Quellenanalyse unter Betrachtung der Gründe Bismarcks für die „Emser Depesche“ sowie seiner Denkweise und politischen Intentionen


Seminararbeit, 2006
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt der Arbeit

1. Einleitung

2. Geschichtliche Einordnung

3. Frage nach der Basis für Bismarcks Handeln:
Was war der Kanzler für ein Mensch Welche Denkweise leitete ihn?

4. Bismarcks Verhältnis zu König Wilhelm
vor der „Emser Depesche“

5. Frage nach der Kriegswilligkeit des Kanzlers:
Hat Bismarck den Krieg gewollt und bewusst durch die „Emser Depesche“ provoziert?

6. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Die „Emser Depesche“ von 1870 ist auch heute noch eines der bekanntesten Ereignisse des 19. Jahrhunderts und sogar der gesamten deutschen Historie. Sie hat die neue Geschichte in erheblichem Maße mitbestimmt und geprägt. Die „Emser Depesche“ war der Anlass des deutsch-französischen Kriegs 1870/1871 und somit ein entscheidendes Merkmal im Werdegang des deutschen Reichs.

Diese Arbeit analysiert die Bezugsquelle „Bismarck Erinnerung und Gedanke; Buch II, Kapitel 11, S. 305, Z. 30 bis S. 307, Z. 29; in: Die gesammelten Werke; Band 15; Berlin, 1932“, die Otto von Bismarck im Jahr 1895 selbst verfasst hat. Anhand dieser Quelle werden Otto von Bismarcks Intentionen sowie seine Beweggründe für die „Emser Depesche“ analysiert. Die Arbeit zeigt die Wichtigkeit der Monate unmittelbar vor der „Emser Depesche“ auf und beschreibt, welch große Bedeutung diese Phase auf die späteren, einschneidenden Ereignisse hatte. Dabei werden die Geschehnisse und Fakten detailliert untersucht und Gründe und Ursachen für die „Emser Depesche“ gesucht. Dabei wird vor allem die Rolle des damaligen deutschen Reichskanzlers und Initiators der „Emser Depesche“, Otto von Bismarck, analysiert. Diese Arbeit soll aufzuklären, welche Ziele Bismarck verfolgte. Außerdem soll sie Bismarcks Einstellung zu Frankreich sowie sein Verhältnis zu König Wilhelm verdeutlichen. Dabei nimmt diese Arbeit auch Bismarcks Leben sowie seinen politischen Werdegang unter die Lupe. Die Untersuchungen basieren in erster Linie auf die oben angegebene Quelle. Diese verfasste Bismarck viele Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg. Er blickt also mit Abstand auf die zurück liegenden Geschehnisse. Der Beweggrund für seine Ausführungen dürfte in einer gewissen Rechtfertigung gegenüber sich selbst sowie seinen Kritikern liegen. Seine Darstellung der Ereignisse ist subjektiv und somit mit Vorsicht zu genießen. Seine innere Einstellung sowie seine Beweggründe für sein damaliges Handeln dürfte er jedoch auch trotz der dazwischen liegenden Jahre wahrheitsgemäß wiedergegeben haben. Darin äußert sich Otto von Bismarck zu den Ereignissen unmittelbar vor der „Emser Depesche“, nachdem er erfahren hat, dass Prinz Leopold von Hohenzollern die Kandidatur um die spanische Thronfolge auf Druck der Franzosen und auf Initiative Wilhelms zurückgezogen hat. Dabei beschreibt er detailliert seine Gedanken sowie seine Gefühle und schildert seine weiteren Pläne und Absichten. Durch diese Quelle wird deutlich, wie Bismarck die Vorgeschichte der „Emser Depesche“ erlebt und diese geplant hat. Darüber hinaus wird Bismarcks Denkweise deutlich und zudem wird es klar, in welchem Verhältnis er zu Frankreich sowie zu König Wilhelm gestanden hat. Die Arbeit beginnt mit einer geschichtlichen Einordnung, die die Ereignisse vor, während und nach der „Emser Depesche“ beschreibt. Sie endet mit einem Fazit, das die Untersuchungen zusammenfassen soll. Die Analyse von Bismarcks Kriegswilligkeit steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung. Diese Arbeit will die Denkweise Bismarcks verdeutlichen und will zeigen, dass Otto von Bismarck den Krieg mit Frankreich wollte und ihn bewusst provoziert hat. Sie will verdeutlichen, dass Bismarck die Folgen der „Emser Depesche“ von vornherein geplant hatte.

2. Geschichtliche Einordnung

Die spanische Regierung hatte nach der Absetzung von Königin Isabella II. im Jahr 1868 Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einen willigen Thronfolger zu finden. Spanien war nun daran interessiert, einen länderverbindenden Thronfolger zu verbinden, der ein neues, absicherndes Bündnis mit Deutschland schaffen sollte. Aus diesem Grund kandidierte Prinz Leopold, einem Hohenzollern, also aus Preußischen Gebiet stammend. Diese Kandidatur unterstützte der deutsche Kanzler Otto von Bismarck so gut er konnte, weil dieser an einer deutsch-spanischen Verbindung und an einer Isolierung von Erzfeind Frankreich interessiert war. Die Beziehung Deutschlands zu Frankreich, die ohnehin sehr angespannt war, verschlechterte sich durch die Hohenzollernkandidatur immens. Es bestand sogar die Gefahr, dass Frankreich mit Krieg auf die Kandidatur antworten würde. Deutschland, vor allem in Person Otto von Bismarcks, nahm somit durch die Annäherung an Spanien einen Krieg mit Frankreich in Kauf. Man versuchte nun in Frankreich alles, um die Hohenzollern davon abzubringen, zu kandidieren. Dabei drohten die Franzosen indirekt auch mit Krieg, wenn eine für sie aus der Kandidatur nachteilige Situation entstünde. Doch verzichteten die Hohenzollern zum Leidwesen Bismarcks letztendlich am 12. Juli 1870 auf die Kandidatur, nachdem Frankreich seine Drohungen ausgesprochen und auch der deutsche König Wilhelm sich des Friedens wegen dagegen eingesetzt hatte. Nach der Rücknahme der spanischen Kandidatur verlangten die Franzosen zusätzlich einen Entschuldigungsbrief, was sie in Person ihres Botschafters Benedetti forderten, der nur einen Tag nach der Kandidaturrücknahme zu König Wilhelm nach Bad Ems reiste. Frankreich hatte die Absicht, Deutschland zu demütigen und ihrem Nachbarland eine Lektion zu erteilen. Neben einer offiziellen Entschuldigung forderte Frankreich eine Zusicherung, dass auch in Zukunft die Rücknahme der Kandidatur zugesichert werde. Der König empfing Benedetti freundschaftlich und führte mit ihm ein harmonisches Gespräch. Wilhelm lehnte die Forderungen schließlich mit der Begründung, dass er über das Vorgehen der Hohenzollern nicht zu entscheiden habe, ab. Ein Mitarbeiter und enger Vertrauter Bismarcks, Heinrich Abeken, verfasste eine Zusammenfassung der Geschehnisse von Bad Ems und schickte sie dem Kanzler. Nun ergriff Otto von Bismarck die Initiative. Dieser verfälschte in Form der so genannten „Emser Depesche“ das Telegramm Abdekens, sodass er die Franzosen bewusst provozierte. Er verkürzte die Depesche stark und veränderte Teile des Berichts. Der Inhalt wurde dadurch in erheblichem Maße verfälscht und klang nun so, als sei der Botschafter Benedetti kühl und ohne Angabe eines Grundes verwiesen worden. Anschließend veröffentlichte er das veränderte Telegramm noch am selben Tag, dem 13. Juli 1870, in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung. Die „Emser Depesche“ löste unmittelbar nach der Veröffentlichung großen Aufruhr in Frankreich aus. Die Franzosen fühlten sich provoziert und waren sehr verärgert über das scheinbare Verhalten König Wilhelms Frankreich sah sich dadurch erheblich in seiner Ehre verletzt und erklärte Deutschland schließlich am 19. Juli 1870 den Krieg. Die „Emser Depesche“ war der Anlass des Krieges. Die Ursache lag weiter zurück und war in dem immer schlechter werdenden Verhältnis, hervorgerufen durch unüberbrückbare Interessen, Neid und extreme Machtpolitik beider Seiten, zu finden. Frankreich galt nach Ansicht der anderen Weltmächte als schuldig, weil es in der Angreiferrolle und Deutschland in der Verteidigerrolle waren. Frankreich bekam daher entgegen seiner Erwartungen keine Unterstützung von Italien und England. In einem harten und äußerst verlustreichen Krieg, der insgesamt knapp ein Jahr andauerte, besiegte Deutschland Frankreich schließlich in diversen, blutigen Schlachten und zwang sein Nachbarland zur völligen Kapitulation. Der Friede von Frankfurt am Main, der am 10. Mai 1871 unterzeichnet wurde, beendete den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich musste das Elsass sowie einen Teil Lothringens einschließlich Metz an das Deutsche Reich abgeben und musste sich verpflichten, eine Kriegsentschädigung in Höhe von fünf Milliarden Goldfranc zu zahlen.

3. Frage nach der Basis für Bismarcks Handeln:

Was war der Kanzler für ein Mensch und welche Denkweise leitete ihn?

Man kann Otto von Bismarck als „höchst gelenkten Taktiker und skrupellosen Opportunisten“[1]. bezeichnen. Er war ein radikaler Pragmatiker, der spontan und opportunistisch gehandelt hat. Bismarck wird häufig „der Brutalität, des Zynismus, der Unaufrichtigkeit und des Mangels an Gerechtigkeitsgefühl bezichtigt“[2]. „Gegensätze und Widersprüche machten Bismarcks monumentale Gestalt aus.“[3] Er setzte alle seine Vorstellungen und Ideen um jeden Preis durch, wenn es nötig war, auch mit Hilfe von Gewalt. Dem entsprechend wurde Bismarck auch für seine so genannte „Blut-und-Eisen-Politik“ bekannt. Er nahm dazu Kriege und Auseinandersetzungen in Kauf. Otto von Bismarck war ein Machtmensch und zugleich eine Führungspersönlichkeit. Als „Vollblutpolitiker“[4] kann er durchaus bezeichnet werden. Bismarck „war ein Politiker und Staatsmann von Rang, wie ihn die Junkersklasse und der preußische Staat nur selten hervorbrachten“[5]. Er tat alles für seine Macht sowie für das Wohle und die Vormachtstellung Preußens. Er „war ein Konservativer sowie ein militanter Gewaltpolitiker“[6]. Bismarck hatte aufgrund seiner radikalen und rücksichtslosen Politik viele Feinde. Er „war ein brutaler und rücksichtsloser Machtmensch“[7]. Seine politischen Gegner hassten ihn vielfach und er sie ebenfalls. Er schaltete politische Kontrahenten sowie andere Parteien aus, um seine Ziele durchzusetzen. Bismarcks Denkweise ist sehr patriotisch. Dies zeigt sich auch in der Bezugsquelle anhand seiner Äußerungen „unserem nationalen Ehrgefühl“[8] und „nationalem Ehrgefühl“[9]. Überhaupt ist seine Sprache in der Bezugsquelle äußerst patriotisch und zeigt, welch hohen Nationalstolz Bismarck besaß. Er war stolz darauf, ein Preuße zu sein und tat alles dafür, dass Preußen in der Welt an Rang und Namen gewinnt. Bismarck stellte sich ganz in den Dienst seines Landes. Das Wohlergehen Preußens war für ihn eine Herzensangelegenheit. Wenn sein Land eine Niederlage und wie durch die Rücknahme der Hohenzollernkandidatur eine Art Erniedrigung erfuhr oder aber auch Beleidigungen wie durch Frankreich hinnehmen musste, sah Bismarck dies auch als persönliche Niederlage und Beleidigung an ihn an. Dies zeigt seine Aussage „Dieser Eindruck der Verletzung des nationalen Ehrgefühls durch den aufgezwungenen Rückzug war […] in mir vorherrschend“[10]. Er und seine Empfindungen hingen vom Zustand Deutschlands ab, sodass er sich durch Frankreich persönlich angegriffen fühlte. Dies geht sogar soweit, dass er sich in der Bezugsquelle ernsthaft überlegt und es sogar schon beschlossen hat, sein Amt als Kanzler niederzulegen. Er ist der Meinung, dass er versagt habe und meint, dass er aufgrund dieser großen Erniedrigung, die Deutschland erlitten habe, nicht länger im Amt bleiben könne. Dies macht Bismarcks Aussage „Mein erster Gedanke war, aus dem Dienste zu scheiden, weil ich nach allen beleidigenden Provokationen die vorhergegangen waren, in diesem erpressten Nachgeben eine Demütigung Deutschlands sah, die ich nicht amtlich verantworten konnte“[11] deutlich. Zudem ist er für Beleidigungen gegenüber Deutschland überaus anfällig. Beispielsweise wertet er die Forderungen Frankreichs nach Rücknahme der Hohenzollernkandidatur als „Beleidigung“[12] und „Bedrohung“[13]. Zudem sieht er es als beleidigend und erniedrigend an, dass Frankreich zur Verkündigung seiner Forderung den Botschafter Benedetti zum König hinschickt und keinen Minister.[14] Des weiteren zeigt die äußerst abfällige Sprachweise über Frankreich seine Missgunst gegenüber dem Nachbarland.

[...]


[1] Vgl. Lothar Gall, Das Bismarck-Problem in der Geschichtsschreibung nach 1945, S. 91

[2] Vgl. Hans Rothfels, Bismarck, S. 18

[3] Vgl. Heinz Wolter, Otto von Bismarck Dokumente seines Lebens 1815-1898, S. 7

[4] Vgl. Heinz Wolter, Otto von Bismarck Dokumente seines Lebens 1815-1898, S. 10

[5] Vgl. Heinz Wolter, Otto von Bismarck Dokumente seines Lebens 1815-1898, S. 8

[6] Vgl. Heinz Wolter, Otto von Bismarck Dokumente seines Lebens 1815-1898, S. 7

[7] Vgl. Heinz Wolter, Otto von Bismarck Dokumente seines Lebens 1815-1898, S. 8

[8] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 305, Z. 28/29

[9] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 7

[10] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 7/8

[11] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 4 - 7

[12] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 2

[13] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 2

[14] Vgl. Otto von Bismarck, Erinnerung und Gedanke, S. 306, Z. 2 - 4

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Quellenanalyse unter Betrachtung der Gründe Bismarcks für die „Emser Depesche“ sowie seiner Denkweise und politischen Intentionen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V165846
ISBN (eBook)
9783656086628
ISBN (Buch)
9783656087687
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quellenanalyse, betrachtung, gründe, bismarcks, emser, depesche, denkweise, intentionen
Arbeit zitieren
Master of Arts Christian Werth (Autor), 2006, Quellenanalyse unter Betrachtung der Gründe Bismarcks für die „Emser Depesche“ sowie seiner Denkweise und politischen Intentionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165846

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