Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach dem Einfluss von Klimaveränderungen auf Heirat und Geburten im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914. Ausgehend von der malthusianischen These von der Nahrung als Hemmnis für das Bevölkerungswachstum wird in dieser Arbeit die Frage gestellt, ob klimatisch schlechte Jahre, in denen die Ernte verdirbt, Menschen dazu bringen, Heirat und Geburten zu verschieben. Der Bogen spannt sich dabei von der Klimageschichte, der Sozialgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte bis zur Bevölkerungsgeschichte. In Bezug auf die Witterung ist die Wahrnehmung klimatischer Bedingungen durch die Bevölkerung der wesentliche Indikator. Diese Wetterwahrnehmung resultiert aus Berichten von Zeitzeugen und Aufzeichnungen. In weiterer Folge wird der Zusammenhang von Witterungsbedingungen mit materiellen, kulturell-intellektuellen und politischen Aspekten diskutiert. Die verwendeten Daten kommen aus dem Stadtarchiv Kitzbühel (vor allem hinsichtlich der wirtschaftlichen Grundlagen) und aus den Matrikeln der Pfarren (für die Bevölkerungsbewegung, das heißt Geburten, Trauungen und Sterbefälle). Mittels Zeitreihenanalyse wurde ein allfälliger Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung des Wetters durch die Bevölkerung einerseits und Heirats- und Geburtenraten andererseits analysiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass es zwischen der Wahrnehmung klimatischer Bedingungen und demographischen Prozessen keinen Zusammenhang gab.
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3. Wetter, Wetterextreme, Klima
4. Aspekte der Klimaveränderungen
5. Bevölkerungsentwicklung
6. Zusammenhang der Bevölkerungsentwicklung mit der Wetterwahrnehmung
7. Fazit
8. Anhang
9. Literatur
Abstract
Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich mit der Frage nach dem Einfluss von Klimaveränderungen auf Heirat und Geburten im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914. Ausgehend von der malthusianischen These von der Nahrung als Hemmnis für das Bevölkerungswachstum wird in dieser Arbeit die Frage gestellt, ob klimatisch schlechte Jahre, in denen die Ernte verdirbt, Menschen dazu bringen, Heirat und Geburten zu verschieben. Der Bogen spannt sich dabei von der Klimageschichte, der Sozialgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte bis zur Bevölkerungsgeschichte. In Bezug auf die Witterung ist die Wahrnehmung klimatischer Bedingungen durch die Bevölkerung der wesentliche Indikator. Diese Wetterwahrnehmung resultiert aus Berichten von Zeitzeugen und Aufzeichnungen. In weiterer Folge wird der Zusammenhang von Witterungsbedingungen mit materiellen, kulturell-intellektuellen und politischen Aspekten diskutiert. Die verwendeten Daten kommen aus dem Stadtarchiv Kitzbühel (vor allem hinsichtlich der wirtschaftlichen Grundlagen) und aus den Matrikeln der Pfarren (für die Bevölkerungsbewegung, das heißt Geburten, Trauungen und Sterbefälle). Mittels Zeitreihenanalyse wurde ein allfälliger Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung des Wetters durch die Bevölkerung einerseits und Heirats- und Geburtenraten andererseits analysiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass es zwischen der Wahrnehmung klimatischer Bedingungen und demographischen Prozessen keinen Zusammenhang gab.
The present dissertation deals with the question of the influence of climate change on marriages and births in the district of Kitzbühel from 1700 to 1914. Based on the Malthusian thesis, which cites food as a constraint on population growth, we ask whether climatically bad years, in which the harvest fails, caused people to postpone marriages and births. The scope extends from climate history, social history, and economic history, to population history. Regarding weather, the perception of weather by the population, rather than weather itself, is the crucial factor. This weather perception results from reports by eyewitnesses and records. Subsequently, the relationship between weather conditions and material, cultural-intellectual, and political aspects will be discussed. Data come from the city archive of Kitzbühel (for material conditions), and from parish registers (for population movements, marriages, births and deaths). An ARIMA analysis was employed to estimate a potential relation between the perception of weather and climate on the one hand, and marriages and birth rates on the other hand. The results suggest that the perception of weather and climate conditions probably had no effect on demographic processes.
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Bevölkerungszahlen des Landgerichts Kitzbühel
Tabelle 2: Bevölkerungszahlen des Landgerichts Itter
Tabelle 3: Volkszählung Bezirk Kitzbühel
Tabelle 4: Höchste und niedrigste Heiratsraten
Tabelle 5: Trauungsraten alpiner Bezirke im Vergleich
Tabelle 6: Niedrigste und höchste Geburtenraten
Tabelle 7: Niedrigste und höchste Sterberaten
Tabelle 8: Zusammenhang zwischen der Heiratsrate und der Wahrnehmung des Wetters
Tabelle 9: Zusammenhang zwischen der Heiratsrate und der Wahrnehmung des Wetters vom Vorjahr
Tabelle 10: Zusammenhang zwischen der Heiratsrate, der Wahrnehmung des Wetters und des Arbeitsaufwands für einen Star Weizen
Tabelle 11 Zusammenhang zwischen der Geburtenrate und der Wahrnehmung des Wetters
Tabelle 12: Zusammenhang zwischen der Geburtenrate, der Wahrnehmung des Wetters und des Arbeitsaufwands für einen Star Weizen
Tabelle 13: Zusammenhang zwischen der Rate ehelicher Geburten und der Wahrnehmung des Wetters
Tabelle 14: Zusammenhang zwischen der Rate ehelicher Geburten und der Wahrnehmung des Wetters im Vorjahr
Tabelle 15 Bestand der Kirchenbücher
Tabelle 16: Wetterwahrnehmung (Codierung)
Tabelle 17: Die Münzordnung von 1754
Tabelle 18: Feinsilberäquivalent je Rechenkreuzer für Tirol von Schmelzer
Tabelle 19: Löhne für eine Pferd und Mann Schicht
Tabelle 20: Getreidepreistabelle für den Bezirk Kitzbühel
Tabelle 21: Weizenpreis-Tirol-Wien-Frankreich
Tabelle 22: Ziegelpreise im Bezirk Kitzbühel
Tabelle 23: Volkszählung nach Gemeinden von 1869 bis 1910
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Karte Kitzbühel/Land Tirol
Abbildung 2 Kitzbühel Stadt im Kataster von 1855
Abbildung 3: Sensenfabrik des Simon Zimmermann
Abbildung 4: Die Erdachse im Vergleich zur Ekliptik
Abbildung 5: Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung
Abbildung 6: Besonnungsdauer in Tirol für den 21. Juni
Abbildung 7: Besonnungsdauer in Tirol für den 21 Dezember
Abbildung 8: Wiener-Stadt-Banco-Zettel
Abbildung 9: Exogene Einflüsse auf die Bevölkerungsgröße
Grafikverzeichnis
Grafik 1: Bevölkerungsstand in Aurach
Grafik 2: Bevölkerungsstand in Brixen
Grafik 3: Bevölkerungsstand in Fieberbrunn
Grafik 4: Bevölkerungsstand in Going
Grafik 5: Bevölkerungsstand in Hochfilzen
Grafik 6: Bevölkerungsstand in Hopfgarten
Grafik 7: Bevölkerungsstand in Itter
Grafik 8: Bevölkerungsstand in Jochberg
Grafik 9: Bevölkerungsstand in Kirchberg
Grafik 10: Bevölkerungsstand in Kirchdorf
Grafik 11: Bevölkerungsstand in Kitzbühel
Grafik 12: Bevölkerungsstand in Kössen
Grafik 13: Bevölkerungsstand in Oberndorf
Grafik 14: Bevölkerungsstand in Reith
Grafik 15: Bevölkerungsstand in St. Jakob
Grafik 16: Bevölkerungsstand in St. Johann
Grafik 17: Bevölkerungsstand in St. Ulrich
Grafik 18: Bevölkerungsstand in Schwendt
Grafik 19: Bevölkerungsstand in Waidring
Grafik 20: Bevölkerungsstand in Westendorf
Grafik 21 Jahrestemperaturmittel und Wetterwahrnehmung
Grafik 22 Feinsilberäquivalent je Rechenkreuzer
Grafik 23 Weizenpreis in Kreuzer
Grafik 24 Tagwerkerlohn pro Schicht
Grafik 25 Entlohnung von Mann und Pferd Schichten
Grafik 26 Tagwerkerschichten für 1 Star Weizen
Grafik 27 Menge an Rindfleisch je Tagwerkerschicht
Grafik 28 Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Kitzbühel
Grafik 29: Heiratsrate im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914
Grafik 30: Vergleich der Trauungsraten der amtlichen Statistik mit den Eintragungen in den Kirchenbüchern
Grafik 31: Geburtenrate im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914
Grafik 32: Sterberate im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914
1. Einleitung
Klimaveränderungen begleiteten die Menschheit zu jeder Zeit, und das Thema Klimawandel mit all seinen Folgen ist aktuell brisanter als je zuvor. Die Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Bevölkerung sind eines der Kernthemen der neuen demographischen Forschungen.[1] Aufgrund von Temperaturanstieg, veränderten Niederschlagsmustern und der Häufung von Extremwetterereignissen ist die Ernährungssicherheit vieler Menschen bedroht.[2]
Wetter war und ist ein Faktor in unserem Leben, der unser Verhalten beeinflusst. Gerade im Alpenraum bestimmten seit jeher Wettereinflüsse weitreichend das Handeln und Tun der Menschen. Lebensmittel- und Futtermittelproduktion konnten das Wetter begünstigen oder, im schlimmsten Fall, vernichten. Damit einher gingen die Gesundheit und die Fruchtbarkeit der Bevölkerung.
Diese Arbeit befasst sich mit dem Witterungs- und Klimaverlauf in der Zeit von 1700 bis 1914 und deren Auswirkung auf die Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Kitzbühel. Das „arme Land Tirol“ wie es in der Literatur immer wieder genannt wird, war von Importen von Lebensmitteln und anderen Waren, wie Textilien und diversen Fertigwaren, abhängig. Der Bezirk Kitzbühel stellte hier keine Ausnahme dar, obwohl es bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts aufgrund des regen Bergbaus einen beachtlichen Wohlstand gab.[3]
Wichtig zu erwähnen ist, dass Kitzbühel im Laufe des Untersuchungszeitraumes zwar einige Male einen Regierungswechsel erlebte, aber die Stadt und der Bezirk von den Kriegen im 18. und 19. Jahrhundert weitestgehend verschont blieben und sich aus geographischen Gründen als wichtiger Markt- und Handelsplatz etablierten. Kitzbühel selbst und die gesamte Region wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts für die Sommerfrische und den Wintersport entdeckt, hatte aber kaum Industrie.[4]
Neben dem wirtschaftlichen Aspekt werden auch die Aspekte der Kultur und der Politik in schwierigen klimatischen Zeiten zur Sprache gebracht. Speziell in Krisenzeiten konnten politische Entscheidungen maßgeblich für die Bevölkerung sein. Die Kultur setzt sich mit den Möglichkeiten des menschlichen Handelns auseinander. Das bereits generierte Wissen über politische, soziale und wirtschaftliche Geschichte wird nun um die These der Wechselbeziehung zwischen Klimaveränderungen und Gesellschaft ergänzt, die mit Hilfe operationalisierbarer Verfahren zu empirisch fundierten Aussagen führen.[5]
Nach einem Überblick über den Stand der Forschung und der Untersuchungsregion gliedert sich die Arbeit in drei Teilbereiche:
Im ersten Abschnitt wird das Klima anhand von Aufzeichnungen und Messungen rekonstruiert und der Wahrnehmung der Bevölkerung gegenübergestellt. Diese Wahrnehmung ergibt sich aus aufgezeichneten Erzählungen von verschiedenen Zeitzeugen, Bildern und Dokumenten, die über das damals vorherrschende Wetter und über Naturkatastrophen sowie über die Ernte Aufschluss bringen sollen.
Der zweite Abschnitt geht auf materielle, kulturell-intellektuelle und politische Aspekte im Zusammenhang mit Klimaveränderungen ein. Dabei wird die Wahrnehmung des Klimas zu Veränderungen im Bereich der Preise, insbesondere der Getreidepreise, und der Löhne in Relation gesetzt. Dem Anspruch auf Vollständigkeit kann auch hier nicht Genüge getan werden, da es keine lückenlosen Aufzeichnungen gibt. Bei bestehenden Aufzeichnungen ist es oft nicht nachvollziehbar, zu welcher Jahreszeit das Getreide gehandelt wurde. Es ist anzunehmen, dass Getreide nach der Ernte billiger war als im Frühjahr. Bei Lohnzahlungen war meist nicht ersichtlich, welche Tätigkeiten ausgeführt wurden und ob bei Lohnzahlungen auch noch Material mit eingerechnet wurde. Damit konnten den Quellen entweder ein Durchschnittssatz oder einwandfrei zuordenbare Angaben entnommen werden. Die kulturelle Seite betrifft die Frage, wie Menschen Umwelt- und Klimabedingungen wahrgenommen haben, welche Maßnahmen sie aufgrund dessen ergriffen und welche Entscheidungen getroffen wurden. Auch die Auswirkungen und die Risiken solcher Maßnahmen und Entscheidungen sollen gezeigt werden.
Der letzte Abschnitt in Punkt vier geht auf die politischen Handlungen ein, die in Krisenjahren getätigt wurden, und auf deren mittelbare oder unmittelbare Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung. Politische Entscheidungen oder Unvermögen der Politik zur Hilfeleistung bei klimatischen Katastrophen, sei es bei kleinräumigen Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Hochwasser oder Lawinen, oder größeren klimatischen Erscheinungen wie Dürreperioden oder schneereiche Winter, können die Auswirkungen auf die Bevölkerung gravierend beeinflussen.
In dritten Teil wird die Bevölkerungsentwicklung untersucht. Mit dem Heiratsverhalten und der Geburtenrate sowie der Sterberate werden Wachstum und Rückgang der Population dargestellt und in Verbindung mit Klimaveränderungen und den materiellen, kulturell-intellektuellen und politischen Aspekten gesetzt. Dabei wird großes Augenmerk auf markante Jahre gelegt, und es werden Zusammenhänge mit Vorkommnissen in solchen Jahren analysiert.
Größere Differenzen, die sich bei der Berechnung der Bevölkerungszahlen ergeben, können mit Zu- und Abwanderung nur ansatzweise erklärt werden, da in dieser Hinsicht keine aussagekräftigen Unterlagen verfügbar sind.
Viele Wirtschaftshistoriker haben große Vorbehalte, Hungersnöte dem Einfluss von Wetterextremen zuzuschreiben, und nur einige Ausnahmen halten Klimaveränderungen für die Ursache von Krisen. Die Ursache, dass es bei Ernteausfällen zu Hungersnöten gekommen war, lag bei dieser Gruppe von Historikern in der Umverteilung der Ressourcen.[6]
Natürlich hat die Klimaveränderung nie allein die Bevölkerungsentwicklung beeinflusst. Es war immer ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. In dieser Arbeit sollen die Relevanz und das Ausmaß gezeigt werden, die Klimaveränderungen auf die menschliche Entwicklung hatten.
2. Stand der Forschung
Die Untersuchung historischer Klimaverhältnisse ist ein Spezialgebiet mit wachsender Bedeutung. Auswirkungen des kurz- und mittelfristigen Klimawandels auf Umwelt und Gesellschaft lassen sich nur beantworten, wenn man zuverlässiges Wissen über vergangene klimatische Verhältnisse gewinnt.[7]
Georg Jäger hat in seiner Arbeit Schwarzer Himmel – Kalte Erde – Weißer Tod agrarklimatische Verhältnisse in Tirol vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit aufgearbeitet. Dabei hat Jäger umfangreiche Recherchen in Bezug auf Klimaveränderungen und Naturkatastrophen für Tirol durchgeführt, und er konnte damit weitreichend die klimatischen Bedingungen im Untersuchungszeitraum rekonstruieren. Private Aufzeichnungen in diversen Archiven ergänzen die Wetteraufzeichnungen. Großräumiger wurde das Klima und dessen Zusammenhänge mit sozialen und ökonomischen Faktoren von 1500 bis 1900 von Franz Mauelshagen in seiner Arbeit Klimageschichte der Neuzeit rekonstruiert.
Überschwemmungen und Murenabgänge, die ebenfalls oft Grund für Ernteausfälle waren, sind eher kleinräumig relevant und wurden deshalb in dieser Arbeit nicht berücksichtigt, da sie kaum Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung hatten. Eine Chronik der Überschwemmungen von 1401 bis 1882 in Tirol wurde von Sonklar geschrieben. Diese Beschreibungen beziehen sich allerdings fast ausschließlich auf Südtirol und das Oberinntal. Erst 1751 gab es eine erste Erwähnung von Kufstein, da die Niederndorfer Arche aus den Ufern getreten war.[8] Danach kam das Unterinntal nur selten in der Chronik vor. Der Bezirk Kitzbühel kam überhaupt nie zur Sprache. Das kann damit erklärt werden, dass der Bezirk nicht an einer Hauptroute durch Tirol lag und dadurch unwichtig für Aufzeichnungen erschien.
Pfister und Wanner haben in ihrer gemeinsamen Arbeit Klima und Gesellschaft in Europa die letzten tausend Jahre rekonstruiert und einen Zusammenhang mit der Bevölkerungsentwicklung hergestellt. Diese Arbeit erhebt den Anspruch, zwei Wissenschaftskulturen zusammen geführt zu haben, die Naturwissenschaft und die Umweltgeschichte. Sie behandelt die Makrogeschichte des Klimas, auch Paläoklimatologie genannt, und die Mikrogeschichte des Klimas, die aus Berichten einzelner Witterungsperioden besteht.[9]
Behringer hat sich mit dem Zusammenhang von Klima und Kultur auseinandergesetzt. Er beschreibt, wie die Menschen mit Klimaveränderungen umgehen und daraus lernen. So wurden in der „Kleinen Eiszeit“ Holzbauten durch Steinhäuser ersetzt und Speicherräume vergrößert, um mehr Lebensmittel einlagern zu können. Auch dicke Federbetten waren eine Antwort auf die kalten Jahre.[10]
Nussbaumer behandelte das Thema „Hunger“ in Tirol und merkte an, dass in Ortschroniken oder diversen historischen Untersuchungen über Tirol ein wesentlicher Faktor, das Klima und seine Folgen, meist gar nicht oder nur am Rande erwähnt wird.[11] Baumgartner gab einen Überblick über die Hungersnöte in Tirol und setzte diese in Verbindung mit Preisanstiegen bei Lebensmitteln.[12] Abel untersuchte den Grund von Massenarmut im vorindustriellen Deutschland und stellte einen Bezug zu Preisanstiegen bei Getreide und dem Absinken der Heiratsrate her.[13]
Die Literatur bezüglich der Bevölkerungsgeschichte ist endlos und reicht von großräumiger Betrachtung, wie in der Bevölkerungsgeschichte Europas von Weigl, um im europäischen Raum zu bleiben, bis zu Mikroforschungen über die Bevölkerungsentwicklung einzelner Dörfer und Städte, wie etwa von Fliri, der schon 1948 die Bevölkerungsgeographie von Baumkirchen, Fritzens, Gnadenwald und Terfens untersuchte und unter anderem auch die saisonalen Unterschiede bei Heiraten und Geburten zeigte. Ein Beispiel ist, dass die geburtenstarken Monate nicht in die arbeitsreichen Sommermonate der Bauern fielen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass es eine Planung in Bezug auf Geburten gab.[14]
Neue Forschungsergebnisse bezüglich der Klimaveränderung in Afrika zeigen, dass Ressourcenknappheit zu Konflikten und Zwangsvertreibungen innerhalb der Bevölkerung eines Staates führen. Zwar sind Konflikte und Gewalt nicht allein auf eine Klimaveränderung und der damit verbundenen Nahrungs- und Futtermittelknappheit zurückzuführen, doch bleibt die Klimavariabilität ein Schlüsselfaktor für Ausschreitungen. Werden Menschen aufgrund von klimatischen Veränderungen, wie in der Sahel Zone, zur Auswanderung in klimatisch bessere Gebiete gezwungen, führt dies wiederum zu Auseinandersetzungen mit der dort lebenden Bevölkerung.[15]
Für Pfister war der Alpenraum ein Menschenreservoir. Aufgrund der Geburtenüberschüsse und der kargen Bedingungen, so Pfister, waren die Menschen immer wieder zur Abwanderung gezwungen. Als regulatorische Elemente des Geburtenüberschusses nannte er eine hohe Kinder- und Säuglingssterblichkeit und gedrosselte Fruchtbarkeit aufgrund eines höheren Heiratsalters.[16] Ehmer beschrieb in seiner Bevölkerungsgeschichte den demographischen Wandel, erwähnte allerdings mit keiner Silbe, dass Klimaveränderungen für Heirats- oder Geburtenzahlen ausschlaggebend sein könnten. Für Ehmer war die Eheschließung kein demographisches, sondern ein soziales, kulturelles und wirtschaftliches Phänomen. Er verweist auch auf den langfristigen strukturellen Wandel des Heiratsverhaltens in Deutschland anhand des immer höher werdenden Heiratsalters und des Anteils der Ledigen.[17]
Taiani und Wedekind konnten nachweisen, dass die Bevölkerungsentwicklung in den alpinen Regionen stark voneinander abweicht. Diese Abweichungen lassen sich laut dieser Untersuchung allerdings nicht mit Umweltfaktoren und auch nicht allein mit unterschiedlichen politischen Kontexten erklären. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass im Vergleich zweier kleiner Gemeinden, von St. Felix in Südtirol mit dem nahe gelegenen romanischen Dorf Tret im Trentino, das Heiratsalter von St. Felix, in dem das Anerbenrecht galt, nicht wesentlich höher lag als in Tret, wo das Realteilungsprinzip bestand. Daneben war der Anteil an Stammfamilien in Tret höher als in St. Felix. Diese Tatsache zeigt, dass naturgebundene Faktoren in Folge höher zu bewerten sind als kulturelle. Durch die Auswertung diverser Forschungsergebnisse konnte nachgewiesen werden, dass die alpenländische Bevölkerung die Bevölkerungszahl nicht durch Abwanderung, sondern durch die Heiratshäufigkeit an die vorhandenen Ressourcen anpasste. Diese Ergebnisse können allerdings ebenfalls nicht auf den gesamten Alpenraum übertragen werden, da es Regionen mit stark abweichenden Heiratsmustern, wie Zahre in Nordostitalien, gab.[18]
Bezüglich Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung beziehungsweise Bevölkerungszahlen für Kitzbühel wurden in erster Linie die Kirchenbücher und in weiterer Folge die Volkszählungen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts repräsentatives Zahlenmaterial lieferten, herangezogen. Daneben konnten aus dem Stadtbuch Kitzbühel Daten entnommen werden. Über die Zahlungsmittel in Kitzbühel, die Löhne und die Preise von Lebensmitteln und diversen anderen Gütern waren die Arbeiten von Joast hilfreich. So konnte aus der Arbeit von Joast[19] die Münzvielfalt in Kitzbühel im 18. Jahrhundert ersichtlich gemacht werden. Eine vorangegangene Arbeit von mir[20] befasste sich mit den Löhnen und Preisen von Lebensmitteln und einigen anderen Gütern im 18. Jahrhundert. Auch Dietrich[21] und Schmelzer[22] haben Arbeiten zum Thema Löhne und Preise in Tirol verfasst. Diese beziehen sich auf das Stift Stams und die Stadt Rattenberg, doch kann davon ausgegangen werden, dass die Löhne und Preise der Güter nicht immer gleich, aber doch ähnlich waren.
2.1 Forschungsfrage
Das Thema dieser Arbeit ist ein Blick in die Vergangenheit in Bezug auf den Umgang der Menschen mit veränderten Klimasituationen. Um zu verstehen, was in der Gesellschaft in Zukunft bei Abweichungen von den Mittelwerten passieren wird, muss untersucht werden, wie die Bevölkerung in der Vergangenheit auf klimatische Herausforderungen reagierte und sich an diese angepasst hat. Auch Ereignisse in Kultur und Wirtschaft werden auf ihren Zusammenhang mit klimatischen Einflüssen überprüft.[23]
Für die Untersuchung der Wechselwirkungen von Umwelt und Gesellschaft muss berücksichtigt werden, dass sich beide Bereiche unabhängig voneinander verändern können. Diese Veränderungen finden in unterschiedlichen Abständen statt. Im Bereich der Umwelt handelt es sich dabei um Schwankungen in der Sonnenaktivität und vulkanische Aktivitäten sowie Veränderungen in der thermohalinen Zirkulation, um nur einige zu nennen. Im Bereich der Gesellschaft sind beispielsweise die Technisierung und Veränderungen von grundlegenden institutionellen Strukturen gemeint. Treten Extreme auf, interagieren menschliche und umweltbezogene Faktoren, was zu einer Prägung der lokalen, regionalen oder sogar globalen Geschichte beitragen kann.[24]
Diese Forschungsarbeit soll sich in die europäische Forschungslandschaft der Zusammenhänge zwischen Klima und Gesellschaft einreihen. Dafür wurde der Bezirk Kitzbühel in den Alpen untersucht. Warum diese Region ausgewählt wurde und wie sich der Bezirk Kitzbühel von anderen alpinen Regionen unterscheidet, wird in Abschnitt 2.2 genau beschrieben.
Die Hauptfrage, die in dieser Dissertation beantwortet werden soll, lautet: Beeinflusste eine verminderte landwirtschaftliche Produktion aufgrund von schlechter Witterung die Bevölkerungsentwicklung in Bezirk Kitzbühel im Zeitraum von 1700 bis 1914?
Untersucht werden die Auswirkungen von kurz- oder längerfristigen Klimaveränderungen auf die Bevölkerungsentwicklung, allen voran auf die Heirats- und Geburtenzahlen im Politischen Bezirk Kitzbühel. Speziell Hochzeiten sind in den allermeisten Fällen gewollt und geplant und können gegebenenfalls verschoben werden. Auch bei den ehelichen Geburten kann davon ausgegangen werden, dass die meisten davon geplant oder jedenfalls erwartet und akzeptiert wurden. Bei Hochzeitspaaren, bei denen die Frau im gebärfähigen Alter war, folgte nicht selten der Verehelichung innerhalb kurzer Zeit eine Geburt, durchaus schon im ersten Jahr der Ehe. Hingegen sind uneheliche Geburten in den meisten Fällen ungeplante Ereignisse, die im Zusammenhang dieser Arbeit eine andere Erklärung erfordern als eheliche Geburten. Im Gegensatz zu den anderen Komponenten der Bevölkerungsbewegung sind die Todesfälle ungeplante, natürliche Vorgänge, die bei überdimensionalem Auftreten als Folge einer Krise gesehen werden können. Die Zu- und Abwanderung wird hier aufgrund der Datenlage und aufgrund fehlender Aufzeichnungen über das Ausmaß der Wanderungen auf plausible Annahmen beschränkt.
Der Untersuchungszeitraum ist mit 1700 bis 1914 festgesetzt, da es ab 1700 einigermaßen ausreichende Aufzeichnungen gibt, um Wetterbedingungen rekonstruieren zu können. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 kann davon ausgegangen werden, dass eine Entscheidung für oder gegen eine Heirat und Kinder hauptsächlich vom Krieg und all seinen Nebenerscheinungen abhing. Das Ergebnis war ein kriegsbedingter demographischer Schock mit extrem niedrigen Geburtenraten und hohen Sterberaten, die mit klimatischen Bedingungen nichts zu tun hatten.
Die Ausgangshypothese dieser Arbeit ist die Annahme, dass ungünstige klimatische Verhältnisse und die dadurch hervorgerufene verminderte Produktion in der Landwirtschaft mit den darüber hinaus resultierenden Folgen wie Mangelernährung und Teuerungen die Menschen Heirat und Geburt verschieben lassen und dadurch die Bevölkerungsentwicklung beeinflussen.
Der Forschungsfrage zugrunde liegt die These von Malthus, die besagt, dass sich die Bevölkerung, wenn sie nicht gehemmt würde, alle 25 Jahre verdoppelt. In Regionen, in denen es nur Ackerbau gibt und die Menschen gesünder leben, würde die Verdoppelung sogar alle fünfzehn Jahre stattfinden. Dem gegenüber steht die Produktion der Lebensmittel, die trotz Verbesserung der Bodenqualität und Produktionsbedingungen nicht in gleicher Weise gesteigert werden kann wie das Bevölkerungswachstum. Bei günstigsten Umständen könnte sich die Lebensmittelproduktion nur in einer arithmetischen Reihe vermehren. Ein Beispiel dafür wäre als Ausgangslage eine Bevölkerung mit einer Größe von 11 Millionen Menschen. Diese wäre nach 25 Jahren bereits auf 22 Millionen Menschen verdoppelt, nach weiteren 25 Jahren auf 44 gestiegen, dann auf 88 und nach einem Jahrhundert auf 176 Millionen Menschen. Das Wachstum der Subsistenzmittel wäre mit der Ausgangslage, dass 11 Millionen ernährt werden könnten, nach 25 Jahren verdoppelt, nach weiteren 25 Jahren allerdings nur mehr für 33 Millionen Menschen ausreichend. Am Ende des Jahrhunderts würden die Lebensmittel gerade für 55 Millionen Menschen ausreichen, und 121 Millionen Menschen wären gänzlich unversorgt.[25]
Das entscheidende Hemmnis der Bevölkerungsentwicklung ist laut Malthus demnach der Nahrungsmangel, doch selten eine unmittelbare Hungersnot, sondern vielmehr Krankheiten und Seuchen aufgrund eben dieses Mangels. Vorbeugende und positive Hemmnisse beeinflussen demnach das Bevölkerungswachstum. Als ein vorbeugendes Hemmnis stellt es dar, wenn der Mensch sich gegen eine Heirat und Kinder entscheidet, da er erwartet, dass die Nahrung für den Nachwuchs nicht ausreichen wird. Positive Hemmnisse sind alle Ursachen von Krankheit über harte Arbeit bis hin zu Katastrophen, die Menschenleben verkürzen.[26]
Der erste Versuch, Klimaveränderungen mit der Menschheitsgeschichte in Verbindung zu bringen, kam mit der Eiszeittheorie und der Erkenntnis, dass sich das Klima in ständiger Veränderung befindet. Ein weiterer Forschungsansatz ist der Umweltdeterminismus, der besagt, dass die Natur und ihre klimatischen, ökologischen und geografischen Faktoren Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung haben und in Gunstlagen lebende Völker überlegene geistige und physische Fähigkeiten besitzen. Die Idee vom bestimmenden Einfluss der Natur auf die menschliche Gesellschaft und Kultur geht schon auf Platon und Aristoteles zurück, für die Griechenland in den „mittleren Breiten“ lag und somit begünstigt war. Vitruv übertrug dieses Erklärungsmodell auf das römische Imperium.[27]
Johann Peter Süßmilch beschäftigte sich mit „der Geschwindigkeit der Vermehrung und der Zeit der Verdoppelung“ sowie mit den Hindernissen der Vermehrung. Ohne Epidemien und Kriege würde sich die Bevölkerung innerhalb von zweihundert Jahren verdoppeln. Die Nahrung wird daneben als ein natürliches Hindernis geschildert, da sie der „allzu schnellen Vermehrung“ vorbeugt. Nahrung war demnach ein natürliches Ehehindernis.[28] Diese Ansicht blieb für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts bestimmend. Erst das 19. Jahrhundert führte zu einer radikalen Änderung in den Bevölkerungslehren, und es wurde von Überbevölkerung gesprochen. Man sah in politischen und herrschaftlichen Zwangsmaßnahmen, die von Süßmilch abgelehnt wurden, ein Mittel gegen Heiraten in unselbständigen und materiell ungesicherten sozialen Schichten. Süßmilch vertrat die Ansicht, dass die Vernunft des Einzelnen groß genug wäre, nur dann zu heiraten, wenn genügend Ressourcen vorhanden sind, um einer Familie Nahrung zu bieten.[29]
Braudel erkannte bereits 1971, dass sich klimatische Veränderungen auf die Menge und Qualität der Ernte und in weiterer Folge auf die Menschen auswirkten. Diese Schwankungen im Bereich des materiellen Lebens wurden in Zusammenhang mit der Entwicklung der Menschheit gebracht.[30] Wilhelm Abel führte die Preissteigerungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf das Bevölkerungswachstum zurück.[31]
Bevölkerungsrückgänge aufgrund von Anstiegen der Sterbefälle sowie einer Verminderung von Eheschließungen und Geburten als Auswirkung von Epidemien wurden in der Vergangenheit von Pfister und Schürmann als Folge von Ernährungskrisen gesehen. Aufgrund schlechter Ernten traten immer wieder Seuchen auf, denen die Menschen zum Opfer fielen.[32]
Fogel untersuchte den Zusammenhang zwischen Hunger und einem daraus folgenden vorzeitigen Tod. Seine Untersuchung erstreckte sich von Europa über Amerika bis zur Dritten Welt. Fogel führte eine geringe Körpergröße und eine erhöhte Sterblichkeit auf ungenügende und schlechte Ernährung zurück. Speziell eine etwaige hohe Säuglingssterblichkeit macht er von schlechter Ernährung abhängig.[33]
Schofield untersuchte auf der Grundlage der Theorie von Malthus den Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und den Preisen der Nahrungsmittel für England. Er konnte feststellen, dass die Preise schneller stiegen als die Bevölkerungszahlen, bei moderaten und stagnierenden Bevölkerungszahlen begannen die Preise allerdings zu sinken.[34]
Allgemein wurde angenommen, dass das Bevölkerungswachstum in der vorindustriellen Zeit durch die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel kontrolliert wurde. Aufgrund des geringen technischen Fortschrittes führte das rasche Bevölkerungswachstum zu einer Ernährungskrise. Trotzdem vermehrte sich die Bevölkerung, da es immer wieder lange Perioden mit guten Erträgen gab. Dieser Zusammenhang legt nahe, dass eine Tendenz zur Bevölkerungszunahme bestand, wenn der Lebensstandard über einem bestimmten Niveau lag.[35]
Im 19. Jahrhundert gab es in ganz Europa ein beträchtliches Bevölkerungswachstum. Zwar gab es Unterschiede in der Verdichtung der Bevölkerung, der Bevölkerungsstand verdoppelte sich aber innerhalb von circa fünfzig Jahren oder zwei Generationen. Zurückzuführen war dieses Wachstum nicht auf eine höhere Geburtenziffer, sondern auf die sinkende Sterberate aufgrund von Fortschritten im Bereich Medizin und Hygiene.[36]
Der Zusammenhang zwischen der Sterberate und einem Nahrungsmittelmangel, der einen Preisanstieg bei den Lebensmitteln implizierte, konnte in Europa in der vorindustriellen Zeit nur teilweise nachgewiesen werden. So konnten Schwankungen bei den Lebensmittelpreisen in Frankreich mit den Sterberaten von 1677 bis 1734 in Verbindung gesetzt werden. Im vergleichbaren Zeitraum traf das in England nur in einem verschwindend geringen Ausmaß zu. In Italien ging die Sterblichkeit dem Preisanstieg voran. Mortalität aufgrund von Hunger und Unterernährung waren nicht nur ein Problem des Nahrungsmittelangebots, sondern ein Problem der Verteilung.[37]
Wie schwer sich Klimaschocks auf die Bevölkerungszunahme auswirkten, hing vor allem davon ab, wie gut oder schlecht der Ernährungszustand der Bevölkerung war, sowie von der Erfahrung der Menschen im Umgang mit Katastrophen. Auf Krisen folgten gute Perioden, doch trotz zunehmender wirtschaftlicher Aktivitäten konnte die Bevölkerung der malthusianischen Falle nicht entkommen. Erst als es aufgrund der wirtschaftlichen Lage möglich war, den Menschen auch bei Krisen Nahrung zu bieten, konnte die Bevölkerung ungehindert wachsen.[38]
Für Jones war die „technologische Drift“, die Tendenz die Produktivität zu steigern, ein wichtiges Merkmal der vorindustriellen Wirtschaft. Nicht nur das Human- und Sachkapital, sondern auch das Wissen sollte den Markt und dessen Effizienz verbessern. Jones argumentierte, dass eine Verbesserung in der Politik und den rechtlichen Rahmenbedingungen zu einem Wirtschaftswachstum führe. Die Schaffung einer guten institutionellen Infrastruktur sowie die Entwicklung effizienter Eigentumsrechte sind wichtige Faktoren für eine wachsende Volkswirtschaft. Neben der Bildung spielt für Jones auch der medizinische Fortschritt für ein Bevölkerungswachstum und die damit verbundene erhöhte Arbeitsproduktivität für ein wirtschaftliches Wachstum eine wichtige Rolle.[39]
Ester Boserup war die Theorie von Malthus zu simpel, denn diese bezog die positiven Effekte, die eine wachsende Bevölkerung auf die Infrastruktur und technische Neuerung hat, nicht ein. Erst eine wachsende Bevölkerung macht den Einsatz neuer Technologien notwendig und möglich. Dies würde ihrerseits wieder das Bevölkerungswachstum fördern und somit die Spirale nach oben treiben, anders als die malthusianische Theorie einer Abwärtsspirale. Jedoch zeigt die Forschung auch, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise von einem Wachstum profitieren und es unter der armen Bevölkerung trotz des Wachstums zu Hunger und Unterernährung kommen kann.[40]
Das österreichische Modell von Komlos fügt die wissenschaftlichen Theorien für ein Bevölkerungswachstum zusammen, in der Annahme, dass die Population wuchs, bis es zu einem Nahrungsmittelengpass oder zu Epidemien kam. Diese Krisen dezimierten zwar die Bevölkerung, ließen aber den Tierbestand unberührt. So hatte die geringere Anzahl der Menschen wieder über lange Zeit genügend Nahrungsmittel und es kam zu einem neuerlichen Bevölkerungswachstum.[41]
In der Folge stellen sich einige weitere Fragen, die es dazu ebenfalls zu beantworten gilt. Wie sind die Menschen mit Klimaveränderungen oder nachhaltigen Naturkatastrophen umgegangen? Wie war die Wahrnehmung der Bevölkerung bei Klimaveränderungen, und ab wann gab es Reaktionen auf veränderte Bedingungen? Reichte schon eine räumlich oder zeitlich beschränkte Naturkatastrophe, oder musste eine merkliche Veränderung über Jahre stattfinden, um Reaktionen welcher Art auch immer auszulösen? Bei der Wahrnehmung der klimatischen Gegebenheiten stellt sich die Frage, wie die Menschen mit langanhaltenden Schlechtwetterperioden, Dürre oder Hitze umgegangen sind. Wurden diese Erscheinungen als „gottgegeben“ hingenommen, oder wurden in klimatisch guten Jahren Vorkehrungen getroffen? Welche Entscheidungen wurden getroffen, um aus der Krise zu kommen, und welche Risiken gab es dabei zu beachten? Hierzu sollen alle drei von Knoll genannten Aspekte beleuchtet werden: Der materielle, der kulturell-intellektuelle und der politische Aspekt. Gab es Preissenkungen bei Lebensmitteln in wetterbedingten Gunstjahren, und wurden dadurch Löhne angehoben? Oder verschlimmerten klimatisch bedingt schlechte Jahre durch hohe Preise und niedrigere Löhne die Lebenserhaltung?
Neben der monetären Seite und der menschlichen Wahrnehmung sind auch politische Handlungen in schlechten klimatischen Perioden ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, ob die Bevölkerung genügend Nahrung hat und ob sich Menschen trotz des Mangels für eine Heirat und Kinder entscheiden. Wann und inwieweit hat die Politik sich in Auswirkungen von Klimaveränderungen eingebracht und Hilfe geleistet? War es überhaupt möglich zu helfen, und wenn ja, war es von der jeweiligen Regierung gewollt, der Bevölkerung gegen Hungersnöte und die daraus resultierenden Folgen zu helfen?
Die Bevölkerungsentwicklung einer Region ist für die wirtschaftliche und politische Situation von tragender Rolle. Die Anzahl der Einwohner bestimmt nicht nur Angebot und Nachfrage der Güter einer Region. Die Nutzung von Grund und Boden muss der Anzahl der Personen auf einem Hof und in weiterer Folge der Einwohnerzahl in der Region angepasst sein. Die Menge an Arbeitskräften, die nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Gewerbe- und Handelsbetrieben tätig sein können, ist eine wichtige Größe in der Wirtschaft.
Nicht zuletzt bestimmt die Einwohnerzahl auch die soziale Verteilung der Ressourcen, den Verbrauch von Rohstoffen und die Anhäufung von Abfällen. Somit steht die Demographie in enger Verbindung mit den wirtschaftlichen und politischen Organisationen eines Landes.[42]
Erzwungene Migration aufgrund von klimatischen Veränderungen und der daraus folgenden Nahrungsmittelknappheit hat daneben auch erhebliche negative Auswirkungen auf die globale Gesundheit der Menschen.[43]
Haas argumentierte, dass Klimamodelle, die beispielsweise eine verstärkte Migration als Folge eines Anstiegs des Meeresspiegels oder langanhaltender Dürren annehmen, nicht nachvollziehbar seien. Menschen würden eine große Widerstandsfähigkeit zeigen, wenn es um Knappheit oder Umweltbedrohung gehe. Eine groß angelegte Studie, an der 2010 und 2011 über 350 Forscher teilnahmen, ergab, dass Umweltfaktoren nur einige von vielen Faktoren sind, die Migration beeinflussen und Migration nicht auf eine einzige Form von Veränderung reduziert werden kann.[44]
Nach heutigem Forschungsstand ist die Klimamigration in den meisten Fällen regional. Das bedeutet, dass Menschen innerhalb eines Landes von einer ländlichen Region in eine andere oder vom Land in die Stadt ziehen. Es kommt auch vor, dass nur einzelne Mitglieder einer Familie in die Stadt ziehen, um ein zusätzliches Einkommen lukrieren zu können. Diese Migration kann auch nur saisonal geschehen. Ob es zu einer Migration kommt oder nicht, hängt davon ab, wie gut die Möglichkeiten sind, sich veränderten Bedingungen anzupassen. Dazu gehören auch sozioökonomische Faktoren die mit Ungleichheit und Armut zusammenhängen.[45]
In Nepal wurden Ärzte zur Wahrnehmung des Klimawandels und der damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung befragt. Entwicklungsländer sind stärker von Klimaveränderungen betroffen als Industrieländer, und Nepal gilt als eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Die Befragten stimmten zwar zu, dass es zu einer Klimaveränderung kommt, führten aber als Ursache für Krankheiten die Luftverschmutzung an.[46] Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen Krankheiten nicht notwendigerweise auf die Witterung und das Klima zurückführen, sondern andere Faktoren dafür verantwortlich machen.
Vor etwa fünfzig Jahren wurde begonnen, den Begriff Klimageschichte zu verwenden. Dabei wird untersucht, wie sich veränderte Witterungsbedingungen und Klimabedingungen auf die Kultur und Wirtschaft auswirkten. Bevor Messreihen angelegt werden konnten, nutzten Naturwissenschaftler für die Rekonstruktion der Makrogeschichte des Klimas, der Paläoklimatologie einerseits diverse Proxy-Daten wie Baumringe, Pollen in Torfmooren und Muschelwachstum, andererseits Eisbohrkerne, Ablagerungen in Tropfsteinhöhlen und Sedimente aus Meeren und Flüssen. Die Mikrogeschichte des Klimas besteht vorwiegend aus Berichten der Bevölkerung über die Witterung einzelner Landstriche. Solche Berichte lassen sich in die Makrogeschichte integrieren.[47] Für die Beantwortung der Forschungsfrage wird hier vor allem auf diese Berichte eingegangen, da sie die Wahrnehmung der Bevölkerung bezüglich des Wetters widerspiegeln und vermutlich in engerer Verbindung mit dem Verhalten stehen.
Wie weitreichend die Folgen einer Klimaveränderung für eine Bevölkerung sind, hängt im hohen Maße von deren Vulnerabilität ab. Damit sind Faktoren gemeint, die der Bevölkerung ermöglichen, sich auf Gefahren vorzubereiten oder sich an Veränderungen anzupassen. Eine erhöhte Vulnerabilität ergibt sich bei großer Abhängigkeit von landwirtschaftlicher Produktion, während eine Dienstleistungsgesellschaft nicht im selben Ausmaß von den Witterungsbedingungen abhängig ist.[48]
Im Bezirk Kitzbühel wechselte im Untersuchungszeitraum ein Teil der agrarischen Gesellschaft mit dem Aufkommen des Tourismus im späten 19. Jahrhundert in eine Dienstleistungsgesellschaft. Erst durch die Kenntnis, wie die klimatischen Verhältnisse von der Gesellschaft wahrgenommen wurden und welche Reaktionen es darauf gab, ist es möglich, soziokulturelle Auswirkungen von Klimaveränderungen präziser zu erfassen.[49]
Die Herausforderungen bei einer solchen Untersuchung ergeben sich aus dem Umstand, dass es aufgrund der unvollständigen Datenlage nicht möglich ist, das Wetter der einzelnen Jahre lückenlos darzustellen. Wert gelegt wurde dabei in erster Linie darauf, wie Menschen die Witterung der jeweiligen Jahre empfunden haben. Tatsächliche Niederschlags- oder Temperaturwerte konnten aufgrund der geographischen Lage von Kitzbühel und der Entfernung von den damaligen Messstationen nur als Richtwerte übernommen werden. Es kann allerdings dabei durchaus angenommen werden, dass eine niedrige Jahresdurchschnittstemperatur, die in Innsbruck gemessen wurde, auch für Kitzbühel ein eher kühles Jahr bedeutet hat.
Weiters war es aufgrund lückenhafter Kirchenbücher und der nicht nachvollziehbaren Zu- und Abwanderung nicht möglich, den genauen Stand der Bevölkerung zu ermitteln. Die Ausnahme stellen die Jahre dar, in denen Volkszählungen durchgeführt wurden. Daher kann der Erwartung auf Vollständigkeit und Lückenlosigkeit für diese Arbeit nicht zur Gänze Genüge getan werden. Trotz dieser Tatsache können aber Trends und markante Auswirkungen sichtbar gemacht werden.
2.2 Untersuchungsregion

Abbildung 1: Karte Kitzbühel/Land Tirol[50]
Die Region, die in diese Arbeit untersucht wird, ist der heutige politische Bezirk Kitzbühel, der das Stadt- und Landgericht Kitzbühel mit den Gemeinden Aurach bei Kitzbühel, Fieberbrunn, Going am Wilden Kaiser, Hochfilzen, Jochberg, Kirchdorf in Tirol, Kitzbühel Stadt, Kössen, Oberndorf, Reith bei Kitzbühel, St. Jakob in Haus, St. Johann in Tirol, St. Ulrich am Pillersee, Schwendt und Waidring sowie das damalige Pfleggericht Itter, das 1816 nach Tirol kam und das gleich dem Gerichtsbezirk Hopfgarten die Gemeinden Hopfgarten im Brixental, Brixen im Thale, Itter, Kirchberg in Tirol und Westendorf umfasste.[51]
Geologisch liegt der Bezirk in der Buntsandsteinzone, im Norden von der Kalkalpenzone und im Süden von der Grauwackenzone begrenzt. Die Grenzen sind allerdings von Moränen- und Hangschuttmaterial verwischt. Südlich dieser Trennungslinie liegen die Schieferalpen, deren Grasberge bis in die Gipfelregionen landwirtschaftlich, vorwiegend als Weideflächen, genutzt werden. In den Niederungen sind die Beckenlagen sehr gut für Dauergrünland geeignet, die lockeren und durchlässigen Böden auf Terrassenschottern eignen sich hingegen besonders gut für die Egartwirtschaft. Zwischen Großache und Reither Ache waren Sümpfe angesiedelt und der Boden konnte in diesen Gebieten nur teilweise genutzt werden.[52]
Sieht man sich die Verteilung bei den Getreideanbauflächen an, fällt auf, dass im Bezirk Kitzbühel, im Gegensatz zu den anderen Bezirken Nordtirols, eine große Menge Weizen angebaut wurde. Weizen war neben dem Roggen die Hauptgetreideart dieser Region. Gerste hingegen, die im Oberland und mittleren Inntal eine große Rolle spielte, wurde kaum angebaut.[53]
Eine kurze Vorstellung der einzelnen Gemeinden im Bezirk Kitzbühel soll grob die wirtschaftlichen Verhältnisse und deren Veränderung über den Zeitraum von 1700 bis 1914 sowie die Bevölkerungsentwicklung laut den modernen Volkszählungen ab 1869, darstellen. Die Volkszählungen vor 1869 können aufgrund hoher Ungenauigkeiten und sich immer wieder verändernder Regionen nicht einbezogen werden. Die Reihung der Gemeinden wurde alphabethisch vorgenommen.
2.2.1 Aurach

Grafik 1: Bevölkerungsstand in Aurach
Daten: Statistik Austria[54]
Aurach liegt einige Kilometer südlich von Kitzbühel in Richtung Pass Thurn. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Aurach noch zum „Jochberger Viertel“ gezählt, wurde aber bei der Familienzählung 1762 als selbständiges Dorf erwähnt. 1833 bekam Aurach das Statut einer selbständigen Gemeinde. Neben der dominierenden Landwirtschaft spielte der Bergbau in dieser Gemeinde eine große Rolle. 1751 wurde der Abbau von Kupfererz auf der Wildalm bis zur Kelchalm erneut aufgenommen, der 1874/75 seinen Höhepunkt erreichte und noch bis 1909 fortgeführt wurde. Aurach bekam keine Anbindung zur Bahnlinie, und auch der Tourismus war in Aurach im Untersuchungszeitraum nicht ansässig.[55]
In Aurach gab es ab 1869 eine starke Abwanderung. Zwar stiegen die Bevölkerungszahlen ab 1890 wieder, doch würde man von der natürlichen Bevölkerungsentwicklung ausgehen, wäre die Einwohnerzahl um ein Vielfaches höher gelegen. Diese Abwanderung steht auch in Zusammenhang mit einem Wandel der Berufsstruktur. Aufgrund der Nähe zu Kitzbühel bestand dort für Dienstboten und weichende Kinder von Bauern die Möglichkeit einer alternativen Erwerbstätigkeit. Eine weitere Erklärung ist der Wegzug der Knappen mit ihren Familien mit Ende des Bergbaus am Gebra.
2.2.2 Brixen im Thale

Grafik 2: Bevölkerungsstand in Brixen
Daten: Statistik Austria[56]
Brixen im Thale liegt im Zentrum des Brixentales mit den Nachbargemeinden Kirchberg im Osten und Westendorf im Westen. Der vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Ort hatte einige Gewerbebetriebe, die sich der Grundversorgung der Bevölkerung und der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten widmeten. Die Mittelschicht bildeten die Vollbauern, doch mit Abnahme der Subsistenzwirtschaft und Zunahme des Handels verloren immer mehr Beschäftigte in der Landwirtschaft ihre Arbeit. 1812 war ein Drittel der Bevölkerung besitzlose Taglöhner. Mit der Eisenbahnanbindung 1875 begann der Tourismus, wobei bis zum Ersten Weltkrieg bereits 226 Nächtigungen verzeichnet werden konnte.[57]
In Brixen waren die Ergebnisse der Volkzählungen von 1869 bis 1910 mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung nahezu ident, das heißt die Nettomigration war unerheblich. Vermutlich gab es nur einzelne, eventuell heiratsbedingte Zu- und Abwanderungen. Der Ort verzeichnet ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum, das sich ab 1900, vor allem aufgrund des Rückgangs der Sterblichkeit bei noch verhältnismäßig hohen Geburtenzahlen, noch verstärkte.
2.2.3 Fieberbrunn

Grafik 3: Bevölkerungsstand in Fieberbrunn
Daten: Statistik Austria[58]
Fieberbrunn ist eine Gemeinde südlich der Kitzbüheler Alpen im Pillerseetal und grenzt an die Gemeinde Aurach. In Fieberbrunn spielte neben der Landwirtschaft wie in der Nachbargemeinde Aurach der Bergbau eine sehr große Rolle. Am Gebra wurde bis 1908 Eisenerz abgebaut, das in Fieberbrunn zu „Pillerseestahl“ verarbeitet wurde. Mit dem Bergbau siedelten sich vermehrt Handwerks- und Gewerbebetriebe in dieser Gemeinde an. Agrarisch betrachtet betrieb man in Fieberbrunn die Egartwirtschaft mit dem Anbau von Getreide, wie Weizen, Roggen, Gerste und Hafer und eine vermehrte Viehwirtschaft. Aufgrund des Eisenbahnbaus hielt der Tourismus ab 1875 Einzug in Fieberbrunn.[59]
In der Gemeinde Fieberbrunn kam es bis 1880 zu einem Bevölkerungswachstum. Ab diesem Zeitpunkt stagnierte die Bevölkerungszahl und begann erst wieder zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu wachsen. In Anbetracht der natürlichen Bevölkerungsentwicklung dieser Zeit hätte die Einwohnerzahl sehr viel höher sein müssen. Es muss daher in dieser Zeit eine beträchtliche Abwanderung gegeben haben. Eine Erklärung liegt in der Abwanderung von Bergknappen, nach der Schließung des Bergbaus am Gebra.
2.2.4 Going am Wilden Kaiser

Grafik 4: Bevölkerungsstand in Going
Daten: Statistik Austria[60]
Going am Wilden Kaiser westlich von St. Johann zwischen Sölllandl und Leukental war im 18. und 19. Jahrhundert landwirtschaftlich geprägt. Bis 1773 war der Bergbau am Rehrobichl ein wesentlicher Wirtschaftszweig des Ortes.[61] Der Anschluss ans Eisenbahnnetz blieb Going aufgrund der Streckenführung der Bahn verwehrt. Auch die Marchstrasse, die einzige Verbindung von Ost nach West war im Winter aufgrund ihres steilen Anstiegs oft unpassierbar. Neben bäuerlichen Gewerben stachen die Gewerbe der Schuhmacher und Kleidermacher, die in Going vermehrt angesiedelt waren, heraus. Tourismus spielte in Going im Untersuchungszeitraum keine Rolle, da aufgrund der verkehrstechnisch schlechten Lage keine Gäste nach Going kamen.[62]
In Going gab es im gesamten Zeitraum der modernen Volkszählung einen immer stärker werdenden Rückgang der Bevölkerung. In der letzten Dekade von 1900 bis 1910 waren es dann schon fast fünfzehn Prozent. Anzunehmen ist hier eine Landflucht aufgrund eines Mangels an Arbeitsplätzen.
2.2.5 Hochfilzen

Grafik 5: Bevölkerungsstand in Hochfilzen
Daten: Statistik Austria[63]
Hochfilzen gehört zu den Pillerseegemeinden und liegt an der Grenze zu Salzburg. Neben der Landwirtschaft, wo vor allem unergiebiger Ackerbau und Flachsanbau betrieben wurde, gab es einige wenige Gewerbebetriebe. Güter des täglichen Lebens wurden vorwiegend selbst erzeugt und in geringem Umfang bei Hausierhändlern zugekauft. Hochfilzen lag abseits der Hauptverkehrsrouten zwischen Tirol und Salzburg, und bis 1870 gab es nur einen schmalen Gemeindeweg durch den Ort. Mit dem Anschluss an die Giselabahn 1875 gab es eine tiefgreifende infrastrukturelle Änderung. Die kaiserliche Armee errichtete von 1878 bis 1908 einen Artillerie-Schießplatz Hochfilzen, der Tourismus konnte sich aber noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Hochfilzen nicht durchsetzen.[64]
In Hochfilzen gab es über den Zeitraum von 1869 bis 1900 kaum Bevölkerungswachstum, erst im Zeitraum von 1900 bis 1910 kann eine Zuwanderung verzeichnet werden, die immerhin über sechzehn Prozent betrug. Der Grund dafür lässt sich nicht exakt nachvollziehen, da es im Ort weder Gewerbe noch Tourismus gab.
2.2.6 Hopfgarten im Brixental

Grafik 6: Bevölkerungsstand in Hopfgarten
Daten: Statistik Austria[65]
Hopfgarten im Brixental liegt im vorderen Brixental und grenzt im Norden an Itter und im Osten an Westendorf. Hopfgarten war seit dem Mittelalter Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum im Brixental. Da Hopfgarten das Marktrecht besaß, wurde an jedem Montag ein Wochenmarkt abgehalten. Die Landwirtschaft und speziell die Almwirtschaft hatte in Hopfgarten große Bedeutung, da das Umland über große Almgebiete verfügte. Im Tal gab es die Egartwirtschaft als bevorzugte Ackernutzung, wo vor allem Getreide und Kartoffeln für den Eigenbedarf und als Futtermittel, aber auch Flachs und Hanf angebaut wurde. In Hörbrunn, einem Weiler von Hopfgarten, wurde 1797 eine Glashütte errichtet. Erzeugt wurden vor allem Trinkgläser, aber auch Lampenzylinder und Galanteriewaren. Der Verkauf dieser Produkte erstreckte sich bis nach Ungarn und Italien. Doch mit dem Bau der Eisenbahn gingen Absatzmärkte für die Glaswaren verloren. Man konnte preislich mit der Konkurrenz im In- und Ausland nicht mehr mithalten, und die Glashütte musste 1880 geschlossen werden. Mit der Bahn kamen aber nicht nur billigere Güter, sondern auch die ersten Gäste nach Hopfgarten. Damit erfuhr der Ort in anderer Weise einen wirtschaftlichen Aufschwung.[66]
Kam es zu zwischen 1869 und 1900 noch zu einem geringen Bevölkerungsrückgang im Vergleich mit der natürlichen Bevölkerungsbewegung, so gab es ab 1900 einen regen Zuzug in die Gemeinde, was wohl mit dem Tourismus und den damit vorhandenen Arbeitsplätzen zusammenhing.
2.2.7 Itter

Grafik 7: Bevölkerungsstand in Itter
Daten: Statistik Austria[67]
Itter liegt auf einem Hochplateau zwischen Brixental und Mühltal. Im Süden grenzt diese Gemeinde an Hopfgarten und im Westen an Wörgl. Die Bevölkerung von Itter war vorwiegend bäuerlich, daneben gab es einige wenige Kleingewerbebetriebe. Da es keine Bahnanbindung gab, blieb auch der Tourismus in dieser Gemeinde aus.[68]
Zwar gab es in Itter aufgrund des natürlichen Bevölkerungswachstums von 1869 bis 1880 eine Bevölkerungszunahme, in der Zeit von 1880 bis 1910 hatte die Bevölkerung in Itter aber eine massive Abnahme der Bevölkerung zu verzeichnen. Der Grund darin bestand wahrscheinlich darin, dass es in Itter weder eine Bahnanbindung noch Tourismus in dieser Zeit gab und nur wenige Menschen in diesem Ort Arbeit fanden.
2.2.8 Jochberg

Grafik 8: Bevölkerungsstand in Jochberg
Daten: Statistik Austria[69]
Jochberg liegt südlich von Aurach an der Passstraße zum Pass Thurn und grenzt an Salzburg. Neben der Landwirtschaft spielte der Bergbau in Jochberg eine große Rolle, es wurde bis 1903 Kupfererz abgebaut. Der vorhandene Stollen war einer der am längsten genutzten Stollen im Bezirk. In der Landwirtschaft dominierte die Milch- und Viehwirtschaft, was zu einer gesteigerten Schmalz- und Käseproduktion führte. Aufgrund der Nähe zu Kitzbühel erwanderten die ersten Touristen mit Schneeschuh-Ski das winterliche Jochberg um 1900.[70]
Mit Rückgang und späterer Aufgabe des Bergbaus erfolgte in Jochberg ein Bevölkerungsrückgang.
2.2.9 Kirchberg in Tirol

Grafik 9: Bevölkerungsstand in Kirchberg
Daten: Statistik Austria[71]
Kirchberg in Tirol befindet sich zwischen Spertental und Brixental, im Osten an die Stadt Kitzbühel und im Westen an Brixen im Thale grenzend. Auch hier fand man Landwirtschaft in Form von Egartenwirtschaft und Viehwirtschaft sowie Bergbau am Jufen und der Brunnalpe, wo Kupfer- und Silberbergbau bis zum Ende des 18. Jahrhunderts betrieben wurde. Zwei Versuche, später den Bergbau wiederzubeleben, schlugen fehl. Schon ab der Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts kamen Erholungsuchende nach Kirchberg. 1906 gab es in Kirchberg die ersten offiziell markierten Abfahrten für Skifahrer, damit gehörte Kirchberg neben Kitzbühel zu den ersten Wintersportorten. Gewerbe und Handel waren auch schon im 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kirchberg angesiedelt und nahmen mit dem aufstrebenden Tourismus stark zu. Hervorzuheben wäre, dass 1889 eine erste Bankfiliale der Raiffeisenbank in Kirchberg eröffnet wurde.[72]
Die Bevölkerung stagnierte in Kirchberg zuerst, wuchs aber dann im Vergleich zum natürlichen Bevölkerungswachstum im Zeitraum von 1900 bis 1910 um mehr als elf Prozent an. Dies war wahrscheinlich vor allem der guten Infrastruktur und den damit verbundenen Arbeitsplätzen in Kirchberg geschuldet.
2.2.10 Kirchdorf in Tirol

Grafik 10: Bevölkerungsstand in Kirchdorf
Daten: Statistik Austria[73]
Kirchdorf in Tirol liegt im Leukental nördlich von St. Johann in Tirol und südlich von
Schwendt, im Osten befindet sich Waidring und im Westen Kufstein.[74] Die Gemeinde war agrarisch geprägt, doch gab es bis 1813 eine von Anton Fugger erbaute Kupfer- und Silberschmelze, in der das Erz vom Bergwerksrevier Rerobichl verarbeitet wurde[75]. Aufgrund der Lage, es führten Straßen nach Kössen und nach Salzburg vorbei, gab es im 18. Jahrhundert mehrere Beherbergungsbetriebe und Pferdewechselstationen. Zaghaft nahm Ende des 19. Jahrhunderts auch der Tourismus in Kirchdorf seine Anfänge.[76]
Im Vergleich zum natürlichen Bevölkerungswachstum nahm die Anzahl der Seelen bis 1900 etwas ab, stieg aber dann von 1900 bis 1910 geringfügig über das natürliche Wachstum hinaus an.
2.2.11 Die Stadt Kitzbühel

Grafik 11: Bevölkerungsstand in Kitzbühel
Daten: Statistik Austria[77]
Die Stadt Kitzbühel befindet sich mitten in den Kitzbüheler Alpen mit den Nachbargemeinden Kirchberg in Tirol im Westen, Fieberbrunn im Osten, Aurach im Süden und Reith und St. Johann im Norden.[78] Die Stadt Kitzbühel liegt auf einen Hügel, zwischen der Großache und dem Gänsbach, der aus Moränen- und Schottermaterial besteht. Damit war die Ansiedlung vor Hochwasser und Angreifern geschützt.[79]
Im 18. Jahrhundert und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Kitzbühel eine Vielfalt an produzierenden Gewerben mit wenigen Angestellten. Mit dem Beginn des Tourismus, der in Kitzbühel schon in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einsetzte, und der Eisenbahnanbindung 1875 kam es zu einem großen Umbruch in der Gesellschaft. Aus der landwirtschaftlich geprägten Stadt wurde nach einigen Jahren der Krise mit Ende des 19. Jahrhunderts eine vom Tourismus geprägte Stadt.[80]

Abbildung 2 Kitzbühel Stadt im Kataster von 1855[81]
Die Abbildung 2 zeigt Kitzbühel etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Stadtbild entsprach in etwa der Barockzeit. Rund um den Kirchhügel und den Stadtkern, der durch steile Böschungen gestützt wird, sind die bescheidenen Wohn- und Gewerbebauten angelegt.[82]
Neben der Landwirtschaft gab es in Kitzbühel bis zum Ende des 18. Jahrhunderts regen Bergbau. 1772 wurde der Rerobichl, das bedeutendste Abbaugebiet, geschlossen. Das kleinere Bergwerk Sinnwell wurde 1871 eingestellt, und das Abbaugebiet Schattberg blieb bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter in Betrieb.[83] Durch diesen Bergsegen, viele Privilegien der bayrischen und österreichischen Landesfürsten sowie den regen Handelsverkehr kam die Stadt zu einem bedeutenden Wohlstand.[84]
Die Stadt Kitzbühel verzeichnete einen kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs, der über das natürliche Bevölkerungswachstum hinaus ging. Speziell von 1900 bis 1910 zogen die Menschen in die Stadt, wahrscheinlich um Arbeit zu finden.
2.2.12 Kössen

Grafik 12: Bevölkerungsstand in Kössen
Daten: Statistik Austria[85]
Kössen liegt südlich von Kirchdorf und grenzt an Bayern. Im 18. Jahrhundert gab es in Kössen eine Schmelzhütte, in der das Kupfererz vom Rerobichl verarbeitet wurde. 1818 wurde diese Schmelzhütte aufgrund der Auflassung des Bergwerkes in ein Hammerwerk umgewandelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand man in Kössen Kohlevorkommen, und ein Kohlebergbau wurde ins Leben gerufen. Zwar wurde Kössen nicht an das Bahnnetz angeschlossen, der Ort war jedoch aufgrund der geographischen Lage als Grenzgemeinde für den Durchzugsverkehr bedeutend. In der Landwirtschaft wurde teilweise Gras- und Ackerwirtschaft betrieben, daneben gab es bereits um 1800 eine größere Anzahl an Handwerks- und Gewerbebetrieben. Wie in den meisten Orten des Bezirks hielt auch der Tourismus im ausgehenden 19. Jahrhundert in Kössen Einzug. Vor allem Alpinistinnen und Alpinisten wurden auf den Ort aufmerksam, der als guter Ausgangspunkt für diverse Bergtouren gesehen wurde.[86]
Von 1880 bis 1900 hatte Kössen einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Ab 1900 wuchs die Bevölkerung zwar an, bewegte sich aber um den Wert der natürlichen Bevölkerungsbewegung. Der errechnete Zuzug ergibt sich aller Wahrscheinlichkeit nach aufgrund von Heiratsbewegungen.
2.2.13 Oberndorf in Tirol

Grafik 13: Bevölkerungsstand in Oberndorf
Daten: Statistik Austria[87]
Oberndorf in Tirol liegt zwischen Kitzbühel und St. Johann und grenzt im Westen an Going. Oberndorf hatte im 18. Jahrhundert neben der Landwirtschaft als Erwerbsquelle den Bergbau am Rerobichl. Nach dessen Schließung 1772 war der Ort ausschließlich bäuerlich geprägt, daran änderte auch die Bahnanbindung nichts. So verzeichnete der Ort um 1900 nur ein eingetragenes Gewerbe, dabei handelte es sich um eine Sensenfabrik (siehe Abbildung 4). Bemerkenswert ist die verhältnismäßig große Anzahl an Arbeitskräften. Der Tourismus spielte in diesem Ort bis 1914 keine Rolle.[88]
Zu Beginn der Volkszählungen sank die Anzahl der Bevölkerung in Oberndorf beträchtlich, war aber dann 1910 innerhalb des Wertes des natürlichen Bevölkerungswachstums angesiedelt.

Abbildung 3: Sensenfabrik des Simon Zimmermann[89]
Die Abbildung 3 zeigt die Sensenfabrik in Oberndorf um 1900 mit ihren Mitarbeitern. In der Mitte des Bildes sieht man Simon Zimmermann mit seiner Gattin.
2.2.14 Reith bei Kitzbühel

Grafik 14: Bevölkerungsstand in Reith
Daten: Statistik Austria[90]
Reith bei Kitzbühel liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Kitzbühel am Übergang vom Leukental ins Brixental. Es ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Gemeinde mit Vieh- und Ackerwirtschaft und einigen Handwerksbetrieben.[91]
In Reith gab es durch die gesamte Zeit der Volkszählungen einen hohen Geburtenüberschuss. Deshalb kam es nicht nur zu einem Bevölkerungswachstum, sondern auch zu Abwanderungen. Die Nähe zu Kitzbühel und die damit verbundene Möglichkeit, dort Arbeit zu finden, war sicher ein Grund für die damals gängige Landflucht. Daneben war in Reith bis 1910 kein Tourismus bekannt.
2.2.15 St. Jakob in Haus

Grafik 15: Bevölkerungsstand in St. Jakob
Daten: Statistik Austria[92]
St. Jakob in Haus liegt zwischen St. Ulrich am Pillersee, Hochfilzen und Fieberbrunn. Der kleine Ort lebte von der Viehwirtschaft und dem Ackerbau. Neben Hafer, Gerste, Roggen und Weizen wurde ab 1800 auch die Kartoffel angebaut. Aus dem angebauten Flachs wurde Garn für die Herstellung von Textilien gewonnen.[93]
In dieser kleinen Gemeinde war das natürliche Bevölkerungswachstum nahezu ident mit den Zahlen der Volkszählung. Das Wachstum der Bevölkerung ab 1890 war dem Geburtenüberschuss in dieser Zeit geschuldet, der im gesamten Bezirk Kitzbühel zu verzeichnen war.
2.2.16 St. Johann in Tirol

Grafik 16: Bevölkerungsstand in St. Johann
Daten: Statistik Austria[94]
St. Johann in Tirol liegt im Zentrum des Leukentales zwischen Kirchdorf und Oberndorf und war aufgrund seiner geographischen Lage bereits seit dem Mittelalter ein Wirtschaftszentrum. Im Bereich der Landwirtschaft dominierte die Egartwirtschaft. Es wurden wie in den Nachbargemeinden Gerste, Hafer, Roggen und Weizen angebaut. Aufgrund seiner verkehrstechnisch günstigen Lage war St. Johann schon vor dem Einsetzen des Tourismus ein beliebter Zwischenstopp von Naturwissenschaftlern, Schriftstellern, Alpinisten und höheren Beamten. Mit der Eisenbahn 1875 kamen nach St. Johann vermehrt auch Sommerfrischler, für die 1877 eine Badeanlage erbaut wurde.[95]
In St. Johann kam es im gesamten Zeitraum der Volkszählungen von 1869 bis 1910 zu einem Bevölkerungswachstum außerhalb des natürlichen Wachstums, das um etwa zehn Prozent lag. Der Grund dafür lag wahrscheinlich in der Möglichkeit, in St. Johann Arbeit zu finden, und in der guten Infrastruktur.
2.2.17 St. Ulrich am Pillersee

Grafik 17: Bevölkerungsstand in St. Ulrich
Daten: Statistik Austria[96]
St. Ulrich am Pillersee liegt zwischen St. Jakob in Haus und Waidring im Pillerseetal. Durch seine abgeschiedene Lage war es ausschließlich landwirtschaftlich geprägt, und es herrschte die auch sonst übliche Subsistenzwirtschaft vor. Hausierer brachten gelegentlich Güter des täglichen Gebrauchs, die nicht selbst erzeugt werden konnten, in den Ort. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielt auch hier der Tourismus Einzug, und es entstanden Beherbergungsbetriebe.[97]
St. Ulrich hatte wie die anderen kleinen Gemeinden mit einer Bevölkerungsabwanderung zu kämpfen, die allerdings gegen 1910 schwächer wurde. Eine ausgeprägt positive Geburtenbilanz ließ die Bevölkerung in dieser Zeit dann doch anwachsen. Die in der Volkszählung angegebene Bevölkerungsanzahl lag aber weit unter dem natürlichen Bevölkerungswachstum. Somit kann man auch in dieser Gemeinde von einer starken Abwanderung sprechen.
2.2.18 Schwendt

Grafik 18: Bevölkerungsstand in Schwendt
Daten: Statistik Austria[98]
Schwendt liegt im Kaiserwinkl zwischen Kirchdorf und Kössen und war aufgrund seiner abgeschiedenen Lage ausschließlich agrarisch geprägt.[99]
In Schwendt gab es in der Zeit von 1869 bis 1910 eine hohe Abwanderung. In diesem kleinen Ort gab es weder Gewerbe noch Tourismus und somit keine Arbeitsplätze außerhalb der landwirtschaftlichen Betriebe.
2.2.19 Waidring

Grafik 19: Bevölkerungsstand in Waidring
Daten: Statistik Austria[100]
Waidring liegt im Strubtal am Dreiländereck Tirol–Bayern–Salzburg. Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde wies eine höhere Anzahl von Beherbergungsbetrieben und Gaststätten auf, da es aufgrund der geographischen Lage vermehrt Durchreisende gab.[101] Waidring war eine der wenigen Gemeinden im Bezirk, die bei dem Truppendurchzug 1809 verwüstet und ausgeplündert wurde.[102]
Das Bevölkerungswachstum bewegte sich im Rahmen des natürlichen Bevölkerungswachstums. Allerdings kam es von 1869 bis 1880 zu einem wenn auch geringen Bevölkerungsrückgang. Dieser wurde aber in den folgenden Perioden wieder kompensiert. Von 1900 bis 1910 gab es einen außerordentlich hohen Geburtenüberschuss, der die Bevölkerung wachsen ließ.
2.2.20 Westendorf

Grafik 20: Bevölkerungsstand in Westendorf
Daten: Statistik Austria[103]
Westendorf liegt im Brixental am Fuße der Choralpe zwischen Hopfgarten und Brixen im Thale. Westendorf war landwirtschaftlich geprägt, dazu kam der Abbau von Braunkohle und Torf, der bis ins 20. Jahrhundert stattfand. Schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts war Westendorf als Heilbad bekannt und daher gut besucht. Mit dem Anschluss an die Giselabahn bekam Westendorf einen weiteren Aufschwung im Tourismus.[104]
In Westendorf kam es nur zwischen 1880 bis 1890 zu einem Bevölkerungsrückgang, der außerhalb des natürlichen Bevölkerungswachstums lag. In den darauffolgenden Jahren stieg die Bevölkerung aufgrund des Geburtenüberschusses an. Aufgrund der Arbeitsplätze, die in Westendorf zu finden waren, konnten die Menschen im Ort bleiben.
Zusammengefasst gilt für alle Gemeinden im Bezirk Kitzbühel im 18. Jahrhundert, dass der größte Anteil im Bereich der Wirtschaftsleistung auf die landwirtschaftliche Produktion und die damit verbundene Subsistenzwirtschaft entfiel. Kleine Handwerks- und Gewerbebetriebe befanden sich in jeder Gemeinde, wie auch der Bergbau für den ganzen Bezirk einen wichtigen Betriebszweig darstellte. Durch den Bergbau erlangte die gesamte Region einen relativen Wohlstand. Nach Krisenzeiten vom Ende des 18. Jahrhunderts bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Eisenbahn wieder einen Aufschwung in die Region. Dieser Aufschwung schlug sich vor allem im Bereich des aufstrebenden Tourismus nieder, der in fast allen Gemeinden Einzug hielt.
Schon seit dem 13. Jahrhundert war die Stadt Kitzbühel Handels- und Gewerbemittelpunkt im Leukental. Der Wochenmarkt, der aus Rücksicht auf die Knappen zweimal wöchentlich, nämlich jeden Dienstag und Samstag abgehalten wurde, sollte ab dem 17. Jahrhundert noch um zwei freie offene Märkte und ab 1793 um einen Weinmarkt ergänzt werden. Hervorzuheben ist auch die schon im 18. Jahrhundert große Zahl an Gastbetrieben. So befanden sich 1792 im Landgericht Kitzbühel (ohne das Landgericht Itter) 137 Gast- und Schank- und 461 Beherbergungsbetriebe.[105]
Der Bezirk Kitzbühel zeichnet sich für die in dieser Arbeit durchgeführte Untersuchung durch seine Lage aus. Denn Kitzbühel liegt in den Alpen an der Strecke zwischen Pass-Thurn und dem Inntal, war deshalb ein wichtiger Handelsplatz und hatte das Glück, seit Jahrhunderten in keinen Krieg verwickelt worden zu sein. Somit konnte ein Faktor, der wesentlichen Einfluss auf die Demographie hatte, zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber doch vernachlässigt werden. Kitzbüheler beteiligten sich zwar an den Befreiungskämpfen 1703 gegen den bayrischen Kurfürst Max Emanuel ebenso wie 1742 im österreichischen Erbfolgekrieg gegen Bayern, doch Kitzbühel selbst und die Gemeinden im Bezirk wurden bis auf einige wenige Ausnahmen aufgrund ihrer Lage im 18. und 19. Jahrhundert von kriegerischen Verwicklungen verschont. Nur 1809 rückte General Lefebvre über Waidring nach St. Johann vor und zog dann nach Wörgl weiter. Plünderungen und Verwüstungen in den Durchzugsgebieten blieben nicht aus, doch der restliche Bezirk Kitzbühel blieb von den Durchzügen verschont.[106]
Mit der Schließung der meisten Bergwerke im Bezirk kam es zu einer Krisensituation, Knappen hatten keine Arbeit mehr, und Schmelzhütten wurden geschlossen oder wie in Kössen in Hammerwerke umgewandelt. Ab 1875 brachte die Eisenbahn billige Gebrauchsgüter in die Region. Da es für viele Gewerbebetriebe und kleine Handwerksbetriebe unmöglich war, zu diesen niedrigen Preisen konkurrenzfähig zu bleiben, wurden sie geschlossen oder mussten sich neu ausrichten. Die landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft ging langsam zurück, Güter des täglichen Gebrauchs wurden mehr und mehr zugekauft.[107]
Die Industrialisierung, wie sie in der Monarchie und auch in Tirol schon existent war, setzte im Raum Kitzbühel sehr spät ein, und der industrielle Sektor war kaum vorhanden. In den kleinstrukturierten Handwerks- und Gewerbebetrieben, wie auch in der Landwirtschaft, gab es nur einen sehr geringen Maschineneinsatz, daher wurden speziell in der Landwirtschaft kaum Arbeitskräfte freigesetzt.[108]
Wie in ganz Tirol hatte auch der Bezirk Kitzbühel mit der Landflucht zu kämpfen, und kleine bäuerliche Betriebe wurden aufgelassen und an größere verkauft.[109] Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg wurde die Region bis auf einige kleine Gemeinden vom aufstrebenden Tourismus belebt, und die alte Agrargesellschaft ging in eine Dienstleistungsgesellschaft über. Durch den Tourismus konnten Dienstboten aus der Landwirtschaft und nicht erbberechtige Bauernkinder Arbeit finden.[110]
3. Wetter, Wetterextreme, Klima
Zunächst die grundlegende Unterscheidung zwischen Wetter, Wetterextremen und Klima: Als Wetter bezeichnet man den augenblicklichen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort, wie Sonnenschein, Niederschlag, Temperatur, Luftdruck, Wind. Diese Phänomene ändern sich kurzfristig, manchmal sogar stündlich. Der Begriff Klima impliziert Aussagen über typische, durchschnittliche meteorologische Verhältnisse von Orten oder Regionen. Aus der Wettervielfalt werden mittels statistischen Berechnungen Kerngrößen ermittelt, beispielsweise durchschnittliche Temperatur- und Niederschlagswerte, Standardabweichungen, Maxima und Minima.[111]
Wetterextremereignisse weichen von meteorologischen Durchschnittsparametern stark ab und sind meist mit dem Durchzug von Tiefdruckgebieten verbunden, die zu starken Niederschlägen und orkanartigen bodennahen Stürmen führen. Doch auch extreme Kälte, Hitze und Trockenperioden zählen zu Wetterextremen. Hauptverantwortlich für Temperaturanomalien sind entweder ein polwärts oder ein äquatorwärts gerichteter Transport von Luftmassen, verbunden mit stationären Hoch- und rasch vorbeiziehenden Tiefdruckgebieten. Direkte Aufheizung oder Abkühlung durch Strahlung kann solche Extreme verstärken oder abschwächen. Ein Beispiel für tiefe Temperaturen und Regen im Sommer, wie es in der kleinen Eiszeit vermutlich oft der Fall war, ist ein Tiefdruckgebiet im baltischen Raum, das zum Transport von kühlen nordatlantischen Luftmassen nach Zentraleuropa führt.[112]
Trocken- und Hitzeperioden entstehen wiederum, wenn ein ausgedehntes stationäres Hochdruckgebiet über Zentraleuropa liegt. Dieses Hoch blockiert Tiefdruckgebiete, die aus westlicher Richtung nach Europa ziehen, und lenkt sie nach Skandinavien oder Südeuropa um. Eine solche Wetterlage führt im Winter zu Trockenheit und im Sommer durch die vermehrte Sonneneinstrahlung zu Hitzewellen und Dürre.[113]
Eine klassische Definition des Klimas lautet: „Unter Klima verstehen wir die Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an irgendeiner Stelle der Erdoberfläche kennzeichnen.“[114]
Vereinfacht kann Klima als das durchschnittliche Wetter definiert werden. Klimaveränderungen können dabei so fein sein, dass sie anhand des täglichen, monatlichen oder jahreszeitlichen Wetters nicht spürbar sind, oder so extrem vorkommen, dass sie über der statistischen Schwankungsbreite liegen. Im Vergleich zur mittelalterlichen Warmzeit gab es in der Kleinen Eiszeit (1560 bis 1850) eine Zunahme von monatlichen oder jahreszeitlichen Kaltanomalien. Andererseits wurden in der Kleinen Eiszeit ebenso außergewöhnlich warme Sommer und Winter festgestellt.[115]
Ein gleichmäßiges Klima stellt sich ein, wenn die Randbedingungen wie Einstrahlungsintensität, die Rückstrahlung von der Erdoberfläche, die Treibhausgaskonzentration und der strahlenwirksame Aerosolgehalt der Atmosphäre über lange Zeiträume konstant bleiben. Obwohl die oben genannten Wetterextreme immer wieder auftreten können, liegen sie meist in der natürlichen Wettervariabilität. Denn erst wenn Änderungen der Randbedingungen so ausgeprägt sind, dass der dreißigjährige Mittelwert von Temperatur und Niederschlägen markant von der Norm abweicht, spricht man von Klimaveränderung. Der wichtigste Parameter des Klimas ist die Konstellation zwischen Erde und Sonne. Sie regelt die Verteilung der Sonnenenergie auf der Erdoberfläche und die Strahlungsaktivität der Sonne. Weitere Faktoren sind die Konzentration der Treibhausgase und Vulkaneruptionen, die die Atmosphäre trüben.[116]
Die Konstellation zwischen Erde und Sonne ist für Eiszeiten und Wärmeperioden verantwortlich. Die Erde umkreist die Sonne auf einer Ellipse und dreht sich dabei um sich selbst, diese Rotationsachse wird als Erdachse bezeichnet und hat einen Neigungswinkel von derzeit 23,5 Grad gegenüber der Bahnebene.[117]
Diese Neigung schwankt zwischen 22 und 25 Grad. Ebenso verändert sich die Ausrichtung der Erdachse zur Sonne. Eiszeiten entstehen, wenn die Erde weit von der Sonne entfernt ist und die Neigung der Erdachse möglichst steil steht, also einen geringen Winkel hat. In dieser Konstellation bekommt die Nordhemisphäre eine minimale Sonneneinstrahlung. Eine maximale Sonneneinstrahlung wird bei Nähe der Sonne und einer Neigung der Erdachse von 25 Grad erreicht. Der Unterschied beträgt um die 20 Prozent, und man spricht hier von Zyklen von um die 100.000 Jahre.[118] Derzeit ist die Abweichung (Exzentrizität der Ellipse) von der Kreisform schwach, daher ist der Winter auf der Nordhalbkugel sonnennäher als der Nordsommer, was sich klimatisch bemerkbar macht.[119]

Abbildung 4: Die Erdachse im Vergleich zur Ekliptik[120]
Die Sonnenaktivität wird durch Sonnenwinde und Sonnenflecken beeinflusst. Die Sonnenstrahlung aus dem Weltall wird durch das Magnetfeld der Erde abgeschirmt. Die Sonnenfleckenhäufigkeit ändert sich in einem gleichbleibenden Rhythmus von elf Jahren, das Erdmagnetfeld im Laufe von Jahrhunderten.[121]
Treibhausgase wie Wasserdampf und in geringen Mengen Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas, um die bekanntesten zu nennen, sind in der Atmosphäre zu finden und haben Einfluss auf die Energiebilanz der Erde. Einfallende Sonnenstrahlen treffen in einer Höhe von etwa hundert Kilometern am Oberrand der Atmosphäre mit 342 Watt pro Quadratmeter auf. Dreißig Prozent dieser Energie wird durch Reflexion wieder ins Weltall emittiert, und ein Teil wird in der Atmosphäre absorbiert. 171 Watt pro Quadratmeter kommen am Erdboden an.[122].
Starke Vulkanausbrüche schleudern eine große Menge an Asche und Schwefeldioxid als wichtigstes Aerosol in die Atmosphäre. In der Stratosphäre, in etwa 15 Kilometern Höhe, bildet sich daraus ein schwefelsäurehaltiger Aerosolschleier, der sich über Monate oder Jahre hält. Feinkörnige Asche kann in acht bis zwölf Kilometern Höhe, das heißt in der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre, über tausende Kilometer transportiert werden. Speziell die Aerosole in der Stratosphäre reflektieren das Sonnenlicht. Dadurch kühlen die Temperaturen auf der Erde ab. Bleiben die Aerosole in der Troposphäre, wie es bei schwächeren Vulkanausbrüchen der Fall ist, werden sie innerhalb von etwa 10 Tagen durch Niederschlag und Ablagerung am Erdboden aus der Atmosphäre entfernt.[123]
Die bisher angenommene These war, dass tropische Vulkanausbrüche größeren Einfluss auf das Klima hätten, da die Aerosole eine längere Lebensdauer in der Stratosphäre haben. Sie müssen erst in mittlere und hohe Breiten wandern, um aus der Atmosphäre entfernt zu werden, anders als Aerosole, die aus Vulkanen in höheren Breitengraden in die Atmosphäre gelangen und schneller ausgeschieden werden würden. Durch den Vergleich von Eiskernanalysen und der Rekonstruktionen von Sommertemperaturen der nördlichen Hemisphäre konnte bewiesen werden, dass Vulkanausbrüche in den nördlichen Breiten eine stärkere Abkühlung auf der jeweiligen Halbkugel mit sich bringen als tropische Vulkanausbrüche der gleichen Intensität. Dabei war die Lebensdauer der Aerosole aus tropischen Vulkanausbrüchen nur geringfügig länger, diese Aerosole verteilten sich aber weltweit. Aerosole aus Vulkanausbrüchen in den mittleren bis in den hohen Breitengraden breiteten sich nur über der jeweiligen Halbkugel aus, was die Klimaauswirkungen in dieser Hemisphäre verstärkte.[124]
Weitere klimarelevante Prozesse sind die Ausdehnung von Gletschern und Meereis, Meeresströmungen, Vegetationsbedeckungen der Kontinente und Bodenfeuchte, um einige wichtige Faktoren zu nennen. Diese klimarelevanten Prozesse stehen interaktiv miteinander in Wechselwirkung.[125]
Um die Ursache für regionale Klimaveränderungen oder Wetterextreme zu finden, müssen weitere Prozesse einbezogen werden. Einige sind global wirksam: Einstrahlungsintensität, Sonnenaktivität, Treibhausgase und starke Vulkanausbrüche stellen die Rahmenbedingungen des Klimasystems dar. Die Albedo, so wird das Maß für das Rückstrahlungsvermögen einer nicht selbst leuchtenden Oberfläche genannt, der Erdoberfläche bestimmt, welcher Teil oder Prozentsatz der ankommenden Strahlung der Sonne absorbiert wird und die Erdoberfläche erwärmt und welcher Teil reflektiert, also in den Weltraum zurückgeschickt wird. Dabei haben Schnee und Wüstenregionen eine hohe Albedo, im Gegensatz zu den Wäldern, deren Albedo im niedrigen Bereich liegt.[126]
Bezüglich der Wärmespeicherkapazität ist auch die Verteilung von Land und Wasser von großer Bedeutung, denn die Wärmespeicherkapazität von Wasser ist größer als jene von Gestein. Besonders erwähnenswert sind hier die ozeanischen Strömungen, wobei der Golfstrom, die Zentralheizung Mitteleuropas, den größten Einfluss auf das Klima in Europa hat. Lokale Luftströme treten aufgrund der Unterschiede der Bodenbeschaffenheit und Vegetation in Zusammenhang mit der Albedo und der Topographie der Erdoberfläche auf. Zusammenfassend sind die Temperaturen von der direkt eingestrahlten Energie und von atmosphärischen und ozeanischen Strömungen abhängig.[127]
Die Länge der global wirksamen Prozesse ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen einigen Stunden und Jahrzehntausenden. Überlagern sich klimatische Schwankungen, kann dies zu Wetter- oder Klimaextremen führen, bei denen das gesamte System eine starke Reaktion zeigt, die dann als Katastrophen bezeichnet werden.[128]
Diese Makrogeschichte des Klimas oder Paläoklimatologie soll die physikalischen Prozesse des Klimasystems beschreiben und erklären, und sie beschreibt das Klimasystem von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. In der Paläoklimaforschung geht es vor allem um längerfristige Klimaveränderungen. Klimatische Verhältnisse in der Vergangenheit sollen anhand von Messungen und Analysen rekonstruiert und klimatische Ereignisse in den historischen Epochen entschlüsselt werden. Die Mikrogeschichte des Klimas, in der es in dieser Arbeit vorwiegend geht, besteht aus Erzählungen von Zeitzeugen über das Wetter und die Witterungsverhältnisse. Diese Erzählungen lassen sich nicht wie Instrumentenmessungen in die Makrogeschichte des Klimas integrieren. Menschen erleben Klimaschwankungen erst aufgrund von zunehmender Häufigkeit extremen Wetterlagen.[129]
In der Abbildung 4a auf der nächsten Seite sieht man eine flächentreue Projektion der Weltkugel mit den Meeresoberflächentemperaturen. In der Abbildung 4b werden die schematisierten Luft- und Meeresströmungen dargestellt, die Energie über die Breitengrade hinweg transportieren. Die Abbildung 4c beschreibt das Alter und die Fließrichtung der ozeanischen Tiefenströmungen.[130]

Abbildung 5: Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung[131]
3.1 Klimazonen Tirols
Vorauszuschicken ist, dass sich für das Klima keine politischen Grenzen ziehen lassen. Doch wird für ein Klima mit räumlichem Bezug, wie zum Beispiel das Klima in alpinen Regionen, vom „Kleinklima“ gesprochen. Klimabestimmende Faktoren erfordern allerdings, wie bereits ausgeführt, eine globale Betrachtung.[132]
Das Klima des alpinen Raums in Tirol und weiten Teilen Vorarlbergs besitzt aufgrund der Geländegliederung einzigartige Klimadaten und ist klimatologisch interessant, da die Sensitivität für den Klimawandel und die Klimaauswirkungen hier doppelt so stark wie im globalen Mittel ist.[133]
Tirol liegt in der gemäßigten Klimazone, und zwar im Grenzbereich zwischen atlantischem, kontinentalem und mediterranem Einfluss. Dominierend ist das inneralpine Gebirgsklima, das subkontinentale Züge aufweist. Dies bedeutet unbeständige und regenreiche Frühjahre, in denen es zu Kälteeinbrüchen kommen kann, feuchte Sommer, trockene Herbste und schneereiche Winter.[134]
Nord- und Südtirol haben unabhängig von den angeführten Klimazonen aufgrund der hohen Gebirgszüge unterschiedliche klimatische Witterungsbedingungen. Die nördlichen Kalkalpen bestehen vorwiegend aus Gebirgsketten, an denen es an der Nordseite zu größeren Mengen an Niederschlag kommt, dagegen sind die Leeseiten mild und trocken. Aufgrund der Westwindzone ist der nördliche Alpenrand am feuchtesten und schneereichsten. Inneralpine Täler weisen meist ein mildes Klima auf. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt derzeit für das oberste Oberinntal bei 600 Millimeter, für Innsbruck bei 900 Millimeter und für Reutte und Kufstein bei 1350 Millimeter. Bei den Angaben der Niederschlagsmenge wurden neue Daten verwendet. Diese können nicht auf den Untersuchungszeitraum angewendet werden. Doch die verhältnismäßige Verteilung mit dem Ergebnis, dass es im Westen wesentlich trockener als im Osten war, kann übernommen werden. Großen Einfluss auf die Temperatur hat auch die Höhenlage der Orte, die bis auf die Umgebung von Kufstein, auf über fünfhundert Metern liegt. In schmalen Tälern, wie dem Pitztal oder dem Ötztal, wird die Sonneneinstrahlung aufgrund der Gebirge stark verringert.[135]
Abbildung 6: Besonnungsdauer in Tirol für den 21. Juni[136]
Daten: tirisMaps
Vergleicht man den östlichen Teil Tirols mit dem Westen, sieht man, dass die Anzahl der Sonnenstunden hier auch in den fruchtbaren Tälern im Sommer zwölf Stunden und mehr beträgt. Speziell das Becken von Oberndorf, St. Johann bis Kirchdorf, ist bezüglich der Sonnenstunden begünstigt. Je nach Lage eines Ortes gibt es Abweichungen der astronomischen Sonnenscheindauer. Allgemein ist die Anzahl der Sonnenstunden in den Höhen größer als in den Tälern und Becken.

Abbildung 7: Besonnungsdauer in Tirol für den 21 Dezember[137]
Daten: tirisMaps
Im Winter ist der östliche Teil Tirols in den fruchtbaren Tälern ebenfalls im Vergleich mit dem Westen begünstigt. Im Becken von Oberndorf, St. Johann bis Kirchdorf sind auch im Winter sechs bis neun Sonnenstunden zu erwarten. Allerdings gibt es auch ausgedehnte Zonen, wie das Hochplateau rund um Waidring, dass keine bis sehr geringe Sonneneinstrahlung im Winter bekommt. Dies führt in schneereichen Wintern zu einer langanhaltenden Schneedecke. Somit können die landwirtschaftlichen Flächen erst später im Frühjahr genutzt werden. Eine völlig sonnenlose Zeitspanne im Winter, wie in manchen Tälern des Tiroler Oberlandes, kommt im Bezirk Kitzbühel nicht vor.[138]
Begünstigt ist speziell das Becken von Kitzbühel bezüglich der Windgeschwindigkeiten. Diese sind, aufgrund der Lage von Kitzbühel und der Quertäler zum Inntal, wesentlich geringer als am nördlichen Alpenrand und im Alpenvorland.[139]
Fliri hat in seinem Beitrag „Wetter und Klima von Kitzbühel“ zum Stadtbuch Kitzbühel die Witterung ab 1958 analysiert, denn ab diesem Jahr gab es genaue und umfangreiche Aufzeichnungen über Temperatur, Niederschläge, Sonnenstunden und Windgeschwindigkeiten in Kitzbühel. Diese Daten können nicht für den Untersuchungszeitraum dieser Arbeit übernommen werden, aber sie geben einen Einblick in die kleinräumige Wettersituation von Kitzbühel. Von besonderem Interesse sind dabei der durchschnittliche Winterbeginn und das Ende des Winters. Dadurch kann man besser beurteilen, ob es sich bei den überlieferten Aufzeichnungen um ein „normales“ oder ein von der Norm abweichendes Jahr handelt.
Das Mittel der Schneefalltage nimmt mit Zunahme der Höhe zu. Die Schneebedeckung nimmt dabei je hundert Höhenmeter im Herbst um 2,5 Tage und im Frühjahr um 3 Tage zu. Im langjährigen Mittel von 1901 bis 1965 fällt der Beginn der nicht dauerhaften Schneedecke auf den 9. November, der Beginn der dauerhaften Schneedecke auf den 8. Dezember, die dann mit 24. März endet. Das Ende von vorübergehenden Schneedecken wird mit 11. April angegeben. Mit vorübergehenden Schneedecken kann von September bis Mitte Juli gerechnet werden.[140]
3.2 Klimaveränderungen in der Zeit von 1700 bis 1914
Ab dem 18. Jahrhundert mehren sich die Quellen für Naturereignisse und das Wettergeschehen im alpinen Raum. Somit ist es möglich, für den Untersuchungszeitraum zumindest Wetterextreme und größere Naturkatastrophen nachzuvollziehen. Überschwemmungen, Murenabgänge und Lawinen werden nicht berücksichtigt, da diese Naturereignisse sehr oft vorkamen und kleinräumige Bedeutung hatten. Deshalb hatten solche Ereignisse keine Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung.[141]
Die älteste Wetterbeobachtungsstation in den Alpen war in Kitzbühel „Beim Bauern am Tauern“, nachweislich ab 1650. Von 1736 bis 1770 wurde sie an das Alpele am Wilden Hag verlegt, nach 1770 kehrte sie zurück und wurde 1814 aufgelassen. Der jeweilige dort ansässige Bauer hatte die Pflicht, bei herannahenden Unwettern das „Wödertuech“ hinauszuhängen. Dafür bekam er von der Stadt eine Entschädigungszahlung.[142]
In Innsbruck wurden von Zallinger in der Periode von 1777 bis 1828 und von Pater Prandtner ab 1825 bis 1854 tägliche Temperaturaufzeichnungen durchgeführt. Diese Temperaturaufzeichnungen müssen mit Vorbehalt angenommen werden, da andere Messbedingungen als heute üblich angewendet wurden. Neben den Temperaturaufzeichnungen wurden sowohl von Zallinger als auch von Prandtner Aufzeichnungen über Regen- und Gewittertage durchgeführt, deren Zuverlässigkeit allerdings aufgrund von Ungenauigkeit in Frage gestellt werden müssen.[143] Die Daten können für den Bezirk Kitzbühel nur als Richtwerte übernommen werden, da die Temperatur und ganz besonders die Regen- und Gewitteraufzeichnungen aufgrund der geographischen Lage und Entfernung Kitzbühels von Innsbruck abweichen. Man kann jedoch annehmen, dass extreme Hitze- oder Kältewellen sowie länger andauernde Regentage auch für Kitzbühel gelten.
Von etwa 1560 bis 1850 war das Klima von der „Kleinen Eiszeit“ geprägt. In diesem Zeitraum gingen die Durchschnittstemperaturen um 1 bis 1,5 Grad zurück, dazu kamen bis zu zehn Prozent mehr Regenfälle. Die Witterung war extrem wechselhaft, bei oft nasskalten Sommern.[144] Die Temperaturschwankungen waren in dieser Zeit stark. Dabei fiel eine der kältesten Perioden der kleinen Eiszeit zu Beginn des 18. Jahrhunderts in das Maunder-Minimum 1645 bis 1715 (nach Edward Walter Maunder), das auf die verringerte Sonnenfleckenaktivität zurückzuführen war.[145]
Zwischen 1730 und 1740 gab es in Europa eine deutliche Klimaerwärmung, die zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen führte, doch in weiterer Folge kam es wiederholte Male zu großen Klimaveränderungen. 1740 war, nach der Erwärmung, der kälteste Winter zu verzeichnen.[146] Von 1750 bis 1770 war der Beginn einer Klimaverschlechterung in den alpinen Regionen,[147] doch gab es in den späten vierziger und fünfziger Jahren warme Sommer.[148] 1769 bis 1771 erreichten die Klimaschwankungen ihren Höhepunkt und brachten lange schneereiche Winter und kurze kalte Sommer mit sich. Obere Almwiesen wurden nicht mehr schneefrei.[149]
Die achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts waren bis auf eine Ausnahme kalte Jahre, die jährlichen Durchschnittstemperaturen sanken ab.[150] Gründe dafür waren wahrscheinlich auch die Vulkanausbrüche in Island und Japan, die in diesem Zeitraum stattfanden.[151]
1783 brach der Laki in Island aus. Der Vulkan schleuderte acht Monate lang Aerosole in die Stratosphäre. Durch den Nebel, der sich über viele Teile Europas zog, kam es zu einer ungewöhnlichen Häufung von Atemwegserkrankungen. Augenzeugen berichteten, dass die Sonne nicht die Kraft hatte, den Nebel aufzulösen. In Teilen Europas, in denen der Aerosolschleier sich nicht ausgebreitet hatte, war der Sommer ungewöhnlich warm. Eine Modellsimulation zeigt, dass die Wettersituation auch in Tirol ohne Vulkanausbruch wahrscheinlich noch problematischer gewesen wäre, weil es Hitze und Trockenperioden gegeben hätte.[152] Diese Modellsimulation und die damit zusammenhängende Hitze mit Trockenperioden ist eine Mutmaßung, die nicht nachvollzogen werden kann, denn auch der warme Sommer in anderen Teilen Europas kann eine Auswirkung des Vulkanausbruchs sein.
Aufgrund der niedrigen Temperaturen, die auf diese Vulkanausbrüche zurückzuführen waren, wuchsen die Gletscher stark an und drangen in Almgebiete vor. Ein Beispiel dafür ist der Schwarzensteinkees im Zillertal, der um 20 Ar pro Jahr anstieg.[153] Markant waren im ausgehenden 18. Jahrhundert und im beginnenden 19. Jahrhundert sicher die Jahre 1780, 1800 und 1808, in denen die Sommer überdurchschnittlich warm waren, ansonsten setzte sich eine anhaltende Erwärmung erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts durch. Doch auch in dieser Zeit gab es immer wieder kalte Winter.[154]
Der Höhepunkt der „Kleinen Eiszeit“ war zwischen 1812 und 1817. Durch Umstellungen der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre kam es zu einer verstärkten Zufuhr kühlerer Luftmassen aus Nordosteuropa, was mit einem schwach entwickelten Azorenhoch in den Sommermonaten zusammenhing.[155] Diese kühle Phase wurde das „Dalton-Minimum“ (1790 bis 1830, nach John Dalton) genannt. Die Gründe dieses Abkühlungstrends lagen in einer geringeren Sonnenaktivität und einem verstärkten Vulkanismus auf der Erde.[156]
Forschungen haben gezeigt, dass Vulkanausbrüche tausende Kilometer von Tirol entfernt extreme Wetterkapriolen auslösten. Im April 1812 brach der Vulkan Sourfrière in der Karibik aus, einige Monate später der Gunung Awu auf den Philippinen, am 1. Februar 1814 der Mayon ebenfalls auf den Philippinen. Anfang April 1815 brach der Tambora auf Sumbava/Indonesien aus. Es wird angenommen, dass dies der größte Vulkanausbruch in der Neuzeit war. Staubpartikel wurden bis in eine Höhe von 60 bis 70 Kilometer geschleudert und bildeten einen „Aerosolschleier“ um den Globus.[157] Der Ausbruch des Tambora brachte 1816 neben der extremen Kälte und Nässe als Folge Hungersnöte und Epidemien.[158]
Die Zeitung Der Bote von Tyrol schrieb am 13. Juli 1816 von schweren Unwettern in Deutschland, die die Ernte vernichteten, machte aber für das eigene Land Hoffnung auf eine gute Ernte und auf eine Preissteigerung.[159]
Am 3. Juli 1817 schrieb Der Bote von Tyrol dass es nach mehreren Ernteausfällen wieder üppige Kornfelder gebe, und er gab gleichzeitig die „Warnung“, dass die Bauern trotz des herrschenden Hungers das Getreide ausreifen lassen sollen.[160] Am 2. Oktober 1817 wurde bereits über eine gute Ernte aller Gattungen Früchte gesprochen, die auch in den Gebirgstälern gut geraten waren.[161]
Eine allgemeine Wärmeperiode wurde in den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Es gab warme Sommer und milde Winter, bis auf ein abweichendes Jahr 1829, die sich günstig auf die Lebensmittelproduktion auswirkten.[162]
Von 1840 bis 1860 folgten auf langanhaltende, schneereiche Winter spät einsetzende Frühjahre und äußerst kühle Sommer. Besonders auf den Almen war die Witterung unwirtlich.[163] Ein Beispiel dafür ist, dass aufgrund der schlechten Witterung 1840 im Tuxertal der Flachs nicht mehr ausreifen konnte. Es war daneben von einer Überfülle der Bevölkerung die Rede. Die Missernten ließen die Menschen hungern, dazu kamen noch die grundherrlichen Lasten, die die Bevölkerung tragen musste.[164]
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Klima milder und das Wetter stabiler, die Gletscher gingen ab 1857 nachweislich zurück. Speziell die Zeit von 1870 bis 1890 war mild mit durchwegs guten Erträgen. Doch gab es auch in dieser Erwärmungsphase immer wieder Kälteeinbrüche, Überschwemmungen und nasse Sommer, die die Ernten missraten ließen.[165]
Für 1898 wurde im Erber Tagebuch festgehalten, dass am 25. Juni um halb fünf Uhr in Kitzbühel ein Hagelunwetter aufzog, das alles Korn vernichtete. Auch das Gras war niedergeschlagen, und alles Gemüse war vernichtet. Auf den Äckern wurde umgegraben und Rüben gesät, doch der Großteil der Ernte war verloren. Um größerem Unheil vorzubeugen, wurde am 10. Juli um schönes Wetter gebetet.[166]
In einem Querschnitt durch die Jahrhunderte werden in der Folge die Jahre mit markanten Klimabedingungen herausgehoben. Bei Sichtung der verschiedenen Quellen wie Wetteraufzeichnungen in Pfarreien oder von Bauern, wurde deutlich, dass es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit kaum ein Jahr gab, in dem nicht zumindest kleinräumige Wetterextreme die Ernte verderben ließen.
3.3 Witterungsbedingungen von 1700 bis 1914
In diesem Kapitel werden Wetterextrembeispiele für die Jahre 1700 bis 1914 aufgelistet, die den Quellen (siehe Anhang) entnommen wurden. Sie bezeichnen gute wie schlechte Jahre, denn nicht nur Hungerjahre und Katastrophen wurden von den Menschen wahrgenommen, sondern auch die günstigen und erntereichen Jahre. Diese Angaben sind aus dem heutigen Nordtirol zusammengefasst, können jedoch grundsätzlich, bis auf die Vergletscherung (im Bezirk Kitzbühel gab es aufgrund der Seehöhe keine Gletscher), für den Bezirk Kitzbühel übernommen werden, da es sich nicht um kleinräumige Unwetterkatastrophen, sondern um großräumige, für ganz Nordtirol oder sogar darüber hinaus geltende Witterungsbedingungen gehandelt hat. Lokale Unwetter, Lawinenabgänge oder Überschwemmungen, die den Bezirk Kitzbühel oder einzelne Orte im Bezirk betreffen, werden dabei hervorgehoben.
1702 kalter Sommer, Schnee im Juli
1707 Hitzesommer, Ernte und Bäume verdorrten
1709 kalt und schlechte Ernte
1710 warmer Winter mildes, warmes Jahr
1718 gutes warmes Jahr
1724/25 milde Winter, warm
1727 Oktober, Schnee in Ellmau
1729 Missernte und Hungersnot, Militärdurchzüge
1727–30 kalte Jahre, schneereich und fortschreitende Vergletscherung;
1732 Viehseuche als Folge der schlechten Witterung
1733 Kälteeinbruch, Niederschläge, Hungersnot
1739 Frühjahrstrockenheit
1740–42 frühe und lange Winter, Hungersnot
1748 nasses Jahr
1749 später Frühling
1756 ein wechselhaftes mildes Jahr
1757 Unwetter, Regen, dennoch gute Ernte
1758 gewöhnlich gutes Jahr
1759 kälteres Jahr
1760 viele Niederschläge, Muren und Hochwasser
1761 niederschlagsreich, einige Unwetter
1762 Dürre, Hitze Hungerjahr
1763 warmes, günstiges Jahr
1765 mildes gutes Jahr
1770–73 Trockenheit und Regengüsse und lange kalte Winter
1777 warmer schöner Herbst
1781 schlechtes Jahr, Ernte verdarb
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- Birgit Obwaller (Autor:in), 2025, Die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Kitzbühel von 1700 bis 1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659291
