'Pakt mit dem Teufel?' Die Motive, die zu einem Reichskonkordat führten


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hitlers Motive für ein Reichskonkordat

3. Motive des Heiligen Stuhls für ein Reichskonkordat

4. Die Bedeutung der Artikel 31 und 32
4.1. Artikel 31 (Vereinsgarantie)
4.2. Artikel 32 (Politikverbot)

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Seine Heiligkeit Papst Pius XI. und der Deutsche Reichspräsident, von dem gemeinsamen Wunsche geleitet, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu festigen und zu fördern^...][1]“. Dies sind die ersten Zeilen des 1933 geschlossenen Reichskonkordats, doch kam es wirklich durch das Reichskonkordat zu einer festen und förderlichen Beziehung beider?

Und waren die Beziehungen freundschaftlicher Natur gewesen? Wie kam es zu einem Reichskonkordat und was waren die Motive die zu einem relativ schnellen Konkordatsabschluss 1933 führten und vor allem welche Bedeutung haben die Artikel 31 und 32 für die katholische Kirche gehabt?

Innerhalb von 4 Monaten kam es zur Paraphierung des Reichskonkordats 1933, während in ca. 12 Jahren Weimarer Republik nur unter größten Mühen die Landeskonkordate mit Bayern 1924, Preußen 1929 und Baden 1932 entstanden. Nur auf Grund der beherrschenden, ausschlaggebenden oder zumindest einflussreichen Position im Land, wurden die Landeskonkordate möglich. Ein Reichskonkordat war zur Zeit der Weimarer Republik nicht vorstellbar, wegen der kulturpolitischen Schwäche der Reichsregierung und der fehlenden Mandatszahlen der katholischen Parteien im Reichstag. In der gesamten Weimarer Republik lebten 1/3 Katholiken, die Mehrheit wurde von Protestanten gestellt, die Trennung von Kirche und Staat und ebenso die Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierende Existenzkrise der Weimarer Republik verhinderten ein Reichskonkordat. Aber auch die Unnachgiebigkeit des Vatikan zum Thema Reichsschulgesetz, wird ihren Beitrag dazu geleistet haben[2].

Ludwig Volk hat als erster ein Gesamtwerk über das Reichskonkordat verfasst (1972) und alles an Quellenmaterial verwendet, was auffindbar war. 1977 bestätigte Rudolf Morsey sein Ergebnis, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz durch das Zentrum und die Aussicht auf eine Konkordatsofferte gebe. Seine Arbeit hat aber immer noch einen hohen Wert, fast 40 Jahre später. Denn es gibt kein neues Quellenmaterial, was eine neue Sichtweise auf die Ergebnisse von damals zulassen würde. Selbst der Scholder-Repgen-Debatte[3] aus den siebziger Jahren gingen die verlässlichen Quellen aus und die Fragen blieben, die immer noch beantwortet werden wollten. Ist das Reichskonkordat für die Selbstauflösung der katholischen Parteien im Juli 1933 verantwortlich oder nicht[4]? Vielleicht sind diese nur durch neues, sicheres Quellenmaterial aus dem Vatikan zu beantworten[5].

2. Hitlers Motive für ein Reichskonkordat

Das italienische Konkordat von 1929 diente vielen Nationalsozialisten als Vorbild für ein Reichskonkordat, auf Grund des Artikels 43 Abs. 2. Dieser untersagte allen Klerikern in Italien jede parteipolitische Betätigung[6].

Diesen Nationalsozialisten entgingen aber die Feinheiten des Artikels 43 Abs. 2. Es existierte ein Zusatz zum Punkt der Entpolitiesierungsbestimmung in den Vorentwürfen des italienischen Konkordats, welcher vorsah, dass Kleriker durch den Heiligenstuhl zur Annahme eines Parlamentsmandats ermächtigt werden könnten. Dieser Zusatz konnte aber in der Endphase des italienischen Konkordats entfernt werden, weil die Wahl zum Abgeordneten oder die Ernennung zum Senator in Italien, ab den 24. Januar 1929, nicht mehr die Mitgliedschaft in einer Partei erforderte[7].

Jetzt war die Frage, wie man eine Entpolitiesierungsbestimmung im 3. Reich umsetze und durchsetze, um auch die katholische Wählerschaft, die anscheinend resistent gegen NS-Propaganda und NS- Terror wirkte, für die NSDAP zu gewinnen[8] [9].

So kam es dann auch, dass von Seiten der Reichsregierung am 10. April 1933 eine Konkordatsofferte an den Vatikan gerichtet wurde[10].

Der erste, vom Heiligen Stuhl überarbeitete Entwurf (Kaas I) traf in Berlin nicht auf Begeisterung. Hitler war die Entpolitisierungsbestimmung in Kaas I nicht ausreichend, weswegen Kaas den ersten Entwurf erneut überarbeitete und das Ergebnis von Kaas II am 11. Mai 1933 nach Berlin sandte[11]. Kaas ging hierbei weitgehend auf die Vorstellungen und Wünsche aus Berlin ein, jedoch er fügte einen Zusatz ein, wonach nicht auf unmittelbarer kirchlichen Vertretung verzichtet werden muss „[...] für Fälle von besonderen kirchlichen Interesses solle die Möglichkeit einer ziffernmäßig allerdings aufs Äußerste beschränkte Mitgliedschaft im Parlament nicht ganz unmöglich gemacht werden [...]“. [12]

Dies entsprach nicht der Reichsregierung, worauf Papen unverzüglich reagierte und nur eine einzige Situation ermöglichen wollte „Lediglich zu seltenen, nur aus kirchlichem Interesse besonders zu begründenden Ausnahmen könne der Hl. Stuhl die Bischöfe bevollmächtigen. Dabei hätten die Bischöfe nach Richtlinien zu verfahren, die Rom mit der Reichsregierung vereinbart habe“[13].

Ende Juni lagen alle Änderungsvorschläge dem Heiligen Stuhl und Papen vor, was die Reichskonkordatsverhandlungen beginnen ließ. Zuvor einigte man sich auf Seiten der Befürworter einer Entpolitisierungsbestimmung, dass um jeden Preis an der Entpolitisierung festgehalten werden muss, auch wenn das das Scheitern der Reichskonkordatsverhandlungen zur Folge hätte[14].

Als Hitler seine Entpolitisierungsbestimmung im Artikel 32 des Reichskonkordats[15] verwirklicht sah, war er eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf das Reichskonkordat angewiesen[16], da sich die wichtigsten katholischen Parteien, am 4. Juli 1933 die Bayrische Volkspartei und am 5. Juli 1933 das Zentrum, selbst auflösten[17].

Hitlers Verzögerungstaktik am 4. Juli 1933, bezüglich der Paraphierung des Reichskonkordats, kann auf sein Wissen bezüglich der Selbstauflösung der katholischen Parteien zurück geführt werden. Hitler provozierte ein mögliches Scheitern des Reichskonkordats, denn er hatte ja alles was er wollte nun schon erreicht[18].

Pater Robert Leiber erkannte in einer für Pacelli[19] verfassten Bemerkung am 29. Juni 1933, auf Grund der Selbstauflösung der Deutschnationale Volkspartei am 27. Juni 1933, dass dieses Schicksal auch dem Zentrum bevor stünde[20]. Wenn diese Informationen dem Vatikan bekannt waren, so mussten sie Hitler und der Reichsregierung erst recht bekannt sein.

So fand sich aber eine neue und vielleicht auch eine bessere Verwendung des Reichskonkordats, als nur das Vertrauen der katholischen Mitbürger zu gewinnen und die Entpolitisierungsbestimmung. Hitler nutzte das Reichskonkordat in der Öffentlichkeit als Zeichen seiner machtpolitischen Anerkennung durch den Vatikanstaat, auch wenn dies der Heilige Stuhl von sich wies[21]. Das

[...]


[1] Kirchliche Akten über die Reichskonkordatsverhandlungen 1933. Hrsg. v. Ludwig Volk. Mainz 1969. S. 283.

[2] Vgl. Volk, Ludwig: Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Von den Ansätzen in der Weimarer Republik bis zur Ratifizierung am 10. September 1933, Mainz 1972. S. 57f.

[3] Kurz und knapp nachzulesen: KRETSCHMANN, Carsten: Eine Partie für Pacelli? Die Scholder-Repgen-Debatte, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/München/Wien u.a. 2007. S. 13 - 24.

[4] Diese Debatte ist nicht Gegenstand meiner Arbeit und soll hier nur zeigen wie unterschiedlich die Quellen interpretiert werden können.

[5] KRETSCHMANN, Carsten: Eine Partie für Pacelli? Die Scholder-Repgen-Debatte, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/München/Wien u.a. 2007. S. 16- 23.

[6] Vgl. Volk, Ludwig: Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Von den Ansätzen in der Weimarer Republik bis zur Ratifizierung am 10. September 1933, Mainz 1972. S. 59.

[7] Vgl. Volk: Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. S. 127 Fußnote 15.

[8] Vgl. ebd. S. 62f.

[9] Vor allem der Wahlerfolg der katholischen Parteien am 5. März 1933, bei den Reichstagswahlen.

[10] Vgl. Kretschmann, Carsten: Eine Partie für Pacelli? Die Scholder-Repgen-Debatte, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/München/Wien u.a. 2007. S. 22.

[11] Vgl. SAAL, Dr. Friedrich Wilhelm: Die innerkirchlichen Folgen des Reichskonkordates: Die Bedeutung der Artikel 31 und 32, in: Hermans, Dr. Baldur (Hrsg.): Sechzig Jahre Reichskonkordat (1933 - 1993). Falle oder Schutzwall für den deutschen Katholizismus?, Essen 1994. S. 28.

[12] Staatliche Akten über die Reichskonkordatsverhandlungen 1933. Hrsg. v. Alfons Kupper. Mainz 1969. S. 34.

[13] Vgl. Saal, Dr. Friedrich Wilhelm: Die innerkirchlichen Folgen des Reichkonkordates: Die Bedeutung der Artikel 31 und 32, in: Hermans, Dr. Baldur (Hrsg.): Sechzig Jahre Reichskonkordat (1933 - 1993). Falle oder Schutzwall für den deutschen Katholizismus?, Essen 1994. S. 29.

[14] Vgl. Saal, Dr. Friedrich Wilhelm: Die innerkirchlichen Folgen des Reichkonkordates:, in: Hermans: Sechzig Jahre Reichskonkordat (1933 - 1993). S. 31.

[15] Vgl. Kirchliche Akten über die Reichskonkordatsverhandlungen 1933. Hrsg. v. Ludwig Volk. Mainz 1969. S. 291.

[16] Vgl. Repgen, Konrad: P. Robert Leiber SJ, der Kronzeuge für die vatikanische Politik beim Reichskonkordat 1933. Anmerkungen zu meiner Kontroverse mit Klaus Scholder 1977-1979, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/ München/Wien u.a. 2007. S. 31f.

[17] Vgl. Loth, Professor Dr. Wilfried: Das Reichskonkordat und der Untergang des politischen Katholizismus. Bilanz einer Kontroverse, in: HERMANS, Dr. Baldur (Hrsg.): Sechzig Jahre Reichskonkordat (1933 - 1993). Falle oder Schutzwall für den deutschen Katholizismus?, Essen 1994. S. 7.

[18] Vgl. Volk, Ludwig: Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Von den Ansätzen in der Weimarer Republik bis zur Ratifizierung am 10. September 1933, Mainz 1972. S.141- 144.

[19] Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli, ab 1939 bis 1958 Pius XII. Papst der römisch katholischen Kirche.

[20] REPGEN, Konrad: P. Robert Leiber SJ, der Kronzeuge für die vatikanische Politik beim Reichskonkordat 1933. Anmerkungen zu meiner Kontroverse mit Klaus Scholder 1977-1979, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/ München/Wien u.a. 2007. S. 29, S. 31.

[21] Vgl. Repgen, Konrad: P. Robert Leiber SJ, der Kronzeuge für die vatikanische Politik beim Reichskonkordat 1933. Anmerkungen zu meiner Kontroverse mit Klaus Scholder 1977-1979, in: Brechenmacher, Thomas (Hrsg.): Das Reichskonkordat 1933. Forschungsstand, Kontroversen, Dokumente, Paderborn/ München/Wien u.a. 2007. S. 32f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
'Pakt mit dem Teufel?' Die Motive, die zu einem Reichskonkordat führten
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Geschichte)
Veranstaltung
Machtergreifung 1933/1934
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V165646
ISBN (eBook)
9783640813452
ISBN (Buch)
9783640813568
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pakt, teufel, motive, reichskonkordat, Franz von Papen, Das Zentrum, Zentrumspartei, Pius XII, Pacelli, Scholder Repgen Debatte
Arbeit zitieren
Vanessa Keller (Autor), 2010, 'Pakt mit dem Teufel?' Die Motive, die zu einem Reichskonkordat führten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165646

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: 'Pakt mit dem Teufel?' Die Motive, die zu einem Reichskonkordat führten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden