Raumes durch Symbole in Form von Denkmälern an Häufigkeit zu.8 Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze, aber ein wichtiger und für diese Arbeit wesentlicher Grund ist, dass Denkmalserrichtungen in einen Diskurs über Nation eintraten, der im 19. Jahrhundert an Intensität und Ausdifferenzierung hinzugewann.9 Jedes Denkmal der Kaiserzeit war Teil eines national geführten Diskurses über politische und gesellschaftliche Konzepte. Da solche Konzepte auf Grund der sich stets weiter differenzierenden Öffentlichkeit miteinander konkurrierten, bedurfte es immer wieder der Aktualisierung oder Korrektur.10 Für ihre Erstellung wurden vorzugsweise politische Mythen gebraucht, die in Verbindung mit einer einzelnen Persönlichkeit (sei es seiner realen, historischen Person oder einer fiktiven Heroenfigur) standen, um auf diese Weise identitätsstiftend zu wirken und dem politischen Verband, der Nation, Orientierung zu geben.11

Ein Denkmal im 19. Jahrhundert wies laut Alings typischerweise fünf Kriterien auf:12 Es ist auf Dauer, an einem öffentlichen Platz errichtet. Es stellt ein eigenständiges Kunstwerk dar, hat eine erklärte Erinnerungsfunktion an eine historisch wichtige Person oder an ein bedeutsames Ereignis und leitet damit einen Anspruch an die gegenwärtige Gesellschaft ab. Denkmäler waren somit wirkungsorientiert und sollten ein bestimmtes Geschichtsbewusstsein schaffen, das für gegenwärtige Zwecke instrumentalisiert wurde. Der von Denkmalssetzern intendierte Anspruch war durchaus umstritten, wurde umgedeutet oder einfach abgelehnt.13 Gerade hieraus entstand wiederum ein erhöhtes Bedürfnis nach Denkmalserrichtungen.

Ein prototypisches Denkmal hatte im Kaiserreich die Gestalt, dass eine berühmte Person auf einem Sockel zum kollektiven Gedächtnis an einem öffentlichen Ort aufgestellt wurde.14 Das Luisendenkmal in Berlin und in Tilsit wurde nach diesem Typ aufgestellt. Zusammenfassend lässt sich an dieser Stelle für die folgende Analyse der verschiedenen Denkmäler sagen, dass diese für ihre jeweilige Gegenwart geschaffen wurden. Sie verwiesen zwar auf etwas Vergangenem, aber nur zu dem Zwecke, um die Gegenwart zu deuten und Ansprüche zu legitimieren.

II. Hauptteil

1. Luisendenkmal im Berliner Tiergarten

1.1 Entstehungshintergründe und Enthüllungskontext

Das Denkmal der preußischen Königin Luise wurde 1876 Erdmann Encke in Auftrag gegeben. Offizieller Auftraggeber war die Stadt Berlin, welche zum Anlass der Denkmalinitiative zwei Jubiläen jenes Jahres nahm: zum einen den 100. Geburtstag von Luise und zum anderen das 5. Reichsgründungsjahr.15 Schon die Wahl der beiden Anlässe lassen bei dieser Luisendarstellung auf eine Verquickung von Luisen- und Kaiserverehrung schließen, was im Folgenden noch zu zeigen und zu diskutieren ist.

Finanziert wurde das Denkmal zur einen Hälfte von der Stadt Berlin und zur anderen von privaten Spenden der bürgerlichen Oberschicht.16 Es war als ein Geschenk an Kaiser Wilhelm I., den Sohn Luises, zu seinem 80. Geburtstag gedacht, wie auch die Inschrift auf dem Rundsockel mitteilt: » Zum Andenken der K ö nigin Luise von ihren Verehrern dem Kaiser Wilhelm zum 22ten M ä rz 1877 gewidmet «.17

1880 wurde das Denkmal aus Marmor vollendet und am 10. März, dem Geburtsdatum Luises, unter Beteiligung des Militärs, der Berliner Oberschicht und zahlreicher Staatsbeamten feierlich im Tiergarten enthüllt. Auffallend bei der Inauguration war, dass weder Frauen- noch Veteranenverbände geladen wurden. Das ist insofern erwähnenswert, als dass sich diese sozialen Gruppen bei der Reichseinigungsbewegung und im Deutsch- Französischen Krieg maßgeblich beteiligt sahen und es tatsächlich auch waren.18 Ihre Abwesenheit widersprach dem offiziellen Anlass der Denkmalsinitiative von 1876, dem Reichsgründungsjubiläum.

Somit stand die Enthüllungsfeier selbst in einem elitären Kontext, bei dem das Kleinbürgertum ausgeschlossen wurde.

[...]


1 Holger SIMON, Die Bildpolitik des preußischen Königshauses im 19. Jahrhundert. Zur Ikonographie der preußischen Königin Luise, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 60, Köln 1999, S. 231-262, hier S. 253-255.

2 ebd., S. 253; Helke RAUSCH, Kultfigur und Nation.Öffentliche Denkmäler in Paris, Berlin und London 1848- 1914, München 2006, 645-651, hier S. 649.

3 Simon, Bildpolitik (wie Anm. 1), S. 231 und 254.

4 vgl. Philipp DEMANDT, Luisenkult. Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen, Köln 2003; Rudolf SPETH, Königin Luise von Preußen - deutscher Nationalmythos im 19. Jahrhundert, in: Mythos Diana - von der Princess of Wales zur Queen of Hearts, hrsg. von Sabine BERGHAHN/ Sigrid KOCH-BAUMGARTEN, Gießen 1999, S. 265-285.

5 Speth, Luise (wie Anm. 4), S. 269.

6 Jutta von SIMSON, Das Denkmal der Königin Luise in Berlin. Ein Beitrag zur Luisenverehrung im 19. Jahrhundert, in: Festschrift für Otto von Simson zum 65. Geburtstag, hrsg. von Lucius GRISEBACH/ Konrad RENGER, Berlin 1977, S. 516-530.

7 Demandt, Luisenkult (wie Anm. 4), S. 243-253 und 380-411.

8 Reinhard, ALINGS, Monument und Nation. Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal zum Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871-1918, Berlin 1996, S. 6-20, 33-46; Rausch, Kultfigur (wie Anm. 2), S. 15-18.

9 Rausch, Kultfigur (wie Anm. 2), S. 17.

10 ebd., S. 17-20.

11 Speth, Luise (wie Anm. 4), S. 268ff.

12 Alings, Monument (wie Anm. 8), S. 15.

13 ebd., S. 33f.

14 ebd., S. 7.

15 Simon, Bildpolitik (wie Anm. 1), S. 255.

16 Demandt, Luisenkult (wie Anm. 4), S. 380f.

17 vgl. Simson, Denkmal der Königin S. 523; Demandt, Luisenkult (wie Anm. 4), S. 386.

18 vgl. Speth, Luise (wie Anm. 4), S. 274 sowie Simon, Bildpolitik (wie Anm. 1), S. 255f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Luisenkult - Das Denkmal der Königin Luise von Erdmann Encke im Berliner Tiergarten 1876-1880 im Vergleich zu weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Luisenkult - Die Königin von Preußen in Bildern, Monumenten und Texten
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V165378
ISBN (eBook)
9783640809424
ISBN (Buch)
9783640809448
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Königin Luise von Preußen, Friedrich Wilhelm III, Denkmalpolitik, Deutsches Kaiserreich, Luisenkult, Nationalmythos, Mythenbildung, Berlin, Erdmann Encke, Tiergarten, Denkmäler im 19. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Trixi Held (Autor), 2007, Luisenkult - Das Denkmal der Königin Luise von Erdmann Encke im Berliner Tiergarten 1876-1880 im Vergleich zu weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165378

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