Selbstgesteuertes Lernen in der Schule


Essay, 2010
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Selbstgesteuertes Lernen in der Schule

1. Einleitung

Dass die Förderung von Selbststeuerung ein zentrales Ziel des Unterrichts ist, kann nicht bestritten werden. Tatsache ist allerdings, dass Lernen gegenwärtig und besonders im Rahmen institutionalisierter Erziehung, insbesondere aber in der Schule, sehr häufig zu stark fremdgesteuert ist. Der Begriff „Selbststeuerung“ ist derzeit bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel wieder hochaktuell.

Nicht nur in der aktuellen bildungstheoretischen Diskussion wird immer wieder darauf hingewiesen, dass das selbstgesteuerte Lernen den Anforderungen in unserer Gesellschaft viel besser gerecht wird als der lehrerzentrierte Frontalunterricht. Auch der wissenschaftliche und technologische Fortschritt, die zu einer „Wissensexplosion“ geführt haben, legen die Grenzen des traditionellen Lehrens offenkundig dar. Die dadurch entstandene schnelle „Wissensveraltung“ fordert nach neuen Formen des Lernens.

Die geforderten ständigen Aktualisierungen und Erweiterungen der schulischen und beruflichen Kompetenzen erfordern einen hohen Grad an Lern- und Veränderungsbereitschaft und hinreichend entwickelte Fähigkeiten selbst zu planen und selbst zu steuern.

Nach Krapp und Weidenmann (1999) gilt die Bereitschaft und Fähigkeit zu selbstgesteuertem Lernen vielfach als eine Art „Schlüsselqualifikation“ und als eine Notwendigkeit des schulischen und beruflichen Lebens.

Das Interesse am selbstgesteuerten Lernen ist auch eine Folge des Perspektivenwechsels vom Lehren zum Lernen innerhalb der Pädagogik. Hieraus resultieren Theorieansätze, welche die aktive, konstruktive Rolle des Individuums beim Lernen hervorheben und es nicht mehr nur in Abhängigkeit vom Lehrerverhalten und von Unterrichtsbedingungen diskutieren.

Die Fähigkeit, für den einen oder anderen Aspekt des Lernens selbst Verantwortung zu übernehmen, ist auf allen Stufen des Bildungssystems wichtig, zumal die jeweils nächste Stufe (Sekundarbereich, Universität, usw.) diese Fähigkeit in zunehmendem Maße voraussetzt.

Die erforderlichen Kenntnisse und Strategien für selbstgesteuertes Lernen können aber weder bei Kindern und Jugendlichen noch bei Erwachsenen als selbstverständlich vorausgesetzt werden.

Es bedarf der gezielten Förderung solcher Fähigkeiten auf allen Ebenen des Bildungswesens.

Im Folgenden sollen einige Bedingungen und Möglichkeiten zur Unterstützung von Selbststeuerung im Bereich Schule vorgestellt und diskutiert werden. Vor diesem Hintergrund soll zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff „selbstgesteuertes Lernen“ zu verstehen ist, inwieweit die Schule als geeignet für die Förderung selbstgesteuerten Lernens angesehen werden kann, was selbstgesteuertes Lernen in der Schule möglicherweise verhindert und wie es in der Schule gefördert werden kann.

Danach soll es darum gehen, aufzuzeigen, welche (Lern-) Strategien am selbstgesteuerten Lernen beteiligt sind.

Daran anschließend wird skizziert, wie die Entwicklung der Lernstrategien selbstgesteuerten Lernens angeregt, unterstützt und begleitet werden kann.

2. Versuch einer Definition des selbstgesteuerten Lernens

Für den Begriff „Selbstgesteuertes Lernen“ existiert keine einheitliche Definition. Die verschiedenen Konzepte und Begriffsbestimmungen zum selbstgesteuerten Lernen in der Literatur unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander.

Der Begriff des selbstgesteuerten Lernens kann gegenüber verwandten Termini wie dem autonomen, selbstbestimmten, selbst organisierten oder autodidaktischen Lernen, sowie dem Selbstlernen und dem Selbststudium nicht immer scharf abgegrenzt werden.

Gemeinsam ist aber allen Konzepten des selbstgesteuerten Lernens ihre im Zusammenhang mit der „kognitiven Wende“ in der Psychologie (um 1970) zu sehende kognitionstheoretische Orientierung.

Während lerntheoretische und behavioristische Ansätze den Lernenden noch als passiv und extern gesteuert betrachten, begreifen ihn kognitionstheoretische Ansätze als aktiv, selbstreflexiv und dem eigenen Lernen gegenüber verantwortungsbewusst. Allen Teilaspekten des Lernens wird folglich ein hoher Selbststeuerungsanteil zugewiesen.

Einigkeit besteht auch darin, dass sich diese Art des Lernens im Gegensatz zur Außensteuerung des fremdbestimmten Lernens durch einen hohen Grad an (subjektiv wahrgenommener) Autonomie in Bezug auf alle Teilaspekte des Lernens auszeichnet.

Selbstgesteuertes Lernen ist eine Idealvorstellung, die verstärkte Selbstbestimmung hinsichtlich der Lernziele, der Lernzeit, des Lernorts, der Lernmethoden, der Lernstrategien, der Lernhilfen, sowie vermehrte Selbstbewertung des Lernerfolges beinhaltet.

Nach Weinert (1982) beeinflusst ein selbstgesteuert Lernender maßgeblich die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt.

Konrad und Traub (1999) schlagen folgende (meiner Meinung nach sehr passende) Definition selbstgesteuerten Lernens vor: Selbstgesteuertes Lernen ist eine Form des Lernens, bei der die Person in Abhängigkeit von der Art ihrer Lernmotivation selbstbestimmt eine oder mehrere Selbststeuerungsmaßnahmen (kognitiver, volitionaler oder verhaltensmäßiger Art) ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst (metakognitiv) überwacht, reguliert und bewertet.

Selbststeuerung und Fremdsteuerung sind jedoch keine unversöhnlichen Gegensätze.

Selbstgesteuertes Lernen ist auch dann möglich, wenn einzelne Handlungsabschnitte fremdbestimmt sind, sofern der Lernende nicht völlig eingeschränkt oder kontrolliert wird.

Je nach Art der Regulationsprozesse ergeben sich somit unterschiedliche Varianten und Ausprägungsgrade der Selbststeuerung.

Lernprozesse werden in der Regel vom Lernenden selbst gesteuert und von externen Instanzen angeleitet. Lernen lässt sich somit auf einem Kontinuum zwischen Selbst- und Fremdsteuerung anordnen.

Selbstgesteuert Lernen bedeutet nicht notwendigerweise Lernen ohne die Beteiligung anderer Personen. Es kann z.B. die Arbeit in Gruppen oder die Kooperation mit anderen Personen einschließen.

2.1 Selbststeuerung als Voraussetzung, Ziel und Methode

Da jedes Lernen ein Minimum an Eigenaktivität erfordert, ist Selbststeuerung eine ganz allgemeine Voraussetzung des (effektiven) Lernens. Die bewusst-intentionalen Prozesse der Informationsbearbeitung verlangen stets eine aktive Beteiligung des Selbst.

Die Fähigkeit zur Selbststeuerung des Lernens ist auch ein wichtiges Ziel der schulischen und beruflichen Ausbildung. Die dazu erforderlichen motivationalen Dispositionen und Strategien müssen neben dem fachlichen Wissen und Können systematisch entwickelt werden.

Verändert der Lehrer die traditionelle Formen der Lehr-Lernorganisation in Richtung mehr Selbststeuerung, garantiert dies aber noch lange nicht, dass die Lernenden selbstgesteuerter Lernen .

Um eine Ausweitung selbstgesteuerter Lernformen zu erreichen, müssen bei den Lernenden oft erst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, mit den neu entstandenen Spielräumen umzugehen.

Die Entwicklung der Fähigkeiten, die zur Selbststeuerung notwendig sind, kann also nicht ohne ein bestimmtes Maß an Fremdsteuerung erfolgen.

3. Selbstgesteuertes Lernen in der Schule

3.1 Selbstgesteuertes Lernen - Warum gerade in der Schule?

Es gibt einige Gründe dafür, die gerade die (allgemeinbildenden) Schulen als besonders geeignet für die Entwicklung der Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen erscheinen lassen.

Zum einen ist dies die Langfristigkeit schulischen Lernens.

Selbstgesteuertes Lernen lässt sich nicht im Rahmen kurzfristiger Maßnahmen realisieren, seine Vermittlung muss langfristig angelegt sein.

Der zweite Punkt ist die Möglichkeit zur Kombination von Inhalts- und Strategievermittlung.

Die allgemeinbildende Schule ist der Ort, an dem die Vermittlung von Lernstrategien in Kombination mit der Vermittlung von Inhaltswissen erfolgen kann.

Weiterhin besteht hier die Möglichkeit zum fach- und altersstufenübergreifenden Transfer.

In der (allgemeinbildenden) Schule mit ihrem vielfältigen, sich jeweils über mehrere Altersstufen erstreckenden Fächerkanon, besteht die Möglichkeit, die Kompetenz zum selbstgesteuerten Lernen fachübergreifend zu entwickeln.

Die Schule legt die Grundlagen für das weitere Lernen. Verschiedene Untersuchungen (u.a. Mandl, 1985) zeigen, dass Lernstrategien und -methoden im Erwachsenenalter nicht mehr so einfach zu beeinflussen sind. Deshalb ist es nahe liegend, bereits in der Schule dafür zu sorgen, dass die richtigen Lernstrategien und -methoden gelernt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Selbstgesteuertes Lernen in der Schule
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Diplomklausur
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V165495
ISBN (eBook)
9783640829989
ISBN (Buch)
9783640829880
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstgesteuertes Lernen, Selbststeuerung, Schule, Lehren, Lernen
Arbeit zitieren
Annika Friese (Autor), 2010, Selbstgesteuertes Lernen in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165495

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Selbstgesteuertes Lernen in der Schule


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden