Die Polizei im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

1. DIE POLIZEI IN DER WEIMARER REPUBLIK

2. POLIZEI IM NATIONALSOZIALISMUS
2.1. Polizeiorganisation in der NS - Zeit
2.2. Ideologie und Gleichschaltung - Die personelle Verschmelzung von SS und Polizei
2.3. Die geheime Staatspolizei - Gestapo
2.3.1. Entstehung und organisatorische Entwicklung
2.3.1. Die Tätigkeit - Die Bekämpfung des Kommunismus, der Juden und der christlichen Kirchen
2.4. Willenlose Werkzeuge

3. NEUNANFANG - SITUATION NACH 1945

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

0. Einleitung

Am Tage der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30.01.1933 stand die Weimarer Republik auf dem Höhepunkt von inneren Unruhen. Die Hoffnungen vieler Deutscher ruhten jetzt auf Adolf Hitler, der vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde. Diejenigen, die sich von diesem politischen Wandel eine Besserung ihrer Lebensverhältnisse versprochen hatten, ahnten damals noch nicht, welches Unglück damit über Deutschland und ganz Europa hereingebrochen war.

Vor diesem Hintergrund ist es heute auch zu erklären, dass den neuen Machthabern nur wenig Widerstand entgegengebracht wurde. Den Nationalsozialisten gelang es daher überraschend schnell, den Sicherheitsapparat überall in Deutschland in ihre Hände zu bekommen. Schon am 22. Februar 1933, nicht einmal vier Wochen nach der Machtübernahme, ernannte der damalige Reichskommissar für das Innenministerium in Preußen, Hermann Göring, die uniformierte Kampf-, Schutz-, und Propagandatruppe der NSDAP, die Sturmabteilung (SA) zur Hilfspolizei. Damit waren Terror und Willkür staatlich sanktioniert. Überall in Deutschland stand die Polizei unter dem direkten Einfluss der SA. Alle Grundrechte der Weimarer Verfassung wurden von den damaligen Machthabern ausgehebelt und somit über Nacht illusorisch.

„Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Ordnungspolizei im Nationalsozialismus ist für die heutige demokratische Polizei unerlässlich", erklärte NRW- Innenminister Dr. Fritz Behrens. „Die Ordnungspolizei hat als Teil des bürokratischen Systems in Deutschland die NS-Gewaltherrschaft mitgetragen. Diese historische Erfahrung müssen wir in der Polizei wach halten, damit sich die Verbrechen der Vergangenheit nie mehr wiederholen", hob der Minister hervor.1

Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist auch heute noch sehr wichtig. Gerade der Polizeiberuf verlangt es, demokratisches Denken zu vermitteln und zu schützen. Deshalb ist es für heutige Polizeibeamtinnen und Beamten in der Ausbildung enorm wichtig, dieses Thema verstärkt aufzugreifen, da sie dadurch nicht nur ihr historisches Verständnis schärfen können, sondern auch für die heutigen besonderen Belastungen sensibilisiert werden und lernen damit umzugehen.

Diese Arbeit geht zu Beginn auf die Anfänge des Prozesses ein, der von einer Polizei in einem demokratischen Staat (Weimarer Republik) zu einem willigen Instrument eines Diktators bei der Verwirklichung seiner wahnsinnigen Ziele führte. Im Hauptteil der Arbeit soll vor Augen geführt werden, wie die Polizei unter nationalsozialistischer Herrschaft in den Dienst eines Terrorregimes gestellt wurde und wie sie sich dazu auch heranziehen ließ. Die Arbeit wendet sich hier im besonderen der organisatorischen und personellen Umstrukturierung der Polizei nach Hitlers Machtergreifung zu und setzt ihren Schwerpunkt bei der lückenlosen Einbindung in das System der Terrorherrschaft, der sogenannten „Gleichschaltung“ und deren Auswirkung auf die polizeiliche Alltagsarbeit. In jedem Kapitel der Arbeit soll auch immer wieder der Einfluss der politischen Veränderungen auf die Polizei aufgezeigt werden und die daraus resultierenden Veränderungen der Strukturen innerhalb der Polizei dargestellt werden. Zum Schluss der Arbeit soll noch kurz die Situation nach 1945 dargestellt werden.

1. Die Polizei in der Weimarer Republik

Nach dem ersten Weltkrieg entstand in Deutschland eine neue Polizei. Die Revolution von 1918 hatte die Regierungsgewalt in die Hände des „Rates der Volksbeauftragten“ gelegt. Trotz zunehmender Unordnung im Lande lief die Verwaltung einigermaßen weiter. Aus gewohnter Disziplin wurden die Anordnungen der amtierenden Regierung ausgeführt. Die Polizei war durch die tatsächliche Gewalt der Soldaten vorerst ausgeschaltet. Innere Unruhen, Umsturzversuche, politische Morde und Sprengstoffanschläge führten zu einer innerpolitischen Entwicklung, die die Polizei mit der alten Organisationsform nicht mehr bewältigen konnte. Die bestehenden Freikorps (militärische Verbände mit Anführern, die meist alten Vorstellungen anhingen) wurden daher aus der Notlage heraus vom neuen Staat zur Erfüllung polizeilicher Aufgaben herangezogen. Aus diesen Formationen gingen die örtlichen Sicherheitswehren hervor, die nach und nach den Länderinnenministern unterstellt wurden.2 Bald darauf wurde eine staatliche Sicherheitspolizei (Sipo) geschaffen, die sich hauptsächlich aus Freiwilligen der ehemaligen Freikorps zusammensetzte. Sie trugen grüne Uniformen und warern kaserniert. Mit dieser Polizeitruppe gelang es im Januar 1919, Ruhe und Ordnung in Berlin wieder herzustellen. Am 10.3.1919 erfolgte in Preußen eine Neuorganisation der Gendarmerie, die der Dienstaufsicht des jeweiligen Landrates unterstellt wurde. Die bisherige militärische Organisationsform und Unterstellung unter die Militärgerichtsbarkeit entfiel. 1920 wurde die Sipo mit den Resten der alten „blauen“ Polizei verschmolzen und hieß von da ab Schutzpolizei. Aufstände im Ruhrgebiet und in Hamburg, Eroberungskämpfe in Oberschlesien und Separatismus im Rheinland schafften Unruhe und Gewalttaten, denen die neue demokratische Polizei begegnen musste. Hinzu kam, daß die Polizei zugleich von den Kommunisten, von den Konservativen und von rechtsradikalen Kräften angegriffen und dabei in ihrer Ordnungsfunktion gehindert wurde. Zu diesem Zeitpunkt unterstand die Polizei den Länderregierungen, die zum Teil staatliche und kommunale Polizeibehörden einrichteten. Die Schaffung einer Kriminalpolizei auf Reichsebene durch das vorgesehene Reichskriminalpolizei- Gesetz vom 21.7.1922 scheiterte am Widerstand der Länder.3

Mit dem Reichs-Schutzpolizeibeamten- Gesetz vom 17.7.1922 und dem Polizeibeamten- Gesetz vom 31.7.1927 wurden dann die wichtigsten Grundlagen für den modernen Beruf des Polizeibeamten geschaffen. Sie beruhten auf einer 12 jährigen Dienstzeit und lebenslänglicher Anstellung. Die Weimarer Republik war bemüht, die Polizeigewalt im Interesse der Grundrechte der Bürger so weit wie möglich einzuschränken. Grundlage hierfür bildete der § 14 des Preußíschen Polizeiverwaltungs- Gesetzes, der sich mit den § 10 II 17 ALR weitgehend deckte.4

Im Hinblick auf eine moderne und schlagkräftige Polizei wurden die Polizeiverwaltungen aber stark ausgebaut, technische Hilfsmittel beschafft, die Beamten ausreichend beschult und Schritte zur Verstaatlichung eingeleitet, alles im Sinne einer geordneten gesetzmäßigen Polizei in einem demokratischen Staat. Die preußische Polizei unter Minister Carl Severing (1875-1952) wurde dabei Vorbild für die übrigen deutschen Länder. Die neuen Aufgaben, das veränderte politische und gesellschaftliche Leben und die Einstellung der Bürger veranlassten eine innere und äußere Neuordnung der Polizei.

Den Aufstieg Hitlers in das höchste Regierungsamt konnte die Polizei nicht verhindern, da sie weisungsgebunden war und außergesetzliche Maßnahmen ablehnte. Sie stand jedoch überwiegend auf dem Boden der republikanischen, rechtsstaatlichen Ordnung. Die neuen Machthaber richteten daher sofort ihr Augenmerk auf die Polizei.

Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im September 1929 stieg die Zahl der Arbeitslosen rasant an. Nationalsozialisten und Kommunisten verzeichnen steigende Wählerzahlen. Politische Kundgebungen endeten immer häufiger in Straßenkämpfen und Saalschlachten. 1930 scheiterte mit der Großen Koalition von Reichskanzler Hermann Müller (SPD) die letzte vom Parlament getragene Regierung. Die Polizei, die auch nach der Weimarer Reichsverfassung Ländersache ist, steht schon einige Jahre zwischen links und rechts. Den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen insbesondere zwischen den Parteiarmeen der NSDAP und der KPD ist sie selbst da, wo der politische Wille zur gesetzestreuen Neutralität besteht, nicht gewachsen.

[...]


1 Behrens, Fritz: "Gegen das Vergessen" - Rolle der Polizei im Nationalsozialismus ist Thema der Polizeiausbildung in NRW. http://www.im.nrw.de/pe/pm2001/pm2001/news_741.htm (15.04.07)

2 Vgl. Graf, Christoph: Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur. Einzelveröffentlichungen der historischen Kommission zu Berlin. Band 36. Berlin 1983. S. 8 f

3 Vgl. Kraus, Kurt: 800 Jahre Frankfurter Polizei. Eine Zeitreise durch die Frankfurter Polizeigeschichte. http://www.polizei.hessen.de/internetzentral/nav/9f4/9f470ee1-825a-f6f8-6373-a91bbcb63046&uCon=dd16011d- 8c74-faf3-362d-61611142c388&uTem=bff71055-bb1d-50f1-2860-72700266cb59.htm (16.04.07)

4 Vgl. Graf, Christoph: Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur. S. 16 f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Polizei im Nationalsozialismus
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V165923
ISBN (eBook)
9783640817221
ISBN (Buch)
9783640820801
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
polizei, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Angelina Schulz (Autor:in), 2009, Die Polizei im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165923

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