Teil 1 enthält zunächst einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Umstände, die zu einer Dominanz des Westens und einer Kolonialisierung weiter Teile der Welt durch Europäer und – infolge des spanisch-amerikanischen Krieges – auch die USA führten. Dem folgt eine chronologische Darstellung der verschieden Phasen, die Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs durchlaufen haben.
In Teil 2 wird ein Überblick über das System, die Struktur, die Instrumente und die Akteure der deutschen internationalen und bilateralen Entwicklungszusammenarbeit gegeben; ebenso wird auf neuere Finanzierungsformen wie die Budgethilfe und die Korbfinanzierung eingegangen.
Mit diesen beiden Teilen wird die Absicht verfolgt, die wichtigs¬ten Informationen über deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit zusammenzufassen, damit die deutschen Mitarbeiter sich bei der Aufnahme eines neuen Projektes/Vorhabens, zum Beispiel im Rahmen eines Workshops oder bei gemein¬samen gesellschaftlichen Veranstaltungen, präsentieren können, ohne zuvor alle Informa¬tionen erneut selbst recherchieren zu müssen.
Teil 3 beschäftigt sich mit dem Kulturbegriff und der systematischen Einordnung von Kulturunterschieden. Ausgehend von der Überzeugung, dass Generalisierungen und Typisierungen sich verbieten und allgemeine Verhaltensanweisungen für bestimmte Länder oder Regionen oftmals nur bedingt hilfreich sind, wird versucht, eine Methodologie aufzuzeigen, anhand derer sich Kulturunterschiede aufdecken lassen, bevor sie zu Stolpersteinen in der Zusammenarbeit werden können.
In Teil 4 macht mit einer Fallstudie die Probe aufs Exempel und versucht die in Teil 3 erörterten Fragen in den komplexeren Zusammenhang eines Falls aus dem Alltag zu stellen und damit für den Leser besser anschaulich zu machen.
Inhaltsverzeichnis
Kurzübersicht
Teil 1 Von der Missionierung zur Entwicklungszusammenarbeit
„Was machen DIE denn hier?“
Das Nord-Süd-Gefälle – Arm und Reich
Das Entstehen des Entwicklungsbegriffs
Historische Dekaden der Entwicklungspolitik
Truman-Doktrin – Entwicklung durch höhere Produktion
Die Frühphase der Entwicklungshilfe in den 60er und 70er Jahren
Umdenken – Strukturanpassung Ende der 70er und in den 80er Jahren
Schritte zur Entwicklungspartnerschaft
Millenniumserklärung (ME) und die Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG)
Bilanz der bisherigen Bemühungen im Rahmen der Entwicklungspolitik
Teil 2 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
Vorbemerkung
Die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit
Internationale Organisationen
Europäische Union
Deutsche bilaterale Entwicklungszusammenarbeit
Kritik an der Struktur der deutschen EZ
Neue Formen deutscher Entwicklungszusammenarbeit ausserhalb der technischen, finanziellen und personellen Zusammenarbeit
Geberkoordinierung durch programmorientierte Gemeinschaftsfinanzierung (PGF), Korbfinanzierung und Bugdetfinanzierung
Korbfinanzierung („Basket Financing“)
Sektorale Budgethilfe
Makroprogramme
Teil 3 ... budaya kita berbeda
Der Kulturbegriff
Zur Sinnhaftigkeit des Kulturbegriffs
Unsere Wahrnehmung – die Abstraktionsleiter
„Die“ und Wir – wo liegen die Unterschiede?
1. Extended family –der grundlegende Unterschied?
2. Beziehungsgestaltung
3. Kommunikation
4. Macht – Erfolg – Sicherheit
5. Feminine/maskuline Kulturen
6. Unsicherheitsvermeidung
7. Zeitkonzepte
8. Reis und Brot
Teil 4 Fallbeispiel
Vorbemerkung
Der Beispielfall
Wir wollen ein neues Gesetz ...?
Die Krankheitssymptome des Gesundheitswesens
Ursachenforschung
Zielsetzung & Themen
Das Buch reflektiert kritisch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere vor dem Hintergrund kultureller Unterschiede in Partnerländern wie Indonesien. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Diskrepanz zwischen westlichen Ansätzen und den Gegebenheiten vor Ort zu schaffen, um die Effektivität von Projekten durch interkulturelle Kompetenz zu steigern.
- Strukturelle Analyse der deutschen Entwicklungshilfe und deren Akteure.
- Untersuchung von interkulturellen Kommunikationshürden.
- Darstellung kultureller Dimensionen (z.B. Machtdistanz, Zeitkonzepte).
- Anwendung theoretischer Ansätze auf ein praktisches Fallbeispiel im Gesundheitswesen.
Auszug aus dem Buch
DAS NORD-SÜD-GEFÄLLE – ARM UND REICH
Eine Erörterung zur deutschen Entwicklungshilfe macht natürlich zumindest einen kurzen Gang durch die Vergangenheit erforderlich, denn immer wieder wird die Frage aufgeworfen: „Warum seid ihr reich und wir sind arm?“ Haben nicht Kolonialismus und Überlegenheitsdenken des Westens die Aufteilung der Welt in Arm und Reich herbeigeführt oder zumindest maßgeblich dazu beigetragen? Ist Entwicklungshilfe nicht eine Art Schadensersatz für vergangene Missetaten, auf die man ohnehin Anspruch hat? Warum gebt ihr uns heute nicht Geld und lasst uns selbst machen (Idee der Budgetfinanzierung), anstatt uns erneut eure Vorstellungen aufzuzwingen?
Die Antworten auf solche Fragen zu finden ist schwierig, weil die Ursachen multikausal sind, und wir können natürlich nur einen flüchtigen Blick auf ein paar Ereignisse werfen.
Waren das ottomanische Reich und die muslimische Kultur in Spanien (von China gar nicht zu reden) Mitteleuropa bis Ende des 14. Jahrhunderts weit überlegen, so hat das Blatt sich ab dem 15. Jahrhundert zugunsten der Europäer gewendet. 1492 wurde Granada von Ferdinand und Isabella zurückerobert, die Ottomanen vor Wien geschlagen, und China zog sich in die selbstgewählte Isolation zurück. Das aufkommende Zeitalter der Aufklärung ging mit erheblichem technischem Fortschritt einher. Die Entwicklung des Schiffstyps Karavelle – eine Kombination aus der schnellen, aber hochseeuntauglichen Galeere des Mittelmeers und der sturmerprobten, aber schlecht steuerbaren Kogge – machte Reisen um die Südspitze Afrikas herum möglich. Kanonen und Schießpulver ermöglichten die Entsendung kleiner, aber trotzdem schlagkräftiger Einheiten, was lange Reisen zuließ. Die protestantische Arbeitsmoral, nach der Nichtstun als Sünde angesehen wurde, trug wesentlich zu den technischen Errungenschaften bei und stand im krassen Gegensatz zur muslimischen Welt, die das Tor der Wissenschaft als geschlossen glaubte und körperliche Arbeit eher als Strafe Gottes betrachtete.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1 Von der Missionierung zur Entwicklungszusammenarbeit: Historischer Rückblick auf die Entwicklungshilfe und deren Paradigmenwechsel von der kolonialen Missionierung hin zur modernen Entwicklungspartnerschaft.
Teil 2 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit: Detaillierte Darstellung der deutschen Akteure, Instrumente und Strukturen, inklusive einer kritischen Reflexion über deren Wirksamkeit und Koordinierung.
Teil 3 ... budaya kita berbeda: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff und verschiedenen Kulturdimensionen, um interkulturelle Missverständnisse in der Zusammenarbeit zu analysieren und zu vermeiden.
Teil 4 Fallbeispiel: Praktische Anwendung der theoretischen Konzepte an einem Fallbeispiel zur Reform des Gesundheitswesens in Aceh.
Schlüsselwörter
Entwicklungszusammenarbeit, deutsche Entwicklungshilfe, interkulturelle Kommunikation, Kulturdimensionen, Kulturstandards, Globalisierung, Armutsbekämpfung, Leistungsgesellschaft, Kolonialismus, Rechtsverständnis, Projektmanagement, Good Governance, Zivilgesellschaft, Indonesien, Aceh.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert kritisch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und beleuchtet die Rolle kultureller Unterschiede im Zusammenwirken mit Partnerländern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Hilfe, der Struktur der deutschen EZ, interkulturellen Theorien und deren praktischer Relevanz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch ein besseres Verständnis kultureller Divergenzen die interkulturelle Kompetenz von in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Personen zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Entwicklungskonzepten sowie auf interkulturelle Forschungstheorien, ergänzt durch eigene berufliche Erfahrungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Übersicht der EZ-Akteure sowie eine methodische Reflexion kultureller Prägungen und deren Einfluss auf die Projektarbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind u.a. Entwicklungszusammenarbeit, Interkulturalität, Kulturdimensionen, Projektmanagement und Good Governance.
Wie erklärt das Buch das Scheitern mancher Projekte?
Viele Projekte scheitern an Kommunikationsdefiziten und einem mangelnden Verständnis für die zugrundeliegende Logik und die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen der Partner.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht der Autor für die Praxis?
Der Autor plädiert dafür, kulturelle Unterschiede nicht zu ignorieren, sondern sie als Basis für einen Dialog zu nutzen, anstatt lediglich fachliche Konzepte zu forcieren.
Was zeigt das Fallbeispiel über das Gesundheitswesen in Aceh?
Es illustriert, wie gut gemeinte Gesetzesreformen an der fehlenden Verankerung in der lokalen Kultur und dem kollektivistischen System scheitern können.
- Citar trabajo
- Peter Becker (Autor), 2011, BAPAK DARI MANA? Wo kommen Sie denn her?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165653