Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken


Seminararbeit, 2010

33 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Ausgangslage und Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Netzwerke
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Innovationsnetzwerke

3. Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken
3.1. Strukturationstheoretischer Netzwerkansatz
3.2. Chancen und Risiken im Überblick
3.3. Chancen von Innovationsnetzwerken
3.4. Risiken von Innovationsnetzwerken

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Strukturation von Unternehmungsnetzwerken

Abbildung 2 - Gegenstände der Netzwerkregulation

Abbildung 3 - Netzwerkmanagement als Management von Spannungsverhältnissen

Abbildung 4 - Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken aus betriebswirtschaftlicher Sicht

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Das folgende erste Kapitel skizziert die aktuelle Ausgangssituation und formuliert die Problemstellung dieser Arbeit. Anschließend folgen Zielsetzung und Aufbau der Arbeit.

1.1. Ausgangslage und Problemstellung

Weltweit lassen sich schwerwiegende Änderungen der Wettbewerbssituation durch den nachhaltigen Wandel ökonomischer, gesellschaftlicher und technischer Rahmenbedingungen für viele Unternehmen beobachten. Diese sehen sich heutzutage zahlreichen Herausforderungen wie bspw. der Internationalisierung / Globalisierung der Märkte, einem zunehmenden Innovations- und Konkurrenzdruck, der Verkürzung der Produktlebenszyklen sowie einem Wertewandel und demographischen Wandel gegenüber (Herff 2002, S. 5 ff.). Wettbewerbsstrategische Herausforderungen für Unternehmen, vor allem bezüglich Flexibilität und Qualität der Leistungserbringung, bildet außerdem die fortschreitende Entwicklung von Verkäufer- zu Käufermärkten und eine damit zusammenhängende steigende Anspruchshaltung der Käufer (Reichert 2005, S. 1).

Der wachsende Wettbewerbsdruck zwingt die Unternehmen durch Kostensenkung und Qualitätssteigerung die Effizienz ihrer Leistungserbringung zu erhöhen. Bedeutende Instrumente zur Effizienzsteigerung sind bereits seit einiger Zeit die Prozessorientierung, Dezentralisation, Lean Management und Business Process Reengineering[1] (Matiaske / Mellewigt 2002, S. 642). Vor dem Hintergrund von Effizienzsteigerung und Wettbewerbsfähigkeit werden heute nicht mehr nur die direkten Wertschöpfungsstufen wie bspw. die Produktion, sondern auch die indirekten Wertschöpfungsstufen kritisch überprüft (vgl. Meckl 1999, S. 7 f.). Häufig sind von solchen Einsparungen auch die FuE-Abteilungen der Unternehmen betroffen, da diesen keine direkten Umsätze zuzuordnen sind.

Falls keine alternativen Quellen für Innovationen erschlossen werden, ist nach Borchert / Goos / Hagenhoff (2004, S.1) davon auszugehen, dass die Innovationsfähigkeit der Unternehmen sinkt und sich somit ihre mittel- und langfristigen Entwicklungsperspektiven verschlechtern. An dieser Stelle werden die Unternehmen mit der Frage nach alternativen Quellen für Innovationen konfrontiert. Anstelle der klassischen marktlichen oder hierarchischen Möglichkeiten ist aktuell eine immer stärker werdende Tendenz zu Kooperationen bei Innovationsaktivitäten zu beobachten (vgl. Pekar / Allio 1994, S. 57 f.; Diener / Dransmann 1998, S. 64 ff.). Erfolgreiche Innovationsnetzwerke ermöglichen den partizipierenden Unternehmen bspw. gänzlich neue Quellen für Innovationen oder neue Verwertungsmöglichkeiten zu eröffnen. Somit bietet diese neue Organisationsform Unternehmen die Möglichkeit, trotz sinkender FuE-Aufwendungen ihre Innovationsfähigkeit zu erhalten oder gar zu steigern (Borchert / Goos / Hagenhoff 2004, S.1).

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

„Netzwerke sind omnipotent, allgegenwärtig und unumgänglich“ (Aderhold / Wetzel 2004, S. 22). Diesem Leitmotiv der Netzwerkforschung können sich auch Unternehmen nicht entziehen. Insbesondere für die Innovationsfähigkeit gelten Innovationsnetzwerke als „Königsweg“ und als erfolgversprechender Ansatz zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit (Kühlmann / Haas 2009, S. 11). Dabei bilden der Aufbau und die Pflege von Innovationsnetzwerken eine zentrale Herausforderung für das Netzwerkmanagement. Aus Hilfen der Netzwerkforschung in Form theoretisch fundierter, empirisch bewährter und praktikabler Handlungsempfehlungen war bislang kaum zu hoffen. Zu stark war das wissenschaftliche Denken einer Betrachtungsweise verhaftet, nach der Netzwerke lediglich Vorformen einer Organisation repräsentieren, für die altbekannte Gestaltungsinstrumente ihre Gültigkeit behalten (Kühlmann / Haas 2009, S. 11).

Vor diesem Hintergrund möchte die vorliegende Arbeit mögliche Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken ermitteln. Dabei wird dieser Diskussion der strukturationstheoretische Netzwerkansatz von Windeler (2001) als theoretisches Fundament zugrunde gelegt. Aufgrund weniger empirischer Arbeiten zu Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken, wird die Autorin u.a. auf allgemeine Vor- und Nachteile von Netzwerken zurückgreifen und diese auf die Besonderheiten von Innovationsnetzwerken übertragen.

Im Einzelnen ist diese Arbeit wie folgt aufgebaut:

Das folgende zweite Kapitel enthält grundlegende Informationen zum Thema Netzwerke. Zu Beginn wird auf die Begriffsdefinition von Netzwerken eingegangen (2.1.). Anschließend werden die Merkmale von Innovationsnetzwerken behandelt (2.2.).

Das Kapitel drei bildet mit der Diskussion über Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken entlang dem strukturationstheoretischen Netzwerkansatz von Windeler den eigentlichen Hauptteil dieser Arbeit. Zunächst erfolgt die Darstellung des strukturationstheoretischen Netzwerkansatzes von Windeler (3.1.). Danach wird ein Überblick über mögliche Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken gegeben (3.2.) und anschließend die wichtigsten Chancen (3.3.) und Risiken (3.4.) von Innovationsnetzwerken diskutiert.

Die Arbeit endet mit dem Fazit in Kapitel vier.

2. Netzwerke

In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen für ein umfassendes Verständnis der Netzwerk-Thematik vermittelt. Der Begriff des Netzwerks wird definiert und die Merkmale eines Innovationsnetzwerks vorgestellt.

2.1. Begriffsdefinition

Gegenstand dieser Seminararbeit ist das Thema Netzwerk. In der wissenschaftlichen Literatur ist der Netzwerkbegriff mit einer Vielfalt von Bedeutungen verknüpft, sodass Osborn und Hagedoorn (1997, S. 262) sogar von einem „chaotischen Forschungsfeld“ sprechen. Da während der Untersuchung begriffliche Unklarheiten auftreten können, bedarf es zuerst der Klärung dieses Begriffs.

Netzwerke werden oft und unter verschiedenen Gesichtspunkten in der Literatur diskutiert. Neben betriebswirtschaftlichen und organisationstheoretischen Betrachtungen werden auch soziologische, psychologische und juristische Aspekte einbezogen. Außerdem wird der Netzwerkbegriff von einer ganzen Reihe von Wissenschaften benutzt, wie bspw. der Neurologie (neuronale Netze), Informatik (elektronische Netze), Politikwissenschaft (policy networks) und auch in der Soziologie. Zudem existiert eine Vielzahl von Begriffen wie „Kooperation“, „(strategische) Allianz“, „Joint Venture“, „Koalition“ oder „Bündnis“, die meist synonym zur Beschreibung des gleichen Phänomens verwendet werden.

Formal betrachtet besteht ein Netzwerk zunächst aus einer Mehrzahl von Akteuren und den Beziehungen, mit denen die Akteure untereinander verknüpft sind. „Das Spektrum der im Netzwerk verbundenen Akteure reicht dabei von einzelnen Menschen über Gruppen bis hin zu eigenständigen Unternehmen und anderen Organisationstypen“ (Kühlmann 2009, S. 14). Aber auch die Beziehungen im Netzwerk weisen ein großes Spektrum an Qualitäten auf: Sie können auf dem Austausch von Geld, Waren, Informationen, Wissen oder Macht beruhen. Dabei sind Netzwerke durch die Überlagerung mehrerer Beziehungsformen gekennzeichnet, der sog. Multiplexität (Kühlmann 2009, S. 14). Eine rein formale Betrachtung von Netzwerken ist dabei jedoch noch nicht hinreichend, um die Besonderheiten von Netzwerken hervorzuheben. Von Netzwerken wird hauptsächlich gesprochen, wenn die Qualität der Beziehungen durch folgende Merkmale charakterisiert sind: Freiwilligkeit, Autonomie der Beteiligten, wechselseitiges Vertrauen und Kooperation. Netzwerke bezeichnen aus dieser Perspektive einen „qualitativ eigenständigen Typus der selbstorganisierten Koordination von Handlungen ihrer Mitglieder“ (Kühlmann 2009, S. 14).

Sydow (2001, S. 1) definiert den Begriff des Netzwerks als eine „Kooperation in und / oder zwischen relativ autonomen, gleichwohl in ein Netz von Beziehungen eingebundenen Organisationen bzw. Unternehmungen (oder Organisationseinheiten)“. Ein Netzwerkverständnis, das die qualitative Bedeutung von Netzwerkbeziehungen in den Mittelpunkt rückt, ist von Weyer (2000, S. 11): „Unter einem sozialen Netzwerk soll […] eine eigenständige Form der Koordination von Interaktionen verstanden werden, deren Kern die vertrauensvolle Kooperation autonomer, aber interdependenter (wechselseitig voneinander abhängiger) Akteure ist, die für einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und dabei auf die Interessen des jeweiligen Partners Rücksicht nehmen, weil sie auf diese Weise ihre partikularen Ziele besser realisieren können als durch nicht-koordiniertes Handeln“.

Den Schwerpunkt betriebswirtschaftlicher und soziologischer Netzwerkforschung bildet die Analyse von interorganisationalen Netzwerken bzw. Unternehmensnetzwerken. Eine Definition, die mittlerweile als Ausgangspunkt für viele Arbeiten zu Unternehmensnetzwerken dient, formuliert Sydow (2005, S. 79): „Ein Unternehmensnetzwerk stellt eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform ökonomischer Aktivitäten dar, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet.“ Die zentrale Aussage von Sydow in dieser Definition ist, dass Netzwerkbeziehungen eine Art von Kooperation sind, die als Quelle nachhaltiger Wettbewerbsvorteile dient. Die Ausgestaltung der Beziehung erfolgt dabei zwischen rechtlich unabhängigen Wirtschaftssubjekten, die aus einer wirtschaftlichen Sicht jedoch voneinander abhängen. Daraus kann geschlossen werden, dass Netzwerkbeziehungen eine strategische Ressource für den Erfolg von Unternehmen darstellen können (Weber 2004, S. 7).

2.2. Innovationsnetzwerke

„Innovationsnetzwerke stellen eine Adaption des Netzwerkkonzeptes für einen bestimmten Bereich unternehmerischer Aktivitäten dar und können somit als eine spezifische Ausprägung der Organisationsform Netzwerk angesehen werden“ (Weber 2004, S. 15). Innovationsnetzwerke sind nach Hauschildt / Salomo (2007, S. 85) „komplexe Flechtwerke einer Vielzahl von Kooperationspartnern, die eine bewusste und nachhaltige, arbeitsteilige und interaktive Zusammenarbeit bei der Innovation vereinbaren und praktizieren“. Der Übergang von bilateralen Kooperationen zu multilateralen Netzwerken ist nach Hauschildt / Salomo (2007, S. 84) vor allem dann zu erwarten, wenn die Komplexität der Innovation steigt. Je besser die Möglichkeiten sind, Partner zu finden, die bereit sind ihr Wissen mit anderen zu teilen und je geringer die Monopolgewinne der Wissensherrschaft sind, desto eher wird es zur Ausprägung von Netzwerken kommen (Hauschildt / Salomo 2007, S. 84). Dabei schließen Innovationsnetzwerke nicht nur die Partner einer mehrgliedrigen Wertschöpfungskette ein, sondern darüber hinaus Forschungsinstitute, Hochschulen, Normierungsausschüsse, staatliche Organe, politische Verbände und sogar Wettbewerber eines Industriezweiges.

Nach Kowol / Krohn (1995, S. 101) sind Innovationsnetzwerke „selbständige Sozialsysteme, in denen der rekursive, d.h. schrittweise aufeinander aufbauende Austausch technologie- und marktbezogener Informationen gewährt wird“. Dabei besitzen Innovationsnetzwerke keine formale Struktur i.S.v. Organisationsstrukturen, sondern sind polyzentrisch und nur bedingt entscheidungsautonom (Kowol / Krohn 1995, S. 101). Netzwerke besitzen im Vergleich zu formal begrenzten Organisationen ein höheres Maß an Offenheit und einen hohen Informationsdurchfluss aufgrund der Heterogenität der beteiligten Akteure. Sie besitzen zugleich zur Kontrolle einen hohen Grad operationaler Schließung, damit die auf Dauer gestellte Kooperation nicht leicht gekündigt werden kann. Netzwerke ermöglichen also „rekursive Schließung bei informationaler Offenheit“ (Kowol / Krohn 1995, S. 78) und sind ein „pulsierendes Beziehungsgeflecht mit wechselnden Akteuren“ (Kowol / Krohn 1995, S. 89).

Innovationsnetzwerke entstehen als Reaktion auf das Problem wechselseitigen Markt- und Organisationsversagens (Kowol / Krohn 1995, S. 85) und sind durch zwei wichtige Funktionen gekennzeichnet: der Reduktion von technologischer Unsicherheit und der Reduktion von Marktintransparenz durch kooperative und rekursive Technik- und Marktgestaltung sowie durch Informationsgewinnung und -austausch (Kowol / Krohn 1995, S. 78). Im Innovationsnetzwerk treffen Hersteller und Anwender (z.B. Pilotanwender eines Prototyps) aufeinander. Der Technikhersteller ist auf neue Erfahrungen eines Anwenders angewiesen, die unter betrieblichen Realbedingungen gewonnen werden und in ein verbessertes Produkt umgesetzt werden. Der Technikanwender dagegen benötigt Detailinformationen bspw. über neue Fertigungsverfahren, spezifisches technologisches Wissen über Lösungen von Fertigungsproblemen oder Beratungsleistungen zur effizienten Optimierung des Produktionsflusses. Alle speisen mehr oder weniger kontinuierlich in den Innovationsprozess ein und ziehen Informationsgewinne aus ihrer Beteiligung (Kowol / Krohn 1995, S. 98).

Dabei stellen der Aufbau und die Pflege des Netzwerkes eine wesentliche Herausforderung sowie Zeitaufwand dar, bei dem auch die Vertrauenswürdigkeit eines Akteurs im Netzwerk zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor wird. Der Aufbau gegenseitiger Vertrauensbeziehungen ist nach Kowol / Krohn (1995, S. 98) die entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung leistungsfähiger Strukturen und eines permanenten Know-how-Transfers. Diese angeblichen Vertrauensbeziehungen sollten jedoch auch kritisch betrachtet werden, da auch Netzwerke aus Machtbeziehungen entstehen und sich die Frage gestellte werden muss, ob es Vertrauen in Netzwerken überhaupt gibt. Zur Pflege eines Netzwerkes gehört auch der Aufbau gemeinsamer Orientierungen und die Herausbildung einer gemeinsamen Sprache, d.h. eines gemeinsamen technischen Jargons, der die Koordination erleichtern soll (Kowol / Krohn 1995, S. 89). Kowol / Krohn (1995, S. 90) betonen aber auch, dass diesen Handlungsvorteilen im Netzwerk die Gefahr der Trägheit und Resistenz gegenüber neuen Marktanforderungen und technologischen Herausforderungen gegenüber steht, d.h. einer Selbstblockierung für notwendige Anpassungen an starke Umweltveränderungen. Damit sind mit Innovationsnetzwerken also nicht nur Vorteile, sondern auch mögliche Probleme verbunden.

3. Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken

Dieses Kapitel umfasst die Risiken, die mit Innovationsnetzwerken verbunden sind. Risiken können nie vollständig ausgeschlossen werden. „Unter Risiko wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Möglichkeit verstanden, dass die tatsächliche Konsequenz einer Entscheidung von der geplanten Konsequenz abweicht. Diese Abweichung kann positiv (= Chance) oder auch negativ sein“ (Lamers 1997, S. 113).

Zunächst soll der strukturationstheoretische Netzwerkansatz von Windeler näher betrachtet werden, um den Ansatz der Diskussion über Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken als theoretisches Fundament zugrunde legen zu können.

3.1. Strukturationstheoretischer Netzwerkansatz

Der strukturationstheoretische Netzwerkansatz von Windeler (2001) nutzt die Strukturationstheorie des englischen Soziologen Anthony Giddens (1984) zur Formulierung einer Netzwerktheorie, in deren Mittelpunkt ein über soziale Praktiken vermittelter Konstitutionsprozess steht, in dem gesellschaftsweite Institutionen sowie das Handeln und die Beziehungen der Netzwerkakteure gleichermaßen eine Rolle spielen (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Strukturation von Unternehmungsnetzwerken (Windeler 2001, S. 201)

Dabei geht Windeler (2001, S. 246 ff.) u.a. auch auf die Steuerung bzw. Regulation von Netzwerken ein. In der Netzwerkliteratur wird betont, dass Netzwerke tendenziell andere Steuerungsmechanismen als Hierarchien und Märkte aufweisen. Während Märkte hauptsächlich über Preise und Organisationen besonders über Weisung gesteuert werden, zeigen Netzwerke eine Kombination hierarchischer und marktlicher Steuerung auf (Sydow / Windeler 1994, S. 2). Außerdem verfügen Netzwerke über eigene Steuerungsmechanismen wie Vertrauen, Reziprozität, Verlässlichkeit oder Verhandlung (Loose / Sydow 1994, S. 161 ff.). Doch die Steuerung von Netzwerken gelingt nicht automatisch durch das Heranziehen von Vertrauen oder Reputation. Vielmehr müssen ähnlich wie in Organisationen Steuerungsleistungen erbracht werden.

Windeler (2001, S. 250 ff.) unterscheidet sechs Steuerungspraktiken in Netzwerken, wobei allerdings nur die folgenden vier in der Netzwerkliteratur positiv aufgegriffen wurden (vgl. Griese / Sieber 1999; Manning 2006; Sieber 1998; van Well 1996) und zusammen mit Sydow entwickelt wurden: (1) die Selektion von Netzwerkpartnern, (2) die Allokation von Aufgaben und Ressourcen, (3) die Regulation der Zusammenarbeit im Netzwerk und (4) die Evaluation interorganisationaler Beziehungen (vgl. Abb. 2). Dabei sind die gegenstandsbezogenen Aktivitäten der Netzwerkregulation rekursiv miteinander verbunden, d.h. die Ausübung einer Funktion, z.B. die der Selektion, beeinflusst die anderen Funktionen, in diesem Falle die Allokation, Regulation und Evaluation (Windeler 2001, S. 250).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Gegenstände der Netzwerkregulation (Windeler 2001, S. 250)

(1) Die Selektionsfunktion:

Die Selektion geeigneter Interaktionspartner ist sowohl auf die Auswahl von Organisationen als auch auf die Auswahl einzelner Mitarbeiter gerichtet, die als boundary spanners die Anforderungen beherrschen sollen (Windeler 2001, S. 251). Dabei kommt es darauf an, dass die Netzwerkpartner im Hinblick auf ihre Kompetenz und Intentionen geeignet sind, zur Erfüllung der Netzwerkziele beizutragen (Sydow 2001, S. 312). Sind die Ziele der Netzwerkunternehmen nicht kompatibel, kann es zu einer sehr aufwendigen Netzwerkkoordination kommen oder sogar das Zustandekommen bzw. das Fortbestehen der Netzwerkkooperation gefährden (Sydow 2001, S. 312). Im Mittelpunkt einer Regulation der Selektion stehen nach Windeler (2001, S. 252) insbesondere folgende Aktivitäten:

- Festlegung relevanter Handlungsbereiche, Prozeduren und Kriterien der Netzwerkselektion (Eintritts-, Austritts- und Ausschlusskriterien);
- Besetzung selektionsrelevanter Netzwerkpositionen und
- Abstimmung und Ausgestaltung von Selektionspraktiken bspw. zur Sanktionierung von Regelverstößen.

In Innovationsnetzwerken findet die Selektion nicht nur zum Zeitpunkt der Netzwerkbildung statt, sondern ist eine mögliche ständige Aufgabe des Netzwerkmanagements. Somit könnte die Selektion bspw. auch die Aussortierung ungeeigneter Partner, die Re-Selektion bewährter Partnerunternehmen oder das Einbeziehen neuer Netzwerkunternehmen umfassen (Sydow 2001, S. 312).

(2) Die Allokationsfunktion:

Diese Funktion umfasst im Wesentlichen die Verteilung von Aufgaben, Ressourcen und Zuständigkeiten auf die einzelnen Netzwerkunternehmen (Windeler 2001, S. 252). Dabei geht es um die effiziente und gerechte Verteilung von Geld, Zeit und Fähigkeiten, Rechten und Pflichten, aber auch von Gewinnen und Verlusten (Manning 2006, S. 190 f.). Daher ist es wichtig, zunächst strategisch wichtige Aufgaben zu identifizieren und für deren Erfüllung entsprechende Ressourcen bereitzustellen (Manning 2006, S. 190). Die Aufgaben- und Verantwortungsverteilung soll entsprechend der spezifischen Kompetenz- und Konkurrenzvorteile in einem gleichberechtigten Verhandlungsprozess zwischen den Netzwerkunternehmen erfolgen (Sydow 2001, S. 313). Ähnlich wie die Selektionsfunktion sollte die Allokationsfunktion auch kontinuierlich stattfinden. Gerade die Möglichkeit der Re-Allokation von Aufgaben und Ressourcen sorgt für die nötige Flexibilität und Innovativität im Netzwerk (Sydow 2001, S. 313).

[...]


[1] "Reengineering is the fundamental rethinking and radical redesign of business processes to achieve dramatic improvements in critical, contemporary measures of performance, such as cost, quality, service, and speed" (Hammer and Champy 1993, S. 32).

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Seminar Strategisches Innovationsmanagement
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
33
Katalognummer
V165438
ISBN (eBook)
9783640810918
ISBN (Buch)
9783640811052
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strukturationstheoretischen Ansatz, Windeler, Innovation, Innovationsnetzwerk, Chancen, Risiken
Arbeit zitieren
B.Sc. (Bachelor of Science) Sarah Dorst (Autor), 2010, Chancen und Risiken von Innovationsnetzwerken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165438

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