Auch mehr als hundert Jahre nach der Erfindung der ersten Abspielgeräte, welche das Betrachten bewegter Bilder möglich machen, hat das Medium Film nichts von seiner Faszination verloren. Die US – amerikanische Medienkultur des 20. Jahrhunderts hat es – in Gestalt des Hollywood – Films - entscheidend geprägt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wird das neue Medium Film in den USA schnell zu einem Massenphänomen. In den Jahren zwischen 1896 und 1950 wird der Kinobesuch zu einem zentralen Punkt der Freizeitgestaltung. Dass der Hollywood - Film bis zum heutigen Tag ein mediales Massenphänomen ist, zeigt sich unter Anderem an den spektakulären Einspielergebnissen großer zeitgenössischer Hollywoodproduktionen.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit der Filmindustrie in diesem Zusammenhang eine politische Bedeutung zukommt. Im Bezug auf die Bewertung der politischen Bedeutung Hollywoods in der Literatur lässt sich feststellen, das Hollywood zum einen als eine strikt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handelnde Unterhaltungsindustrie beschrieben wird, welche sich im Bezug auf das Produkt, d. h. die produzierten Filme, am Zeitgeschmack der potentiellen Zuschauer orientiert. Zum anderen wird hervorgehoben, das Hollywood als eine generell auf Profit und Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Industrie zu jeder Zeit auch Filme mit politischen Inhalten und Botschaften hervorbringt. In diesem Zusammenhang gehen einige Autoren von einer aktiven und bewusst eingenommenen Rolle Hollywoods im Bezug auf die Vermittlung sozialer und politischer Inhalte sowie die Vermittlung politischer Programme aus.
Die Frage nach der politischen Bedeutung Hollywoods beinhaltet zum einen die Frage nach der inhaltlichen Orientierung der Filmindustrie im Bezug auf die durch sie produzierten Filme. Schon in der frühen Zeit sowie der klassischen Zeit des Hollywood - Kinos werden Filme produziert, welche sich mit zeitgenössischen politischen Inhalten auseinandersetzen.
Die Frage nach der politischen Relevanz Hollywoods beinhaltet auch die Frage nach der Beziehung zwischen der Filmindustrie und staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen. In Hollywood werden auch im Auftrag staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen Filme produziert. Dies geschieht mit dem Ziel politische Überzeugungen und politisches Handeln bestimmter Zielgruppen zu beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Filmindustrie Hollywoods im 20. Jahrhundert (Organisation und inhaltliche Ausrichtung)
1.1. Frühzeit und ´Golden Age` des Hollywood – Kinos
1.2. Hollywood nach dem Ende des Studiosystems
2. Hollywood im Umgang mit politischen Institutionen und Interessengruppen
2.1. ´Film betterment`. Hollywood und die Zensur
2.1.1 Der ´Production Code`
2.1.2 Vom ´Production Code` zum Rating – System
2.2. Hollywood im Zeichen des ´Red Scare` - Das ´House of Representatives Un – American Activities Committee` und die `Hollywood Blacklist`
3. Hollywood und die amerikanische Politik in Kriegszeiten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politische Bedeutung der US-amerikanischen Filmindustrie im 20. Jahrhundert, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen, politischer Einflussnahme und gesellschaftlicher Anpassung liegt.
- Organisatorische Strukturen und die Entwicklung des Studiosystems
- Mechanismen der Zensur und Selbstregulierung (Production Code)
- Die Rolle Hollywoods während politischer Krisen und des Kalten Krieges
- Interaktion zwischen Filmindustrie, Regierung und gesellschaftlichen Interessengruppen
- Politisierung des Kinos im Kontext der sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
1.1. Frühzeit und ´Golden Age` des Hollywood – Kinos
Die Geschichte des Hollywood – Kinos beginnt in New York, Chicago und Philadelphia. In New York gründen im Jahr 1908 die großen Produktionsfirmen Edison Company, American Mutoscope & Biograph und Vitagraph mit den kleinen Firmen Selig, Essany, Lubin und Kalem die Motion Picture Patents Company (MPPC) Zu ihnen gehören auch die Franzosen George Méliès und Charles Pathé. Dieser Zusammenschluss dient dem Schutz von Patenten, welche die Kontrolle über die Herstellung, den Vertrieb und die Vorführung von Filmen und dadurch die Beteiligung an den daraus resultierenden finanziellen Erträgen ermöglichen.
Als Reaktion darauf beginnen unabhängige Filmbetriebe und – Händler, die keine Filme von der MPCC kaufen können, mit dem Aufbau eigener Filmproduktionen. Diese sogenannten ´Independents` schließen sich 1909 unter der Führung der ´Independent Motion Picture Company` zu einer eigenen Organisation zusammen und kopieren im Wesentlichen die Methoden der MPPC im Bezug auf Produktion, Vertrieb und Vorführung. Im Ergebnis streiten zwei Großunternehmen um die Vormacht auf dem Filmmarkt. Hollywood als Vorort von Los Angeles ist für die ´Independents` in diesem Zusammenhang der ideale Ausweichort. Es ist weit genug von New York entfernt und bietet darüber hinaus sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus künstlerischer Sicht zahlreiche Vorteile.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, die politische Bedeutung Hollywoods im 20. Jahrhundert unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren zu analysieren.
1. Die Filmindustrie Hollywoods im 20. Jahrhundert (Organisation und inhaltliche Ausrichtung): Dieses Kapitel beleuchtet die strukturelle Entwicklung der Filmindustrie von der Frühzeit bis zum Ende des klassischen Studiosystems.
2. Hollywood im Umgang mit politischen Institutionen und Interessengruppen: Hier wird untersucht, wie Hollywood auf Zensurdruck durch staatliche und religiöse Gruppen reagierte und wie politische Hysterie zu internen Säuberungen führte.
3. Hollywood und die amerikanische Politik in Kriegszeiten: Dieses Kapitel analysiert die direkte Zusammenarbeit zwischen der US-Regierung und der Filmindustrie zur Vermittlung politischer Botschaften während der beiden Weltkriege.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Hollywood zwar politisch relevante Inhalte produziert, diese jedoch stets im Kontext wirtschaftlicher Interessen und gesellschaftlicher Anpassung zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Hollywood, Filmindustrie, Politische Bedeutung, Studiosystem, Zensur, Production Code, Red Scare, Propaganda, Kalter Krieg, Gewerkschaften, Blacklist, Independent-Filme, US-Politik, Massenphänomen, Wirtschaftlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen der amerikanischen Filmindustrie in Hollywood und der Politik im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die organisatorischen Strukturen der Industrie, der Zensurdruck, die Zusammenarbeit mit der Regierung in Kriegszeiten sowie der Einfluss politischer Ideologien auf die Filmproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit Hollywood als politische Akteurin agierte oder ob politische Einflüsse lediglich der Gewinnmaximierung untergeordnet waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung der fachwissenschaftlichen Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung organisatorischer Grundlagen, das Verhältnis zu Zensurinstanzen sowie die Rolle der Filmindustrie in Kriegszeiten und während der antikommunistischen Verfolgungswellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Hollywood, Studiosystem, Zensur, Propaganda, Red Scare und Blacklist sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Welche Rolle spielte die "Hollywood Blacklist" im Kontext der Arbeit?
Die Blacklist wird als Instrument der Industrie interpretiert, das unter dem Vorwand des Antikommunismus primär dazu diente, die Macht der Gewerkschaften zu schwächen.
Wie veränderte sich die Rolle der Zensur über das 20. Jahrhundert hinweg?
Die Zensur wandelte sich von einer informellen moralischen Kontrolle durch den "Production Code" hin zu einem altersbasierten Bewertungssystem, das die Verantwortung stärker auf das Publikum verlagerte.
- Citation du texte
- Simon Muss (Auteur), 2010, Hollywood und die amerikanische Politik im 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165730