Aspektuelle Verbalperiphrasen im Spanischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbalperiphrasen als Charakteristikum der romanischen Sprachen

3. Geläufige Definition in den Grammatiken

4. Kriterien zur Bestimmung von Verbalperiphrasen
4.1. Semantische Kriterien
4.2. Syntaxtische Kriterien
4.3. Nicht als periphrastisch angesehene Konstruktionen

5. Aktionsart und Aspekt der Handlung

6. Klassifikation der Verbalperiphrasen
6.1. Perífrasis incoativas
6.2. Perífrasis terminativas
6.3. Perífrasis durativas
6.4. Perífrasis acumulativas
6.5. Perífrasis frecuentativas e iterativas o repetitivas
6.6. Perífrasis aproximativas, y de conjetura
6.7. Perífrasis exagerativas o hiperbólicas
6.8. Perífrasis obligativas

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im heutigen geschriebenen wie gesprochenen Spanisch findet man zahlreiche Konstruktionen wie estar haciendo algo, ir a hacer algo oder llevar comprado algo. Konstruktionen dieser Art nennt man perífrasis verbales oder auf Deutsch Verbalperiphrasen.

Es soll das Ziel dieser Arbeit sein, den Begriff der Verbalperiphrasen genauer zu bestimmen und diese Kategorie von anderen, z.T. ähnlichen Konstruktionen anhand bestimmter Kriterien und spanischer Beispiele abzugrenzen. Zuerst wird auf die Frage eingegangen, was man unter eine Verbalperiphrase genau zu verstehen hat. Anschließend werden von verschiedenen Sprachwissenschaftlern eingeführten semantischen und syntaktischen Kriterien zur Abgrenzung der Verbalperiphrasen von anderen ähnlichen Konstruktionen dargelegt. Dabei wird auch die Effizienz und Zuverlässigkeit dieser Kriterien, sowie die dabei auftretende Probleme und Unstimmigkeiten dargestellt. Außerdem werden einigen von den Sprachwissenschaftlern als nicht-periphrastisch angesehenen Konstruktionen präsentiert, sowie ihre Begründung dafür. Anschließend wird auf den Unterschied zwischen den Verbalperiphrasen und den verbalen Redewendungen eingegangen. Diese Arbeit wird sich außerdem kurz mit den Begriffen Aktionsart und Aspekt der Handlung auseinandersetzten. Das sechste Kapitel wird sich an die Klassifikation der Verbalperiphrasen widmen, deren Vorstellung durch konkrete Beispiele und kurze Erläuterungen unterstützt wird. Zum Schluss werde ich die wesentlichen Punkte und Ergebnissen nochmal zusammenfassen und versuche die Antwort zu geben, wann man eine Konstruktion als Verbalperiphrase zu betrachten hat.

2. Verbalperiphrasen als Charakteristikum der romanischen Sprachen

Der Aspekt im Spanischen und in den romanischen Sprachen im Allgemeinen wird im Besonderen durch Verbalperiphrasen ausgedrückt. Für diese findet sich bei Dietrich (1996) folgende Definition:

„Im engeren Sinne versteht man [...] unter einer Verbalperiphrase die periphrastische Bezeichnung vor allem aspektueller Kategorien.“

(Dietrich 1996, S. 223)

Das Spanische drückt also den Aspekt der Handlung, also wie die Handlung verläuft, mit verbalen Umschreibungen aus. Es handelt sich um Konstruktionen mit Verben der Bewegung, die in Verbindung mit Infinitiv, Gerundium oder Partizip die ursprüngliche Bedeutung verlieren und die Funktionen eines Pseudo-Hilfsverbs annehmen.

Die Verbalperiphrasen kann man angesichts der Tatsache, dass sie auch in allen anderen romanischen Sprachen zu finden sind, als typisch romanisch bezeichnen.

Die strukturelle Ähnlichkeit der Verbalperiphrasen ist in den romanischen Sprachen so groß, dass sie eine gemeinsame Herkunft einschließt. Da die meisten dieser Periphrasen im klassischen Latein nicht existierten, stellt sich das Problem ihrer Entstehung im Vulgärlatein. Es existiert die These, dass die Periphrasen im Vulgärlatein unter griechischen Einfluss entstanden sind. (Dietrich 1983, S. 28)

Lange Zeit herrschte Unklarheit darüber, zu welcher Gruppe man diese Konstruktionen zählen sollte. Entscheidend war in dieser Hinsicht die Arbeit von Georges Gougenheim, denn dieser fasste sie erstmals unter dem Begriff „Verbalperiphrasen“ zusammen, was man in der Folgezeit beibehielt. (Fernández de Castro 1990, S. 20)

3. Geläufige Definition in den Grammatiken

Was man unter Verbalperiphrase versteht, gibt uns Gómez Torrego (1999) eine sehr präzise Definition, die folgendes besagt:

“Una perífrasis verbal es la unión de dos o más verbos que constituyen un solo ‘núcleo’ del predicado. El primer verbo, llamado ‘auxiliar’, comporta las informaciones morfológicas de número y persona, y se conjuga en todas (o en parte de) las formas o tiempos de la conjugación. El segundo verbo, llamado ‘principal’ o ‘auxiliado’, debe aparecer en infinitivo, gerundio o participio, es decir, en una forma no personal.” (Gómez Torrego 1999, S. 3325)

Es handelt sich um eine Kombination aus einer finiten und einer infiniten Verbform. Die finite Form, also das konjugierte Verb hat die Eigenschaft eines Hilfsverbs, während die infinite Form – die Nominalform als Gerund, Partizip und Infinitiv vorkommen kann. Demnach unterteilen wir diese Konstruktionen in Gerundial-, Partizipial-, bzw. Infinitivperiphrasen. Wobei bei den Infinitivperiphrasen beide Verbformen auch durch eine Präposition oder Konjunktion verbunden werden können. Grammatikalisch gesehen sind Verbalperiphrasen mehrgliedrige verbale Ausdrücke.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Hernández Alonso 1982, S. 231)

Da das Hilfs- und das Hauptverb in der Periphrase eine Einheit bilden, d.h. die beiden Bestandteile besitzen keine Autonomie, werden die Verbalperiphrasen nicht nur als syntaktische, sondern auch als semantische Einheit bezeichnet.

“La perífrasis verbal es […] una unidad sintáctica. Con frecuencia se añade que es también una unidad semántica en el sentido de que el verbo auxiliar no significa por y para sí mismo sino que lo que hace es modificar, determinar o matizar el significado o el contenido del verbo principal.”

(Gómez Torrego 1999, S. 3346)

Der Grund, warum das Spanische so reich an aspektuellen Periphrasen ist, liegt an der Vielzahl der Hilfsverben, die für die Aspektfunktion zur Verfügung stehen und am Hauptverb, das seinerseits in Partizip, - Infinitiv, - und Gerundiumsform vorliegen kann.

4. Kriterien zur Bestimmung von Verbalperiphrasen

Allerdings ist der Gebrauch dieses Terminus nicht unproblematisch. In den meisten älteren Arbeiten ergab die Behandlung periphrastischer Konstruktionen ziemlich widersprüchliche Ergebnisse, denn dieser Terminus nicht eindeutig abgegrenzt war und deshalb wurde oft für verschiedene Phänomene gebraucht. (Dietrich 1973, S. 21).

So gehen in der Literatur die Meinungen immer noch darüber auseinander, was unter eine Verbalperiphrase genau zu verstehen ist und welche Konstruktionen dieser Gruppe zuzuordnen sind. Deshalb ist es nicht zu wundern, dass die Autoren recht unterschiedliche Angaben über den Bestand an Verbalperiphrasen im Spanischen machen. Viele Autoren grenzen den Begriff der Verbalperiphrasen von anderen, ähnlichen Konstruktionen anhand bestimmter Kriterien ab.

4.1 Semantische Kriterien

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit eine Konstruktion als Verbalperiphrase gelten darf, ist die desemantización. Das bedeutet, dass das konjugierte Verb seine semantische Eigenständigkeit verliert und lediglich eine Bedeutungsmodalität der gesamten Wendung signalisiert, nämlich der Handlungsaspekt . In dem Real Academia Española steht:

“Un esquema sintáctico únicamente puede calificarse de perífrasis verbal cuando esté gramaticalizado hasta el punto de que el verbo auxiliar pierda total o parcialmente su significación normal.”

(Real Academia Española, 1991, S. 445)

Im Buch „Curso superior de sintaxis española“ sagt Samuel Gili Gaya (1989) noch dazu:

„Para distinguir si un verbo está empleado como auxiliar basta fijarse en si ha perdido su significado propio.“ (S. 105)

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Eigenschaft des Bedeutungsverlusts eines Verbs eng mit dem Prozess der Grammatikalisierung zusammenhängt, worunter man versteht, dass „ein sprachliches Zeichen von der Ebene der lexikalischen Einheiten auf die Ebene des Grammatischen übergehen, d.h. instrumental und damit grammatisch distinktiv werden kann“. (Dietrich 1973, S.57).

Die inhaltliche Leistung des konjugierten Verbs wird im Deutschen fast immer von einem Adverb erfüllt. Das Deutsche drückt den Aspekt der Handlung durch ganz präzise Adverbien aus, wie: immer noch, allmählich, weiter, gerade, nochmals, wieder etc.

Als Beispiel für die desemantización soll der folgende Satz gelten.

Bsp.: Juan volvió a dormirse. Juan ist wieder eingeschlafen.

Hier hat das Verb volver seine normale Bedeutung verloren. Es ist offensichtlich, dass das Verb volver die Funktion eines Hilfsverbs ausübt und nicht in seiner lexikalischen Bedeutung im Sinne von zurückkehren gebraucht wird, sondern verleiht der ganzen Wendung nur mehr den Handlungsaspekt der Wiederholung, so dass man die Konstruktion folglich als Verbalperiphrase betrachten kann. Diese Desemantisierung des Hilfsverbs wird als Voraussetzung für eine Verbalperiphrase angesehen. Wann und wie ein Hilfsverb seine lexikalische Bedeutung verliert, kann höchstens näherungsweise bestimmt werden:

„No es fácil saber sincrónicamente cuándo un verbo empieza a desemantizarse.” (Gómez Torrego 1988, S. 13)

Dietrich (1983, S. 83) führt ein anderes Kriterium an, ob es sich beim konjugierten Verb um ein Hilfsverb handelt. Er schlägt vor, dieses durch ein synonymes Verb in seiner lexikalischen Bedeutung zu ersetzen und anschließend den Sinn der Konstruktion zu überprüfen. So kommt er zu dem Ergebnis, dass im Satz „ Iba a comprar el traje en la ciudad“, ir ein Hilfsverb ist, da sich davon der folgende Satz unterscheidet: „ Marchaba a comprar el traje en la ciudad“.

Dagegen ergibt sich aber das Problem, dass ir und marchar nicht als vollständig synonym anzusehen sind. Außerdem sind es nicht für jedes Verb Synonyme vorhanden und bei tatsächlicher Äquivalenz der Konstruktionen kann man nicht überprüfen, ob diese Synonyme selbst auch Hilfsverben sind.(Olbertz 1998, S.44)

Ein anderes Problem bei der Anwendbarkeit des semantischen Kriteriums ist, dass es für viele Verben (wie deber oder poder) mehrere unterschiedliche Bedeutungen akzeptiert sind. Nämlich „Pflicht“, „Schuld“ und „Wahrscheinlichkeit“ bzw. „Fähigkeit“, „Möglichkeit“ oder „Erlaubnis“. Nach Gómez Torrego ist es schwierig festzulegen, welche von diesen Bedeutungen die ursprüngliche war bzw. wo sich ein Bedeutungswandel vollzogen hat. Darüber hinaus ist die Grenze zwischen Bedeutungsverlust, also Grammatikalisierung und metaphorischem Gebrauch nicht eindeutig bestimmbar.

(Gómez Torrego 1999, S.3345-3346)

Gómez Torrego (1999, S. 3344-3345) hat schließlich darauf hingewiesen, dass die Eigenschaft eines Verbs als Hilfsverb und damit die Möglichkeit, eine Konstruktion als Verbalperiphrase zu betrachten, teilweise lediglich durch den Kontext bestimmt sein kann. So liegt bei dem Satz

Juan llegó a comer a casa un poco tarde keine Verbalperiphrase vor, da wegen der adverbialen Bestimmung des Orts a casa nur das „Ankommen“, also die lexikalische Bedeutung ausgedrückt sein kann, im Gegensatz zu Llegó a haber cien mil personas en el estadio.

Im Fall, dass der Kontext diese Ergänzungen jedoch nicht liefert, ist eine eindeutige Abgrenzung nicht mehr möglich, wie etwa bei dem Satz: Vino a decirme que yo era tonto.

Es ist aber so, dass auch Konstruktionen wie empezar a hacer algo, terminar de hacer algo, querer hacer algo oder deber hacer algo bei den meisten Autoren zu den Verbalperiphrasen gezählt werden, obwohl hier offensichtlich das finite, konjugierte Verb in seiner lexikalischen Bedeutung erscheint. In diesem Fall ist die für die Zuordnung zu dieser Kategorie notwendige Eigenschaft der konjugierten Verbform, als Hilfsverb zu fungieren, jedoch nicht gegeben. (Fernández de Castro 1991, S. 25)

An dieser Stelle sollte man auf das Konzept der „Verba adiecta“ von Wolf Dietrich verweisen. Demnach gibt es Verben, genannt verba denominativa, die die außersprachliche Wirklichkeit primär klassifizieren. Beispielsweise Verben wie: comprar, ir, comer. Es gibt auch solche, die nur dieArt der Erfassungausdrücken. Das sind verba adiecta. Das bedeutet, verba adiecta liefern eine nähere Bestimmung der verba denominativa und treten in Verbindung mit diesen als derenModifikatorenauf. Dies lässt sich gut nachvollziehen im folgenden Beispiel:

Empieza a cantar. Die reale Handlung ist in diesem Fall das „Singen“, das Verb empieza spezifiziert diese in dem Sinne, dass sie eine Aussage über deren augenblicklichen Beginn trifft.

Das Spezifische an den „Verba adiecta“ ist also, dass sieinstrumentelle Bedeutunghaben und insofern als grammatikalisiert betrachtet werden können, obwohl sie ihre lexikalische Bedeutung eben nicht verloren haben. (Dietrich 1983, S. 81)

4.2 Syntaxtische Kriterien

Man könnte sagen, dass die syntaktischen Kriterien in der Literatur eine große und relevante Stelle einnehmen. Es gibt dabei zahlreiche Testverfahren oder „pruebas“, wie sie Fernández de Castro (1990, S.33) nennt, zur Abgrenzung der Verbalperiphrasen von nicht-periphrastischen Konstruktionen. Diese Testverfahren beruhen auf gewissen Eigenschaften sowohl der finiten, als auch der infiniten Verbform.

Wie bereits bekannt, ist die finite Verbform einer Verbalperiphrase in ihrer Funktion als Hilfsverb einem Bedeutungswandel, einer desemantización unterlegen. Dies hat auch Konsequenzen bezüglich ihres syntaktischen Verhaltens. Während beispielsweise das Verb ir als Vollverb nur in Verbindung mit einem belebten Subjekt stehen kann, ist diese Bedingung nicht mehr zwingend, wenn eine Periphrase vorliegt. Genau aus diesem Grund lassen sich Sätze wie Esta casa va a causar problemas oder El río fue creciendo hasta debordarse erklären. (Fernández de Castro 1990, S.35)

Daran schließt sich als syntaktisches Kriterium zur Bestimmung einer Verbalperiphrase die Möglichkeit an, einen Aktivsatz in eine Passivkonstruktion umzuwandeln, ohne dass sich dadurch der Sinn verändert.

So kann der Satz El gobierno debe controlar a los médicos als äquivalent zum folgenden angesehen werden: Los médicos deben ser controlados por el gobierno.

Im Gegensatz dazu ist der Satz El gobierno desea controlar a los médicos keine Verbalperiphrase, denn bei der Transformation ins Passiv ändert sich der Sinn des Satzes. So wäre die Passivform: Los médicos desean ser controlados por el gobierno.

Der Grund dafür ist offensichtlich und zwar Subjekt und Objekt stehen im ersten Beispiel in Beziehung mit dem Lexem des Verbs „controlar“, so dass bei einer Umformulierung der Sinn der Aussage erhalten bleibt. (ebd. S.37)

Eine weitere wesentliche Bedingung ist, dass sich beide Verbformen auf dasselbe Subjekt beziehen müssen. Und grundsätzlich sollten beide Verben auch autonom außerhalb der Periphrase auftreten können.

(Quesada 1994, S.47)

Da das Hilfs- und das Hauptverb in der Periphrase eine syntagmatische Einheit bilden, ergibt sich daraus als Konsequenz, dass diese beiden Bestandteile keine syntaktische Autonomie besitzen. Deshalb ergibt sich als weitere Voraussetzung für periphrastische Konstruktion, der Verlust der syntaktischen Autonomie der infiniten Verbform.

(Fernández de Castro 1990, S.39)

Ob syntaktische Autonomie vorliegt, lässt sich dadurch ermitteln, dass man nicht mit den Interrogativpronomen ¿Qué? oder ¿Cómo? nach der infiniten Verbform fragen kann. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen. Auf den Satz Sigue diciéndoles lo mismo lässt sich keine Frage ¿Cómo les sigue ? stellen, die mit Diciéndoles lo mismo zu beantworten wäre. Wäre dies der Fall, so würde die infinite Verbform als Objekt bzw. Adverb fungieren, also syntaktische Autonomie besitzen.(ebd. S. 41)

Fernández de Castro führt eine weitere „prueba“ ein, die ebenfalls die dargelegte syntaktische Eigenschaft der infiniten Verbform unterstreicht, nämlich die Emphatisierung. Will man die infinite Verbform besonders hervorheben in der Weise, dass sie an den Anfang des Satzes gestellt wird, so braucht man ein „syntaktisches Echo“ in Form eines Infinitivs, Gerunds bzw. Partizips, um nicht gegen die Grammatik zu verstoßen.

„Si el elemento conjugado es núcleo autónomo, el derivado verbal que lo acompaña podrá ser “tematizado” por sí solo, pero si la relación que existe entre ambos es de interdependencia, entonces el auxiliar mantendrá junto a sí un “eco” sintáctico de su término solidario, tras haber sido éste enfatizado.“

(Fernández de Castro 1990, S. 42)

Suele triunfar beispielsweise ist im Falle einer besonderen Hervorhebung nur in Form von Triunfar es lo que suele hacer auszudrücken. Hacer stellt hier also einen notwendigen Bestandteil des Satzes dar, der auf der Interdependenz der Verbformen in einer periphrastischen Konstruktion beruht. Als Gegenbeispiel kann dem Intenta triunfar gegenübergestellt werden. Bei dieser Konstruktion ist eine Emphatisierung in Form von Triunfar es lo que intenta ohne weiteres denkbar. (Fernández de Castro 1990, S. 42)

Eine weitere Möglichkeit, um periphrastischen von nicht-periphrastischen Konstruktionen zu unterscheiden, ist die Transformation ins Reflexivpassiv, d.h. wenn man einen Aktivsatz mit dem Pronomen se umformt. Betrachten wir die folgenden zwei Sätze: Necesitaban vender esas casas und Podían vender esas casas. Will man diese nun dementsprechend umformen, ergibt sich im ersten Fall Se necesitaba vender esas casas und im zweiten Se podían vender esas casas. Dieser Unterschied lässt sich aus folgendem Grund erklären. Der Infinitiv vender hat im ersten Fall im Aktivsatz die Funktion eines Objekts. Bei der Umformung ins Passiv fungiert er als Subjekt, so dass keine Veränderung von Numerus und Person nötig ist. Dass esas casas wiederum ein Objekt des Infinitivs darstellt, tut hier nichts zur Sache. Anders verhält es sich im zweiten Fall. Hier hat der Infinitiv keine eigene syntaktische Funktion, es bleibt nur festzuhalten, dass er das Objekt esas casas bestimmt. Dieses wird nun durch die Umformulierung ins Passiv zum Subjekt, so dass die Kongruenz mit poder unumgänglich wird. (ebd. S.45 – 46)

4.3 Nicht als periphrastisch angesehene Konstruktionen

Es muss betont werden, dass die bereits oben dargestellten semantischen und syntaktischen Kriterien zur Bestimmung der Verbalperiphrasen noch lange nicht ausreichen. Es gibt zahlreiche Konstruktionen, die den bisher erwähnten Kriterien genügen, anderen Kriterien jedoch nicht. Daher sind die Verbalperiphrasen, wie bereits angedeutet, unter Umständen relativ schwer einzuordnen. Hella Olbertz (1998, S. 33-38) schließt drei Typen explizit von der Kategorie der Verbalperiphrasen aus. Es handelt sich dabei um Konstruktionen mit kausativen Verben, wie beispielsweise hacer a alguien hacer algo. Hier treten also zwei Handlungen und die Verben beziehen sich nicht auf dasselbe Subjekt. Nach Quesada jedoch ist eine der Voraussetzungen zur Bestimmung der Verbalperiphrase, dass sich die beiden Verben auf dasselbe Subjekt beziehen sollen. (Quesada 1994, S.47-48)

Hella Olbertz (1998, S. 33-38) schließt aus der Kategorie der Verbalperiphrasen auch Passivkonstruktionen, weil bei den Passivkonstruktionen das Partizip eher die Eigenschaft eines Adjektivs, als die Eigenschaft eines Verbs hat. Ausgeschlossen sind auch Konstruktionen mit „echten Hilfsverben“, d.h. ser und haber. An dieser Stelle soll es klar sein, dass die Konstruktionen mit vollständig grammatikalisierten Verben, die demnach gänzlich ihre lexikalische Bedeutung verloren haben, hier nicht als Verbalperiphrasen betrachtet werden. Der Grund dafür ist, dass die Hilfsverben nicht autonom außerhalb der Verbalperiphrase auftreten können, was eine der wesentlichen Bedingungen war, um die Konstruktion als Verbalperiphrase betrachtet zu werden.

Zuletzt ist es noch notwendig, die Verbalperiphrasen von einer anderen Kategorie abzugrenzen, nämlich von den verbalen Redewendungen. Denn wenn man Konstruktionen wie dar a conocer (bekanntgeben, bekanntmachen), echar a perder (kaputtmachen, verderben) oder querer decir (meinen) betrachtet, würde man sich sicherlich genau an diese Gruppe erinnern. Es gibt aber einige Gründe, sie nicht zu ihr zu zählen. Im Gegensatz zu den Verbalperiphrasen ist bei den verbalen Redewendungen unmöglich, die infinite Verbform durch eine andere Verbform derselben Art zu ersetzen. Die Bedeutung einer verbalen Redewendung entspricht in den meisten Fällen der Bedeutung eines einfachen Verbs, wie es bereits oben die Übersetzung in Klammern zeigt. Die verbalen Redewendungen schaffen sozusagen aus der Kombination ihrer Elementen, eine neue Bedeutung, sie schaffen ein neues Verb, das nichts mit der Bedeutung der Verben, aus denen sie besteht, zu tun hat. (Gómez Torrego 1988, S. 24)

Bsp.: echar a perder = estropear

echar a llorar = die Nominalform beibehält die Bedeutung von „ weinen “. Es wird aber der Anfang der Aktion hervorgehoben.

Manuel Seco (1995) unterscheidet zwischen Verbalperiphrasen und verbalen Redewendungen wie folgt:

„La diferencia entre perífrasis y locuciones verbales está: primero, en que, mientras cada locución tiene una constitución fija e inalterable, las perífrasis tienen siempre un elemento recambiable, que es la forma no personal; […] segundo, en que, así como una locución crea un significado nuevo propio de la combinación de los elementos que la componen, una perífrasis no crea nada, modifica, tan solo, el significado de uno de los componentes, que es la forma no personal.“

(Seco 1995, S. 336)

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Aspektuelle Verbalperiphrasen im Spanischen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar: Tempus, Modus, Aspekt im Spanischen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V165589
ISBN (eBook)
9783640813933
ISBN (Buch)
9783640813766
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbalperiphrasen im Spanischen, Tempus, Modus, Aspekt, Spanische Sprachwissenschaft, perifrasis verbales
Arbeit zitieren
Zornitsa Boneva (Autor), 2010, Aspektuelle Verbalperiphrasen im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165589

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