„Die kindliche Lebenswelt ist komplex; sie birgt Chancen der Selbstverwirklichung, aber auch vielfältige Risiken in sich.“ (BRÜNDEL; HURRELMANN 1996, S. 7)
Kindheit, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich erst langsam im Laufe des 16. Jahrhunderts. Heute stehen Kinder materiell so gut dar, wie keine Generation vor ihnen. Die Heranwachsenden können aus einem Fundus vielfältiger Freizeitangebote wählen (vgl. BRÜNDEL; HURRELMANN 1996, S. 7). Dennoch wird immer häufiger von einer „Veränderten Kindheit“ im negativen Sinne gesprochen. „Kindliche Entwicklung vollzieht sich, [wie bereits erwähnt], aus komplexen Interaktionen mit der sozialen und materiellen Umwelt; Veränderungen der Lebensbedingungen bedeutet Veränderungen der Entwicklungsbedingungen und der Entwicklung.“ (DORDEL 2000, S. 341)
Häufig kann es aufgrund dieser Veränderungen zu einer defizitären Entwicklung des Heranwachsenden kommen. Motorische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten der jüngsten Generation, sind heute ein viel beklagtes Thema innerhalb unserer Gesellschaft. Im Folgenden werden Aspekte diskutiert, inwiefern Wandlungen der Gesellschaft zu Veränderungen innerhalb der Kindheit führen können.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Kindheit im Wandel
1.1 Die Lebensphase der 6- 12jährigen
1.2 Kindheit historisch und demographisch betrachtet
1.3 Vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt
1.4 Die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung
1.4.1 Verhäuslichung
1.4.2 Veränderungen in der Großstadt
1.4.3 Neue Wohn- und Straßenkonstellationen
1.4.4 Verinselung
1.4.5 Definition Verinselung
1.4.6 Das Zeiterleben in heutiger Kindheit
1.4.7 Das Raumerleben in heutiger Kindheit
2. Veränderte Lebens- und Bewegungswelt von Kindern
2.1 Veränderte Lebenswelt
2.2 Veränderte Bewegungsumwelt
2.3 Das kindliche Bewegungsverhalten aus heutiger Sicht
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Modernisierungsprozess und dessen tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebens- und Bewegungswelt von Kindern. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwiefern sich die veränderten Lebensbedingungen in der modernen Gesellschaft auf die motorische Entwicklung sowie das Bewegungsverhalten der Heranwachsenden auswirken.
- Historische und demographische Entwicklung der Kindheit
- Transformation familialer Strukturen (vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt)
- Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung und Identitätsbildung
- Phänomene der "Verhäuslichung" und "Verinselung" urbaner Lebensräume
- Analyse des kindlichen Bewegungsverhaltens im Kontext von Bewegungsmangel
Auszug aus dem Buch
1.4.1 Verhäuslichung
Die Verhäuslichung der Kindheit bezeichnet die Entwicklung vom Straßenkind zum verhäuslichten Kind, d.h. Kindheit wird heute mehr und mehr von der Straße in Räume verlagert und findet demzufolge immer mehr in inneren Räumen statt.
Laut Zinnecker gibt es für diese Entwicklung zwei grundlegende Ursachen: zum einen die allgemeinen Veränderungen in der Großstadt und zum anderen die daraus resultierende veränderte Wohn- und Straßensituation (vgl. Rolff, Zimmermann 1993)
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität der modernen kindlichen Lebenswelt ein und problematisiert den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und einer möglichen defizitären Entwicklung bei Kindern.
1. Kindheit im Wandel: Dieses Kapitel analysiert historische Entwicklungen, den Übergang zum Verhandlungshaushalt sowie die essentielle Bedeutung von Bewegung für die kognitive, soziale und körperliche Entwicklung.
2. Veränderte Lebens- und Bewegungswelt von Kindern: Hier werden die Auswirkungen der gesellschaftlichen Modernisierung auf die kindliche Umwelt sowie die aktuelle Debatte um Bewegungsmangel und veränderte Bewegungsräume vertieft betrachtet.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Kindern durch die Gestaltung anregungsreicher Erlebnisräume wieder mehr Gelegenheiten für primäre Lebenserfahrungen und ganzheitliche Förderung zu bieten.
Schlüsselwörter
Kindheit, Modernisierung, Bewegung, Entwicklung, Verhäuslichung, Verinselung, Lebenswelt, Bewegungsumwelt, Familie, Sozialisation, Bewegungsmangel, Handlungsfähigkeit, Kindesentwicklung, Erziehung, Psychomotorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Kindheit im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse und deren Einfluss auf die kindliche Lebens- und Bewegungswelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen der Wandel der Familienstruktur, die räumliche Umgestaltung von Kindheit (Verhäuslichung, Verinselung) sowie die Auswirkungen auf das körperliche Bewegungsverhalten von Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Wandlungsprozesse die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern verändert haben und welche Konsequenzen dies für deren motorische und allgemeine Entwicklung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kindheitswissenschaftlicher und sportpädagogischer Untersuchungen und Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der "Kindheit im Wandel" sowie der "veränderten Lebens- und Bewegungswelt", wobei Konzepte wie das kindliche Raum- und Zeiterleben sowie verschiedene sozialökologische Zonen detailliert diskutiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kindheit, Bewegungsmangel, Verhäuslichung, Verinselung, Sozialisation und ganzheitliche Förderung beschreiben.
Was genau beschreibt der Autor mit dem Begriff "Verinselung"?
Die Verinselung beschreibt die Zersplitterung des kindlichen Lebensraums in voneinander getrennte "Inseln" (z.B. Schule, Wohnung, Sportverein), zwischen denen Kinder meist transportiert werden müssen, wodurch der natürliche Zwischenraum als Erfahrungsraum verloren geht.
Warum wird heute von einem "Verhandlungshaushalt" gesprochen?
Der Begriff beschreibt den Wandel vom autoritären, patriarchalischen Erziehungsstil hin zu einem partnerschaftlichen Beziehungsverhältnis, in dem Entscheidungen zwischen Eltern und Kindern zunehmend ausgehandelt werden.
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- Marek Hofmann (Autor), 2007, Veränderte Kindheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165412